Grünes Heupferd im Juni

Grünes Heupferd

Die vorliegenden Fotos sind von gestern, dem 19. Juni. Wenn man bedenkt, dass bei uns bis Anfang März Schnee lag, dann hat dieses Weibchen in seiner Entwicklung den Turbo gezündet.

Der Grund wird wohl nicht nur an den klimatischen Veränderungen liegen, sondern auch daran, dass das Nahrungsangebot reichlich war. Ich sehe so viele Insekten wie selten und auch die Vegetation sprießt kräftig. Jedenfalls sollte man nicht alles glauben, was in der Wikipedia steht: „Mitte Juli treten die Larven des siebten Stadiums auf, danach bis Ende Oktober/Anfang November die adulten Heupferde.“ Hoffentlich findet sich bis dahin ein Männchen, das es genauso eilig hatte.

Libellen am Teich

Blaugrüne Mosaikjungfer Männchen

Zeitlich stammen die Fotos dieses Beitrags aus fünf verschiedenen Jahrgängen, räumlich sind es knapp 50 Quadratmeter. Alles, was es hier zu sehen gibt, habe ich an unserem Gartenteich aufgenommen – beziehungsweise in der Hecke nebenan. Und keine der abgebildeten Libellen hätte auch nur einen Fuß in unseren Garten gesetzt, wäre da nicht der Teich, der sie magisch anzieht.

Gemeine Winterlibelle

Die Gemeine Winterlibelle stelle ich an den Anfang. Sie ist die einzige, die als fertiges Insekt den Winter überdauert, folglich ist sie im Frühjahr auch die erste, die ablaicht, und sie sorgt dafür, dass die Libellensaison nicht nur auf den Sommer begrenzt ist.

Die anderen Libellen überwintern als Larven – bis auf eine, und das ist diese hier:

Als ich das erste Exemplar erblickte, habe ich mich über die neue Art gefreut und dachte, die wird leicht zu bestimmen sein. Meine Suche nach einer Libellenart mit einem Knick im Hinterleib ergab aber keinen Treffer. Das Tier auf dem zweiten Bild hat einen Schlupffehler, eine Missbildung. Die Weidenjungfer, mit geradem Abdomen, ist aber ein regelmäßiger Gast. Sie bohrt ihre Eier in die Rinde der umliegenden Büsche. Dort überstehen diese den Winter und fallen im Frühjahr als Prolarve ins Wasser, wo sie sich anschließend zur Larve häuten.

An vielen Gewässern verbreitet ist der Plattbauch. Das erste Foto zeigt ein blaues Männchen, das zweite ein gelbes Weibchen bei der Eiablage. Die Eier wirft sie einfach aus dem Schwirrflug ins Wasser. Sollte ich jemals eine Paarung dieser beiden auf Foto bannen können, mache ich zur Feier des Tages eine Flasche auf. Die setzen sich nämlich nicht einmal hin und sind nach einer halben Minute fertig. Alles passiert im Flug.

Ein naher Verwandter ist der Vierfleck. Frisch geschlüpft sind diese Libellen unscheinbar, aber wenn sie an den Teich zurückkommen, sind sie ein echter Hingucker, vor allem wenn die Sonne im richtigen Winkel auf den glänzenden Körper fällt.

Vierfleck

Eine andere, seltenere Segellibelle ist der Südliche Blaupfeil. Vereinzelte Exemplare sehe ich jedes Jahr am Teich. Manchmal vermehren sie sich auch.

Ebenfalls zu den Segellibellen zählt die sehr häufige Große Heidelibelle. Ihr gehört der Herbst. Bis in den Oktober nützt sie die warmen Tage, um sich am Teich zu paaren. Wenigstens setzt sie sich dabei kurz hin, und lässt sich so fotografieren.

Auch hier gibt es seltenere Verwandte, die nur vereinzelt erscheinen, wie diese Blutrote Heidelibelle, die ich 2019 entdeckte.

