Neuzugang Braunfrösche

Grasfrosch

Bislang war alles, was in unserem Gartenteich ablaicht, eine Erdkröte. Es gibt sie hell, es gibt sie dunkel, manche sind glatter, andere warzig, das irritiert manchmal, aber am Ende kommen immer zwei lange Gallertschnüre mit unglaublich vielen schwarzen Eiern heraus. So laicht außer den Erdkröten keine andere Amphibienart.

Nach vier Jahren ist plötzlich alles anders. Unter den Amphibien ist die Artenvielfalt ausgebrochen. Zuerst habe ich die Springfrösche gehört aber nicht erkannt. Erst durch den Laich fielen sie mir auf. An einem alten Halm der Schwanenblume hafteten die Eier in Kugelform. Ein paar Tage später gesellte sich die Hinterlassenschaft der Grasfrösche hinzu. Ihre Laichkugeln, unten rechts abgebildet, finden sich im flachen Teil des Teichs. Mit der Zeit quillt die gallertige Masse auf, dadurch treibt sie an der Oberfläche und wärmt sich in der Sonne. Das verschafft dem Nachwuchs einen Startvorteil. Die Grasfrösche haben die Springfrösche mittlerweile überholt und ihre Kaulquappen haben früher zu schwimmen begonnen.

Gemeinsam mit dem Moorfrosch fasst man Springfrosch und Grasfrosch unter dem Begriff Braunfrösche zusammen, und das ist gut so. Den Laich und die Laute kann man unterscheiden – der Springfrosch schnarrt dezent mehrmals hintereinander während der Grasfrosch schnurrt wie eine laute Katze – die Frösche selber wirken für mich aber alle gleich. Die gestreiften Hinterbeine haben sie gemeinsam, aber untereinander sind sie schwer zu unterscheiden. Jedesmal, wenn ich mich nach dem Aussehen festgelegt habe, hat das Exemplar dann den falschen Ruf ausgestoßen, als hätte der Frosch einen Synchronsprecher dabei.

Wer es genau wissen will und in Tirol wohnt, kann sich übrigens bei der Universität Insbruck melden. Die haben dort ein Projekt, das mithilfe von Umwelt-DNA den Amphibienbesatz in Teichen anlysiert. Dafür muss man nur eine Wasserprobe einsenden. Mir reicht, dass die Artenvielfalt bei uns langsam zunimmt. Gemeinsam mit vereinzelten Molchen, die mir auch schon aufgefallen sind, machen Kröten und Frösche zusammen mindestens vier von 20 in Österreich lebenden Amphibienarten. Das ist viel mehr als ich beim Anlegen des Teichs erwartet hätte, schließlich sind einige Arten regelrechte Lebensraumspezialisten, die sich nie in unseren Garten verirren werden.

Und was an den Braunfröschen, Kröten und Molchen noch auffällt, ist ihre mangelnde Lautstärke. Sie sind extrem leise. Ihre Schallblasen sind innenliegend, und das ist nicht nur für unsere Nachtruhe sehr angenehm, sondern auch unlogisch. Es heißt, dass laichgewässertreue Arten keine außenliegenden Schallblasen brauchen, weil die Männchen ihre Weibchen nicht über weite Distanz rufen müssen. Dementsprechend müssten neue Gewässer zuerst von lautstarken Fröschen besiedelt werden. Bei uns war es aber genau umgekehrt. Die Erdkröten, die zuerst gekommen sind, hört man kaum, und auch das Quaken der Braunfrösche ist nicht viel lauter.

Für dieses Jahr ist die Laichzeit aber sowieso vorbei. Die nächsten Wochen gehören den Kaulquappen. In großen schwarzen Wolken werden ihre Schwärme den Teich durchpflügen. Allein den Laich der Erdkröten schätze ich auf 30.000 Eier, und das ist mehr, als wir jemals hatten. Diese Überfülle ist notwendig, weil die meisten Exemplare im Laufe ihrer Entwicklung einer Unzahl von Fressfeinden zum Opfer fallen. Und spätestens Anfang Juni, wenn die Temperaturen sommerlich werden und der Sauerstoffgehalt im Teich dadurch zurück geht, ist die Metamorphose abgeschlossen und der ganze Spuk mit einem Schlag wieder vorbei.

