Mein Freund, der Rückenschwimmer

GelsenlarvenUnsere Regentonne hat einen Deckel. Der ist notwendig, um die Stechmücken abzuhalten. Aber so ein Deckel kann sich verschieben und schließt nicht immer dicht. Dann schlüpft eine Gelse durch und legt ihre Eier ab. Deshalb kontrolliere ich das Wasser in der Tonne regelmäßig, und neulich wurde ich fündig. Was aber hilft, wenn sich die schwarzen Mückenlarven einmal im Wasser tummeln?

Eine vollständige Reinigung der Tonne wäre eine Möglichkeit. BTI habe ich in einem früheren Beitrag schon erwähnt. Das ist ein Bakterium, das gezielt Stechmückenlarven angreift und zuverlässig vernichtet. Ich kann bestätigen, dass es funktioniert, würde es aber nur im Notfall verwenden, weil mir diese Form der biologischen Kriegsführung eher suspekt ist. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Löffel Spülmittel. Gelsenlarven hängen sich zum Atmen von unten an die Wässeroberfläche. Fehlt die Öberflächenspannung, funktioniert das nicht mehr und die Larve erstickt. Das habe ich noch nie probiert, klingt aber plausibel und etwas gemein. Es geht aber noch besser.

In jedem Gartenteich findet sich eine Kolonie Rückenschwimmer. Die Tiere gehören zur Gruppe der Wasserwanzen und sind relativ hässlich. Ihr Rückenpanzer ist glatt und glänzt silbrig, ein Tarnanstrich, damit man ihn von unten nicht sieht. Die Tiere hängen nämlich am liebsten mit der Bauchseite nach oben von der Wasseroberfläche. Man sieht schon, das ist der gleiche Lebensraum, den auch Gelsenlarven bevorzugen, nur sind Rückenschwimmer deutlich größer und recht gefräßige Räuber.

Ähnlich wie Wasserläufer über dem Wasser benützen Rückenschwimmer nur zwei Beinpaare zur Fortbewegung. Mit dem dritten Beinpaar halten sie die Beute fest und saugen sie aus. Von den Gelsenlarven bleibt nur die unverdauliche Chitinhülle übrig. Und das geht schnell. Setzt man ein paar Rückenschwimmer in die Regentonne, ist diese sehr schnell mückenlarvenfrei. Die Rückenschwimmer tauchen nicht besonders tief. Sie warten an der Oberfläche. Irgendwann müssen die Gelsenlarven ja auftauchen, um Luft zu holen. Diese Wasserwanzen sind sehr effiziente und unauffällige Jäger. Man sieht vor allem das Ergebnis, lauter ausgesaugte Mückenlarven. Also die ideale Lösung, um eine Regentonne gelsenfrei zu halten? Nicht wirklich.

Der Rückenschwimmer hilft nur in Notfällen. Eine Regentonne ist nicht das natürliche Habitat dieser Tiere, und man sperrt gute Freunde nicht ein. Nach ihrem Einsatz kommen sie zurück in den Teich. Rückenschwimmer können nämlich fliegen, um von einem Gewässer ins nächste zu gelangen. Dafür müssen sie aber an Land klettern und ihre Flügel trocknen. Den Start habe ich noch nie gesehen, aber die Landung ist witzig. Das Tier lässt sich einfach ins Wasser fallen. Es macht kurz Plopp, und dann steigt der Rückenschwimmer an die Oberfläche. Für den Auftrieb ist die Atemluftreserve verantwortlich.

Nicht immer hat man außerdem ausgewachsene Rückenschwimmer zur Verfügung. Die Tiere überwintern im Wasser und sterben im Laufe des Sommers. Die nächste Generation sieht von Anfang an den erwachsenen Exemplaren ähnlich, ist aber zunächst nicht viel größer als ein Wasserfloh. Die Jungen erreichen erst nach mehrfacher Häutung ihre endgültige Große.

Ich würde übrigens nicht empfehlen, einen Rückenschwimmer mit der Hand zu fangen, denn sie heißen auch Wasserbienen und können empfindlich stechen. Das ist mir allerdings noch nie passiert, denn die Tiere haben einen ausgeprägten Fluchtreflex und machen Platz, wenn ein Schwimmer vorbei kommt. Wie gesagt, ich finde sie hässlich, aber abgesehen davon haben sie alles, was gute Freunde ausmacht.

 

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