Ein beliebtes Versteck

Hausspatz

Unser Apfelbaum wird langsam hohl. In der Stammgabel hat sich eine Vertiefung gebildet, wo sich regelmäßig Wasser sammelt. Mittlerweile ist das Loch mehrere Zentimeter tief.

Der Platz ist ein beliebtes Versteck für Spinnen und Insekten. Beliebt ist die Stelle vor allem bei unseren Hausspatzen. Sie kontrollieren regelmäßig die Neuzugänge und schaffen sie weg.

Dass auf den Bildern ein Weibchen zu sehen ist, deutet schon an, warum der Futterbedarf plötzlich gestiegen ist, und die Geräusche, die aus dem Inneren des Nistkasten dringen, bestätigen es: Die erste Brut ist geschlüpft und will versorgt werden. Schon praktisch, dass unsere Hausspatzen mittlerweile Routine haben und ihr Revier kennen. Sie wissen, wo sie nach den passenden Leckerbissen suchen müssen.

Hausspatz

AMA und die Inzest-Bauern

Am Wochenende bin ich im Standard über eine Werbung der Agrarmarkt Austria gestolpert, die ich hier gern kostenlos wiedergebe, weil sie viel darüber aussagt, worin das Dilemma unserer modernen Landwirtschaft und ihrer Vermarktung besteht.

AMA-Werbung im StandardDer unbekannte Werbetexter lässt darin seine Cousine Moni, eine Milchbäuerin, darüber schwadronieren, was sie so nervt: „Das mit unserer Kultur‘ [sic!] nämlich. Alle reden sie davon, und wissen gar nicht, was sie eigentlich damit meinen!“

Ich bin ein großer Fan vom Depperlapostroph in all seinen Varianten, und ohne s dahinter kannte ich es noch gar nicht. Außerdem war ich gespannt, was folgen würde: der übliche Mozart oder doch die Walzerseligkeit des Neujahrskonzerts? Worauf wollte die von der AMA ernannte Kulturexpertin hinaus? Vielleicht ein zeitkritisches Zitat der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin? – Nein, die Moni meinte natürlich das von ihr hergestellte Produkt:

„Denn die Milch zählt bei uns zu den angestammten, uralten Kulturgütern.“

Das weiß die Moni genau, schließlich hat sie den Hof von ihren Eltern übernommen. Apropos Familie, die ist natürlich auch ganz wichtig auf dem Land:

„Im Grunde ist das ganze Dorf eine einzige Großfamilie“, lacht die Moni, „auch die Viecher zählen dazu!“

Wie hat man sich das vorzustellen? Die spielenden Kinder auf dem Hauptplatz sind alle dem Großbauern wie aus dem Gesicht geschnitten, im Hintergrund schlurft der Dorftrottel durchs Bild, und der Genpool wird maximal dann aufgebessert, wenn die fahrenden Händler vorbei kommen und sich die Franzi am Heuboden ihrer erbarmt? Ich dachte, diese geschmacklose Variante des Dorfschwanks ist spätestens mit der Autobahnanbindung aus der Mode gekommen.

Aber die Moni muss es besser wissen, sie ist ja Kulturexpertin. Und sie hat noch mehr auf Lager:

„Frühling ist, wenn es frisches Gras gibt. Wenn es zum Almauftrieb geht, steht der Sommer vor der Tür.“

Anders lassen sich die Jahreszeiten auch kaum feststellen. In Zeiten des Klimawandels könnte man noch sagen, Winter ist, wenn man aus dem Fenster steigen muss, weil der Schnee bis zum ersten Stock liegt, und im Hochsommer, wenn der Mais auf den Feldern verdörrt, staubt es wie in der Wüste. Aber das ist neumodisches Zeugs so wie die deutsche Grammatik zum Beispiel:

„Milch und Milchprodukte sind ein wesentlicher Teil unserer Ernährung, vom Milchschaum im Melange [sic!] über den Oberskren bis zur Käseplatte.“

Ehrlich? Im Melange? Aufpassen! Die ist immer noch feminin. Es sind schon Leute für weniger aus einem Wiener Kaffeehaus geflogen. Aber kommen wir von der rauen Kultur der Großstadt zurück zur Postkartenidylle, wo sich die Moni am Ende ihres Vortrags ein Glas Milch gönnt. Wir können davon ausgehen, dass dieses nicht von der Alm kommt, sondern aus einem Stall, in dem eine Kuh neben der anderen angebunden steht, und zweimal am Tag wird die Melkmaschine angesteckt. Anders könnte die Moni nämlich nicht gewinnbringend wirtschaften angesichts der Tatsache, dass ihr die Molkereien seit Jahrzehnten nur um die 35 Cent pro Kilo Milch bezahlen (Quelle AMA).

