Die Königin

Ringelnatter

Als ich vor über vier Jahren den Teich angelegt habe, dachte ich natürlich auch darüber nach, welche Tiere sich hier ansiedeln könnten. Ich hoffte auf Kröten, Frösche und Molche und überlegte mir, dass die Krönung wohl eine Ringelnatter wäre. Sie steht am obersten Ende der Nahrungspyramide, und mit ihr wäre die Besiedelung abgeschlossen.

Tatsächlich kamen nach dem ersten Winter bereits die Kröten, und ein Jahr darauf sah ich eine kleine Ringelnatter – deutlich erkennbar an den hellen Nackenflecken, die wie ein Krönchen aussehen. Sie war nicht viel länger als ein Bleistift. Auch im Jahr darauf besuchte uns so eine junge Schlange. Beide waren wahrscheinlich erst im Vorjahr geschlüpft.

Das Exemplar auf den Fotos vom Pfingstmontag ist deutlich größer. Ich schätze es auf 40 Zentimeter. Sie ist eigentlich nicht scheu. Fotografieren ließ sie sich trotzdem nur schwer. Es ist nicht einfach, etwas bildlich darzustellen, was so lang und dünn ist.

Wie weit die Schlange an Menschen gewöhnt ist, weiß ich nicht. Ich bin am Nachmittag jedenfalls schwimmen gegangen, und sie hat sich von mir nicht stören lassen. Wir hatten wahrscheinlich beide eine ähnliche Motivation das Wasser aufzusuchen: Abkühlung. Die wechselwarmen Reptilien regeln durch ihre Umgebung die Körpertemperatur, und wegen mir wollte die Schlange den kühlenden Teich nicht verlassen.

Ringelnatter

Dass sie sich dauerhaft ansiedeln wird, glaube ich nicht. Dafür ist unser Teich zu klein. Aber im Moment fühlt sie sich bei uns wohl. Was mich dabei besonders überrascht: Irgendwie träge ist dieses Reptil gar nicht. Sobald die Sonne heraußen ist und die Temperaturen steigen, kann man sie im Wasser beobachten, wie sie alle Ritzen und Steine nach Fressbarem absucht.

 

Schwerlast

Zweifarbige Schneckenhausbiene

Neulich ist mir im Garten eine Biene untergekommen, die ich bislang nur in Natursendungen im Fernsehen beobachten konnte. Es scheint sich um die Zweifarbige Schneckenhausbiene oder eine Verwandte zu handeln. Ein Schneckenhaus konnte ich unten drunter allerdings nicht erblicken. Für mich lagen an der Stelle nur Steine. Die Flugzeit müsste auch früher sein. Dieses Exemplar war Anfang Juni noch unterwegs.

Die Biene flitzte extrem schnell über den Boden und griff sich Blattstiele, trockene Halme und Blütenreste. Das alles schlichtete sie zu einem Haufen von knapp fünf Zentimeter Durchmesser. Dazwischen machte sie immer wieder Pause. Die ganze Arbeit dauerte Stunden. Die Größe der verwendeten Pflanzenteile ergab sich durch probieren. War etwas zu schwer, ließ sie es nach ein paar Zentimetern wieder fallen. Fotografieren ging wirklich nur schwer, so schnell war das Tier und der Nistplatz unzugänglich unter Blättern und Zweigen.

Es heißt, dass die Biene so ihre Brut schützt. Zuerst platziert sie Eier und Pollen in ein leeres Schneckenhaus. Dann verschließt sie es mit einem Pfropfen, dreht die Öffnung nach unten und schlichtet dürre Halme oder Nadeln darüber.

Der tiefere Sinn wollte sich mir nicht erschließen. Würde ich mich von Bienenlarven ernähren, müsste ich nach komischen Häufchen am Boden suchen. Vielleicht wollte sie aber auch nur das Kinderzimmer möglichst gründlich verbarrikadieren. Man kennt ja die Zores mit dem Nachwuchs…

Sprichwörtlich genommen

Kleiner Spatz

Speziell in den Sommermonaten bin ich Frühaufsteher. Auch an Sonn- und Feiertagen wache ich spätestens um sechs auf und beginne, vertikal zu lüften: Oben öffne ich die Balkontür und unten die Eingangstür, das ergibt auf der Stiege einen schönen Luftzug, der das Haus um mehrere Grad abkühlt, während ich meinen Kaffee trinke.

Kleiner Spatz vor der TürAls ich am Pfingstmontag die Eingangstür wieder schließen wollte, saß ein kleiner Hausspatz auf der Treppe und sah irgendwie so drein, als würde er Puppi heißen.

