Ein Jagdgast

Blauflügel-Prachtlibelle

Es ist immer schwierig, bei den vielen Insekten im Garten den Überblick zu wahren. Ein Falter da, eine Wildbiene dort, man macht ein Foto, aber was ist das jetzt? Beim Bestimmen der Schmetterlinge scheitere ich oft, und viele Bienen sind für meine Augen mittlerweile zu klein, aber bei den Libellen klappt es so halbwegs. Am Teich zeigen sich knapp zehn verschiedene Arten, das ist überschaubar, und sie haben die richtige Größe.

Manche Libellenarten sind sogar vergleichsweise leicht zu bestimmen. Die Prachtlibelle hat einen ganz typischen Flug, aus der Ferne erinnert ihr Flattern an einen Falter. Man kann sie schwer mit etwas anderem als einer Prachlibelle verwechseln, und die metallisch blaugrün schillernden Männchen sind ein schöner Anblick. Noch eine Art, die es sich an unserem Teich bequem macht?

Nicht wirklich. Die Blauflügel-Prachtlibelle bevorzugt kalte, fließende Gewässer für ihre Larven. Dort ist das Wasser sauerstoffreicher. Dafür nimmt sie eine längere Larvenzeit in Kauf und bleibt zwei Jahre unter Wasser, bevor sie schlüpft. Wir haben genug solcher Bäche in der Umgebung. An unserem Teich ist die Prachtlibelle nur ein Jagdgast. Als typischer Ansitzjäger lauert sie am Schilf und in der Hecke nach Beute. Sowohl Männchen als auch Weibchen zeigen sich am Teich, Paarung und Eiablage spielen sich aber woanders ab.

Die blaue Invasion

Hufeisen-Azurjungfer Paarung

Die schlanken, blauen Libellen gehören im Sommer zu jedem Gewässer. Manchmal fliegen sie einzeln übers Wasser, manchmal im Tandem, die leuchtend blaue Libelle vorne, eine dezentere, grünliche hinten. Jeder glaubt, diese Allerweltslibellen zu kennen, aber wenn man versucht, sie zu bestimmen, stellt man bald fest, dass das ein Irrtum ist. Die Kombination Buberl blau, Mäderl grün ist bei den Libellen eine der häufigsten Farbvarianten. Es gibt gut zehn verschiedene Arten, die hier in Frage kommen und die sich manchmal nur durch kleine Merkmale in der Zeichnung unterscheiden.

Meist sind die Männchen zahlreicher. Sie tragen die blaue Signalfarbe und warten auf die Weibchen. Diese sind mit ihrer Tarnfarbe besser gegen Fressfeinde geschützt. An unserem Teich sind die zierlichen Libellen im blau-grünen Tandem fast ausschließlich Hufeisen-Azurjungfern. Warum sie Jungfern heißen, weiß ich nicht. Das Ablaichen erfolgt im Tandem. Das Weibchen taucht den Hinterleib ins Wasser, während das Männchen leicht aufgerichtet und startklar wartet, um bei Gefahr die Flucht einzuleiten. Schließlich gibt es größere Libellen, die sich im Sommer am Wasser umtreiben.

Die einzeln wartenden Männchen haben eine Vorliebe für Blüten. Sie sind Ansitzjäger und lauern dort, wo sich Insekten einfinden. Ihr Jagdrevier beschränkt sich nicht auf den Teich. Man findet sie bei der Gartenarbeit überall, in der Hecke und beim Gemüse. Den ganzen Sommer über schwirren die leuchtend blauen Nadeln durch die Luft, solange nur ein Gewässer in der Nähe ist. Anfangs traten sie nur vereinzelt auf, aber seit wir den Teich haben, werden sie von Jahr zu Jahr mehr.

Die Wassersammler

bienen

Wenn im Sommer die Temperaturen in die Höhe klettern, steigt auch der Wasserbedarf der staatenbildenden Insekten. Bienen, Hornissen und Wespen schleppen im Akkord Flüssigkeit in ihre Stöcke. Man sollte dafür schon bei der Anlage eines Teichs einen geeigneten Platz zur Verfügung stellen. Ein flacher Bereich mit Steinen ist dabei für Bienen ideal. Jeder Stock sichert sich dort im Sommer seine eigene Wasserstelle. Wenn man sie genau beobachtet, kann man aus ihrer Abflugrichtung darauf schließen, wo der Stock steht, den sie beliefern. Und sollte es über Nacht regnen, kann man am nächsten Morgen sehen, wie sich die Bienen neu orientieren, weil ihre gewohnten Landeplätze mit dem Regen unter dem gestiegenen Wasserspiegel verschwunden sind.

Mein Freund, der Rückenschwimmer

Rückenschwimmer

GelsenlarvenUnsere Regentonne hat einen Deckel. Der ist notwendig, um die Stechmücken abzuhalten. Aber so ein Deckel kann sich verschieben und schließt nicht immer dicht. Dann schlüpft eine Gelse durch und legt ihre Eier ab. Deshalb kontrolliere ich das Wasser in der Tonne regelmäßig, und neulich wurde ich fündig. Was aber hilft, wenn sich die schwarzen Mückenlarven einmal im Wasser tummeln?

Eine vollständige Reinigung der Tonne wäre eine Möglichkeit. BTI habe ich in einem früheren Beitrag schon erwähnt. Das ist ein Bakterium, das gezielt Stechmückenlarven angreift und zuverlässig vernichtet. Ich kann bestätigen, dass es funktioniert, würde es aber nur im Notfall verwenden, weil mir diese Form der biologischen Kriegsführung eher suspekt ist. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Löffel Spülmittel. Gelsenlarven hängen sich zum Atmen von unten an die Wässeroberfläche. Fehlt die Öberflächenspannung, funktioniert das nicht mehr und die Larve erstickt. Das habe ich noch nie probiert, klingt aber plausibel und etwas gemein. Es geht aber noch besser.