Aber warum druckt der Standard als Qualitätszeitung eigentlich diese schwachsinnige Werbung? Im Gegensatz zu Österreichs Milchbauern bekommt er dafür ein angemessenes Honorar mit Preisgarantie. Woche für Woche finden sich Texte von ähnlichem Niveau auf Seite drei. Und nicht nur im Standard. Noch teurer ist die Fernsehwerbung der AMA, die seit zwei Jahrzehnten über unsere Bildschirme flimmert. Und die Agrarmarkt Austria finanziert nicht nur unsere Medien mit ihren Millionen, auch für die Wissenschaft fällt etwas ab. In ihren Inseraten kommt immer irgendein Universitätsprofessor zu Wort, der etwas von Kalzium, Inhaltsstoffen und gesunder Ernährung schwafelt. Und es ist komischerweise nie einer von denen, die darauf hinweisen, dass der Osteoporose-Anteil in China nicht höher ist als anderswo, obwohl die Mehrzahl der Chinesen keine Laktose verträgt. Im Inserat vom 30. März meint beispielsweise ein Prof. Dr. K., Leiter des Departments für Ernährungswissenschaften der Universität Wien:

„Es gibt überhaupt kein Lebensmittel, das spezifisch für den Menschen da ist, außer seine eigene Muttermilch – und die enthält Laktose. Diese Thematik hat viel damit zu tun, dass wir uns heutzutage sehr stark auf unseren Körper fokussieren und einfach nicht mehr akzeptieren können, dass es gewisse Wehwehchen gibt, die einfach zum Leben dazugehören. Jedes Bauchzwicken muss inzwischen irgendein Ernährungsdrama sein. Echte Laktoseintoleranz ist seltener als häufig vermutet.“

Da können wir dem Herrn Professor gern widersprechen: Laut Wikipedia betrifft die Laktoseintoleranz 75% der erwachsenen Weltbevölkerung, im deutschsprachigen Raum sind es immerhin noch 15%. Und von Bauchzwicken kann auch keine Rede sein. Ohne das Verdauungsenzym Laktase wandert der Milchzucker in den Dickdarm und wird von den dort vorhandenen Bakterien verdaut. Die machen damit ähnliches wie die Hefe im Germteig mit der Stärke. Als Verdauungsprodukt entstehen Gase, unser Darm geht im wahrsten Sinne des Wortes auf wie ein Germteig, und das Ergebnis drückt es einem dann mit Hochdruck ins ebenfalls sprichwörtliche Kreuz hinauf. Shit happens. Und, nur damit das klar ist: Das ist kein Schauspieler-Professor wie der Typ aus der Zahnpastawerbung. Der steht im Vorlesungsverzeichnis. Den lassen sie an der Uni auf unsere studierenden Kinder los.

Fragt sich nur noch: Wer ist die AMA, was will sie, und woher hat sie das viele Geld, mit dem sie Werbung, Medien und Wissenschaft kaufen kann?

Die Agrarmarkt Austria ist eine GesmbH mit gesetzlichem Auftrag. Sie „verfolgt das Ziel, sachlich-objektiv und faktenbasiert über Rohstoffe für die Lebensmittelerzeugung und über die Lebensmittel an sich aufzuklären.“ Hauptinstrumentarium dieses Marketings ist das AMA-Gütesiegel:

AMA-Gütesiegel„Seit zwanzig Jahren kennzeichnet das AMA-Gütesiegel Nahrungsmittel mit besondere [sic!] Güte. Die Länderfarben und die Herkunftsbezeichnung erklärt [sic!] transparent, woher die Rohstoffe stammen. Alle Kriterien werden von unabhängigen Stellen kontrolliert.“

Die Rechtschreib- und Grammatikprüfung rennt jedenfalls nicht drüber, sonst müsste ich nicht ständig „[sic!]“ in die Zitate einfügen. Aber das sind halt Profis, die brauchen sowas nicht. Die machen auch den ganzen Tag nichts anderes als Marketing für Lebensmittel. Und wer bezahlt das ganze Tamtam?