Sinnvollerweise wäre ich einfach vorbei gegangen und hätte die Tür dabei geschlossen. Stattdessen machte ich aus der Distanz ein Foto und stieg dann mit der Kamera durchs Fester. Anschließend ging ich auf der anderen Seite ums Haus und baute mich ganz hinten im Garten mit dem Teleobjektiv auf. Man weiß ja, dass jetzt gleich die Mama kommt und füttert. Das wird ein feines Foto.

Die Mama hatte aber mehrere Küken zu versorgen und einige waren noch oben auf dem Balkon im Nistkasten. Ich übersetze mal kurz den Dialog.

Mama: Wo seid ihr den alle?
Puppi: Hier bin ich, Mama, ich komm schon!

Wir erinnern uns: Vertikal lüften, Balkontür oben offen, Eingangstür offen. Puppi folgte dem Ruf seiner Mama schnurstracks ins Haus, weil von dort kam ja ihre Stimme. Wir erinnern uns weiter: Ich war ganz hinten im Garten. Bis ich im Vorraum stand, war von Puppi nichts mehr zu sehen. Ich ging vor dem Kasten zu Boden: Puppi, bist du da?

Kleiner Spatz neben KachelofenAber Puppi war nicht da. Ich ging den Gang entlang Richtung Küche. Puppi, bist du in der Küche? Aber Puppi war auch nicht in der Küche. Er wusste nicht einmal, was eine Küche ist, hatte auch keine Ahnung, dass er mit Puppi gemeint war, und saß außerdem im Wohnzimmer neben dem Kachelofen.

Aufmerksam sah er mich an, aber sobald ich mich ihm näherte, schloss er die Augen: Ich weiß, wer du bist. Du bist die Katze. Meine Mama hat mir alles von dir erzählt. Aber wenn ich die Augen schließe, kannst du mich nicht sehen.

Das war natürlich Blödsinn. Ich konnte ihn immer noch sehen, und ich war nicht die Katze. Ich war der Typ mit dem Vogel im Wohnzimmer. Wer in so einer Situation übrigens eine Plastikmistschaufel auf den Boden legt, mit dem Finger drauf klopft und sagt: Komm, Puppi, steig da drauf, hat irgendwie wirklich einen Vogel. Das hilft nämlich nichts, ich weiß, wovon ich spreche.

Kleiner Spatz auf der SchaufelStattdessen hilft ein gutes Langzeitgedächtnis. In Kindertagen gab es mal einen Wellensittich und da war dieser Trick mit der Decke. Ich ging in die Küche, holte ein Geschirrtuch und warf es schön mittig über Puppi. Mit sanftem Druck trippelte er auf die Schaufel. Puppi war überhaupt sehr cool. Im Garten blieb er brav sitzen und wartete artig, bis ich mein Foto gemacht hatte.

Anschließend hoppelte er ins Gras und keine fünf Minuten später kam seine Mama, um ihn zu füttern. Fotos sind mir davon keine gelungen. Wir haben es nicht so mit dem Rasenmähen, und Puppi war in der hohen Wiese gut getarnt, aber den Dialog konnte man wieder ganz deutlich verstehen.

Puppi: Mama, ich war in dem großen Haus. Dort ich habe dem Tod ins Auge geblickt, aber dann bin ich ihm noch einmal von der Schaufel gesprungen.
Mama: Du hast Hunger und fantasierst. Nimm noch Frühstück!

Kleiner Spatz im GrasIch habe dann noch das Stativ genommen und die Kamera mitlaufen lassen, aber die Erkenntnisse waren gering. Puppi hat die ganze Zeit den Schnabel offen. Wenn er nicht kommuniziert, frisst er alles, was ihm vor den Schnabel läuft. Einmal ist eine Ameise über ihn hinweg. Das hat sie nicht überlebt. Irgendwann ist er dann weggehüpft und hat sich ein besseres Versteck gesucht.

Wenn man bedenkt, dass Vogeleltern mehrere Junge versorgen müssen, kann man sich ungefähr den Stress vorstellen, den sie dabei haben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Mühe nicht für die Katz‘ ist. Ein paar Sprichwörter haben für mich an diesem Morgen jedenfalls eine sehr konkrete bildliche Umsetzung bekommen, und ich weiß jetzt auch, warum der Hausspatz Hausspatz heißt: Der marschiert einfach ins Haus rein, wenn die Tür offen ist.

Wienerberger Seefrösche

Seefrosch

Die meisten Gartenteiche sind aus PVC- oder EPDM-Folie. Wirklich naturnah aus gestampftem Lehm macht sich kaum jemand seinen Teich, und doch sind die meisten künstlich geschaffenen Gewässer aus diesem Material. Im Volksmund heißen sie Ziegelteiche und haben ihren Ursprung im Bauboom der Gründerzeit.

