Die Sache mit den Gelsen

Wenn ich von unserem Gartenteich erzähle, werde ich immer wieder gefragt, ob ich denn keine Bedenken hätte wegen der Gelsen. Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass ein Gartenteich in erster Linie eine Brutstätte für Gelsen ist. Genauso oft findet man in Büchern zum Thema die unrichtige Behauptung, dass in einem Teich keine Gelsen heranwachsen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Selbstverständlich setzen im Laufe des Sommers zahlreiche Stechmücken in unserem Teich ihre Eier ab, und man findet auch immer wieder schwarze Mückenlarven. Diese stehen aber am unteren Ende der Nahrungskette, und in einem gut eingespielten Teich haben sie so gut wie nie eine Chance, sich zum fertigen Insekt zu verpuppen und so ans obere Ende der Nahrungskette zu gelangen. Insofern funktioniert der fertige Teich wie eine Gelsenfalle und trägt eher zu ihrer Minimierung bei.

Gelsen sind darauf spezialisiert, sich dort auszubreiten, wo ein Gebiet nicht ständig unter Wasser steht. Dann kann sich keine dauerhafte Population von Libellenlarven und ähnlichen Räubern bilden, die Mückenlarven sind unter sich und vermehren sich beängstigend rasch. Mit Vorliebe gedeihen sie zum Beispiel in Regentonnen. Diese gehören unbedingt gründlich abgedeckt oder alle drei bis vier Wochen komplett entleert.

Ein ähnlich günstiges Habitat ist leider ein frisch eingelassener Teich. Wenn man sich nicht bei seinen Nachbarn unbeliebt machen möchte, sollte man hier unbedingt Vorkehrungen treffen. Ein Präparat auf BTI-Basis (Bacillus thuringiensis israelensis) könnte hilfreich sein. Meiner Erfahrung nach schädigt dieses Bakterium wirklich nur die Mückenlarven, und man benötigt bloß eine kleine Menge in der Einlaufphase.

Das Problem mit den Streunerkatzen

Als der Garten noch von unserer Elterngeneration betreut wurde, gab es immer wieder  Streunerkatzen, die am Dachboden des Schuppens ihre Jungen großgezogen haben. Der Grund für die Anziehungskraft dieses Verstecks war ein zweiter Eingang durch eine Lücke im Dach. Ich habe den gebrochenen Dachziegel repariert, und seither ist der Platz für Katzenmütter nicht mehr interessant.

Trotzdem streunen immer wieder wilde Katzen durch unseren Garten. Die meisten sind so scheu, dass man sich ihnen kaum auf weniger als zehn Metern nähern kann. Sie sind kleinwüchsiger als zahme Katzen und werden in der Regel auch nicht sehr alt.

Ich vermute, dass Streunerkatzen die Zahl der anderen Wildtiere in unserem Garten dezimieren. Tatsächlich habe ich aber noch nie gesehen, dass ihnen einer unserer Singvögel zum Opfer gefallen wäre. Dafür sind eher die gutgenährten Hauskatzen mit festen Plätzen verantwortlich. Streunerkatzen sind meiner Meinung nach Aasfresser, die mit Vorliebe Komposthaufen plündern. Wer vermeiden will, dass sie überhand nehmen, sollte keine Fleischreste wegwerfen, und selbstverständlich sollte man sie auch nicht anfüttern, es sei denn, man ist bereit, sie einzufangen und sterlisieren zu lassen.

Die Zahl der Streunerkatzen in unseren Gärten regelt sich – wie bei allen Raubtieren und Fleischfressern – nach dem Nahrungangebot. Nur dort, wo sie gefüttert werden, besteht die Gefahr, dass sie sich unkontrolliert vermehren.

Was übrigens nichts hilft, sind gesetzliche Regelungen. Seit genau zwei Jahren ist in Österreich die Sterilisationspflicht gesetzlich vorgeschrieben. Ich glaube nicht, dass dadurch auch nur eine Katze weniger durch unseren Garten streift. Solange die Kommune kein Geld in die Hand nimmt, wird sich an der Zahl der Katzen nichts ändern.

Teichrand und Kapillarwirkung

Neben der optisch ansprechenden Gestaltung sollte man beim Teichrand vor allem auf den Wasserverlust achten, der durch die Kapillarwirkung und durstige Pflanzenwurzeln entstehen kann. Lehmiger Sand ist an dieser Stelle ungeeignet. Er saugt sich an wie ein Frotteehandtuch und fördert so die Verdunstung.

Im Idealfall deckt man die Folie am Rand mit gröberen Steinen ab. Sie entwickeln keine Kapillarwirkung und man kann sie am Anfang auch leicht wieder entfernen, um die Folie an einer Stelle etwas anzuheben oder abzusenken. Damit lässt sich beispielsweise der Überlauf, der bei Sommergewittern beträchtlich sein kann, in bestimmte Bahnen lenken.

steinplatten

Weniger geeignet ist ein Weg aus Steinplatten zur Randgestaltung. Da die Folie unter den Steinplatten durchgezogen wird, entsteht die Kapillarwirkung hinter dem Weg. Hier wird sich immer feinkörnige Erde ansammeln, außerdem wirkt so ein Weg nur dann schön, wenn seine Kante mit der Wasserfläche auf einer Ebene liegt. Das heißt, man muss den Wasserspiegel immer auf einem gewissen Niveau halten. Auf Fotos in Büchern sieht das dann sehr schön aus, aber Sie können darauf wetten, dass der Fotograf die Aufnahme immer am Tag nach dem Regen gemacht hat.

