Ahornsirup

Während sich anderswo der Frühling bemerkbar macht, hinkt in unserem Garten die Pflanzenwelt zwei bis drei Wochen hinterher – das liegt an den 500 Höhenmetern und den Bergen im Hintergrund. Die Krokusse und die Frühlingsknotenblumen strecken noch nicht einmal die Blätter aus der gefrorenen Erde. Warum sollten sie auch, liegt ja großteils noch Schnee im Garten, und das ist sicher noch nicht der letzte, der dieses Jahr fällt.

Biene auf AhorhzweigTrotzdem war gestern ein sonniger Sonntag mit Temperaturen deutlich jenseits der zehn Grad. Und da wird dann lebendig, was den Winter überlebt habt. Auf der Hausmauer sitzen die ersten Fliegen in der Sonne, eine Spinne huscht über den Boden und sogar Honigbienen summen durch den Garten.

Die werden hungrig wieder heimfliegen müssen, denke ich mir. Selbst die Weidenkätzchen sind noch nicht aufgeblüht. Und dann komme ich am Ahorn vorbei, der am Zaun hinter dem Teich steht. Vor vielen Jahren hat er sich dort selbst angesetzt. Ich habe ihn später in die Hecke integriert. Alle paar Jahre wird er zurückgestutzt. Das ergibt wunderbare Stützstecken für die Paradeiser.

Als ich letzte Woche wieder einmal den Ahorn geschnitten habe, tat er mir fast ein bisschen Leid. Der Baum steht schon voll im Saft, und von den Schnittstellen hat es heruntergetropft wie ein leichter Frühlingsregen.  Mittlerweile hat sich die Pflanze wieder beruhigt und nässt nur noch leicht, aber an den Stämmen sieht man kleine, lange Rinnsäle mit klebrigem Ahornsaft.

Bis zum Sonnenuntergang konnte ich hier Honigbienen und andere Insekten beobachten, die sich an dem süßen Zeug labten. Zuerst war ich überrascht, aber so ungewöhnlich ist der Vorgang gar nicht. Diese Zuckersäfte nennt man Honigtau. Normalerweise werden sie von Blatt- oder Schildläuse aus den Bäume gezapft. Der Flüssigkeitsdruck ist dabei so hoch, dass die Tierchen einen Großteil ihrer Nahrung wieder ausscheiden müssen, und diese Ausscheidungsflüssigkeit dient den Bienen als Grundlage für den Waldhonig. Offensichtlich nehmen sie die Baumsäfte auch direkt, wenn Bruch- oder Schnittstellen vorhanden sind.

Man kann in der Natur halt machen, was man will, es hat alles seine Konsequenzen, und ein Heckenschnitt wird schnell zur Wildtierfütterung. Ob das für die Bienen gut ist oder nicht, kann ich nicht sagen. Gebrochene Äste im Frühjahr sind im Wald aber sicher keine Seltenheit, und so ist diese Form der Nahrungsquelle den Bienen wahrscheinlich schon immer vertraut. Dem Ahorn hilft es jedenfalls, wenn die Zuckerschicht verschwindet, bevor sich Rußtaupilze bilden.

Biene auf Ahorhzweig

 

14 Kommentare zu „Ahornsirup

      1. Es berichten ja rundum alle das Gleiche. Das ist schon eine Auffällige Veränderung. Bei uns war der letzte Winter extrem lang. Von Anfang Dezember bis Ende März war der Gartenteich zugefroren. Aber damit waren wir eher allein. Anderswo war es wärmer. Dieses Jahr scheint in ganz Europa der Frühling sehr früh zu beginnen. Der vielzitierte Klimawandel ist unübersehbar.

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  1. Der Ahornsirup wird den Honigbienen womöglich wesentlich wertvoller sein als der aus Mais oder anderen Pflanzen hergestellte Sirup, durch den die Imker ihnen den entnommenen Honig ersetzen, insofern ist es wahrscheinlich direkt ein Segen für sie.
    In den vergangenen Tagen habe ich bei uns Honigbienen an Haselkätzchen und Erlenkätzchen beobachtet, was mir bis dahin unbekannt war. Hasel blühen bei euch vielleicht auch hier und da an Gehölzrändern, wo sich die Sonnenwärme sammelt, dem Schnee zum Trotz?

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    1. Ich vermute auch, dass ihnen der Ahornsaft besser bekommt als vieles, was die Imker zufüttern. Noch besser wäre es wahrscheinlich, ihnen mehr von den Honigvorräten zu lassen. Ich hätte nichts dagegen. Wegen mir müssten sie auf den Honig nicht verzichten.
      Und ich kann mir gut vorstellen, dass sie auch an den ganz frühen Frühblühern gefallen finden, wenn der Frühling so einsetzt wie dieses Jahr. Sicher finden sie auch davon einiges in der Umgebung.

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      1. Dem stimme ich mal wieder zu. Man braucht sich über die Krankheitsanfälligkeiten der Bienenvölker nicht zu wundern, wenn ihre antibakteriell wirkenden gesammelten Nahrungseinheiten wie Honig und Pollen immer vollständig weggenommen werden und ihnen diese dann lediglich durch Minderwertiges ersetzt werden.
        Wenigstens zum Überwintern wäre das doch nur richtig, und auch das ist bei gewerbsmässigen Imkern oftmals nicht üblich.
        Honigbienen werden anscheinend genauso schlecht behandelt wie andere Nutztiere des Menschen .

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      2. Ich habe jetzt kurzfristig gelesen, sie werden genauso schlecht behandelt wie andere Menschen. Das gefällt mir eigentlich fast noch besser.
        Die freilebenden Honigbienen sind bei uns in Europa irgendwann nach dem zweiten Weltkrieg ausgestorben, gemeinsam mit den hohlen Eichen in den Auwäldern. In Ostdeutschland gab es angeblich noch etwas länger freilebende Bestände. Seither werden sie gezüchtet auf Teufel-komm-raus. Der Eingriff in die genetische Selektion hat nicht unbedingt dazu beigetragen, dass sich die Bienen an die veränderten Umweltbedingungen anpassen können. Dafür sind sie handzahm und ertragreich.
        Man muss allerdings auch sagen, dass sich hier bei uns die Situation langsam verbessert. Es gibt wieder mehr Hobby-Imker, die ihre Bienen schwärmen lassen. Die Sympathie-Propaganda der Öffentlichkeit für die bedrohten Bienen hat schon auch was bewegt. Und Honigbienen haben wir wieder mehr denn je. Ich fördere seit Jahren im Garten Wildbienen und Hummeln, aber zahlenmäßig sind die Honigbienen immer noch weit überlegen.

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      3. Honigbienen haben einfach schon in der kindlichen Erziehung positive Verankerungen bekommen, während viele Menschen von Wildbienen bis vor kurzem überhaupt noch bie gehört haben. Das „Konzept“ der nützlichen Honigbienenhaltung passt auch besser in die konservativen Vorstellungen vom „schönen Garten“., wo man eben hobbymässig ordentliche Kästen aufstellt, statt für Brutzellen geeignete Bereiche in Boden und Althölzern bestehen zu lassen, die dem perfekt und dicht grünen und blühenden Bild nicht entsprechen.

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