Eine Woche Kaltwasserpaarung

kroetenpaarungManchmal ist der Winter mild, und auf den Gewässern bildet sich kaum eine Eisschicht. Ein Jahr später ist alles anders, die Temperaturen sinken tief, und der Gartenteich ist von Anfang Dezember bis Mitte März zugefroren. Der Frühling beginnt dann mehrere Wochen später, das gelbe Leuchten der Forsythien lässt auf sich warten. Nur die Erdkröten sind immer pünktlich. Wenn der März zu Ende geht, sitzen die ersten Männchen im kalten Wasser und warten.

Die meisten von ihnen haben einen längeren und gefährlichen Weg hinter sich. Den schaffen sie nur, wenn sie sich sofort aufmachen, sobald die Erde auftaut. Sollte unterwegs der Winter zurück kommen, graben sie sich wieder ein und warten. Auf festen Routen ziehen sie von ihren Winterquartieren zu den angestammten Laichgewässern…

Obwohl, das kann so nicht ganz stimmen. Auch natürliche Gewässer verändern sich, einige vertrocknen, andere entstehen neu. In unserem Gartenteich saßen schon im ersten Frühling vier Krötenpärchen. Hundertprozentig laichgewässertreu sind die Erdkröten also nicht. Wahrscheinlich verhält es sich so wie beim Einkaufen: Normalerweise greifen wir immer zu den gleichen Marken im gleichen Geschäft, außer es gibt bei der Konkurrenz ein günstiges Angebot und in unserem Lieblingsladen ist eine lange Schlange an der Kassa.

Die Zahl der Pärchen hat übrigens nur begrenzt Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg. Entscheidender ist, wie hart der Winter war und ob ihn viele Fressfeinde überlebt haben, denn Erdkröten sind vor allem einmal Futter. Jedes Weibchen legt zirka 5000 schwarze Eier in zwei gallertartigen Schnüren. Trotzdem bleiben bis Anfang August nur wenige Kaulquappen übrig, die sich zu fertigen Amphibien verwandeln. Libellenlarven und junge Ringelnattern fressen sich an den langsameren Kaulquappen satt.

Die Kaulquappen selbst ernähren sich von verfaulten Pflanzenteilen. Sie putzen die Reste der Blätter weg, die im Herbst in den Teich gefallen sind. Sobald sie die Metamorphose abgeschlossen haben, ändern sie ihre Ernährungsgewohnheiten und werden selbst zu Fleischfressern. Dass sie dadurch vom Gejagten zum Jäger werden, lässt sich aber nicht behaupten. Schließlich gibt es auch große Ringelnattern.

Dementsprechend vorsichtig sind die Erdkröten. Sie lassen sich nur schwer beobachten. Auftauchen, um Luft zu holen, müssen sie sehr selten. Auch wenn die erwachsenen Tiere nur einmal im Jahr zur Fortpflanzung ins Wasser steigen, merkt man gleich, dass das ihr Element ist. Maximal die Frühlingssonne vermag sie für längere Zeit nach oben zu locken, sonst ruhen sie am Teichgrund, wo sie von alten Blättern kaum zu unterscheiden sind.

Ungefähr eine Woche klammert sich das Männchen an sein Weibchen. Dann beginnt die eigentliche Paarung. Es dauert mehr als 24 Stunden, bis der Laichvorgang abgeschlossen ist.

ErdkrötenmännchenDie meisten Männchen warten aber vergeblich im kalten Wasser. Sie sind stark in der Überzahl. Weibchen sind Mangelware. Oft kommen in unserem Teich auf ein Pärchen drei einsame Männchen. Am Ende bleibt ihnen nach wochenlangem Warten im kalten Wasser nur die Hoffnung auf mehr Glück im nächsten Jahr.

Schlimmer trifft es nur jene, die beim Überqueren der Straße unter ein Auto kommen. Vor allem im ersten Frühlingregen muss man aufpassen. Was auf den ersten Blick wie verstreutes Laub aussieht, hat oft vier Füße und ist auf dem Weg zum jährlichen Stelldichein im nächsten Teich.

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