Täuschen und Tarnen

Stabwanze

Bei Phytomimese, also dem nachahmen von Pflanzenteilen durch Lebewesen, kommen einem sehr schnell die Stab- oder Gespenstschrecken und das Wandelnde Blatt in den Sinn. Dabei gibt es auch bei uns jede Menge Täuscher und Tarner.

Totes Blatt (Drepanepteryx phalaenoides)Das Tote Blatt (Drepanepteryx phalaenoides) beispielsweise ist ein Verwandter der Florfliegen und so wie diese ein fleißiger Vernichter von Blattläusen. Es gilt als eher selten, aber wer weiß das schon bei einem Insekt, das täuschend echt wie ein trockenes Blatt aussieht. Das Exemplar rechts habe ich letztes Jahr bei uns im Garten auch nur entdeckt, weil es an einer Stelle saß, wo beim besten Willen keine trockenen Blätter hängen bleiben.

Die meisten Insekten benützen Phytomimese, um sich gegen Fressfeinde zu schützen. Die Gespenstschrecken sind zum Beispiel alle Pflanzenfresser. Sie haben ihre Verteidigungsstrategie so weit verinnerlicht, dass sie sich auch bei Berührung kaum bewegen oder Abwehrreaktionen zeigen.

Anders die ähnlich aussehende Stabwanze oder Wassernadel, die ich letzte Woche bei uns im Gartenteich entdeckt habe. Mit ihrem langen Atemrohr hängt sie unter der Wasseroberfläche und lauert gut getarnt auf Beute. Selbst größere Tiere wie Rückenschwimmer oder Wasserkäfer müssen sich vor ihr in Acht nehmen.

Angeblich kann sie auch ausgezeichnet schwimmen und fliegen. Die meiste Zeit liegt sie allerdings auf der Lauer. Ein geduldiges Motiv für den Fotografen, wenn man sie erst einmal entdeckt hat.

Stabwanze

Synchronschwimmen

Furchenschwimmer

Der Gemeine Furchenschwimmer heißt wahrscheinlich gemein, weil er einem die meiste Zeit den Hintern entgegenhält und sofort abtaucht, wenn man sich ihm mit der Kamera nähert.

Den Hintern aus dem Wasser strecken kann er auch paarweise, wie man sieht. Die Männchen haben dafür an den Beinen eigene Saugnäpfe, mit denen sie sich an den Weibchen festhalten. Diese Form des Synchronschwimmens scheinen sie öfter zu praktizieren, denn ihre Zahl hat in unserem Gartenteich in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Die erwachsenen Käfer überwintern unter Wasser und sind dadurch im Frühjahr sehr schnell aktiv. Mit den borstenbesetzten Hinterbeinen können sie geschickt schwimmen und ihrer Beute nachsetzen. Auch die Larven leben im Wasser und ernähren sich fleischlich. Ein Teich ist aber auch die Brutstätte für Kleinstlebewesen schlechthin. Dementsprechend viele Prädatoren gibt es im Wasser.

Fotografieren lassen sich die Gemeinen Furchenschwimmer am leichtesten im Sommer, wenn auch die Temperaturen des Wassers über ein erträgliches Maß hinaus steigen. Dann treiben sie nur noch geschlaucht an der Oberfläche und sind zu faul, um abzutauchen. Das folgende Bild ist vom August, die anderen sind aktuell.

Furchenschwimmer

Frühschwimmer

Erdkröte

Irgendwie sind dieses Jahr auch die Erdkröten früher dran. Letztes Jahr hätten sie Mitte März auch noch nicht in den Teich gekonnt, der war zu diesem Zeitpunkt nämlich fest zugefroren. Dafür ging dann alles schnell, im April stiegen die Temperaturen kräftig und die Kröten hatten bei der Paarung ziemlichen Stress. Den Weibchen bekommt diese Belastung unmittelbar nach der Winterpause schlecht, die schwächeren überleben dann die Paarung nicht.

Erdkröte Paarung

Dieses Jahr wirkt alles viel entspannter. Untertags merkt man die Massenansammlung im Teich kaum. Die Kröten sitzen die meiste Zeit unter Wasser, nur hie und da tauchen sie auf, um Luft zu holen, und nur wenn nachmittags die Sonne scheint, bleiben sie etwas länger an der Oberfläche treiben, um sich aufzuwärmen. Als Fotograf fällt es einem schwer, sich den Tieren zu nähern. Sie sind scheu und tauchen sofort ab.

