Zunehmend löchrig

Feldgrille

Unsere Feldgrillen habe ich letztes Jahr Mitte April schon einmal in einem Beitrag gezeigt. Dieses Jahr sind sie früher dran und ihre Zahl hat sich deutlich erhöht. Die Löcher sind noch dichter beisammen. Wir haben einen Abschnitt im Garten, da ist die Wiese in Meterabstand perforiert ist. Mir kommt auch vor, die nächste Generation recyclet einfach die Gänge vom letzten Jahr. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass hier schon so viel Betrieb ist. Vor knapp drei Wochen war der Boden noch gefroren.

FeldgrilleMittlerweile genießen die Männchen das schöne Wetter. Sie sitzen vor der Höhle und wärmen ihre schwarzen Körper in der Sonne. Dafür müssen sie eigentlich relativ weit auf den kahlgefressenen Vorplatz hinaus, denn die Öffnung ihres Verstecks richtet sich fast immer nach Norden und der Eingang selbst liegt im Schatten.

Fortpflanzungsstress haben die Tiere noch keinen. Man sieht sie nämlich, aber man hört sie nicht. Mit zunehmenden Temperaturen wird sich das umkehren. Sobald das Gras nachwächst, sind die kahlen Stellen kaum noch zu erkennen. Dafür hört man die Tiere dann umso besser, wenn sie mit ihrem Zirpen die Weibchen anlocken. Die Nächte sind dann gleichermaßen lau und laut.

Feldgrille
Diese Aufnahme vom August letzten Jahres zeigt meiner Meinung nach ein Tier, das sich noch einmal Häuten wird. Das fertige Insekt hat dann Flügelansätze am Rücken. Fliegen kann es damit aber auch nicht.

Wie Kröten sterben

Kröten im Netz

Vielleicht hat sich der eine oder andere unter den geneigten Lesern schon einmal Gedanken über den perfekten Tod gemacht. Wer dabei an einen Abgang während einer Ménage-à-trois denkt, von dem man nicht wirklich etwas mitbekommt, weil einem wegen hormonell bedingter Bewusstseinstrübung immer noch ein seliges Lächeln auf den Lippen liegt, dem empfiehlt sich eine Wiedergeburt als Erdkröte.

Erdkröten zu drittDie Umklammerung auf dem Bild links mag irrtümlich an ein zärtliches Gruppenkuscheln erinnern, hat damit aber gar nichts zu tun. Es ist ein beinharter Kampf um Leben und Tod. Was ich hier aus dem Teich gefischt habe, war ein Knäuel von mindestens vier Erdkröten. Ein Männchen hat gleich zu Beginn wieder losgelassen und ist weggeschwommen, aber die beiden anderen hielten sich noch ungefähr eine Viertelstunde regungslos an ihrer Angebeteten fest.

Das vordere Männchen hob kurz nach der Bergung ganz langsam den Brustkorb, anscheinend um tief Luft zu holen. Es war das schwächste Tier von den dreien und kaum noch bei Bewusstsein. Das zweite Männchen schien stärker und auch etwas größer, trotzdem ließ es nach einiger Zeit los und sprang wieder ins Wasser.

KrötenpärchenKurze Zeit später hüpfte auch das Weibchen wieder in den Teich und schwamm mit ihrem ursprünglichen Partner davon. Diesmal ist noch alles gut gegangen, aber die Zukunftsaussichten sind schlecht. Nach der Paarungszeit durchsuche ich den Teich jedes Jahr gründlich und entferne die verendeten Kröten.

Es kommt nicht nur darauf an, dass das Weibchen gesund und kräftig ist, auch das Männchen muss über ausreichende Kondition verfügen. Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, am Ende den Laich zu befruchten, es muss auch aufdringliche Rivalen mit den Hinterbeinen in Schach halten. Sobald ein zweites Männchen die Möglichkeit hat, sich festzuklammern, folgt bald ein drittes, und dann ist das Weibchen sehr schnell bewegungsunfähig und dem Untergang geweiht.

In den ersten Jahren, wenn die Zahl der eintreffenden Kröten gering ist, besteht diese Gefahr nicht. Im Moment warten in unserem Teich aber mehr als zehn Männchen auf das nächste Weibchen. Dann kommt es darauf an, dass sie eines der kräftigeren Männchen erwischt, denn die gesamte Prozedur dauert eine Woche, und eine Unachtsamkeit kann gefährlich werden.

Erdkröten zu drittManchmal liest man, ein gut untergliederter Uferbereich würde helfen, damit nicht alle Männchen gleichzeitig beim Weibchen einlangen. Die eigentliche Gefahr droht meiner Meinung nach aber erst später. Das Foto links stammt vom Vortag. Das Krötenpärchen wird von einem unruhigen Männchen bedrängt, das sich Chancen ausrechnet, seinen schwächelnden Konkurrenten zu beerben. Um das zu verhindern, könnte ich maximal überzählige Männchen abfischen und in einem Aquarium verwahren, bis ein Platz frei wird oder die Paarungszeit vorbei ist.

Im Grunde genommen hieße das aber, in die natürliche Selektion einzugreifen. Das System der Erdkröten garantiert nämlich, dass sich nur kräftige Weibchen und ebensolche Männchen vermehren. Im Gegensatz zu den meisten heimischen Fröschen, die mit maximal 500 Eiern pro Gelege das Auslangen finden, laicht ein Erdkrötenweibchen in zwei Doppelschnüren bis zu zehnmal so viele Eier ab. Da braucht es nicht so viele erfolgreiche Pärchen, um den Erhalt der Art zu sichern, und der Teich könnte eine so große Menge an Kaulquappen wahrscheinlich auch gar nicht ernähren.

