Taubenschwänzchen beim Tanken

Taubenschwänzchen

Es heißt, dass man bei manchen Sportwagen den Motor an der Tankstelle schon alleine deshalb abstellen muss, weil sonst der Tank nie voll wird. Das Taubenschwänzchen hat ein ähnliches Problem, nur stellt es bei der Nahrungsaufnahme den Motor eben nicht ab. Sein Schwirrflug ist so energieaufwändig, dass der kleine Wanderfalter je nach Pflanzensorte pro Tag zwischen 500 und 5000 Blüten besuchen muss, um seinen Nektarbedarf von 0,5 Milliliter zu decken.

Hat das Taubenschwänzchen einmal eine geeignete Nahrungsquelle entdeckt, grast es unermüdlich alle Blüten ab, wie zum Beispiel bei unseren Bartnelken, wo die Falter zur Zeit oft stundenlang herumschwirren. Später im Sommer finde ich sie dann vor allem am Phlox. Bezüglich der Nektarpflanzen sind die Taubenschwänzchen aber nicht wählerisch, Hauptsache die Blütenkelche sind lang und eng, um Nahrungskonkurrenz auszuschließen. Ihren an diese Pflanzenform perfekt angepassten Rüssel rollen sie beim Flug immer wieder ein und erst kurz vor der Blüte wieder aus, wie man auf einem der Fotos gut erkennen kann.

Heupferde auf Margeriten

Larve des Grünen Heupferds auf Margerite

Unser Garten hat zwei Teile – den sozialverträglichen und den, wo keiner rein sieht. Hinter dem Haus steht die Wiese die meiste Zeit kniehoch, vorne wird die ganze Fläche regelmäßig gemäht. Der eine Teil gefällt mir, der andere den Nachbarn, und bei den Margeriten sind wir uns einig. Die dürfen nicht nur bei uns im Vorgarten bleiben, die zieren auch viele andere Rasenflächen in der Gegend, bis sie verblüht sind.

Es ist wie ein Sport: Man muss ein gutes Auge haben und seinen Garten kennen, um zu wissen, an welcher Stelle im Frühjahr die zarten krausen Blätter ans Licht kommen. Aus diesen wachsen dann im Mai die Blütenstängel empor, und bis Anfang Juni hat man so einen weißen Blütenstrauß mitten in der Wiese stehen.

Insekten habe ich bislang auf den Margeriten wenige entdeckt. Schmeißfliegen, Schwebfliegen und Schenkelkäfer sind mir aufgefallen, maximal noch einzelne Wildbienen – die Honigbiene hat um diese Zeit längst schmackhaftere Nahrung.

Dieses Jahr tummeln sich aber die Grünen Heupferde recht zahlreich auf den weißen Blüten. Noch sind sie klein und unscheinbar, aber vom Schlüpfen im Frühjahr bis zum fertigen Insekt im Oktober durchlaufen sie acht verschiedene Stadien. Und im Gegensatz zu vielen anderen Insekten schauen auch die sieben Larvenstadien fairerweise schon fast so aus wie die adulten Tiere.

Wenn Bestäuber fehlen

Winterjasmin

Den Winterjasmin habe ich am 1. November schon einmal gezeigt. Er stammt eigentlich aus Asien und zählt zu den Frühblühern. Bei uns zeigen sich die Blüten normalerweise für zwei bis drei Wochen Anfang März. Um gegen späte Wintereinbrüche gerüstet zu sein, sind sie frostresistent.

WinterjasminDieses Jahr hat der Winterjasmin in der zweiten Oktoberhälfte zu blühen begonnen und nicht mehr damit aufgehört. Das Foto links stammt von Sonntag, dem 16. Dezember. In der Früh hatte es minus zehn Grad. Im Hintergrund liegt Schnee. Nicht alle Blüten wirken noch frisch. Manche sind vom Frost gezeichnet. Aber sobald die Sonne hervorkommt, erfangen sie sich wieder. Sie leuchten in verlockendem Gelb und warten auf hungrige Bienen. Aber warum blüht der Winterjasmin unermüdlich seit fast zwei Monaten? Was mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubert, nämlich der Anblick einer blühenden Pflanze im Winter, ist für die Pflanze selbst eigentlich ein trauriger Anlass. Sie wartet nämlich vergebens auf die nächste Biene.

OrchideeAus einem ähnlichen Grund haben wir mit den Orchideen am Fensterbrett so lange Freude. Diese Orchideen leben in Symbiose mit ganz speziellen Bestäubern. Das hat den Vorteil, dass die Pollen möglichst sortenrein von Blüte zu Blüte getragen werden. Und während wir die Pflanzen im Zimmer kultivieren, haben wir auf die Haltung der Bestäuber vergessen. Der Auslöser für das Verblühen der Pflanze ist aber ihre Befruchtung. Ich vermute mal, der Winterjasmin wird dieses Jahr seinem Namen gerecht werden und in unserem Vorgarten bis in den Frühling hinein einen gelben Farbtupfer setzen.

Winterjasmin

Und somit ist auch klar, was uns blüht, wenn das Bienensterben voran schreitet: Kirschblüte bis in den Sommer. Bleibt die Frage, ob sich unsere Freude darüber in Grenzen halten wird. Obwohl: Die Blüten der Orchideen können uns auch monatelang erfreuen, dabei warten sie einfach nur umsonst.