Schlangenbesuch

Die erste Ringelnatter am Teich habe ich letztes Jahr am 10. April fotografiert, dieses Jahr war es der 30. Nicht zuletzt daran zeigt sich, dass der heurige April im Schnitt um zwei bis drei Grad zu kalt war. Die beiden Schlangen waren mit 50 bis 60 Zentimeter ungefähr gleich groß aber nicht identisch, wie die Gegenüberstellung zeigt.

Es gibt bei uns zwei Farbvarianten. Die rötlich-braune, die ich letztes Jahr aufgenommen habe, kommt fast häufiger vor als die sonst übliche graue. Die meisten Exemplare, die ich sehe, sind übrigens kaum größer als ein Bleistift. Unser Teich taugt mehr als Kinderstube, ab einem gewissen Alter wird er den Tieren dann als Jagdrevier zu klein.

Was ich mir bei den Sichtungen abgewöhnt habe, ist das Herbeirufen aller Verwandten und Bekannten. Meine Begeisterung für diese faszinierenden Gartenbesucher ist leider nicht übertragbar. Dabei sind Ringelnattern ungiftig und ungefährlich. Sie sind nach meinem Empfinden auch keineswegs scheu, wie meist geschrieben steht, sondern eher neugierig und lassen sich aus kurzer Distanz beobachten, wenn man sich nicht hastig bewegt.

Mit der Serienaufnahme habe ich dieses Jahr auch die Zunge aufs Bild bekommen. Im Gegensatz zu Eidechsen wie den Blindschleichen hat die Schlange vorne eine kleine Ausnehmung fürs Züngeln und muss deshalb den Mund nicht öffnen. Wenn man sie nicht beunruhigt, tastet sie so fast ständig ihre Umgebung nach Gerüchen ab.

Auf den ersten Blick sieht man von einer Ringelnatter fast immer nur den Kopf mit den beiden halbmondförmigen Flecken im Nacken. Ich vermute, dass sie damit auch ihre Beutetiere zu täuschen vermag, weil es durch die Zeichnung so wirkt, als wäre der auf dem Wasser schwimmende Kopf schon alles. Tatsächlich ist das zierliche Tier meist länger, als man glaubt, und wenn sie an einem vorbei kriecht, ist man erstaunt, wie viele Zentimeter Schlange zu diesem kleinen Kopf gehören.

Die Ringelnatter schwimmt nicht nur gut, sie taucht auch, aber vor allem im Frühling ist nach ein, zwei Stunden der Beutezug im Teich beendet. Dann muss sie aus dem kalten Wasser, um sich aufzuwärmen, und da wir beide ortskundig sind und den kürzesten Weg ins nächste Gebüsch kennen, sind so die Nahaufnahmen an Land entstanden. Ohne Hast macht sich die Schlange dann im Gestrüpp beeindruckend leicht unsichtbar.

22 Kommentare zu „Schlangenbesuch

      1. Die habe ich leider bei mir nicht beobachten können, weder in natura noch in der Blogstatistik, hätte aber auch nichts dagegen, würde sich eine im Garten ansiedeln, was allerdings absolut unwahrscheinlich ist.

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      2. Ich sehe sie nur, wenn sie schwimmen gehen. Im Gelände sind die völlig unsichtbar. Ich würde also schätzen, es gibt mehr, als man glaubt. Und wo es Amphibien gibt, gibt es auch Ringelnattern. Ganz aufgeben würde ich die Hoffnung also nicht.

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    1. Ja, das sind schöne Fotos. So groß sind die halt bei uns nie. Ich bin aber auch nicht unzufrieden mit der „Kinderstube“. Wenn die über einen Meter lang sind, weiß ich ja nicht, wohin. So groß ist der Teich auch wieder nicht.

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      1. Am Anfang sind sie echt nur Schnürchen. Ich habe mal einen Naturfilm gesehen, da ist eine junge Ringelnatter einer Gottesanbeterin begegnet und wurde von dieser gefressen.

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    1. Thank you. I would not say, I love them, but after the long break during the winter I was really waiting for the first visitor. They belong to the pond. It is not the same without snakes.

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  1. Was für schöne Fotos, Richard! Ich bin mal wieder ganz begeistert! Und ein ganz kleines Bisschen neidisch auf deinen Teich samt Bewohner 🙂
    Wir hatten heute früh Besuch am Teich: ein Fischreiher. Er hat gefrühstückt… :-/

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    1. Kein Grund neidisch zu sein. Die Fotos sind ja die Rosinen. Oft schaue ich auch nur in den Teich und finde nichts Interessantes.
      Fischreiher ist auch nicht schlecht. Ich hoffe, er hat nicht alle Fische gefrühstückt. Und wenn es ihm geschmeckt hat, wird er wiederkommen. Dann musst du dir wahrscheinlich was einfallen lassen.

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  2. Lieber Richard,
    mich dürftest Du gerne herbeirufen, da ist nur die räumliche Entfernung zwischen uns zu groß.
    Ich finde Schlangen faszinierend und schön.
    Bei einer Wanderung habe ich einmal eine Ringelnatter mitten auf der Straße gefunden, sie hatte eine Wunde, schien aber noch überlebensfähig zu sein. Ich habe sie vorsichtig bis zum Straßenrand, der an eine Feuchtwiese grenzte, gelotst. Ich vermute, daß ein Radler die Schlange überfahren hat, die Verletzung sah wie eine Platzwunde aus. Ich hoffe sie hat es überlebt.
    Naturverbundene Grüße von
    Ulrike

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    1. Liebe Ulrike,
      freut mich, dass auch andere diese Tiere faszinierend finden. Es ist ja wirklich toll, welchen Weg die Evolution hier gegangen ist. Anscheinend geht es ohne Gliedmaßen leichter. Es gibt Schlangen, die hängen uns beim Sprint ab.
      Unsere Ringelnattern wirken immer sehr dünn und filigran, aber ich vermute, das ist alles Muskulatur und die sind widerstandsfähiger als man glaubt. Leicht möglich, dass deine Begegnung überlebt hat, wenn sie sich anschließend von den Straßen fern gehalten hat.
      Liebe Grüße, Richard

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  3. So schöne Bilder! Leider hab ich zu selten Gelegenheit diesem schönen Tier zu begegnen. Mein letztes Zusammentreffen war letzten Sommer in Schleswig-Holstein im Wald unweit eines Sees und bevor ich die Ringelnatter richtig bewundern konnte, hatte sie sich auch schon ins Dickicht verzogen.

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    1. Danke. Ja, meistens zeigen sie auch mir nur die Kehrseite. Dann raschelt es im Gebüsch und ich sehe nur noch die letzten zehn Zentimeter verschwinden. Die besten Fotos mache ich im April, da sind sie noch nicht so schnell, müssen sich sonnen und hungrig sind sie nach dem Winter auch. Aber im Grunde genommen muss ich sie ja auch nicht immer sehen, es reicht zu wissen, dass sie da sind und die Population in unserer Gegend anscheinend stabil ist.

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