Sonntag ist Badetag

Erdkröte Paarung

Wenn man am Abend mit der Taschenlampe durch den Garten geht, sieht man zurzeit die Erdkrötenmännchen hochaufgerichtet im Gras und auf den Wegen sitzen. Abseits vom Teich haben sie wahrscheinlich bessere Chancen ein wanderndes Weibchen abzupassen.

Vier Pärchen habe ich im Wasser bereits entdeckt. Die Weibchen wirken kräftig und gut genährt. Der kurze Winter hat sie nicht zu sehr strapaziert. Und wenn die Sonne am Sonntag Nachmittag die Wasseroberfläche bescheint, wagt die eine oder andere Krötendame ein paar kräftige Stöße und schiebt sich mit ihrer Last nach oben, um Luft zu schnappen und Wärme zu tanken.

Auch einzelne Männchen können nicht widerstehen und wagen den einen oder anderen Blick über die Wasseroberfläche, wobei drei Augen natürlich mehr sehen als zwei.

Krötenweibchen büßen durch ein fehlendes Auge offensichtlich wenig an Attraktivität ein. Dabei kommt ihnen zugute, dass die Männchen deutlich in der Überzahl sind und deshalb nicht zu anspruchsvoll sein dürfen. Andererseits verläuft die Paarung eine ganze Woche lang ohne Stellungswechsel – es ist also gut möglich, dass der Galan den kleinen Schönheitsfehler seiner Auserwählten noch gar nicht bemerkt hat.

Was Froschlaich aushält

Froschlaich

Ein guter Morgen beginnt zur Zeit mit frischen Eiern – im Gartenteich. Die ersten Amphibien sind da, und es sind die Spring- und Grasfrösche. Untertags merkt man nichts, aber sobald die Nacht einsetzt, geht es rund. Die Grasfrösche schnurren wie Katzen und die Springfrösche quaken leise murmelnd vor sich hin.

Da die meisten Männchen bei ihren Lautäußerungen zwanzig bis dreißig Zentimeter unter Wasser sitzen, vermute ich, dass die Geräusche deutlich lauter zu vernehmen wären, würde man das Ohr in den Teich halten. Angesichts der Wassertemperaturen verzichte ich aber auf eine Überprüfung dieser Theorie – man muss ja nicht alles wissen.

Mich fasziniert jedes Jahr, wie flink und lebendig sich die Kröten und Frösche durchs kalte Wasser bewegen. Von den Hummeln weiß man, dass sie sich durch vibrierende Bewegungen der Brustmuskulatur auf Betriebstemperatur bringen, bevor sie bei kaltem Wetter losfliegen. Reptilien sind meist tagaktiv und legen sich auf sonnenbeschienene Steine, um sich aufzuwärmen. Amphibien brauchen das alles nicht. Kaum sind sie aus der Winterruhe erwacht, setzen sie sich wochenlang ins kalte Wasser.

Mir ist auch nicht klar, ob ihnen der milde Winter hilft oder schadet. Der Salzburger Amphibienexperte Martin Kyek vom Haus der Natur meint in einem aktuellen Beitrag auf orf.at, dass die Tiere in warmen Wintern oft aufwachen und dadurch gefährdet sind. Am Teich beobachte ich eher das Gegenteil: Ist die Oberfläche früher im Jahr eisfrei, sind die Frösche und Kröten kräftiger und weniger gestresst. Vor allem die in Unterzahl befindlichen Weibchen profitieren davon, wenn sich die Laichsaison auf einen längeren Zeitraum verteilt.

Die Grasfrösche sind dieses Jahr jedenfalls zahlreich eingetroffen. Ihr Laich wird in eine Galertkugel gepackt, die am Teichrand treibt. Ein Teil der Eier ragt dadurch immer aus dem Wasser und nützt so die Strahlen der Frühjahrssonne für einen zusätzlichen Startvorteil. Bei der Laichentwicklung merkt man nämlich, dass auch Amphibien auf die Wärme ihrer Umgebung angewiesen sind. Mit Fortschreiten des Frühlings nimmt auch die Metamorphose Fahrt auf.

Der Trick der Grasfrösche, ihren Laich an der Wasseroberfläche anzubringen, hat aber nicht nur Vorteile und bedeutet, dass er manchmal auch leichte Minustemperaturen aushalten muss. Das erste Foto ist von Samstag Nachmittag, die beiden anderen sind von Sonntag in der Früh. Bei Morgenfrost legt sich schnell eine dünne Eisschicht über die Froscheier, wie man sehen kann. Die Springfrösche verzichten deshalb auf die zusätzlichen Sonnenstrahlen an der Wasseroberfläche und fixieren ihren Laich lieber etwas tiefer an Pflanzenstängeln, wie man auf der unteren Aufnahme aus dem Vorjahr sehen kann.

