Die Maulwürfe in Nachbars Garten

Kein Garten ist eine Einheit für sich selbst. Erst im Zusammenspiel mit den Nachbargärten bildet er einen speziellen Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Deutlich sichtbare Trampelpfade weisen darauf hin, wo sich in den Hecken versteckt die Löcher im Zaun befinden, die von Katzen und Igeln gleichermaßen auf ihren Streifzügen benützt werden.

Wir tun viel, um durchstreifende Gäste zum Verweilen einzuladen. Viele Arten nehmen dieses Angebot freudig an, bei anderen will uns das nicht so recht gelingen. Wir hätten zum Beispiel gern einen Maulwurf, und hie und da türmt auch einer einen kleinen Hügel in der Mitte unserer Wiese auf, aber er bleibt nie lange. Stattdessen ist Nachbars Garten mittlerweile großflächig unterminiert. Dabei bietet er den Mauwürfen nichts anderes als eine große Wiese, die im Sommer einmal im Monat gemäht wird. Trotzdem übt sie eine geheime Anziehungskraft aus.

Maulwürfe sind an und für sich Einzelgänger, die ihre Reviere gegen Eindringlinge verteidigen. Es soll aber auch Gänge geben, die wie Autobahnen gemeinsam genutzt werden. Ich vermute, sie machen es wie die Luchse: Jedes Individuum hat sein eigenes Territorium, aber neue Reviere werden immer so positioniert, dass sie an ein bereits bestehendes angrenzen. Irgendwann wird sich der Bereich, den die Maulwürfe in Nachbars Garten einnehmen, so weit ausgedehnt haben, dass auch wir davon betroffen sind.

Indirekt profitieren wir aber auch schon jetzt von der Maulwurfskolonie. Ihre Hügel sind beliebt bei verschiedenen Bienen. Das feinkörnige Substrat ist ideal für Sandbienen, um ihre Brut darin abzulegen, und von den gedrungenen, pelzigen Blütenbestäubern haben wir im Spätfrühling genug. Die finden sich dann auch in unserem Garten, denn für die meisten Tiere ist am Zaun nicht halt.

Lesetipp: Gärtnern für Tiere

gaertnern_fuer_tiere

Gärtnern für Tiere von Adrian Thomas ist ein umfangreicher und praktischer Überblick über die Tierwelt in unserem Garten. Penibel wird alles beschrieben, was kreucht und fleucht, egal ob kein oder groß, ob nützlich oder schädlich, weil selbst die Tiere, die unser Gemüse fressen, manchmal noch einen Nutzen haben, und sei es nur als Vogelfutter. Adrian Thomas gibt Tipps, wie man die verschiedenen Tierarten in seinen Garten lockt – und wie man sie wieder los wird, sollte man sie doch nicht haben wollen. Ohne zu werten, überlässt er die Art von Lebensraum, die wir gestalten wollen, uns; er gibt uns nur das Handwerkszeug dafür in die Hand. Es wäre ja auch unpraktisch und der Artenvielfalt hinderlich, wenn wir alle die gleiche Form von Garten hätten.

Das Buch ist weniger eine Übersetzung, sondern mehr eine Übertragung. Man hat sich bemüht, bei Zahlen und Fakten die Situation im deutschsprachigen Raum zu berücksichtigen. Das hat dem Werk nicht nur genützt. Mir sind kleine Ungenauigkeiten aufgefallen, so sind ein Hektar 10 000 m2, nicht 100, und auch an anderen Stellen bin ich nicht sicher, ob die Umrechnung ins metrische System zuverlässig ist. Was mich außerdem gestört hat, ist die serifenlose Schriftart. Das taugt für eine Webseite, aber nicht für ein Buch, das sonst um den Preis optisch höchst ansprechend ist.

Dass es nicht zu allen Tierarten alles bietet, ist auch klar. Wer einen Teich anlegen möchte, sollte Speziallektüre über Wassergärten wälzen, und wer sich für Wildbienen interessiert, ist bei den Büchern von Paul Westrich besser aufgehoben, aber als Überblick ist das Buch sehr zu empfehlen. Es ist nicht nur ein Lesebuch mit vielen praktischen Tipps, sondern auch ein umfassendes Nachschlagwerk – für Fauna und Flora. Der Pflanzenteil gibt immer wieder Hinweise, welchen Tieren man mit welchem Anbauplan ein attraktives Heim bietet.

Adrian Thomas, Gärtnern für Tiere: Das Praxisbuch
für das ganze Jahr, Haupt Verlag: 2013

 

Geheimnisvolle Erdlöcher

Am Freitagmorgen habe ich in der Wiese ein frisches Loch entdeckt. Zwei Meter weiter noch eines. Und knapp daneben war ein drittes.

