Im Baumarkt

Amselweibchen

Bei den Amseln hat im Moment die Frühlingsstimmung das Kommando übernommen. Das Amselweibchen hat jetzt einen Lieblingsplatz am Teichrand. Dort wird nicht nur regelmäßig gebadet, sondern auch das Baumaterial geholt. Offensichtlich ist nasses Moos mit Schlamm ideal für den Nestbau.

Der Ausdruck auf den Fotos täuscht übrigens. Allzu argwöhnisch behält die Amsel mich nicht im Auge. Zwischen uns waren gut neun Meter und sehr viel kaltes Wasser. Anschließend flog der frech schimpfende Vogel ganz knapp an meinem Kopf vorbei und hinüber zu den Nachbarn. Als wollte sie mir zeigen, dass sie nicht nur das Baumaterial sondern auch den Nistplatz mit bedacht gewählt hat. In Nachbars Hecke sind ihre zukünftigen Nachkommen vor dem neugierigen Fotografen sicher, und unser Garten bleibt der Baumarkt. Eine kluge Wahl, kann ich da nur sagen.

Sonntag ist Badetag

Erdkröte Paarung

Wenn man am Abend mit der Taschenlampe durch den Garten geht, sieht man zurzeit die Erdkrötenmännchen hochaufgerichtet im Gras und auf den Wegen sitzen. Abseits vom Teich haben sie wahrscheinlich bessere Chancen ein wanderndes Weibchen abzupassen.

Vier Pärchen habe ich im Wasser bereits entdeckt. Die Weibchen wirken kräftig und gut genährt. Der kurze Winter hat sie nicht zu sehr strapaziert. Und wenn die Sonne am Sonntag Nachmittag die Wasseroberfläche bescheint, wagt die eine oder andere Krötendame ein paar kräftige Stöße und schiebt sich mit ihrer Last nach oben, um Luft zu schnappen und Wärme zu tanken.

Auch einzelne Männchen können nicht widerstehen und wagen den einen oder anderen Blick über die Wasseroberfläche, wobei drei Augen natürlich mehr sehen als zwei.

Krötenweibchen büßen durch ein fehlendes Auge offensichtlich wenig an Attraktivität ein. Dabei kommt ihnen zugute, dass die Männchen deutlich in der Überzahl sind und deshalb nicht zu anspruchsvoll sein dürfen. Andererseits verläuft die Paarung eine ganze Woche lang ohne Stellungswechsel – es ist also gut möglich, dass der Galan den kleinen Schönheitsfehler seiner Auserwählten noch gar nicht bemerkt hat.

Geschafft

Französische Feldwespe

Am Sonntag Nachmittag stieg das Thermometer auf über zehn Grad. In der Sonne hatte es deutlich mehr. Auf den Balkonfliesen wärmte sich eine einsame französische Feldwespe. Statt sich darüber zu freuen, dass sie die Überwinterung geschafft hatte, wirkte sie eher geschafft. Es ist wahrscheinlich auch nicht so einfach, sich nach der langen Pause wieder zu reaktivieren und die Ganglien in Betrieb zu nehmen.

Als nächstes muss sie sich einen geeigneten Platz suchen, um mit der Anlage eines Nestes zu beginnen. Meistens schließen sich dabei mehrere Königinnen zusammen. Mit der Zeit setzt sich dann die stärkste Königin durch und vernichtet die Brut der anderen. Die unterlegenen Königinnen stellen das Legen ein und bleiben dem Staat als Arbeiterinnen erhalten. Die Arbeiterinnen unterscheiden sich bei den französischen Feldwespen auch kaum von den Königinnen, sie sind nur etwas kleiner.

Nach ein paar Stunden in der Sonne kam die Wespenkönigin doch noch auf Betriebstemperatur und flog davon. Für mich war das ein erster, erfreulicher Blick auf die wärmere Zeit des Jahres. Die friedliebenden Feldwespen gehören zum Sommer am Teich einfach dazu.

 

Was Froschlaich aushält

Froschlaich

Ein guter Morgen beginnt zur Zeit mit frischen Eiern – im Gartenteich. Die ersten Amphibien sind da, und es sind die Spring- und Grasfrösche. Untertags merkt man nichts, aber sobald die Nacht einsetzt, geht es rund. Die Grasfrösche schnurren wie Katzen und die Springfrösche quaken leise murmelnd vor sich hin.

Da die meisten Männchen bei ihren Lautäußerungen zwanzig bis dreißig Zentimeter unter Wasser sitzen, vermute ich, dass die Geräusche deutlich lauter zu vernehmen wären, würde man das Ohr in den Teich halten. Angesichts der Wassertemperaturen verzichte ich aber auf eine Überprüfung dieser Theorie – man muss ja nicht alles wissen.