Im Sinne der Natur hat also alles seine Richtigkeit. Es ist auch beeindruckend zu sehen, wie das Weibchen, das vor kurzem noch um sein Leben gerungen hat, todesmutig wieder in die Fluten springt, um das riskante Fortpflanzungswerk vielleicht doch noch zu einem guten Ende zu bringen. Eine andere Chance hat sie auch nicht. Fünftausend Eier kann sie nicht einfach den Rest des Jahres mit sich herumschleppen. Da würde sie schnell an Laichverhärtung sterben. Sie muss ihr Geschäft zu Ende bringen, koste es, was es wolle, notfalls auch das Leben.

 

Frühschwimmer

Erdkröte

Irgendwie sind dieses Jahr auch die Erdkröten früher dran. Letztes Jahr hätten sie Mitte März auch noch nicht in den Teich gekonnt, der war zu diesem Zeitpunkt nämlich fest zugefroren. Dafür ging dann alles schnell, im April stiegen die Temperaturen kräftig und die Kröten hatten bei der Paarung ziemlichen Stress. Den Weibchen bekommt diese Belastung unmittelbar nach der Winterpause schlecht, die schwächeren überleben dann die Paarung nicht.

Erdkröte Paarung

Dieses Jahr wirk alles viel entspannter. Untertags merkt man die Massenansammlung im Teich kaum. Die Kröten sitzen die meiste Zeit unter Wasser, nur hie und da tauchen sie auf, um Luft zu holen, und nur wenn nachmittags die Sonne scheint, bleiben sie etwas länger an der Oberfläche treiben, um sich aufzuwärmen. Als Fotograf fällt es einem schwer, sich den Tieren zu nähern. Sie sind scheu und tauchen sofort ab.

Erdkröte

Ganz anders ist die Situation in der Nacht. Eine Taschenlampe lockt die Tiere eher an als sie abzuschrecken, und plötzlich sieht man auch, wie viele Männchen wirklich im Teich sind. Die schwimmen jetzt nämlich alle oben und warten auf eintreffende Weibchen. Und sie quaken. Es ist zwar deutlich leiser als bei Fröschen, aber doch hörbar. Die meisten Männchen quaken übrigens umsonst, denn sie sind den Weibchen gegenüber deutlich in der Unterzahl.

[Nachtrag vom 16.3.: Nachdem mittlerweile auch Gelege zu finden sind und zusätzlich zu den üblichen schwarzen Schnüren der Kröten auch wolkenförmiger Froschlaich zu sehen ist, würde ich meinen, dass die zwei Süßen auf dem letzten Bild dieses Beitrags keine Kröten sondern Springfrösche sind. Aber das wird eine andere Geschichte.]

Erdkröte Paarung

 

 

Frisches Grün

Pfaffenhütchen Knospe

Das Pfaffenhütchen ist, wie man in der Wikipedia nachlesen kann, in allen Teilen giftig. Die Pflanze hat sich so durch den Selektionsdruck an ihre Fressfeinde angepasst und kann es sich deshalb leisten, schon sehr früh im Jahr grüne Knospen zu bilden, wenn frische Vitamine nach der eintönigen Winterkost eine begehrte Abwechslung darstellen. Diese Strategie wird spätestens dann von durchschlagendem Erfolg gekrönt sein, wenn die Blaumeise ihrerseits auf ihrem Entwicklungsweg so weit fortgeschritten ist, das sie Wikipedia-Einträge lesen kann. Bis dahin kann man nur sagen: Die Evolution ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Wilder Feger in der Stadt

Rehbock beim Fegen

Manchmal macht sich ein kurzer Spaziergang bezahlt, wenn man in der Früh auf dem Weg ins Büro ist. Heute Morgen habe ich einen kleinen Abstecher nach Oberlaa gemacht. Die kleinteilige Landwirtschaft auf dem Wiener Stadtgebiet, zwischen Wohnsiedlungen und Industrieanlagen, ist mittlerweile ein sehr wichtiger Rückzugsbereich für viele Wildtiere, vor allem wenn diese Bereiche noch Anbindung an das Umland haben, wie das am Oberlaaer Goldberg der Fall ist.

In einem kleinen Weingarten bemerkte ich eine Bewegung im Gras. Zuerst hielt ich es für einen Hasen, aber durchs Teleobjektiv entdeckte ich einen Rehbock, der gerade dabei war, die Basthaut seines Geweihs zu verlieren. Die linke Hälfte war bereits frei gelegt, die rechte noch von den leicht blutigen Resten der Haut überzogen.

Daneben lagerten zwei weibliche Rehe. Die Tiere ließen sich durch mich nicht stören und fraßen seelenruhig weiter. Was will man auch von Rehen anderes erwarten, die ihr Quartier mitten im besiedelten Gebiet gewählt haben. Im Hintergund liegt der Wiener Zentralverschiebebahnhof, wo permanent die Güterzüge durchrattern, und hinter meinem Standpunkt ist eine Siedlung mit Einfamilienhäusern. Während ich fotografierte, ging ein Mann mit Hund hinter mir vorbei, und ein anderer joggte in die Gegenrichtung. Ein äsendes Stadtreh hebt in so einem Fall nicht einmal den Kopf. Erst wenn man das Teleobjektiv in Stellung bringt, wird man kurz inspiziert, aber gleich danach wird das Frühstück fortgesetzt.