Normalerweise ist es der Igel, der auf Futtersuche unseren Garten mit kleinen trichterförmigen Löchern überzieht. An manchen Sommermorgen sieht die Wiese aus, als wäre jemand mit dem Maschinengewehr darüber gegangen. Seit Tagen suche ich nach Anzeichen, dass der Igel den Winterschlaf überstanden hat. Sollte dem so sein, müssten über Nacht weitere Löcher hinzukommen.

Am Samstagmorgen entdeckte ich zwei weitere Löcher. Aber irgend etwas an ihrer Form stimmte nicht. Der Igel macht immer ziemlich exakte, kreisrunde Trichter. Seine empfindsame Nase zeigt ihm vorab, wo er suchen muss. Diese Löcher waren schief. Ihre Größe stimmte zwar, aber sie gingen seitlich in die Erde.

Ich steckte vorsichtig meinen Finger hinein und entdeckte einen kleinen Gang, der zur Seite führte. Diese Art von Erdbau hatte ich schon einmal gesehen, nur später, nicht Mitte April, und der Vorplatz war größer gewesen. Es schien so, als wäre das Werk noch nicht fertig, und tatsächlich zeigte sich kurz darauf der kleine Baumeister. Ein Feldgrillenmännchen schob sich mit dem Hinterleib voran aus der Öffnung und schaufelte Erde weg. Dann drehte es sich um und begann Pflanzenteile abzuknabbern, um den kahlen Bereich vor der Höhle zu vergrößern.

Später, wenn alles fertig ist, sitzen die Männchen auf diesem Vorplatz und zirpen lautstark nach einem Weibchen. Dann sind sie auch viel scheuer. Sie haben Angst, dass ihr Gesang Fressfeinde anlocken könnte, und verschwinden beim kleinsten Anzeichen von Gefahr wieder unter der Erde. Dieses Feldgrillenmännchen ließ sich jedoch bei seiner Arbeit durch mich nicht stören und vergrößerte fleißig seine Anlage.

Wasser für den Teich

teich_bewaesserung

Es heißt, dass ein Teich an einem heißen Sommertag bis zu drei Millimeter Wasserstand verlieren kann. Tatsächlich ist der Verlust durch Kapillareffekte und Pflanzen deutlich höher. Wenn wir den Pegel aus optischen Gründen halbwegs konstant halten wollen und außerdem davon ausgehen, dass es manchmal im Sommer zwei Wochen nicht regnet, müssen wir über den Daumen gerechnet eine Wassermenge von zirka zehn Zentimetern in Reserve halten. Wir benötigen also eine Zisterne, die pro zehn Quadratmeter Teichfläche einen Kubikmeter Wasser vorrätig hält.

In unserem Fall war die Teichfolie um drei Meter zu lang. Den übrig gebliebenen Streifen habe ich zu einem sechs mal sechs Meter großen Quadrat verklebt. Auch das ist ein Vorteil von Kautschukfolie: Sie lässt sich kleben wie ein Fahrradschlauch. Zusätzlich hatten wir einen geeigneten Platz für eine Zisterne, weil die Bretter einer alten Terrasse getauscht werden mussten und sich darunter leicht ein Loch von entsprechender Größe anlegen ließ. Bleibt die Frage, wie das Wasser wieder nach oben kommt. Eine entsprechende Elektropumpe hat schnell ein paar hundert Watt. Das verbraucht Strom und belastet die Umwelt. Eine klassische Schwengelpumpe ist ein guter Ersatz für kleinere Mengen. 200 Liter hat man in fünf bis zehn Minuten hochgepumpt. Aber für eine größere Menge braucht es dann doch wieder eine Elektropumpe. Diese lässt sich in Kombination mit einer Zeitschaltuhr auch für ein automatisches Bewässerungssystem einsetzen, und da liegt das nächste Problem. Wenn die Dürreperiode so weit fortgeschritten ist, dass man den Teich auffüllen sollte, haben wir mit dem gesammelten Regenwasser längst unsere Beete versorgt, denn im Zweifelsfall ist uns das Gemüse doch wichtiger als ein schön gefüllter Gartenteich.

Besser ist, man hat eine Randgestaltung, die auch bei geringerem Wasserstand noch optisch ansprechend ist. Hinzu kommt, dass in unseren Breiten zwei Drittel des Jahresniederschlags im Sommerhalbjahr fallen. Wenn man zusätzlich die Dachfläche nützt, füllt ein kräftiges Sommergewitter den Teich ohne Probleme wieder auf. In unserem Fall leitet die Regenrinne den Niederschlag von knapp hundert Quadratmetern Dachfläche in eine alte Badewanne, deren Abfluss den Teich über einen unterirdischen Schlauch mit Wasser versorgt. Die Badewanne hat auch noch einen funktionstüchtigen Stöpsel, so dass man eine Wannenfüllung als Reserve zurück halten kann. Meist ist sie allerdings leer, weil sich hier sehr schnell Stechmückenlarven ansiedeln.

