Ein beliebtes Versteck

Hausspatz

Unser Apfelbaum wird langsam hohl. In der Stammgabel hat sich eine Vertiefung gebildet, wo sich regelmäßig Wasser sammelt. Mittlerweile ist das Loch mehrere Zentimeter tief.

Der Platz ist ein beliebtes Versteck für Spinnen und Insekten. Beliebt ist die Stelle vor allem bei unseren Hausspatzen. Sie kontrollieren regelmäßig die Neuzugänge und schaffen sie weg.

Dass auf den Bildern ein Weibchen zu sehen ist, deutet schon an, warum der Futterbedarf plötzlich gestiegen ist, und die Geräusche, die aus dem Inneren des Nistkasten dringen, bestätigen es: Die erste Brut ist geschlüpft und will versorgt werden. Schon praktisch, dass unsere Hausspatzen mittlerweile Routine haben und ihr Revier kennen. Sie wissen, wo sie nach den passenden Leckerbissen suchen müssen.

Hausspatz

Nur ein Foto

Stieglitz

Der Stieglitz ist schon ein seltsamer Kerl. Er ist farblich einer der auffälligsten Vögel, die uns im Garten besuchen, und trotzdem fällt er kaum auf. Wenn er bei uns vorbei schaut, mischt er sich oft unter die Feldspatzen, dann nimmt man ihn im Gestrüpp trotz seiner bunten Zeichnung kaum wahr.

Puzzle hatte neulich auf ihrem Blog eine Serie mit tollen Fotos von Stieglitzen am Futterhaus. Für mich war das ein ungewohnter Anblick. Vielleicht aber auch, weil ich den Futterspender um diese Zeit meist schon wegräume. Der Stieglitz ist bei uns im Garten eher nur auf Durchzug und seine Auftritte konzentrieren sich auf die Übergangszeit vor und nach dem Winter. Dieses Jahr habe ich noch Sonnenblumenkerne übrig, und siehe da, auch an unserem Futterspender bedienen sich die Vögel.

Meistens sitzt der Stieglitz aber halb verdeckt im Gebüsch. Fotografieren lässt er sich dort nur schwer, weil das Geäst den Autofokus irritiert oder die schwarze Augenbinde im Schatten liegt und man die Augen nicht sieht. Im Blick hat er einen aber immer, der aufgeweckte kleine Kerl.

Das folgende ist einfach nur ein Foto, aber ein für die momentane Zeit charakteristisches. Nur die anderen drei, vier Stieglitze, die rundum verteilt sitzen, muss man sich dazu denken, denn allein unterwegs ist er selten.

Stieglitz

Frisches Grün

Pfaffenhütchen Knospe

Das Pfaffenhütchen ist, wie man in der Wikipedia nachlesen kann, in allen Teilen giftig. Die Pflanze hat sich so durch den Selektionsdruck an ihre Fressfeinde angepasst und kann es sich deshalb leisten, schon sehr früh im Jahr grüne Knospen zu bilden, wenn frische Vitamine nach der eintönigen Winterkost eine begehrte Abwechslung darstellen. Diese Strategie wird spätestens dann von durchschlagendem Erfolg gekrönt sein, wenn die Blaumeise ihrerseits auf ihrem Entwicklungsweg so weit fortgeschritten ist, das sie Wikipedia-Einträge lesen kann. Bis dahin kann man nur sagen: Die Evolution ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Die Möwen mausern sich

Möwe in der Mauser

Seit ich die Lachmöwen Ende November das erste Mal gezeigt habe, waren sie mir auf meinem Weg zur Arbeit ein ständiger Begleiter. Wenn ich mit dem Fahrrad den Donaukanal entlang fuhr, flogen sie parallel zu mir über dem Wasser dahin. Oft hatte ich die Kamera dabei. Es sind zahllose Aufnahmen für den Papierkorb entstanden, denn die wendigen Flieger sind bei schlechten Lichtverhältnissen nur schwer zu erwischen.

Lachmöwe im Sommerkleid Anfangs war ich ja nicht ganz sicher, ob es sich wirklich um Lachmöwen handelt. Auf den meisten Abbildungen im Netz findet man sie nämlich mit einem dunklen Kopf. Die Augen sind weiß umrandet, wobei der Rand vorne unterbrochen ist. Das ist das Sommerkleid.

Ich kenne Möwen nur mit weißem Kopf, denn bei uns zeigen sie sich hauptsächlich im Winter. Erst in den letzten Wochen sind vereinzelt auch Exemplare mit brauner Sommerhaube aufgetaucht. Die Mauser setzt ein und kündigt den Abflug in die Brutreviere an. Die Zeit der Möwen wird für dieses Jahr bald zu Ende sein.

