Kaisermantelpaarung

Kaisermantelpaarung

Der Kaisermantel ist ein Schmetterling, der mir nicht oft, aber dafür jedes Jahr im Garten begegnet, und so, wie es ausschaut, wird das auch nächstes Jahr so sein. Die beiden Falter, die mir letzte Woche vor die Nase geflogen sind, haben sich jedenfalls redlich bemüht, dass meine Freude an diesen Geschöpfen auch in Zukunft gewahrt bleibt.

Hätten die Tiere während der Paarung nicht so eine große Fluchtdistanz, wären sie mir gar nicht aufgefallen, aber da ich sie im Vorbeigehen aufgeschreckt habe, konnte ich sie gar nicht übersehen – zu groß und auffällig war dieses flatternde Tandem aus ineinander verhakten Faltern.

Das Weibchen ist mir am nächsten Tag noch einmal begegnet, als es sich auf dem Sonnenhut verköstigte. Zumindest nehme ich an, dass es dasselbe Exemplar war, denn allzu viele Kaisermäntel haben wir auch wieder nicht. Leider sind die Aufnahmen, wo das Männchen die Flügel öffnet, unscharf geworden. Aber das macht nichts, so bleibt mir eine Aufgabe für nächstes Jahr, wo ich dann ihre Nachkommen fotografieren werde. Da diese Schmetterlinge nur in einer Generation fliegen, sieht man hier quasi den Anfang der nächstjährigen Schmetterlingspopulation.

Stridulation einer Feldgrille

Männliche Feldgrille

Normalerweise sitzen die männlichen Feldgrillen relativ verschämt vor ihrem Bau. Der frei gelegte Platz lässt auch kaum mehr zu. Dementsprechend sieht man immer nur einen Teil des Tiers, der Rest ist hinter Gras oder durch den Baueingang verborgen.

Nicht so das Exemplar hier. Unser Freund, weiß, dass es auf die Größe ankommt. Er hat eine breite Schneise leer geräumt, und man hört ihn laut und deutlich quer durch den Garten zirpen, oder – wie es in dem Film „This is Spinal Tap“ über einen Gitarrenverstärker heißt – „This one goes to eleven, it’s one louder!“

Wenn er nicht gefressen wird, müsste seine Taktik eigentlich von Erfolg gekrönt sein. Ich wünsche ihm trotzdem nicht wirklich viel Glück dabei, weil wenn er sein musikalisches Geschick weitergibt, haben wir nächstes Jahr eine etwas lautere Generation in unserem Garten.

Aber wenn er schon so eine große Bühne angelegt hat, dann will ich sie wenigstens nützen, um einen kurzen Auftritt herzuzeigen. Dass er dabei zunächst verkehrt heraus kommt, ist nicht die Regel, aber es ermöglicht gleich zu Beginn einen genauen Blick unter die aufgestellten Flügel. Der rechte liegt bei allen Exemplaren oben. Er hat eine Leiste mit vielen kleinen Zähnchen, die er über die Kante des linken Flügels zieht. Dadurch entsteht der Klang. Für mehr sind die Flügel übrigens nicht gut. Fliegen können Feldgrillen nicht.

Vierfleck auf Tomate

Vierfleck

Gut, dass ich dieses Jahr die Tomaten schon hinaus gesetzt habe – der Vierfleck hätte sonst sicher nicht gewusst, wohin er sich für den Schlupf begeben soll. Die Tiere treffen oft eine eigenartige Wahl, wenn es um den Platz ihrer letzten Häutung geht. Sind keine geeigneten Tomatenpflanzen mehr frei, tut es auch das gusseiserne Rad unseres Jausentischchens:

Die Position ist oft exponiert und sie müssen dort für mehrere Stunden verharren, bis die frisch entfalteten Flügel ausreichend getrocknet und für den Flug gehärtet sind. Das macht sie zur leichten Beute für Singvögel. Dem könnten sie entgehen, wenn sie sich knapp über dem Boden positionieren und als Zeitpunkt für den Schlupf die Nacht wählen. Viele probieren das auch, aber die Rechnung geht nicht immer auf. Wenn dann in der Früh nur noch die Flügel herum liegen, ist der Igel wieder einmal satt geworden.

Den ersten Flugversuch kann man auch sehr schön erkennen. Er verläuft oft geradlinig und noch unbeholfen. Sobald die Libelle allerdings ihre Flügel unter Kontrolle hat, droht ihr keine Gefahr mehr. Gerade der Vierfleck ist ein sehr geschickter, wendiger Flieger, dem kaum ein Fressfeind etwas anhaben kann. Hier noch ein ausgefärbtes Männchen auf einem Foto von vor zwei Jahren:

So werden die obigen Exemplare aussehen, wenn sie in einem Monat an den Teich zurückkehren. Dass es ein Männchen ist, merkt man in erster Linie am Territorialverhalten. Einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus gibt es nicht. Dafür kann man die Art selbst sehr leicht daran erkennen, dass sie auf jedem der vier Flügel zwei Flecken hat, während die meisten anderen Libellen nur über die äußeren vier Markierungen verfügen. Der lateinische Name bedeutet das Gleiche: Libellula quadrimaculata.

Biologen bezeichnen also konsequent und auch auf Latein eine Libelle mit acht Flecken als Vierfleck, während alle anderen Libellen vier Flecken auf ihren Flügeln haben. Das mag man verstehen oder auch nicht, aber schließlich sind sie ja auch Biologen geworden und keine Mathematiker.

