Mein Lurch des Jahres 2019

Molchlarve

Bislang war das Amphibium des Jahres bei uns im Teich immer die Erdkröte. Mangels Gegenkandidaten war das Wahlergebnis ähnlich eindeutig wie bei der sowjetischen KP zu ihren besten Zeiten. Dieses Jahr ist alles anders. Von den Neuzugängen Grasfrosch und Springfrosch habe ich in einem anderen Beitrag schon berichtet, aber den eigentlichen Favoriten konnte ich bislang noch nicht zeigen.

Erwachsene Molche sind zu scheu, um sie mit der Kamera einzufangen. Sie leben die meiste Zeit am Grund des Teichs. Nur hie und da huscht einer nach oben, schnappt nach Luft und taucht wieder ab. Ende Juli ist mir der letzte aufgefallen. Es heißt, dass sie im Frühsommer die Wassertracht wieder ablegen und an Land gehen, aber fix ist das nicht. Manchmal bleiben sie das ganze Jahr im Wasser, da sind sie flexibel und können sich so an das Laichgewässer anpassen. Von einer ausgefahrenen Reifenspur bis zum ganzjährig gefüllten Teich ist ihnen alles recht.

Für die Larven gilt das Gleiche. Bei uns tragen sie Ende August immer noch ihre Kiemen, die aussehen wie eine Wuschelfrisur, und ich gehe davon aus, dass sie die Metamorphose dieses Jahr nicht mehr abschließen werden. Unsere Molche sind echte Lurche des Jahres, die gekommen sind, um das ganze Jahr zu bleiben.

 

Im Frühjahr konnte ich die Erwachsenen genauer beobachten, und nach dem leuchtend orangen Bauch zu schließen, waren es Bergmolche. An den Larven kann ich das nicht so genau erkennen, aber egal, welche Molche es sind – meine Amphibien des Jahres sind sie sowieso. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eines dieser Zwergkrokodile erblicke.

Sie sind drei bis vier Zentimeter lang. Der eine, den ich mit dem Kescher erwischt habe, war eher kleiner. Nach fünf Minuten Fotosession im Einsiedeglas durfte er wieder zurück in den Teich. Besonders gestresst scheint ihn der Ausflug nicht zu haben. Wenn ich zum Schwimmen ins Wasser steige, stieben die Larven oft aufgeregter davon.

Von oben sehen sie aus wie kleine Fische. Erst wenn man genauer schaut, erkennt man, dass sie gern auf dem Boden bleiben, weil sie keine Schwimmblase haben und nicht schweben können. Dass sie auch Gliedmaßen haben, sieht man nur, wenn sie einem die Chance dazu lassen, denn das beste Antriebsorgan unter Wasser ist immer noch eine Schwanzflosse, und damit sehen sie nicht nur aus wie Fische, sie sind auch genauso schnell.

Von allen Amphibien, die ich kenne, sind Molche wahrscheinlich am besten an das Leben im Wasser angepasst und fühlen sich dort sichtlich wohl. Manchmal behalten sie die Kiemen sogar bis ins Erwachsenenalter, und vollziehen den letzten Schritt der Metamorphose erst, wenn sie die Umweltbedingungen dazu zwingen.

Die Gesellschaft für Herpetologie wählt jedes Jahr einen anderen Lurch oder ein anderes Reptil, aber mir gefällt der Bergmolch so gut – ich denke, wenn er bleibt, werde ich ihn sicher auch nächstes Jahr wieder zu meinem Lurch des Jahres wählen. Moskau hätte an meinem Wahlverhalten seine Freude gehabt.

 

Kein Einzelfall

Südlicher Blaupfeil Männchen

Ich bin immer wieder überrascht, welcher Libellenreichtum in unserer Gegend herrscht. Jedes Jahr entdecke ich neue Arten am Teich. Letzte Woche war es ein Exemplar des Südlichen Blaupfeils auf einem Halm der Schwanenblume. Diese Art habe ich hier noch nie gesehen, und gerade als ich zur Kamera greife, um die ersten Fotos zu machen, findet sich ein zweites Exemplar dieser Spezies ein.

Ein Blaupfeil kommt anscheinend selten allein. Als hätten sie sich am Teich verabredet. Mittlerweile sind hier mehr als zehn verschiedene Libellenarten angesiedelt, und auch der Südliche Blaupfeil ist offensichtlich gekommen, um zu bleiben und sich zu vermehren.