Libellen, die hingegen jeder zu kennen glaubt, sind die kleinen Azurjungfern. Im Sommer stellen sie sich in großer Zahl bei uns ein, die Männchen himmelblau, die Weibchen meist grün. Tatsächlich gibt es diese Farbkombination bei verschiedenen Arten, die man nur an kleinen Details unterscheiden kann.

Links paaren sich zwei Hufeisen-Azurjungfern, rechts sieht man eine Gemeine Becherjungfer. Auf dem ersten Segment des Hinterleibs trägt sie einen kleinen schwarzen Becher, wie man auf dem Foto erkennen kann. Das Männchen der Hufeisen-Azurjungfer hat dort eine u-förmige Zeichnung, die in etwa wie ein Hufeisen aussieht.

Ebenfalls zu den Kleinlibellen zählen die Frühe Adonislibelle, die so heißt, weil sie rot ist wie das Blut des Adonis und schon zeitig im Frühjahr schlüpft, und die Blauflügel-Prachtlibelle.

Das erste Foto zeigt ein Männchen, das zweite ein Weibchen. Die Prachtlibellen sind oft am Teich zu Gast, obwohl sie ausschließlich in fließenden Gewässern laichen.

Und dann gibt es da natürlich auch noch die großen, man nennt sie Edellibellen. Am häufigsten sind es bei uns die Blaugrünen Mosaikjungfern. Im Sommer ist immer ein Männchen am Teich und verteidigt das Revier gegen ankommende Artgenossen.

Das Männchen, auf dem ersten Bild zu sehen, ist wirklich blaugrün, wie der Name sagt, das Weibchen eher nur grün.

Kaum kleiner ist die Große Königslibelle, deren Weibchen man oft beobachten kann, wie sie die Eier in Pflanzenteile unter Wasser bohren, während die Männchen selten am Teich auftauchen.

Die Larven dieser Edellibellen sind die eigentlichen Herrscher unseres Teichs. Wie kleine Kopien der Alien-Figur von HR Giger sitzen sie im Wasser und warten auf Beute.

Für Freunde des gepflegten Horrors empfiehlt sich ein genauerer Blick auf das letzte Bild. Im Profil kann man die Fangmaske erkennen, eine umgebildete Unterlippe, mit der die Libellenlarve ihre Beute greifen und heranziehen kann. Die kleinen Monster fressen quasi alles, was ihnen vor die Maske schwimmt.

Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass diese Larven sich bei ihrer letzten Häutung in so schöne Kreaturen verwandeln wie diese Glänzende Smaragdlibelle, ein Neuzugang, der mir vor zwei Wochen zum ersten Mal begegnet ist. Und auch dieses Bild ist in der gleichen Ecke des Gartens aufgenommen wie die anderen. Irgendwann müssen die Libellen halt alle ans Wasser.

Glänzende Smaragdlibelle

Der Weidenbohrer

Weidenbohrer

Wer Weiden hat, hat auch den Bohrer. Umgekehrt ist es nicht immer so. Ich kenne Gartenbesitzer, die keine Weiden mehr haben, weil sie dem Weidenbohrer zum Opfer gefallen sind. Der große, weit verbreitete Nachtfalter ist allerdings harmlos. Er hat nur einen verkümmerten Saugrüssel und tut folglich niemandem was.

Seine Raupe ist der Schädling. Sie überwintert mehrmals und erreicht beeindruckende Maximallängen bis zu zehn Zentimeter. Unsere Salweide, die dieses Jahr zum ersten Mal geblüht hat, ist ihr allerdings zu klein. Bevorzugt frisst sie sich durch ältere, geschwächte Bäume. Was ich hier im Garten fotografiert habe, wird also wohl der Weidenbohrer der Nachbarn gewesen sein, wobei Nomen hier nicht Omen ist: Der Falter befällt auch andere Laubbäume.

Erste Ausblicke

Junge Blaumeise

Ein paar Tage noch, dann hat der kleine Nistkasten für die Blaumeisen wieder einmal seine Aufgabe erfüllt. Der eine oder andere Jungvogel wagt schon einen Blick ins Freie und wird am Einflugloch gefüttert. Sobald er satt ist, gibt er den Eingang wieder frei, und die Elternvögel können auch seine Geschwister versorgen.