Ein magischer Nussbaum

Eichhörnchen

Im Wiener Prater am Ufer des Heustadlwassers gibt es ein Vögelhäuschen, in dem sitzt die meiste Zeit ein Eichhörnchen und versucht, sich figurmäßig einem Siebenschläfer im Herbst anzunähern. Glücklicherweise ist die Konstruktion groß genug, um auch molligeren Exemplaren Platz zu bieten.

Eichhörnchen

Im vorletzten Winter habe ich versucht, dem Eichhörnchen in unserem Garten in einer ähnlichen Konstruktion Walnüsse anzubieten. Die haben den Eichelhähern gut geschmeckt, aber unser Eichhörnchen weiß sich zu benehmen, das geht nicht an fremde Depots. Stattdessen legt es Wert darauf, die Nüsse in ihrer natürlichen Umgebung, also am Fuß des Baumes zu finden.

Nie würde das Eichhörnchen es wagen, von unserem Nussvorrat zu naschen. Das muss es ja auch nicht, weil es diesen Zauberbaum gefunden hat, der sogar kahl und im Frühling perfekt getrocknete Nüsse zu seinen Füßen auftauchen lässt. Als wären sie im Herbst gerade lang genug auf dem Kachelofen gelegen, so schmecken diese Walnüsse.

Es sind nicht viele, immer nur eine Handvoll alle paar Tage. Man will sein Eichhörnchen ja nicht mästen wie die städtischen Exemplare. Es reicht, wenn es unseren Garten hie und da in seine Rundgänge miteinbezieht. Man sieht es schon von weitem über Nachbars Wiese huschen, ganz schnell wegen der Katzen. Dann hinauf auf den Apfelbaum, von dort auf die Kirsche und über den Zaun in unsere Kolkwitzie. Ein zusätzlicher Sprung bringt es in unseren Apfelbaum, an dessen Stamm geht es normalerweise hinunter und die paar Meter über den Boden in die Thujenhecke. Aber nicht heute, wo Nachbars Katze auf unserem Misthaufen nach Mäusen sucht. Also schnurstracks im Galopp direkt auf den Nussbaum. Dort sitzt das Eichhörnchen dann und zuckt nervös mit dem Schwanz, bis die Katze aufgibt und der Weg zu den Nüssen frei ist. Die beiden kennen sich und wissen genau, wer schneller ist. Die Katze ist aber auch bequem und immer satt, weil sie zu Hause gefüttert wird, während ein Eichhörnchen, das auf sich hält, nie fremde Nüsse annimmt, sondern sich sein Futter immer mühsam selbst sucht.

Schlangenbesuch

Ringelnatter

Die erste Ringelnatter am Teich habe ich letztes Jahr am 10. April fotografiert, dieses Jahr war es der 30. Nicht zuletzt daran zeigt sich, dass der heurige April im Schnitt um zwei bis drei Grad zu kalt war. Die beiden Schlangen waren mit 50 bis 60 Zentimeter ungefähr gleich groß aber nicht identisch, wie die Gegenüberstellung zeigt.

Es gibt bei uns zwei Farbvarianten. Die rötlich-braune, die ich letztes Jahr aufgenommen habe, kommt fast häufiger vor als die sonst übliche graue. Die meisten Exemplare, die ich sehe, sind übrigens kaum größer als ein Bleistift. Unser Teich taugt mehr als Kinderstube, ab einem gewissen Alter wird er den Tieren dann als Jagdrevier zu klein.

Was ich mir bei den Sichtungen abgewöhnt habe, ist das Herbeirufen aller Verwandten und Bekannten. Meine Begeisterung für diese faszinierenden Gartenbesucher ist leider nicht übertragbar. Dabei sind Ringelnattern ungiftig und ungefährlich. Sie sind nach meinem Empfinden auch keineswegs scheu, wie meist geschrieben steht, sondern eher neugierig und lassen sich aus kurzer Distanz beobachten, wenn man sich nicht hastig bewegt.

Mit der Serienaufnahme habe ich dieses Jahr auch die Zunge aufs Bild bekommen. Im Gegensatz zu Eidechsen wie den Blindschleichen hat die Schlange vorne eine kleine Ausnehmung fürs Züngeln und muss deshalb den Mund nicht öffnen. Wenn man sie nicht beunruhigt, tastet sie so fast ständig ihre Umgebung nach Gerüchen ab.

Auf den ersten Blick sieht man von einer Ringelnatter fast immer nur den Kopf mit den beiden halbmondförmigen Flecken im Nacken. Ich vermute, dass sie damit auch ihre Beutetiere zu täuschen vermag, weil es durch die Zeichnung so wirkt, als wäre der auf dem Wasser schwimmende Kopf schon alles. Tatsächlich ist das zierliche Tier meist länger, als man glaubt, und wenn sie an einem vorbei kriecht, ist man erstaunt, wie viele Zentimeter Schlange zu diesem kleinen Kopf gehören.

Die Ringelnatter schwimmt nicht nur gut, sie taucht auch, aber vor allem im Frühling ist nach ein, zwei Stunden der Beutezug im Teich beendet. Dann muss sie aus dem kalten Wasser, um sich aufzuwärmen, und da wir beide ortskundig sind und den kürzesten Weg ins nächste Gebüsch kennen, sind so die Nahaufnahmen an Land entstanden. Ohne Hast macht sich die Schlange dann im Gestrüpp beeindruckend leicht unsichtbar.