Aus der Zeit gefallen

Erdkröte Männchen

Erdkröten besiedeln das ganze Jahr über bekanntlich eine Vielzahl an Lebensräumen – Wälder, Wiesen, Weiden und Gärten. Im März wandern sie dann zu den Laichgewässern, woraus die vielen flachen Exemplare resultieren, die auf den Straßen dem Verkehr zum Opfer fallen. Anschließend wandern sie wieder zurück in ihre Sommer- und Winterquartiere. Im Wasser sieht man sie den Rest des Jahres nicht mehr.

Ganz anders das Erdkrötenmännchen, das seit einiger Zeit in unserem Teich herumschwimmt. Es verbringt oft den ganzen Tag im Wasser. Bei der Hitze irgendwie verständlich. Nach der Dämmerung findet man es dann auch außerhalb auf der Suche nach Nahrung.

Die einfachste Erklärung wäre, dass jede Erdkröte ihr Revier hat, und dieses Männchen hat sich halt unseren Garten ausgesucht. Hie und da ist dann der Teich ganz praktisch, er kühlt und das Nahrungsangebot ist auch nicht schlecht.

Dann höre ich da aber auch diese zarten Paarungsrufe: Oink oink oink. Hab ich die noch vom Frühjahr im Ohr, oder ist da einer aus der Zeit gefallen? Es gibt zwei Möglichkeiten: Unser Exemplar ist entweder die Schlafmütze seiner Art und vier Monate zu spät, oder er übt schon mal für nächstes Jahr.

Zurück ins Wasser

Große Königslibelle Weibchen

Mit den Libellen hat die Evolution eine Konstruktion hervorgebracht, die perfekt an die Lebensräume Wasser und Luft angepasst ist. Die Larve bejagt unsere Tümpel, in denen ein Überangebot an Nahrung besteht. Anschließend klettert sie empor, häutet sich noch einmal und erobert als fertiges Insekt den Luftraum, um so andere Gewässer erreichen zu können.

Je nach Art ist die Strategie bei der Eiablage unterschiedlich. Das Plattbauchweibchen wirft die Eier einfach ins Wasser, die Große Heidelibelle tut das im Tandemflug gemeinsam mit dem Männchen und viele Arten wie die Blaugrüne Mosaikjungfer platzieren den Laich gar nicht im Gewässer sondern oberhalb. Erst die frisch geschlüpfte Larve lässt sich dann ins Wasser fallen.

Die Große Königslibelle hingegen macht sich die Mühe, ihre Eier unter Wasser in Pflanzenteile zu stechen. Dabei tastet sie mit dem Hinterleib gewissenhaft nach einer geeigneten Stelle. Notfalls taucht sie auch tief unter, bis nur noch der Brustabschnitt, Kopf und Flügel herausragen.

Die Männchen findet man an unserem Teich nur selten. Nach der Paarung, die meist abseits in einem Gebüsch stattfindet, bleibt der Ablaichvorgang den Weibchen überlassen. Auch ein Revierverhalten wie zum Beispiel beim Plattbauch, wo die Männchen tagelang „ihren“ Teich gegen Konkurrenten verteidigen, kann ich bei der Großen Königslibelle kaum beobachten. Während man die Weibchen relativ leicht fotografieren kann, kriegt man die Männchen eher selten aufs Bild.

Baden für Nichtschwimmer

Amsel

Wenn die Hitzewelle rollt, ist richtige Abkühlung wichtig. Auch Nichtschwimmer sollten versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Hier eine kleine Anleitung:

Immer im flachen Bereich bleiben. Das Wasser sollte einem maximal bis zum Bauchnabel gehen. Dann den Kopf eintauchen, das Wasser in einer Drehbewegung hochschleudern und warten bis die Dusche kommt.

Noch einmal von der anderen Seite mit Blick in die Kamera: Kopf hinunter, nach links und rechts hoch reißen, still stehen und duschen.

Das Internet weiß übrigens auch nicht alles, zumindest habe ich nicht herausgefunden, ob Amseln schwimmen können. Man stößt immer auf die Wasseramsel. Es gibt also Singvögel, die sehr gut schwimmen können. Man findet auch Berichte von Amseln, die in ungeeigneten Gefäßen ertrinken. Ob sie notfalls ein kurzes Stück schwimmen können, weiß ich nicht. Bei uns im Gartenteich halten sich alle Vögel sicherheitshalber immer im flachen Randbereich auf.