Blindschleichen lieben Gummimatten

Blindschleiche

Teichfolie wird rechteckig geliefert. Das ist selten die Form, die man für seinen Gartenteich geplant hat, also sind mir beim Anlegen des Teichs kleine Stücke Kautschukmatte übriggeblieben, die ich seit Jahren für die verschiedensten Zwecke verwende. Man kann zum Beispiel hartnäckiges Unkraut im Gemüsebeet damit abdecken. Dann sieht man es für einige Zeit nicht, denn die Folie ist blickdicht.

Schön sind diese Folienreste nicht, die bei uns in der Ecke im Garten rumliegen, aber darunter ist es warm, und das zieht vor allem im Frühjahr die Blindschleichen an. Wir haben seit längerem eine kleine, aber feine und stabile Population dieser Tiere in unserem Garten. Jedes Jahr gibt es mehrere Sichtungen – nur nicht von mir.

Es kann zum Beispiel passieren, dass unsere Nachbarin auf Besuch kommt und anmerkt, dass sie gerade am Gartentor eine Blindschleiche verschwinden gesehen hat – mit der Betonung auf „verschwinden“. Mrs. Columbo ist sowieso ein ganz großer Fan der beinlosen Eidechsen. Sie braucht nur einen Stein umzudrehen oder im Frühling den Reisigschutz von den Rosen wegzuräumen, schon begegnet ihr eine Blindschleiche, die dann selbstredend rechtzeitig verschwindet, bevor ich mit der Kamera anrücke.

Blindschleiche

Gestern war es aber auch bei mir so weit: Beim Auftragen von Kompost fürs Gemüse wollte ich eine Gummimatte umlegen, und da war sie, die erste Blindschleiche, die ich fotografieren durfte. Selbstverständlich habe ich sie anschließend wieder warm zugedeckt. Der Kürbis muss dieses Jahr woanders hin.

Blindschleiche

Es lohnt sich jedenfalls, in einer sonnigen, unauffälligen Ecke des Gartens ein paar schwarze Folienstücke aufzulegen. Blindschleichen nehmen diese Verstecke gern an. Ich weiß, dass nicht jeder ein Fan der Beinlosen ist, aber sie zeigen sich sowieso nur selten. Wie Heinzelmännchen agieren sie im Verborgenen und vernichten die eine oder andere Schnecke.

Blindschleiche

Köcherfliegenlarven in Teich und Garten

Köcherfliegenlarve

Dass man bei folgenden Fotos auf den ersten Blick den Eindruck hat, es gäbe eigentlich kein Tier zu sehen, ist Absicht, wenn auch nicht meine.

Bei dem Insekt, das sich hier vor seiner Umwelt verbirgt und dementsprechend schwer zu fotografieren ist, handelt es sich um eine Köcherfliegenlarve, wahrscheinlich ein Exemplar von Limnephilus rhombicus, aber das Bestimmen von Köcherfliegen ist eher Kaffeesudleserei. In Mitteleuropa gibt es 400 verschiedene Arten, von denen Bellmanns Kosmos-Insektenführer 23 Vertreter verzeichnet, die alle auf Deutsch bloß Köcherfliege heißen.

Die fertigen Insekten leben nur kurz, und von den Larven sieht man fast nichts, weil sie ihren Körper in einer kunstvollen Hülle verbergen. Jede Art verwendet andere Materialien – Blätter, Stängel, Steinchen oder auch Schneckenschalen – und der Bauplan wird an das vorhandene Materialangebot angepasst, so dass das Ergebnis bei derselben Art unterschiedlich aussehen kann.

Um Algen, Moose und andere Pflanzenteile abweiden zu können, müssen sich die Tiere natürlich bewegen, und so kann man sie dann doch entdecken. Vor zwei Jahren fielen mir im Teich zahlreiche Exemplare der Großen Teichköcherfliege Phryganea grandis auf, die ich damals hier im Blog gezeigt habe:

Es gibt auch Arten, die eine flauschigere Form bevorzugen. Man erkennt sie im trüben Teichwasser wirklich nur, weil sie alle die gleichen ruckartigen Bewegungen vollführen, wenn sie ihren Köcher auf der Suche nach Nahrung vorwärtsziehen.

Am meisten staunte ich aber über folgendes Tierchen, das ich letztes Jahr im Mai auf einem bemoosten Stein entdeckte und bei dem es sich vielleicht um eine Enoicycla handelt. Reflexartig wollte ich das Tier in den Teich tragen, aber es gibt auch Arten, die ihre Larvenzeit an Land verbringen. Sie unterscheiden sich von den Wasserbewohnern dadurch, dass man sie noch viel leichter übersieht.

Der Köcher wird durch Spinnfäden zusammengehalten und besteht beim letzten Exemplar aus Blattresten, Steinchen und den längsgerichteten Stöckchen, die auf dem Rücken montiert sind. Diese Stängel können bei einzelnen Arten länger sein als das ganze Tier und machen ein Verschlucken der gesamten Konstruktion fast unmöglich. Eine wirklich erstaunliche Bastelleistung.

