Eine Italienerin am Fenster

Alpen-Kammmolch, Weibchen

Unser Kellerfenster übt auf Amphibien eine starke Anziehungskraft aus. Vor allem die Molche suchen hier im Herbst nach einem warmen Platz zum Überwintern. Leider zwängen sich ein paar kleinere Exemplare immer wieder durch die Lüftungsschlitze, und im Keller ist es für sie zu warm und zu trocken. Also wird regelmäßig kontrolliert.

Am Sonntag in der Früh wurde ich fündig. Ein Alpen-Kammmolch saß vor dem Kellerfenster und wollte weggebracht werden. Die Art heißt auch Italienischer Kammmolch, und die jungen Weibchen haben oft eine auffällige, gelbe Rückenlinie.

In Deutschland galt die Art früher als stark gefährdet. Mittlerweile ist sie von der Roten Liste wieder verschwunden. Nicht, weil sie sich so gut vermehrt hat, sondern weil man nach neuester Einschätzung der Meinung ist, dass sie so hoch im Norden nie heimisch war. In Südkärnten sind die Tiere hingegen häufig. Ich sehe die Larven immer im Gartenteich. An Land sind mir diese Meister des Versteckens bislang aber noch nicht begegnet. Kaum habe ich mich zwei Minuten weggedreht, um zu schauen, ob die ersten Fotos was geworden sind, da war sie auch schon wieder verschwunden, die kleine Italienerin.

Erdkrötenpaarung im August

Erdkrötenpaarung im August

Der 15. August war dieses Jahr ein Samstag. In der Früh habe ich Fadenalgen und Pflanzen aus dem Teich entfernt. Das mache ich selten, weil man immer jede Menge Getier erwischt, wenn man das Grünzeug rauszieht, aber gegen Ende des Sommers ist vergleichsweise wenig los, und dann geht das.

Plötzlich habe ich eine Erdkröte zwischen den Fingern. Ich zucke zurück, weil solche Funde oft tot sind, und das ist eklig, aber diese hier lebt noch und hat ein Männchen im Rücken sitzen. Zumindest kommt es mir so vor, aber bevor ich mir die zwei genauer ansehen kann, sind sie auch schon abgetaucht.

Am Nachmittag habe ich Brombeeren geerntet. Ich mache das vom Schlauchboot aus, weil die Ranken mittlerweile so weit übers Wasser ragen, dass man anders nicht rankommt. Und da sind sie wieder, die Erdkröten. Vielleicht ist es auch ein anderes Pärchen. Ich hole mir schnell das Tablet, und diesmal gehen sich ein paar Fotos aus, aus kürzester Distanz. Auf dem einen sieht man noch eine Brombeere im Wasser schwimmen, die Blätter sind von der Seekanne. Der Sommer geht zu Ende, und die Kröten tun so, als wäre März.

Ich suche im Netz nach einer Erklärung, finde aber nichts. Warum machen die das? Probesitzen? War ihnen die Hauptsaison zu überlaufen? Das Wasser im Frühling zu kalt? Oder machen die das – ich traue mich gar nicht, es zu formulieren – einfach nur so zum Spaß?

Nach über einer Woche kann ich sagen: Abgelaicht haben sie nicht. Sie haben quasi aufgepasst, dass der Storch nicht kommt. Aber wirklich schlau werde ich aus diesem Verhalten nicht. Ich habe schon letztes Jahr Ende Juli eine männliche Erdkröte im Teich fotografiert. Und Paarungsrufe habe ich diesen Sommer auch vereinzelt gehört. Kann sein, dass die das öfter machen? Im Frühjahr zur Arterhaltung und im Sommer, weil einmal im Jahr selbst einer Kröte nicht reicht? So ein Lurch hat halt auch seine Gefühle!

Fische mit Füßen

Molchlarve

Die übliche Besucherfrage zum Gartenteich lautet: Sind da auch Fische drin? Die richtige Antwort müsste lauten: Nur im Sommer, und sie haben Füße.

Molchlarven sind wunderliche Zwischenwesen. Im Gegensatz zu den Kaulquappen bekommt man ihre Anfangsphase nicht mit. Die meisten Molche betreiben Brutpflege und versorgen ihren Nachwuchs versteckt am Teichgrund. Erst ab Juni, wenn die erwachsenen Tiere den Teich verlassen haben, sind die Jungen plötzlich überall. Dieses Jahr sind es besonders viele, und es gibt sie in allen Größen von zwei bis sechs Zentimeter.