„Finanziert wird die AMA-Marketing GesmbH zum überwiegenden Teil durch verpflichtende Agrarmarketingbeiträge von Landwirten und Verarbeitern, durch Gebühren der Lizenznehmer und durch EU-Mittel zur Unterstützung ausgewählter Marketingmaßnahmen. Entsprechend den EU-rechtlichen Beschränkungen werden die Marketingmaßnahmen vor ihrer Durchführung von der EU geprüft.“*)

Na, dann ist ja alles gut. Die Moni und ihre KollegInnen dürfen sich die Darstellung der dümmlichen Idylle auch noch zwangsweise selbst bezahlen – von den 35 Cent pro Kilo Milch. Dafür wird aber auch alles dreimal geprüft und mit Siegel versehen. Wissenschaftliche Expertise inbegriffen. Nur auf die Rechtschreibprüfung haben sie vergessen. Und dass wir längst eine andere Form der Landwirtschaft bräuchten, um die Feinstaubbelastung durch Gülle, die Bodenerosion und das Insektensterben in den Griff zu bekommen, erwähnt jetzt auch keiner extra. Hauptsache wir trinken brav unsere Milch. Ich hole mir jetzt gleich ein gutes frisches Glas – und dann schnell aufs Klo!

Neuzugang Braunfrösche

Grasfrosch

Bislang war alles, was in unserem Gartenteich ablaicht, eine Erdkröte. Es gibt sie hell, es gibt sie dunkel, manche sind glatter, andere warzig, das irritiert manchmal, aber am Ende kommen immer zwei lange Gallertschnüre mit unglaublich vielen schwarzen Eiern heraus. So laicht außer den Erdkröten keine andere Amphibienart.

Nach vier Jahren ist plötzlich alles anders. Unter den Amphibien ist die Artenvielfalt ausgebrochen. Zuerst habe ich die Springfrösche gehört aber nicht erkannt. Erst durch den Laich fielen sie mir auf. An einem alten Halm der Schwanenblume hafteten die Eier in Kugelform. Ein paar Tage später gesellte sich die Hinterlassenschaft der Grasfrösche hinzu. Ihre Laichkugeln, unten rechts abgebildet, finden sich im flachen Teil des Teichs. Mit der Zeit quillt die gallertige Masse auf, dadurch treibt sie an der Oberfläche und wärmt sich in der Sonne. Das verschafft dem Nachwuchs einen Startvorteil. Die Grasfrösche haben die Springfrösche mittlerweile überholt und ihre Kaulquappen haben früher zu schwimmen begonnen.

Gemeinsam mit dem Moorfrosch fasst man Springfrosch und Grasfrosch unter dem Begriff Braunfrösche zusammen, und das ist gut so. Den Laich und die Laute kann man unterscheiden – der Springfrosch schnarrt dezent mehrmals hintereinander während der Grasfrosch schnurrt wie eine laute Katze – die Frösche selber wirken für mich aber alle gleich. Die gestreiften Hinterbeine haben sie gemeinsam, aber untereinander sind sie schwer zu unterscheiden. Jedesmal, wenn ich mich nach dem Aussehen festgelegt habe, hat das Exemplar dann den falschen Ruf ausgestoßen, als hätte der Frosch einen Synchronsprecher dabei.

Wer es genau wissen will und in Tirol wohnt, kann sich übrigens bei der Universität Insbruck melden. Die haben dort ein Projekt, das mithilfe von Umwelt-DNA den Amphibienbesatz in Teichen anlysiert. Dafür muss man nur eine Wasserprobe einsenden. Mir reicht, dass die Artenvielfalt bei uns langsam zunimmt. Gemeinsam mit vereinzelten Molchen, die mir auch schon aufgefallen sind, machen Kröten und Frösche zusammen mindestens vier von 20 in Österreich lebenden Amphibienarten. Das ist viel mehr als ich beim Anlegen des Teichs erwartet hätte, schließlich sind einige Arten regelrechte Lebensraumspezialisten, die sich nie in unseren Garten verirren werden.

Und was an den Braunfröschen, Kröten und Molchen noch auffällt, ist ihre mangelnde Lautstärke. Sie sind extrem leise. Ihre Schallblasen sind innenliegend, und das ist nicht nur für unsere Nachtruhe sehr angenehm, sondern auch unlogisch. Es heißt, dass laichgewässertreue Arten keine außenliegenden Schallblasen brauchen, weil die Männchen ihre Weibchen nicht über weite Distanz rufen müssen. Dementsprechend müssten neue Gewässer zuerst von lautstarken Fröschen besiedelt werden. Bei uns war es aber genau umgekehrt. Die Erdkröten, die zuerst gekommen sind, hört man kaum, und auch das Quaken der Braunfrösche ist nicht viel lauter.