Egal, ob man das Regenwasser in einer Zisterne speichert oder direkt in den Teich leitet, in beiden Fällen empfiehlt sich, die Dachrinne regelmäßig auf Blätter und organische Abfälle zu kontrollieren. Das ist eine zusätzliche Nährstoffquelle, die sich leicht vermeiden lässt.

Eine Woche Kaltwasserpaarung

kroetenpaarungManchmal ist der Winter mild, und auf den Gewässern bildet sich kaum eine Eisschicht. Ein Jahr später ist alles anders, die Temperaturen sinken tief, und der Gartenteich ist von Anfang Dezember bis Mitte März zugefroren. Der Frühling beginnt dann mehrere Wochen später, das gelbe Leuchten der Forsythien lässt auf sich warten. Nur die Erdkröten sind immer pünktlich. Wenn der März zu Ende geht, sitzen die ersten Männchen im kalten Wasser und warten.

Die meisten von ihnen haben einen längeren und gefährlichen Weg hinter sich. Den schaffen sie nur, wenn sie sich sofort aufmachen, sobald die Erde auftaut. Sollte unterwegs der Winter zurück kommen, graben sie sich wieder ein und warten. Auf festen Routen ziehen sie von ihren Winterquartieren zu den angestammten Laichgewässern…

Obwohl, das kann so nicht ganz stimmen. Auch natürliche Gewässer verändern sich, einige vertrocknen, andere entstehen neu. In unserem Gartenteich saßen schon im ersten Frühling vier Krötenpärchen. Hundertprozentig laichgewässertreu sind die Erdkröten also nicht. Wahrscheinlich verhält es sich so wie beim Einkaufen: Normalerweise greifen wir immer zu den gleichen Marken im gleichen Geschäft, außer es gibt bei der Konkurrenz ein günstiges Angebot und in unserem Lieblingsladen ist eine lange Schlange an der Kassa.

Die Zahl der Pärchen hat übrigens nur begrenzt Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg. Entscheidender ist, wie hart der Winter war und ob ihn viele Fressfeinde überlebt haben, denn Erdkröten sind vor allem einmal Futter. Jedes Weibchen legt zirka 5000 schwarze Eier in zwei gallertartigen Schnüren. Trotzdem bleiben bis Anfang August nur wenige Kaulquappen übrig, die sich zu fertigen Amphibien verwandeln. Libellenlarven und junge Ringelnattern fressen sich an den langsameren Kaulquappen satt.

Die Kaulquappen selbst ernähren sich von verfaulten Pflanzenteilen. Sie putzen die Reste der Blätter weg, die im Herbst in den Teich gefallen sind. Sobald sie die Metamorphose abgeschlossen haben, ändern sie ihre Ernährungsgewohnheiten und werden selbst zu Fleischfressern. Dass sie dadurch vom Gejagten zum Jäger werden, lässt sich aber nicht behaupten. Schließlich gibt es auch große Ringelnattern.

Dementsprechend vorsichtig sind die Erdkröten. Sie lassen sich nur schwer beobachten. Auftauchen, um Luft zu holen, müssen sie sehr selten. Auch wenn die erwachsenen Tiere nur einmal im Jahr zur Fortpflanzung ins Wasser steigen, merkt man gleich, dass das ihr Element ist. Maximal die Frühlingssonne vermag sie für längere Zeit nach oben zu locken, sonst ruhen sie am Teichgrund, wo sie von alten Blättern kaum zu unterscheiden sind.

Ungefähr eine Woche klammert sich das Männchen an sein Weibchen. Dann beginnt die eigentliche Paarung. Es dauert mehr als 24 Stunden, bis der Laichvorgang abgeschlossen ist.

ErdkrötenmännchenDie meisten Männchen warten aber vergeblich im kalten Wasser. Sie sind stark in der Überzahl. Weibchen sind Mangelware. Oft kommen in unserem Teich auf ein Pärchen drei einsame Männchen. Am Ende bleibt ihnen nach wochenlangem Warten im kalten Wasser nur die Hoffnung auf mehr Glück im nächsten Jahr.

Schlimmer trifft es nur jene, die beim Überqueren der Straße unter ein Auto kommen. Vor allem im ersten Frühlingregen muss man aufpassen. Was auf den ersten Blick wie verstreutes Laub aussieht, hat oft vier Füße und ist auf dem Weg zum jährlichen Stelldichein im nächsten Teich.