Die kleineren bewegen sich gern mit vorsichtigen Schritten über den Boden. Sie möchten weder gefressen noch von ihrer Beute frühzeitig entdeckt werden. Mit zunehmender Größe werden sie dann dreister und schwimmen frei schwebend durchs Wasser. Die ökologische Nische der Fische besetzen sie dabei problemlos: Sie sind nicht nur genauso gefräßig, sondern auch schnelle und geschickte Schwimmer.

Als Zwischenwesen mit Ruderschwanz und Füßen wirken sie halbfertig. Stammesgeschichtlich gesehen sind sie aber die erste Weiterentwicklung der Fische auf dem Weg aus dem Wasser. Die Füße sind quasi ein zusätzliches Gadget, und so können sie beides: Schwimmen wie ein Fisch und später schreiten an Land. Nur springen können sie nicht. Das bleibt den Fröschen und Kröten vorbehalten, die dafür aber den Schwanz ablegen mussten.

Am wunderlichsten wirken für mich immer diese hellrot leuchtenden Außenkiemen. Jeder Fisch hat da einen Kiemendeckel drüber. Bei den Amphibien konnte die Evolution sich anscheinend nicht ganz entscheiden, ob sie in zusätzliche Schutzmaßnahmen investieren soll. Schließlich sind die Kiemen ja nur vorübergehend und verschwinden bei den erwachsenen Tieren wieder. Die Kaulquappen der Froschlurche haben in den ersten Tagen auch Außenkiemen, später befinden sich diese aber hinter einer Abdeckung, wie man auf den folgenden Fotos von Grasfroschlarven sehen kann:

Bei den Molchlarven bleiben die Kiemen immer sichtbar. Wahrscheinlich sind diese vom Blut geröteten Büschel gar nicht so lebenswichtig, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat. Molche atmen auch über verschiedene andere Organe wie Haut und Rachenhöhle. Die artenreichste, hauptsächlich in Amerika beheimatete Gruppe der Schwanzlurche heißt nicht nur „Lungenlose Salamander“. Ein entsprechendes Atmungsorgan sucht man bei diesen Tieren vergeblich.

Beengter Wohnraum

Französische Feldwespe

Seit Jahren nisten die Französischen Feldwespen bei uns unter der Abdeckkappe des Flüssiggastanks. Die Kappe aus dickem Stahlblech hat einen Durchmesser von 35 Zentimetern, und die Feldwespen beginnen eigentlich immer an der gleichen Stelle mit dem Nestbau. Im April sind es nur ein paar Waben, die von der Decke hängen, und bis zum Sommer wächst sich der Bau dann zu einer knapp zehn Zentimeter großen Konstruktion aus, die die Form einer flachgedrückten Kugel hat.

Dieses Jahr musste der Tank frisch gestrichen werden, und ich habe mich schon gefragt, was ich jetzt mit den Wespen machen soll, aber die Tiere denken ja mit und ließen den gewohnten Nistplatz im Frühjahr aus. Französische Feldwespen sind recht wärmeliebend, und ich vermute, die kühle Witterung zu Beginn der Saison hat den Stellungswechsel bedingt.

Der neue Nistplatz liegt im Inneren eines Zaunstehers, was insofern erstaunlich ist, als dieser einen Außendurchmesser von kaum vier Zentimetern hat. Die genaue Form der Konstruktion kann man leider nicht erkennen, aber der Hohlraum zwingt zu einer vertikalen Anordnung, und mir kommt vor, dass die Kolonie nicht so groß ist wie in den Jahren zuvor.

Es ist interessant, wie anpassungsfähig diese Insekten sind. Nur daran, dass auch der Zaunsteher zu Mittag in der prallen Sonne liegt, hat sich nichts geändert, denn Französische Feldwespen haben es halt in erster Linie gern warm.

Ohne Genitaluntersuchung

Wachtelweizen-Scheckenfalter

Wachtelweizen-Scheckenfalter ist ein sehr lustiger Name für einen Schmetterling. Das liegt am K: „Words with a K in it are funny. […] Alka-Seltzer is funny. Chicken is funny. All with a K. Ls are not funny, Ms are not funny“, wie Walter Matthau in The Sunshine Boys erklärt.

Es könnte übrigens auch ein Ehrenpreis- oder Baldrian-Scheckenfalter sein. Laut Wikipedia kann man den Unterschied nur mittels Genitaluntersuchung sicher feststellen. Würde ich aber nie machen. Ich verlasse mich auf mein Gehör, und Wachtelweizen-Scheckenfalter kling einfach mit Abstand am besten, während Genitaluntersuchung ein absolut hässliches Wort ist, das man aus dem deutschen Sprachgebrauch lieber verbannen sollte. Es ist nicht einmal lustig. Liegt am L. „Ls are not funny“, wie wir ja bereits wissen.