Für dieses Jahr ist die Laichzeit aber sowieso vorbei. Die nächsten Wochen gehören den Kaulquappen. In großen schwarzen Wolken werden ihre Schwärme den Teich durchpflügen. Allein den Laich der Erdkröten schätze ich auf 30.000 Eier, und das ist mehr, als wir jemals hatten. Diese Überfülle ist notwendig, weil die meisten Exemplare im Laufe ihrer Entwicklung einer Unzahl von Fressfeinden zum Opfer fallen. Und spätestens Anfang Juni, wenn die Temperaturen sommerlich werden und der Sauerstoffgehalt im Teich dadurch zurück geht, ist die Metamorphose abgeschlossen und der ganze Spuk mit einem Schlag wieder vorbei.

Manches wird nichts

Was lange währt, wird selten gut. Ich fertige jedes Jahr im Winter neue Röhrchen für unsere Mauerbienen an. Entweder mache ich diese Nisthilfen aus Pflanzenstängeln, oder ich bohre Löcher in Hartholz. Beide Methoden sind arbeitsaufwändig, und egal, wie viele Röhrchen ich auch fertige, im Frühling sind es dann trotzdem immer zu wenige.

Im Winter 2017/18 habe ich mir eine neue Konstruktion überlegt. Ich habe Buchenholzplatten mit Gewindestangen fest verschraubt und dann die Löcher an den Schnittstellen von der Seite hinein gebohrt. Der Vorteil ist, dass man nach dem Bohren die Platten wieder auseinander nehmen und die Röhrchen von Spänen befreien und innen sauber schleifen kann. Außerdem habe ich mir gedacht, dass ich sie später auf die gleiche Weise wieder reinigen kann. Leider hielten unsere Mauerbienen von dieser Konstruktion gar nichts. Wahrscheinlich waren die Platten doch nicht so plan aufeinander gepresst, wie ich gedacht hatte, und seitliche Spalten sind immer eine Eindringmöglichkeit für Parasiten. Ganze fünf Röhrchen wurden verstopft. Stattdessen füllten die Mauerbienen jeden Gartenschlauch, den sie finden konnten.

Die Witterung im Winter gab den Bienen recht. Das Holz verzog sich, und so habe ich die Konstruktion vor Beginn der Mauerbienen-Saison wieder zerlegt, um zu vermeiden, dass weitere Röhrchen belegt wurden.

Es ist für mich immer schwierig, einen Blog-Beitrag über einen Misserfolg zu schreiben, dabei wären vielleicht auch solche abschreckenden Beispiele sinnvoll, also habe ich mir gedacht, ich verbinde die Beschreibung der Fehlkonstruktion mit ein paar spektakulären Bildern aus dem Inneren einer Brutröhre. Die Aufnahmen waren allerdings mäßig. Dass die erste Kammer oft leer bleibt, ist keine tolle Erkenntnis, das mussten unsere Kohlmeisen schon vor Jahren beim Aufpecken frustriert feststellen. Und mit den tollen Aufnahmen von geöffneten Brutkammern, wie man sie aus Wildbienen-Büchern kennt, waren meine Fotos nicht vergleichbar. Also verwarf ich den Beitrag wieder und legte alles auf die Seite.

Gestern Nachmittag fiel mir auf, dass die ersten Bienen bereits geschlüpft waren. Und nicht nur das. Der nächste Kokon hatte auf der Seite ein Loch und die Biene darin schien sich zu bewegen. Ich fertigte ein Foto an und konnte tatsächlich ein Bein erkennen, das bereits herausgestreckt wurde.

Schlüpfende Gehörnte Mauerbiene #1

Als nächstes sah ich einen Fühler und ein Auge. Auch ihre Beißwerkzeuge, die Mandibel wurden sichtbar. Die Biene begann ihren Kopf aus dem Kokon zu strecken.

Schlüpfende Gehörnte Mauerbiene #2

Zuerst war ich ganz aufgeregt, um nur ja kein Foto zu versäumen, aber mit der Zeit wurde ich entspannter. Geburten dauern immer lange, auch wenn diese quasi ein Kaiserschnitt war, weil die Biene sich seitlich herauszwängen konnte und sich nicht auch noch durch die vor ihr liegende Kammer durchbeißen musste.

