Frühschwimmer

Erdkröte

Irgendwie sind dieses Jahr auch die Erdkröten früher dran. Letztes Jahr hätten sie Mitte März auch noch nicht in den Teich gekonnt, der war zu diesem Zeitpunkt nämlich fest zugefroren. Dafür ging dann alles schnell, im April stiegen die Temperaturen kräftig und die Kröten hatten bei der Paarung ziemlichen Stress. Den Weibchen bekommt diese Belastung unmittelbar nach der Winterpause schlecht, die schwächeren überleben dann die Paarung nicht.

Erdkröte Paarung

Dieses Jahr wirk alles viel entspannter. Untertags merkt man die Massenansammlung im Teich kaum. Die Kröten sitzen die meiste Zeit unter Wasser, nur hie und da tauchen sie auf, um Luft zu holen, und nur wenn nachmittags die Sonne scheint, bleiben sie etwas länger an der Oberfläche treiben, um sich aufzuwärmen. Als Fotograf fällt es einem schwer, sich den Tieren zu nähern. Sie sind scheu und tauchen sofort ab.

Erdkröte

Ganz anders ist die Situation in der Nacht. Eine Taschenlampe lockt die Tiere eher an als sie abzuschrecken, und plötzlich sieht man auch, wie viele Männchen wirklich im Teich sind. Die schwimmen jetzt nämlich alle oben und warten auf eintreffende Weibchen. Und sie quaken. Es ist zwar deutlich leiser als bei Fröschen, aber doch hörbar. Die meisten Männchen quaken übrigens umsonst, denn sie sind den Weibchen gegenüber deutlich in der Unterzahl.

[Nachtrag vom 16.3.: Nachdem mittlerweile auch Gelege zu finden sind und zusätzlich zu den üblichen schwarzen Schnüren der Kröten auch wolkenförmiger Froschlaich zu sehen ist, würde ich meinen, dass die zwei Süßen auf dem letzten Bild dieses Beitrags keine Kröten sondern Springfrösche sind. Aber das wird eine andere Geschichte.]

Erdkröte Paarung

 

 

Ahornsirup

Biene auf Ahorhzweig

Während sich anderswo der Frühling bemerkbar macht, hinkt in unserem Garten die Pflanzenwelt zwei bis drei Wochen hinterher – das liegt an den 500 Höhenmetern und den Bergen im Hintergrund. Die Krokusse und die Frühlingsknotenblumen strecken noch nicht einmal die Blätter aus der gefrorenen Erde. Warum sollten sie auch, liegt ja großteils noch Schnee im Garten, und das ist sicher noch nicht der letzte, der dieses Jahr fällt.

Biene auf AhorhzweigTrotzdem war gestern ein sonniger Sonntag mit Temperaturen deutlich jenseits der zehn Grad. Und da wird dann lebendig, was den Winter überlebt habt. Auf der Hausmauer sitzen die ersten Fliegen in der Sonne, eine Spinne huscht über den Boden und sogar Honigbienen summen durch den Garten.

Die werden hungrig wieder heimfliegen müssen, denke ich mir. Selbst die Weidenkätzchen sind noch nicht aufgeblüht. Und dann komme ich am Ahorn vorbei, der am Zaun hinter dem Teich steht. Vor vielen Jahren hat er sich dort selbst angesetzt. Ich habe ihn später in die Hecke integriert. Alle paar Jahre wird er zurückgestutzt. Das ergibt wunderbare Stützstecken für die Paradeiser.

Als ich letzte Woche wieder einmal den Ahorn geschnitten habe, tat er mir fast ein bisschen Leid. Der Baum steht schon voll im Saft, und von den Schnittstellen hat es heruntergetropft wie ein leichter Frühlingsregen.  Mittlerweile hat sich die Pflanze wieder beruhigt und nässt nur noch leicht, aber an den Stämmen sieht man kleine, lange Rinnsäle mit klebrigem Ahornsaft.

Bis zum Sonnenuntergang konnte ich hier Honigbienen und andere Insekten beobachten, die sich an dem süßen Zeug labten. Zuerst war ich überrascht, aber so ungewöhnlich ist der Vorgang gar nicht. Diese Zuckersäfte nennt man Honigtau. Normalerweise werden sie von Blatt- oder Schildläuse aus den Bäume gezapft. Der Flüssigkeitsdruck ist dabei so hoch, dass die Tierchen einen Großteil ihrer Nahrung wieder ausscheiden müssen, und diese Ausscheidungsflüssigkeit dient den Bienen als Grundlage für den Waldhonig. Offensichtlich nehmen sie die Baumsäfte auch direkt, wenn Bruch- oder Schnittstellen vorhanden sind.