Diese Übergangsphase währt nur kurz. Im Laufe der Woche wird sich der Nistkasten leeren, und die Jungvögel werden in den umliegenden Bäumen und Sträuchern weiter gefüttert. Nahrung, bevorzugt Raupen, ist genug vorhanden, und wie jedes Jahr spult das Blaumeisenpärchen routiniert sein Frühjahrsprogramm ab. Nur wenn eine Katze aufs Dach klettert, entfährt ihnen ein aufgeregtes: „Da-rt-t-t!“ Aber wirklich Sorgen brauchen sie sich nicht zu machen, dieser Nistkasten hängt sicher und hoch genug.

Der erste Faden im Spinnennetz

Streckerspinne im Netz

Freunde der Arachnophobie kann ich beruhigen: Der Wikipedia-Beitrag zur Riesenkreuzspinne vermerkt, dass diese Art nur in Süd- und Südosteuropa vorkommt. In Kärnten gibt es zwei Inselpopulationen in den Gailtaler Alpen und in den Karawanken in trockenwarmer Lage auf mittlerer Höhe.

2019 hatten wir ein Exemplar in unserem Garten. Das Tier hat vergleichsweise kurze Füße, aber der Hinterleib ist deutlich größer als bei anderen europäischen Spinnen. Wirklich beeindruckend ist aber ihr Netz.

Es ist immer schwierig, räumliche Anordnungen und Dimensionen auf Fotos korrekt wiederzugeben, aber das Netz der Riesenkreuzspinne misst ungefähr einen Meter im Durchmesser, und selbst mit einer Körpergröße von einem Meter 80 muss man den Kopf in den Nacken legen, wenn man es betrachten möchte. Der oberste Querfaden verbindet Bäume, die drei bis vier Meter auseinander stehen, und wenn es beschädigt wird, baut die Spinne über Nacht an einer anderen Stelle ein neues Rad.

Wie sie den ersten Faden über die lange Distanz gespannt hat, konnte ich leider nicht beobachten, aber aus der Sendung mit der Maus weiß man, wie die Tropische Seidenspinne das macht. Sie klettert auf der einen Seite hoch, heftet den Faden fest und schleppt ihn dann unten herum auf die andere Seite. Schwer vorstellbar, dass unsere Spinne mit dieser Methode erfolgreich war. Unter dem Netz wachsen die Himbeeren, und in denen hätte sie sich wohl hilflos verfangen.

Die Streckerspinne auf den nächsten Bildern hat ihr Netz gleich direkt über dem Wasser errichtet, fast einen Meter vom Teichufer entfernt, und sie kann nicht übers Wasser laufen wie die Dunkle Wolfsspinne.

Es muss also noch eine andere Methode geben. Im Gegensatz zur Tropischen Seidenspinne läuft hier nicht die Spinne auf die andere Seite mit dem Faden im Schlepptau, sondern der Faden wird zuerst in den Wind gesponnen, bis er sich auf der anderen Seite verfängt. Die Spinne läuft dann hinterher und verstärkt den dünnen Erstfaden mit zusätzlichen Fasern. Auf BBC Earth kann man sich ansehen, wie eine kleine Spinne in Madagaskar ihr Netz sogar über einen 25 Meter breiten Fluss spannt.

Von der Gartenkreuzspinne gibt es Berichte, dass sie sich ebenfalls auf den Wind verlässt, um ihren Faden auf die andere Seite zu bekommen, und so wird es wohl auch unsere Riesenkreuzspinne gemacht haben. Viel Wind braucht sie dafür gar nicht. Es reicht, wenn sie zunächst einen höheren Punkt wählt, den Faden schräg nach unten über den Zwischenraum gleiten lässt und dann auf die selbe Ebene hinunter klettert, bevor sie auf ihrer Seite die Verankerung vornimmt. In jedem Fall ist dafür ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen notwendig, um den vorprogrammierten Bauplan an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.