Ich holte mir einen Kaffee. Die Biene hatte es nicht eilig, sie zog sich während des Schlüpfprozesses immer wieder zurück und verfiel in Starre. Mittlerweile schritt der Nachmittag voran und es wurde auch langsam wieder kühler. Ich fürchtete schon, dass die Mauerbiene es an diesem Tag nicht mehr schaffen würde, doch dann schob sie auch noch einen zweiten Fühler durch die Öffnung, die Augen wurden sichtbar, und dann war der Kopf soweit durch, dass man eine männliche Gehörnte Mauerbiene identifizieren konnte.

Schlüpfende Gehörnte Mauerbiene #3

Sie sah direkt in die Kamera. Der erste Blick auf die Welt galt quasi mir. Es ist immer ein erhebendes Gefühl, eine Geburt mitzuerleben, und man weiß ja, wenn erst einmal der Kopf durch ist, kann nichts mehr passieren, dann ist der Rest eine Kleinigkeit. Man kann quasi schon den Sekt einkühlen, bei Menschen – nicht so bei Mauerbienen. Das kleine Kerlchen zog sich wieder in seinen Kokon zurück und verharrte für den Rest des Nachmittags bewegungslos.

Schlüpfende Gehörnte Mauerbiene #4

Nur ein Fühler und ein Auge linsten noch durch das Loch. Der erste Aufbruch wurde auf einen der nächsten Tage verschoben, wenn kein lästiger Fotograf vor der Brutkammer wartet. So eine Biene liegt aber auch fast ein Jahr fertig verpuppt in ihrem Kokon. Da kommt es auf ein paar Stunden mehr oder weniger nicht an. Ich werde den entscheidenden Moment jedenfalls nicht mitbekommen. Eine 40-Stunden-Woche und mangelnde Geduld hindern mich daran.

Vor eineinhalb Jahren habe ich diese Konstruktion entworfen und darüber nachgedacht, wie ich sie in einem Blog-Beitrag präsentieren kann. Die Mauerbienen haben letztes Jahr die Annahme verweigert, aber ich habe nicht aufgegeben. Die ersten Bilder der zerlegten Röhren waren zwar eine Enttäuschung, aber dann, als sich doch noch ein Happy End abzeichnete – das Schlüpfen einer Mauerbiene, die Entfaltung der Flügel, der erste Abflug – ist die Biene zu faul den nächsten Schritt zu tun und legt sich einfach wieder hin. Man kann im Leben machen, was man will: Manches wird halt nichts!

Täuschen und Tarnen

Stabwanze

Bei Phytomimese, also dem nachahmen von Pflanzenteilen durch Lebewesen, kommen einem sehr schnell die Stab- oder Gespenstschrecken und das Wandelnde Blatt in den Sinn. Dabei gibt es auch bei uns jede Menge Täuscher und Tarner.

Totes Blatt (Drepanepteryx phalaenoides)Das Tote Blatt (Drepanepteryx phalaenoides) beispielsweise ist ein Verwandter der Florfliegen und so wie diese ein fleißiger Vernichter von Blattläusen. Es gilt als eher selten, aber wer weiß das schon bei einem Insekt, das täuschend echt wie ein trockenes Blatt aussieht. Das Exemplar rechts habe ich letztes Jahr bei uns im Garten auch nur entdeckt, weil es an einer Stelle saß, wo beim besten Willen keine trockenen Blätter hängen bleiben.

Die meisten Insekten benützen Phytomimese, um sich gegen Fressfeinde zu schützen. Die Gespenstschrecken sind zum Beispiel alle Pflanzenfresser. Sie haben ihre Verteidigungsstrategie so weit verinnerlicht, dass sie sich auch bei Berührung kaum bewegen oder Abwehrreaktionen zeigen.

Anders die ähnlich aussehende Stabwanze oder Wassernadel, die ich letzte Woche bei uns im Gartenteich entdeckt habe. Mit ihrem langen Atemrohr hängt sie unter der Wasseroberfläche und lauert gut getarnt auf Beute. Selbst größere Tiere wie Rückenschwimmer oder Wasserkäfer müssen sich vor ihr in Acht nehmen.

Angeblich kann sie auch ausgezeichnet schwimmen und fliegen. Die meiste Zeit liegt sie allerdings auf der Lauer. Ein geduldiges Motiv für den Fotografen, wenn man sie erst einmal entdeckt hat.

Stabwanze