In jedem Gartenteich findet sich eine Kolonie Rückenschwimmer. Die Tiere gehören zur Gruppe der Wasserwanzen und sind relativ hässlich. Ihr Rückenpanzer ist glatt und glänzt silbrig, ein Tarnanstrich, damit man ihn von unten nicht sieht. Die Tiere hängen nämlich am liebsten mit der Bauchseite nach oben von der Wasseroberfläche. Man sieht schon, das ist der gleiche Lebensraum, den auch Gelsenlarven bevorzugen, nur sind Rückenschwimmer deutlich größer und recht gefräßige Räuber.

Ähnlich wie Wasserläufer über dem Wasser benützen Rückenschwimmer nur zwei Beinpaare zur Fortbewegung. Mit dem dritten Beinpaar halten sie die Beute fest und saugen sie aus. Von den Gelsenlarven bleibt nur die unverdauliche Chitinhülle übrig. Und das geht schnell. Setzt man ein paar Rückenschwimmer in die Regentonne, ist diese sehr schnell mückenlarvenfrei. Die Rückenschwimmer tauchen nicht besonders tief. Sie warten an der Oberfläche. Irgendwann müssen die Gelsenlarven ja auftauchen, um Luft zu holen. Diese Wasserwanzen sind sehr effiziente und unauffällige Jäger. Man sieht vor allem das Ergebnis, lauter ausgesaugte Mückenlarven. Also die ideale Lösung, um eine Regentonne gelsenfrei zu halten? Nicht wirklich.

Der Rückenschwimmer hilft nur in Notfällen. Eine Regentonne ist nicht das natürliche Habitat dieser Tiere, und man sperrt gute Freunde nicht ein. Nach ihrem Einsatz kommen sie zurück in den Teich. Rückenschwimmer können nämlich fliegen, um von einem Gewässer ins nächste zu gelangen. Dafür müssen sie aber an Land klettern und ihre Flügel trocknen. Den Start habe ich noch nie gesehen, aber die Landung ist witzig. Das Tier lässt sich einfach ins Wasser fallen. Es macht kurz Plopp, und dann steigt der Rückenschwimmer an die Oberfläche. Für den Auftrieb ist die Atemluftreserve verantwortlich.

Nicht immer hat man außerdem ausgewachsene Rückenschwimmer zur Verfügung. Die Tiere überwintern im Wasser und sterben im Laufe des Sommers. Die nächste Generation sieht von Anfang an den erwachsenen Exemplaren ähnlich, ist aber zunächst nicht viel größer als ein Wasserfloh. Die Jungen erreichen erst nach mehrfacher Häutung ihre endgültige Große.

Ich würde übrigens nicht empfehlen, einen Rückenschwimmer mit der Hand zu fangen, denn sie heißen auch Wasserbienen und können empfindlich stechen. Das ist mir allerdings noch nie passiert, denn die Tiere haben einen ausgeprägten Fluchtreflex und machen Platz, wenn ein Schwimmer vorbei kommt. Wie gesagt, ich finde sie hässlich, aber abgesehen davon haben sie alles, was gute Freunde ausmacht.

 

Das Leuchten zu Johannis

Die Dämmerung ist rund um die Sommersonnenwende eine ereignisreiche Zeit. Mit Einbrechen der Nacht beginnt am Teich ein beeindruckendes Leuchten. Unzählige grünliche Punkte flammen auf und senden ihre Singale. Wenn man genau hinsieht, kann man zwei Gruppen von Leuchtpunkten erkennen: Die einen gleiten langsam durch die Luft, die anderen verharren regungslos in Sträuchern und am Boden.

Bei den Gühwürmchen sind die Weibchen flugunfähig. Sie behalten auch als adulte Tiere ihre Larvenform und locken mit ihren Leuchtorganen die Männchen herbei. Dass auch die Männchen Leuchtsignale aussenden, ist eigentlich eine Verschwendung der Natur. Um die Geschlechterpaare zusammen zu bringen, würde es auch reichen, wenn nur die Weibchen leuchten, wie das bei anderen Leuchtkäfern der Fall ist. Dass wir im Frühsommer die bekannten Leuchtpunkte durch die Abendluft schwirren sehen, ist ein Zeichen dafür, dass die Kommunikation mittels Lichtsignalen komplizierter abläuft, bevor Männchen und Weibchen zusammen finden.

Wir nennen diese wunderlichen Tiere Glühwürmchen. Ein anderer, älterer Begriff ist Johanniskäfer, weil ihr Leuchten rund um den Johannistag am 24. Juni gehäuft auftritt. Tatsächlich sind es auch Käfer und keine Würmer, obwohl die larvenförmigen Weibchen kaum wie Käfer aussehen. Die erwachsenen Tiere nehmen keine Nahrung zu sich. Sie werden auch nicht besonders alt und sterben wenige Tage nach der Paarung.

Für den Gärtner ist der Anblick dieser Tiere trotzdem ein Grund zur Freude, denn ihre Larven leben bis zu drei Jahre lang und ernähren sich hauptsächlich von Schnecken. Der kleine Leuchtkäfer bevorzugt feuchte Lebenräume, ein Teich mit dichten Sträuchern in der Nähe ist daher ideal.