Man kann in der Natur halt machen, was man will, es hat alles seine Konsequenzen, und ein Heckenschnitt wird schnell zur Wildtierfütterung. Ob das für die Bienen gut ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Gebrochene Äste im Frühjahr sind im Wald aber sicher keine Seltenheit, und so ist diese Form der Nahrungsquelle den Bienen wahrscheinlich schon immer vertraut. Dem Ahorn hilft es jedenfalls, wenn die Zuckerschicht verschwindet, bevor sich Rußtaupilze bilden.

Biene auf Ahorhzweig

 

Die Rohrkolbeninvasion

Rohrkolben

Als ich die ersten Pflanzen für unseren Gartenteich gekauft habe, waren auch Rohrkolben dabei, konkret ein Stück Rhizom. Aus diesem Wurzelstück ist nie auch nur das kleinste Stück Rohrkolben herausgewachsen. Es war eine klassische Totgeburt. Im Winter darauf habe ich beim Spazierengehen entlang des Seeufers von einem aufgeplatzten Rohrkolben die Watte mitgenommen. Diese Samen habe ich dann im Frühjahr auf der Wasseroberfläche verteilt. Zunächst dachte ich, sie hätten ebenfalls spontan und unmittelbar das Zeitliche gesegnet. Außer ein paar gräserartigen Halmen von maximal 30 Zentimeter Höhe am Teichrand war nichts zu sehen. Im zweiten Jahr waren diese Halme schon hüfthoch und fleißige Rhizomwurzeln haben sich auf den Weg ins tiefere Wasser gemacht. Hätte ich nicht Teile davon ausgerissen, wäre wahrscheinlich sehr schnell ein breiter Streifen im Uferbereich nur noch von Rohrkolben bewachsen gewesen.

Unter Ausnützung von Wind und Wasser sind viele Pflanzen erstaunlich leistungsfähige Wandergesellen. Der Rohrkolben hat eine besonders effiziente Strategie. Die Samen sind leicht und watteförmig. Der Wind trägt sie im Winter bei günstiger Witterung kilometerweit über die schneebedeckte Landschaft. Treffen sie auf Wasser, gehen sie nicht gleich unter, sondern treiben mit der Strömung ans nächste Ufer. Dort wurzeln sie sich fest und breiten sich im nächsten Jahr ins tiefere Wasser aus, um im dritten Jahr zu blühen und den Verbreitungsweg in Windrichtung fortzusetzen. Und wenn einmal der Wind fehlt, dann haften diese watteartigen Samen auch sehr gut in Fell. Ein Tiertaxi zur nächsten Wasserstelle findet sich immer.

Leicht verständlich, dass der Rohrkolben wie das Schilfrohr weltweit verbreitet ist. Viele Gewässerränder sind mehr oder weniger Monokulturen, trotzdem hat niemand den Rohrkolben auf dem Radar, wenn es um das Thema invasive Arten geht. Der Rohrkolben ist uns vertraut, er ist ein Einheimischer, kein Gebietsfremder. Er muss sich deshalb auch nicht an die entsprechende EU-Verordnung Nr. 1143 vom 22. Oktober 2014 halten: „Diese Verordnung gilt für alle invasiven gebietsfremden Arten.“*) Die Formulierung gefällt mir, sie erinnert mich an die mittelalterlichen Tierprozesse, als man ungebührliche Schweine noch gehängt hat – nicht zuletzt, um andere Artgenossen abzuschrecken. Und wie lange bleibt man eigentlich gebietsfremd? Wie lange wird der Japanische Staudenknöterich wohl für seine Integration brauchen?

Im Gartenteich ist der Rohrkolben jedenfalls sehr praktisch. Sein schnelles Wachstum entzieht dem Wasser viel an Nährstoffen und hat die Reinigungskraft einer kleinen Käranlage. Dafür muss man einmal im Jahr ins Wasser steigen und einen Teil der sich ausbreitenden Pflanzen entnehmen. Das geht aber relativ einfach. Die fingerdicken Rhizome muss man übrigens nicht wegschmeißen. Die enthalten viel Stärke und lassen sich angeblich wie Gemüse kochen oder zu Mehl verarbeiten – man kann aber stattdessen auch einfach Gemüse oder Mehl verwenden.