Springfrosch-Laich

Der erste Grasfrosch

Grasfrosch

Am Sonntag war einer dieser Spätsommertage, die sich zuerst etwas zieren, am Nachmittag aber mit Windstille und ungetrübtem Sonnenschein noch einmal auf angenehme 25 Grad zusteuern. Ich habe das warme Wetter genützt, um den Teich von absterbenden Pflanzenteilen und Algen zu befreien. Dabei war ich aber nicht alleine im Wasser. Mit zügigen Stößen schwamm ein Prachtexemplar von einem Grasfrosch vor meinen Gummistiefeln vorbei.

Die Braunfrösche zählen im Frühjahr zu den ersten, die ablaichen, und die Männchen finden sich oft schon im Herbst am Gewässer ein. Manche überwintern auch unter dem Eis. Dieser hier ist sicher noch zu früh dran. Sogar einen ersten schnurrenden Lockruf hat er schon probiert. Es geht halt nichts über die Vorfreude. Und so ein gründliches Bad kann nie schaden, wenn man dabei ist, sich für die Damenwelt in Stellung zu bringen.

Luft- und Wasserkühlung

Hornisse

Als ich das erste Mal den Sommer in Kärnten verbracht habe, sind mir sehr bald die zahlreichen Hornissen aufgefallen. In Wien und Umgebung sind diese großen Brummer eher eine Seltenheit, hier in Südkärnten sind sie allgegenwärtig – vor allem seit wir den Gartenteich haben, wo sie im Hochsommer ihren Wasserbedarf decken.

Das Hornissenaufkommen scheint alljährlich gleich. Es gibt Bienenjahre, Hummeljahre und Wespenjahre, aber jedes Jahr ist – unabhängig von den klimatischen Verhältnissen – ein Hornissenjahr. Die Tiere können sich offensichtlich sehr gut an schwankende Temperaturen anpassen und schaffen es, auch in den zunehmend heißer werdenden Sommern ihr Nest auf einem gleichbleibenden Temperaturniveau zu halten. Dafür setzen sie – im Gegensatz zu manchen anderen staatenbildenden Insekten – sowohl auf Luft- als auch auf Wasserkühlung.

Es gibt Exemplare, die im Hochsommer so pünktlich alle paar Minuten Wasser holen, dass man nach ihnen die Uhr stellen könnte. Aus der anschließenden Startrichtung kann man auch ungefähr abschätzen, in welcher Richtung sich das Nest befindet. Demnach muss es in der Umgebung mehrere Staaten geben, die aus unserem Teich ihr Wasser beziehen. Einen von ihnen habe ich im August in einem unserer Vogelnistkästen entdeckt.

Letztes Wochenende bin ich auf die Leiter gestiegen und habe versucht, aus nächster Nähe Bilder zu machen. Selten hatte ich so viele verwackelte und unscharfe Ausschussfotos. Die großen Brummer sind überhaupt nicht aggressiv, aber ihre Erscheinung ist trotzdem respekteinflößend. Wenn man ihnen die Kamera in die Einflugschneise hält, beginnen sie mit Orientierungsflügen, um das neue Hindernis zu verorten, und wenn man mehrere Exemplare vor dem Display herumfliegen hat, macht das dann doch leicht nervös.

Immer wieder fiel mir ein plötzlich einsetzendes, deutlich lauteres Brummen auf. Es stammt von dem Exemplar am Einflugloch, das sitzenbleibt und Luft ins Innere fächelt, denn erst das Zusammenwirken von Ventilation und Wasserzufuhr schafft die idealen Bedingungen, um im Hochsommer mittels Verdunstungskälte eine Art Klimaanlage zu betreiben, die Überhitzung vorbeugt.

Im Moment reicht die Luftkühlung, Wasser ist nicht mehr nötig. In den letzten Wochen des Jahres wird es mehr darum gehen, die Heizung einzuschalten, denn die Temperaturen kippen langsam ins Herbstliche. Den Wärmebedarf decken – wenn ich richtig recherchiert habe – alle staatenbildenden Insekten ziemlich gleich: Mittels Muskelbewegung bringen sie sich und ihre Brut auf Betriebstemperatur. In unseren Breiten suchen sie sich außerdem Nistplätze, die sich in der Sonne schnell erhitzen, denn Kühlung im Sommer fällt leichter als die Heizung in der Übergangszeit. Unsere Französischen Feldwespen bevorzugen zum Beispiel seit Jahren erfolgreich die Metallabdeckung unseres Flüssiggastanks, unter der es wirklich heiß werden kann. Bei der Kühlung setzen sie dann wie die Hornissen auf eine Kombination aus Belüften und Befeuchten. Nur die isolierende Außenwand fehlt ihnen. Bei den Feldwespen sind die Brutkammern ungeschützt, während die Hornissen sie mit luftgefüllten Kammern umgeben.

Insekten, die an kühlere Habitate gewöhnt sind, beherrschen die Wasserkühlung eher nicht. Hummeln kommen zum Beispiel auch in Höhenlagen vor, und unsere Hummeln habe ich noch nie am Teich Wasser holen gesehen. Im wärmeren Mittelmeerraum wird dafür auf die Luftkühlung verzichtet. Dort stecken die Feldwespen während der Hitzephasen einfach nur die Köpfe in feuchte Waben. Das kann aber auch damit zusammen hängen, dass sie ihre Nester von vornherein schattig anlegen und die weiter weg gelegene Luft eher wärmer wäre.