Wienerberger, der weltweit größte Ziegelproduzenten, verdankt seinen Namen einem flachen Hügel im Süden Wiens und seine Marktposition den Ziegelböhm, die hier unter unmenschlichsten Bedingungen im 19. Jahrhundert die Bausubstanz für viele Ringstraßengebäude aus dem Boden schöpften. In den Reportagen Victor Adlers lässt sich das eindrucksvoll nachlesen. Der Rest ist Geschichte aus einer Zeit, als die Sozialdemokratie noch in der Lage war, Geschichte zu schreiben.

Wienerberg-Teich

Wenn man heute über das Erholungsgebiet Wienerberg blickt, im Hintergrund Mödling und zur Rechten die Wohntürme von Alterlaa, kann man sich kaum vorstellen, dass hier jahrzehntelang eine Müll- und Schuttdeponie war. Mit Grundstücken, wo sich das Wasser sammelt, kann man bautechnisch halt wenig anfangen. Die Natur dafür umso mehr.

Seefrosch GruppeHeute gehört das Areal der Gemeinde Wien, steht teilweise unter Schutz und ist ein wichtiger Bestandteil des Grüngürtels. Man findet hier eine Vielfalt an Insekten und Wasservögeln. Das markanteste sind aber die unglaublich großen, gut genährten und zahlreichen Seefrösche. Sie sitzen hier gesellig in Gruppen an den Ufern der Verbindungskanäle und sonnen sich wie die vier Exemplare auf dem Bild rechts.

Bei uns am Gartenteich ist die Amphibiensaison recht kurz. Nach ein paar Wochen im März ist alles vorbei, die Erdkröten und Braunfrösche sind wieder verschwunden, und zurück bleiben nur die Kaulquappen, die Anfang Juni dann den Teich verlassen. Seefrösche haben keine so ausgedehnte Wandertätigkeit, und so findet man sie auch im Sommer noch in der Nähe des Gewässers.

Mit den außenliegenden Schallblasen sind sie entsprechend laut. Ein Spaziergang im Erholungsgebiet Wienerberg ist deshalb oft begleitet von Musik, wenn auch eher von der schnarrenden, dissonanten Sorte.

In den letzten Jahren sind rundum die Wohnhäuser näher gekommen, und auch aktuell wird kräftig gebaut, denn die Stadt wächst. Trotzdem herrscht hier eine naturnahe Idylle, der man ihre Geschichte als Ziegelwerk und Mülldeponie absolut nicht mehr ansieht.

Schein und Wirklichkeit

Höckerschwäne

Neulich war es mir vergönnt, eine Höckerschwanfamilie beim Ausflug mit ihren Jungen zu beobachten. Die stolzen Eltern hatten nicht viel Mühe, die sechs Kücken diszipliniert zusammen zu halten.

Die meiste Zeit waren die Jungen nämlich damit beschäftigt, sich im Fressen zu üben. Fleißig tauchten sie Pflanzenteile nach oben. Manchmal blieb was am Schnabel hängen wie bei Loriot, aber bis zum Heiratsantrag wird das sicher noch besser.

Es sind idyllische Bilder, aber die Wirklichkeit sah eher so aus wie auf dem nächsten Foto unten. Nur die Gesichter der anderen Fotografen habe ich mit dem Weichzeichner unkenntlich gemacht.

Höckerschwäne mit Fotografen

Die Besucher im Floridsdorfer Wasserpark haben sich übrigens alle an das Fütterungsverbot gehalten, und die Schwäne haben die Umstehenden komplett ignoriert. Es waren einfach nur parallele Familienausflüge zweier Spezies, die zufälligerweise den gleichen Ort ansteuerten.

Aber es geht noch besser. Die folgenden Fotos sind von heute Morgen. Seit Tagen beobachte ich Höckerschwäne mit drei Jungen am Donaukanal auf der Höhe des ersten Bezirks, also direkt im Zentrum. Das Männchen sitzt meist abseits, aber das Weibchen hat sich mit den Küken einen Platz direkt neben dem Rad- und Gehweg ausgesucht.

Manche Radfahrer machen einen Bogen, andere fahren  direkt an den Schwänen vorbei. Fast im Minutentakt bleiben Fußgänger und Radfahrer stehen, um ihre Handys zu zücken und ein Foto zu machen. Ich habe auch schon beobachtet, dass Passanten die Jungen vor Spaziergängern mit Hunden abgeschirmt haben, während das Muttertier einmal nicht direkt daneben war.

Den Schwänen macht der ganze Trubel nichts aus. Sie sind mehr als nur Kulturfolger, sie haben sich quasi selbst domestiziert. Dass sie die Scheu vor den Menschen komplett verloren haben, scheint ihnen im Kampf um die Brutplätze einen Vorteil zu verschaffen, und dafür nehmen sie das Risiko durch den Radverkehr und die Hunde in Kauf.