*) EU VO Nr.1143/2014, S. 40

Wandern mit angezogenen Füßen

Sumpfvergissmeinnicht

SumpfvergissmeinnichtsprossDas Sumpf-Vergissmeinnicht ist eine der Wasserpflanzen, die ich ganz am Anfang besorgt habe. Im zweiten Jahr war es verschwunden. Zumindest stand es nicht mehr dort, wo ich es eingesetzt hatte. Es verfügt über eine ganz eigene Methode, sich fortzubewegen. Im Frühjahr zieht es einfach die Füße ein und lässt sich treiben. Überall am Teichrand treiben kleine Sprossen der Pflanze im Wasser. Ihre Wurzeln suchen nach Halt und bald darauf wächst das Sumpf-Vergissmeinnicht an einer neune Stelle.

Dabei hat es offensichtlich spezielle Anforderungen an den Standort. Die kleinen Triebe setzen sich im ganzen Teich fest, gedeihen aber an den meisten Stellen eher schlecht. Die Pflanzen werden nicht besonders groß und blühen kaum.

SumpfvergissmeinnichtpolsterNur an einer Stelle gefällt es dem Sumpf-Vvergissmeinnicht. Das ist dort, wo der Schlauch mit dem Regenwasserzufluss endet. Bei jedem Niederschlag kommen hier frische Nährstoffe in den Teich. Unter diesen Bedingungen fühlt sich das Sumpf-Vergissmeinnicht wohl und hat einen dichten Polster gebildet. Es wächst dreimal so hoch wie anderswo und blüht den ganzen Sommer über.

Im nächsten Frühjahr wird es trotzdem wieder kleine Sprossen bilden, die mit ihren Wurzeln nach einem neuen Standort suchen. Das Sumpf-Vergissmeinnicht ist eine Pflanze, die wandert. Es bleibt nicht fest verwurzelt an einer Stelle stehen, sondern kommt mit der Strömung in der ganzen Welt herum. Auf diese Weise zieht es in der Natur wahrscheinlich von Gewässer zu Gewässer, bis es endlich einmal die Chance hat, große Schiffe vorbei ziehen zu sehen. Hätte Joachim Ringelnatz diese Pflanze gekannt, dann hätte er sicher ein fröhliches Gedicht über sie geschrieben, statt sich mit dem traurigen Sauerampfer zu beschäftigen.

Arm Kräutchen

Ein Sauerampfer auf dem Damm
Stand zwischen Bahngeleisen,
Machte vor jedem D-Zug stramm,
Sah viele Menschen reisen.

Und stand verstaubt und schluckte Qualm,
Schwindsüchtig und verloren,
Ein armes Kraut, ein schwacher Halm,
Mit Augen, Herz und Ohren.

Sah Züge schwinden, Züge nahn.
Der arme Sauerampfer
Sah Eisenbahn um Eisenbahn,
Sah niemals einen Dampfer.

Einsperren sinnlos

Wasserlilie Blüte

WasserlilieWenn man einen Gartenteich bepflanzt, macht man sich meist einen Plan, wo welche Pflanzen wachsen sollen. Das ist gleichermaßen löblich, irgendwie rührend und komplett sinnlos. Als Aquarianer weiß man das. Deshalb informiert man sich bei jeder Pflanze vorher, ob sie beispielsweise zu Rhizombildung und Ablegern neigt. Will man die Pflanze trotzdem haben, bildet man mit der Folie am Rand kleine Extrabecken. Die stehen zwar im Wasseraustausch mit dem großen Bereich, erlauben den Rhizomen aber nicht, sich überall auszubreiten.

Das funktioniert witzigerweise, ist aber trotzdem sinnlos. Die Wasserlilie zum Beispiel blüht sehr schön. Da hat man den ganzen Mai Freude daran. Anschließend bildet sie Samen. Das ist jetzt auch noch nicht so unpraktisch, solange man sie alle absammelt. Wenn nicht, kann man sein Griechisch aufbessern: Hydrochorie nennt man das, wenn sich Pflanzen mithilfe des Wassers ausbreiten. Vor allem Wasserpflanzen machen das mit Vorliebe, und so schwimmen die Samen der Wasserlilie einfach überall hin und bilden kleine Kolonien, wo immer es ihnen gefällt. Im Gartenteich kommen sie nicht besonders weit, aber man denke mal, was in einem fließenden Gewässer alles möglich ist. So schnell wandert keine Tierart in neue Gebiete ein, wie manche Pflanzen das können. Flußabwärts geht das schnell.

Aber braucht es dafür immer Samen? Nein, gar nicht. Manchmal wandert die ganze Pflanze. Auch das kann man bei uns im Gartenteich beobachten, wie man im nächsten Beitrag über das Sumpf-Vergissmeinnicht sehen wird.