Webtipp:

Helmut Kovac, Helmut Käfer, Iacopo Petrocelli, Anton Stabentheiner: Comparison of thermal traits of Polistes dominula and Polistes gallicus, two European paper wasps with strongly differing distribution ranges, in: Journal of Comparative Physiology B (2017)

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00360-016-1041-x.pdf

Der Artikel vergleicht zwei Feldwespenarten miteinander. Beide stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Die Französische Feldwespe hat sich mittlerweile bis nach Dänemark ausgebreitet, während Polistes gallicus weiterhin nur in Südeuropa beheimatet ist. Beide haben unterschiedliche Temperaturpräferenzen und verschiedene Strategien bei der Nestkühlung. Polistes gallicus bevorzugt zum Beispiel Standorte mit Morgensonne, die ab Mittag beschattet sind. Der Wärmehaushalt am Nest allein erklärt aber nicht, warum die eine Art bei ihrer Ausbreitung nach Norden erfolgreich war, während die andere in der Mittelmeerregion verblieben ist. Die Autoren vermuten, dass es auch entscheidend ist, wie resistent die überwinternden Königinnen gegenüber starkem Frost sind.

Mein Lurch des Jahres 2019

Molchlarve

Bislang war das Amphibium des Jahres bei uns im Teich immer die Erdkröte. Mangels Gegenkandidaten war das Wahlergebnis ähnlich eindeutig wie bei der sowjetischen KP zu ihren besten Zeiten. Dieses Jahr ist alles anders. Von den Neuzugängen Grasfrosch und Springfrosch habe ich in einem anderen Beitrag schon berichtet, aber den eigentlichen Favoriten konnte ich bislang noch nicht zeigen.

Erwachsene Molche sind zu scheu, um sie mit der Kamera einzufangen. Sie leben die meiste Zeit am Grund des Teichs. Nur hie und da huscht einer nach oben, schnappt nach Luft und taucht wieder ab. Ende Juli ist mir der letzte aufgefallen. Es heißt, dass sie im Frühsommer die Wassertracht wieder ablegen und an Land gehen, aber fix ist das nicht. Manchmal bleiben sie das ganze Jahr im Wasser, da sind sie flexibel und können sich so an das Laichgewässer anpassen. Von einer ausgefahrenen Reifenspur bis zum ganzjährig gefüllten Teich ist ihnen alles recht.

Für die Larven gilt das Gleiche. Bei uns tragen sie Ende August immer noch ihre Kiemen, die aussehen wie eine Wuschelfrisur, und ich gehe davon aus, dass sie die Metamorphose dieses Jahr nicht mehr abschließen werden. Unsere Molche sind echte Lurche des Jahres, die gekommen sind, um das ganze Jahr zu bleiben.

 

Im Frühjahr konnte ich die Erwachsenen genauer beobachten, und nach dem leuchtend orangen Bauch zu schließen, waren es Bergmolche. An den Larven kann ich das nicht so genau erkennen, aber egal, welche Molche es sind – meine Amphibien des Jahres sind sie sowieso. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich eines dieser Zwergkrokodile erblicke.

Sie sind drei bis vier Zentimeter lang. Der eine, den ich mit dem Kescher erwischt habe, war eher kleiner. Nach fünf Minuten Fotosession im Einsiedeglas durfte er wieder zurück in den Teich. Besonders gestresst scheint ihn der Ausflug nicht zu haben. Wenn ich zum Schwimmen ins Wasser steige, stieben die Larven oft aufgeregter davon.

Von oben sehen sie aus wie kleine Fische. Erst wenn man genauer schaut, erkennt man, dass sie gern auf dem Boden bleiben, weil sie keine Schwimmblase haben und nicht schweben können. Dass sie auch Gliedmaßen haben, sieht man nur, wenn sie einem die Chance dazu lassen, denn das beste Antriebsorgan unter Wasser ist immer noch eine Schwanzflosse, und damit sehen sie nicht nur aus wie Fische, sie sind auch genauso schnell.

Von allen Amphibien, die ich kenne, sind Molche wahrscheinlich am besten an das Leben im Wasser angepasst und fühlen sich dort sichtlich wohl. Manchmal behalten sie die Kiemen sogar bis ins Erwachsenenalter, und vollziehen den letzten Schritt der Metamorphose erst, wenn sie die Umweltbedingungen dazu zwingen.

Die Gesellschaft für Herpetologie wählt jedes Jahr einen anderen Lurch oder ein anderes Reptil, aber mir gefällt der Bergmolch so gut – ich denke, wenn er bleibt, werde ich ihn sicher auch nächstes Jahr wieder zu meinem Lurch des Jahres wählen. Moskau hätte an meinem Wahlverhalten seine Freude gehabt.