Rangordnung

Rotkehlchen

Neulich saß ich nach getaner Gartenarbeit noch ein bisschen in der Dämmerung und beobachtete einen Schatten an den Meisenknödeln. Auf die Distanz sind meine Augen nicht mehr so gut, aber das Teleobjektiv versicherte mir nicht nur, dass es wirklich das Rotkehlchen war, es zeigte mir auch, dass man nach Sonnenuntergang noch halbwegs passable Fotos machen kann. Das Licht ist weich und hat um diese Zeit einen höheren Rotanteil, das bringt das Brustgefieder gut zur Geltung.

Die meiste Zeit musste ich allerdings die Blaumeise fotografieren, denn die Gartenvögel haben eine klare Rangordnung: Kommt die Blaumeise vorbei, macht das Rotkehlchen höflich Platz, und zeigt sich auch nur ein Feldspatz, haben alle anderen sowieso Pause.

Leider stößt die Fotografie in der Abenddämmerung schnell an ihre technischen Grenzen, und die Blaumeise sah aus wie auf dem nächsten Bild.

Blaumeise

Das kann man so natürlich nicht zeigen, also musste das Setting am nächsten Tag wiederholt werden. Gute, geplante Fotos brauchen aber viel mehr an Arbeitsaufwand. Die mache ich mit Fernauslöser. Dann kann man auch gleich das kürzere Objektiv nehmen und die Kamera mit Stativ zwei Meter danebenstellen. Ist aber eigentlich ziemlich mühsam für ein Foto von einer Blaumeise.

Das sah der Vogel ähnlich. Ich hatte die Kamera noch nicht ordentlich festgeschraubt, da meldete er sich auch schon aus der Baumkrone über mir. Zwei Minuten später hatte ich meine Fotos. Ohne Fernauslöser und aus kurzer Entfernung. Die Sonne war noch nicht untergegangen, aber Blaumeisen wollen anscheinend ins Rampenlicht.

Blaumeise

Es gibt auch beim Fotografieren eine Rangordnung unter den Singvögeln. Die einen sind scheu und zeigen sich in der Dämmerung. Die anderen wollen einfach ins Bild und das bei strahlendem Sonnenschein.

Saisonauftakt

Erdkrötenpaarung

Die Eröffnung der Amphibienbadeanstaltssaison ist fast so kompliziert wie das Wort lang ist. Normalerweise entgeht mir der Auftakt. Ich sehe immer nur einen ersten Laichballen der Grasfrösche. Die Tiere selbst bleiben unentdeckt.

Nicht so dieses Jahr. Vor einer Woche war der Teich noch zugefroren, doch dann ging alles schnell. Eine kräftige Westströmung brachte deutlich wärmeres Wetter und gleichzeitig leichten Regen. Das sind ideale Bedingungen für unsere Frühlaicher, und sie haben mich nicht enttäuscht.

So sehen sie also aus, die ersten abendlichen Badegäste und ihr Laich, der am nächsten Morgen im Teich schwimmt. Am selben Tag habe ich auch die ersten Erdkröten entdeckt. Man liest in der Fachliteratur viel über den gestaffelten Beginn der Laichsaison: Die Braunfrosche kommen zuerst, zwei bis drei Wochen später die Erdkröten.

Tatsächlich kommen bei uns Springfrösche, Grasfrösche und Erdkröten gleichzeitig. Bei den Erdkröten dauert die Paarung nur etwas länger. Während die Frösche alles in einer Nacht erledigen, klammern die Kröten bis zu einer Woche.

Das Erdkrötenpärchen auf dem letzten Foto wirkt noch nicht ganz munter. Wenn man bedenkt, dass sie gerade erst aufgestanden sind und davor fünf Monate geschlafen haben, kann man aber verstehen, dass sie noch nicht mit voller Leidenschaft bei der Sache sind. Dafür steht ihnen jetzt ein langer Sommer bevor, um frische Kraft zu tanken. Der Winter ist vorbei, und was aussieht wie ein Anflug von Schnee, sind nur noch die Samen des letzten Rohrkolbens.

Wie Zucchini keimen

Zucchinipflanze

Früher hatte ich oft das Problem, dass meine Zucchini- und Kürbissamen nicht aufgehen. Meist habe ich dann im späteren Verlauf des Frühjahrs vorgezogene Pflanzen aus der Gärtnerei gekauft. Seit ich meine Anzuchtschalen auf den Kachelofen stelle, wachsen aus fast allen Kernen Keimlinge.

Zucchinipflanze

Zucchini sind Wärmekeimer. Da wir unsere Zimmer nicht überheizen, ist es ihnen am Fenterbrett oft zu kalt. Licht brauchen sie aber erst später.

Auf dem Kachelofen gehen die Samen oft über Nacht auf. Wichtig ist nur, dass die Erde nicht austrocknet. Zu warm sollte es auch nicht sein. Man kann unseren Ofen angreifen, ohne sich zu verbrennen. Das Keimen geht relativ schnell. Oft reicht ein Tag oder zwei in der Wärme, und anschließend kommen die Schalen gleich ans Fenster und ins Licht.