Erdkröte

Ganz anders ist die Situation in der Nacht. Eine Taschenlampe lockt die Tiere eher an als sie abzuschrecken, und plötzlich sieht man auch, wie viele Männchen wirklich im Teich sind. Die schwimmen jetzt nämlich alle oben und warten auf eintreffende Weibchen. Und sie quaken. Es ist zwar deutlich leiser als bei Fröschen, aber doch hörbar. Die meisten Männchen quaken übrigens umsonst, denn sie sind den Weibchen gegenüber deutlich in der Unterzahl.

[Nachtrag vom 16.3.: Nachdem mittlerweile auch Gelege zu finden sind und zusätzlich zu den üblichen schwarzen Schnüren der Kröten auch wolkenförmiger Froschlaich zu sehen ist, würde ich meinen, dass die zwei Süßen auf dem letzten Bild dieses Beitrags keine Kröten sondern Springfrösche sind. Aber das wird eine andere Geschichte.]

Erdkröte Paarung

 

 

Ahornsirup

Biene auf Ahorhzweig

Während sich anderswo der Frühling bemerkbar macht, hinkt in unserem Garten die Pflanzenwelt zwei bis drei Wochen hinterher – das liegt an den 500 Höhenmetern und den Bergen im Hintergrund. Die Krokusse und die Frühlingsknotenblumen strecken noch nicht einmal die Blätter aus der gefrorenen Erde. Warum sollten sie auch, liegt ja großteils noch Schnee im Garten, und das ist sicher noch nicht der letzte, der dieses Jahr fällt.

Biene auf AhorhzweigTrotzdem war gestern ein sonniger Sonntag mit Temperaturen deutlich jenseits der zehn Grad. Und da wird dann lebendig, was den Winter überlebt habt. Auf der Hausmauer sitzen die ersten Fliegen in der Sonne, eine Spinne huscht über den Boden und sogar Honigbienen summen durch den Garten.

Die werden hungrig wieder heimfliegen müssen, denke ich mir. Selbst die Weidenkätzchen sind noch nicht aufgeblüht. Und dann komme ich am Ahorn vorbei, der am Zaun hinter dem Teich steht. Vor vielen Jahren hat er sich dort selbst angesetzt. Ich habe ihn später in die Hecke integriert. Alle paar Jahre wird er zurückgestutzt. Das ergibt wunderbare Stützstecken für die Paradeiser.

Als ich letzte Woche wieder einmal den Ahorn geschnitten habe, tat er mir fast ein bisschen Leid. Der Baum steht schon voll im Saft, und von den Schnittstellen hat es heruntergetropft wie ein leichter Frühlingsregen.  Mittlerweile hat sich die Pflanze wieder beruhigt und nässt nur noch leicht, aber an den Stämmen sieht man kleine, lange Rinnsäle mit klebrigem Ahornsaft.

Bis zum Sonnenuntergang konnte ich hier Honigbienen und andere Insekten beobachten, die sich an dem süßen Zeug labten. Zuerst war ich überrascht, aber so ungewöhnlich ist der Vorgang gar nicht. Diese Zuckersäfte nennt man Honigtau. Normalerweise werden sie von Blatt- oder Schildläuse aus den Bäume gezapft. Der Flüssigkeitsdruck ist dabei so hoch, dass die Tierchen einen Großteil ihrer Nahrung wieder ausscheiden müssen, und diese Ausscheidungsflüssigkeit dient den Bienen als Grundlage für den Waldhonig. Offensichtlich nehmen sie die Baumsäfte auch direkt, wenn Bruch- oder Schnittstellen vorhanden sind.

Man kann in der Natur halt machen, was man will, es hat alles seine Konsequenzen, und ein Heckenschnitt wird schnell zur Wildtierfütterung. Ob das für die Bienen gut ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Gebrochene Äste im Frühjahr sind im Wald aber sicher keine Seltenheit, und so ist diese Form der Nahrungsquelle den Bienen wahrscheinlich schon immer vertraut. Dem Ahorn hilft es jedenfalls, wenn die Zuckerschicht verschwindet, bevor sich Rußtaupilze bilden.

Biene auf Ahorhzweig