Mich fasziniert jedes Jahr, wie flink und lebendig sich die Kröten und Frösche durchs kalte Wasser bewegen. Von den Hummeln weiß man, dass sie sich durch vibrierende Bewegungen der Brustmuskulatur auf Betriebstemperatur bringen, bevor sie bei kaltem Wetter losfliegen. Reptilien sind meist tagaktiv und legen sich auf sonnenbeschienene Steine, um sich aufzuwärmen. Amphibien brauchen das alles nicht. Kaum sind sie aus der Winterruhe erwacht, setzen sie sich wochenlang ins kalte Wasser.

Mir ist auch nicht klar, ob ihnen der milde Winter hilft oder schadet. Der Salzburger Amphibienexperte Martin Kyek vom Haus der Natur meint in einem aktuellen Beitrag auf orf.at, dass die Tiere in warmen Wintern oft aufwachen und dadurch gefährdet sind. Am Teich beobachte ich eher das Gegenteil: Ist die Oberfläche früher im Jahr eisfrei, sind die Frösche und Kröten kräftiger und weniger gestresst. Vor allem die in Unterzahl befindlichen Weibchen profitieren davon, wenn sich die Laichsaison auf einen längeren Zeitraum verteilt.

Die Grasfrösche sind dieses Jahr jedenfalls zahlreich eingetroffen. Ihr Laich wird in eine Galertkugel gepackt, die am Teichrand treibt. Ein Teil der Eier ragt dadurch immer aus dem Wasser und nützt so die Strahlen der Frühjahrssonne für einen zusätzlichen Startvorteil. Bei der Laichentwicklung merkt man nämlich, dass auch Amphibien auf die Wärme ihrer Umgebung angewiesen sind. Mit Fortschreiten des Frühlings nimmt auch die Metamorphose Fahrt auf.

Der Trick der Grasfrösche, ihren Laich an der Wasseroberfläche anzubringen, hat aber nicht nur Vorteile und bedeutet, dass er manchmal auch leichte Minustemperaturen aushalten muss. Das erste Foto ist von Samstag Nachmittag, die beiden anderen sind von Sonntag in der Früh. Bei Morgenfrost legt sich schnell eine dünne Eisschicht über die Froscheier, wie man sehen kann. Die Springfrösche verzichten deshalb auf die zusätzlichen Sonnenstrahlen an der Wasseroberfläche und fixieren ihren Laich lieber etwas tiefer an Pflanzenstängeln, wie man auf der unteren Aufnahme aus dem Vorjahr sehen kann.

Springfrosch-Laich

Der weiße Irokese

Kormoran

Es gibt eine spezielle Stelle am Donaukanal, auf die ich jeden Morgen sehr aufmerksam zusteuere. Seit einiger Zeit sitzt dort immer ein ganz spezieller Kormoran. Die sehen ja bei uns normalerweise alle gleich aus, aber dieser hat weiße Kopffedern mit einem schwarzen Irokesenschippel in der Mitte. Solange ich nicht zwei gleiche Exemplare nebeneinander sehe, behaupte ich einmal, es ist der einzige Kormoran am Donaukanal mit dieser Farbvariante. Und da ich ihn deshalb von allen anderen Kormoranen dieser Stadt unterscheiden kann, adoptiere ich ihn auch gleich und sehe in ihm „meinen Kormoran“, der am Morgen nur deshalb immer an diesem Platz sitzt, damit ich beim Radfahren ein bisschen Unterhaltung habe.

Ob da auch Leuzismus, also durch genetische Mutation bedingte Weißfärbung, im Spiel ist, weiß ich nicht. Links unten stelle ich noch die in Wien normale Erscheinungsform meinem „weißen Irokesen“ gegenüber. Zu beiden Farbvariante gibt es zahlreiche Fotos im Netz, aber nähere Informationen über beispielsweise unterschiedliche Verbreitungsgebiete dieser Erscheinungsformen habe ich nicht gefunden.

Nachtrag: Dank der fachkundigen Kommentare (siehe unten), ist die Lösung für den Unterschied zwischen den beiden Vögeln ganz einfach. Der Frühling kommt, und der Irokese legt sein Prachtkleid an. Insofern ist mir mein Kormoran ähnlicher als gedacht: Ich bin auch ziemlich ungeduldig und werfe mich mit Vorliebe in Schale. Mein Lieblingsgewand hat übrigens auch ein paar weiße Flecken vom letzten Ausmalen.