Der Radweg am Donaukanal führt unter zahlreichen Brücken hindurch. Dort kreisen die Möwen am liebsten. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass hie und da jemand Brotstücke von einer der Brücken in den Donaukanal wirft. Im Wasser landen die Brocken nur selten, viel zu geschickt kurven die Möwen durch die Luft und fangen, was ihnen zufliegt.

Die für die Wiener Gewässer zuständige Magistratsabteilung 45 sieht solche Fütterungen nicht so gern. Der zusätzliche Nährstoffeintrag belastet die Wassergüte, aber mit der Kamera hat man unter der Brücke wenigstens eine kleine Chance, die Tiere im Flug zu fotografieren.

Möwen auf LaterneBis zu 30.000 Möwen besuchen jedes Jahr Wien. Sie schätzen den milden Winter, die offenen Wasserflächen und die vielen Sitzgelegenheiten mit Aussicht wie zum Beispiel diese Laterne bei der U-Bahn-Station Schottenring mit Blick Richtung Schwedenplatz. Das zweite Exemplar von rechts ist übrigens zum ersten Mal hier. Diese Möwe trägt noch die Zeichnung der Jungvögel.

 

Zwei Krähen, zwei Tauben

Krähe

Manchmal könnte ein und dieselbe Tierart unterschiedlicher nicht sein. Die Krähe auf dem linken Bild sitzt vielleicht zwanzig Meter entfernt auf einem Baum. So vorsichtig konnte ich sie gar nicht anvisieren, dass sie es nicht bemerkt hätte. Unmittelbar nach dem Auslösen ist sie weggeflogen und hat sich einen bequemeren Platz gesucht.

Ganz anders die Krähe auf dem rechten Bild. Sie verscheucht gerade resolut eine Gruppe Enten und Möwen und lässt sich dabei auch von einem Fotografen nicht beirren. Die Fluchtdistanz ist mit drei, vier Metern noch lange nicht unterschritten. Aber worin liegt der Unterschied?

Es sind beides freilebende Nebelkrähen, und trotzdem sind sie in ihrem Verhalten so verschieden wie Nacht und Tag oder  – Stadt und Land, genau. Die linke Krähe ist in Unterkärnten zu Hause. Sie hat gelernt, den Menschen aus dem Weg zu gehen. Auf dem Land gilt sie als Schädling, der die Felder plündert. Wenn ihre Art überhand nimmt, werden Abschussquoten festgelegt. Für sie ist es deshalb besser, unauffällig zu bleiben. Auf die rechte Krähe schießt niemand. Im Wiener Stadtpark würden sich sofort die Pensionisten beschweren. Schließlich müssten sie sonst mit ihren Essensresten direkt die Ratten füttern, wenn es keine Vögel gebe.

Wenn man sich in einem Wiener Park auf die Erde kniet, um Vögel zu fotografieren, läuft der Zoomschalter in die falsche Richtung. Ständig muss man Brennweite reduzieren, um das Motiv im Bild zu behalten. Das gilt für Enten, Krähen und Tauben gleichermaßen. Bei den Tauben ist der Kontrast zwischen Stadt und Land fast noch größer, und das hat einen zusätzlichen Grund, wie man auf den folgenden Bildern erkennen kann.

Stadt- und Landtauben gehören meist unterschiedlichen Arten an. Das linke Bild zeigt eine Türkentaube auf der Stromleitung sitzend, die über unseren Garten verläuft. Auch hier hat das Teleobjektiv nachhelfen müssen, und ein zweites Foto gab es nicht. Da war der Vogel schon weg.

Die Stadttaube auf dem rechten Bild ist eigentlich eine verwilderte Haustaube, und diese stammt wiederum von der Felsentaube ab. Verwildert sind diese Tauben schon in der Antike, aber das Haustiergen wohnt ihnen immer noch inne. Wenn sie einen Menschen sehen, der sich vor ihnen niederkniet, stellen sie sich in erster Linie die Frage, was der gute Onkel mitgebracht hat.

Die Zuchtauswahl bei der Domestikation erklärt aber nicht alles. Schließlich gibt es eine Reihe von Tierarten, die in der Stadt ihre Menschenscheu verlieren, und es ist faszinierend, wie genau sie wissen, wem sie sich nähern können und um wen sie besser einen Bogen machen. Es scheint so, als könnten nicht nur Haustiere, sondern auch ihre wildlebenden Verwandten unsere Stimmungen ziemlich gut einschätzen. Man kann davon ausgehen, dass Emotionen eine Erfindung sind, die die Evolution schon vor uns gemacht hat, und deshalb verstehen uns diesbezüglich auch Tauben und Krähen.