Tatsächlich lässt sich im Sommer ein gewisser Wasserverlust nie vermeiden. Abgesehen von der Verdunstung sind es vor allem die angrenzenden Pflanzen, deren Wurzeln vom Wasser magisch angezogen werden. Am besten gestaltet man den Teichrand so, dass er auch noch gut aussieht, wenn der Wasserspiegel einmal zehn Zentimeter tiefer liegt. Ein schwankender Wasserstand entspricht auch dem Jahresrhythmus eines vergleichbaren natürlichen Gewässers.

Sollten Sie sich für die billigere PVC-Folie entschieden haben, ist es unbedingt notwendig, diese vor dem Sonnenlicht zu schützen. UV-Strahlung macht sie porös, während Kautschukfolie diesbezüglich unempfindlicher ist.

Wenn Blumen auf Besuch kommen

 

Regen- oder Leitungswasser?

Wasser ist nicht einfach nur H2O. Es enthält neben Sauerstoff und Kohlendioxid noch viele andere Stoffe, die Ihrem Teich schaden und nützen können.

Stehende und fließende Gewässer unterscheiden sich grundlegend in ihrem Nährstoffbedarf. Fließende Gewässer sind daran gewöhnt, dass die Nährstoffversorgung permanent und reichlich ist. Ihre gesamte Vegetation ist darauf eingestellt. Für stehende Gewässer gilt der umgekehrte Fall: Ihre Pflanzen und Tiere sind an ein nährstoffarmes Umfeld angepasst. Überdüngung lässt die Algen wuchern und gefährdet das natürliche Gleichgewicht.

Selbstverständlich kann auch Regenwasser Düngestoffe transportieren. In den südamerikanischen Neotropen leben viele Pflanzen vom düngenden Saharastaub, den die äquatorialen Luftströmungen über den Atlantik transportieren. Im Normalfall ist Regenwasser aber nährstoffärmer als das örtliche Leitungswasser. Hinzu kommt, dass unser Trinkwasser zu schade ist, um damit zu gießen oder einen Teich zu füllen. In vielen Gemeinden brauchen Sie deshalb auch eine Genehmigung vom örtlichen Wasserwerk, um umfangreichere Entnahmen zu tätigen. Sparen Sie sich die Kosten und verwenden Sie Leitungswasser weder zum Be- noch zum Nachfüllen Ihres Teichs. Oft ist es auch wegen seines hohen Kalkgehalts gar nicht geeignet. Wenn Sie den Verdunstungsverlust mit hartem Wasser ersetzen, wird die Kalkkonzentration irgendwann für einige Pflanzen zu hoch werden.

Umgekehrt besteht bei zu weichem Wasser die Gefahr, dass der pH-Wert zu tief in den sauren Bereich sinkt. Verantwortlich dafür ist das gelöste CO2. Im Normalfall enthält aber Ihr Bodengrund schon ausreichend härtebildende Stoffe und sorgt so für eine ausreichende Pufferwirkung, die den pH-Wert im neutralen Bereich hält.

Lassen Sie sich also von den Schläuchen auf den obigen Fotos nicht täuschen: Die transportieren nur Regenwasser aus den umliegenden Tonnen in den Teich. Mit Unterstützung von ungefähr 150 Quadratmetern Dachfläche war der Teich so nach einem verregneten Maiwochenende halbwegs voll.

Die geschlossene Regentonne

Die Teichfolie – PVC oder EPDM?

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Man liest viel über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Teichfolien, aber meiner Meinung nach ist alles außer EPDM ein Fehlgriff. PVC-Folien sind bockig, bilden hartnäckige Falten und lassen sich schwer in die richtige Form ziehen. Unter einer gewissen Temperatur sind sie hart wie ein Brett, und das heißt, ein Anlegen des Teichs im Vorfrühling oder Spätherbst kommt nicht in Frage.

EPDM ist synthetischer Kautschuk. Es greift sich an wie ein Fahrradschlauch, denn dieser besteht aus dem gleichen Material. Als Nachteil werden oft die höheren Kosten genannt, aber wer seine Teichfolie im Baumarkt kauft, macht meiner Meinung nach einen Fehler. Man kann bessere Qualität um den halben Preis im Internet bestellen.

Unser Teich hat etwas mehr als acht Meter im Durchmesser. Die Folie war 12 mal 15 Meter groß und zirka 200 kg schwer. Geliefert wurde sie zusammengerollt auf einer Palette. Wenn der Garten keine steilen Niveauunterschiede hat, kann eine kräftige Person allein diese Rolle an die richtige Stelle wälzen. Ich habe nicht einmal beim Ausbreiten Hilfe gebraucht, sicherheitshalber sollte man sich dazu aber den einen oder anderen kräftigen Helfer holen.

Ein weiterer Vorteil von Kautschukfolie ist, dass sie sehr dehnbar ist ohne zu reißen. Denken Sie an den oben erwähnten Fahrradschlauch. Wenn die Folie etwas dicker als einen Milimeter ist, passt sie sich beim Befüllen ohne Probleme jeder Geländestufe an. Etwaige Falten werden später mit dem Bodengrund bedeckt.

Regen- oder Leitungswasser