Die erste Mauser

Jungstieglitz

Im Moment tummeln sich bei uns im Garten die Singvögel. Die ersten Wintergäste wie die Buchfinken sind schon da, die Sommergäste sind noch nicht alle weg, und zusätzlich gibt es die Durchreisenden wie die Bergfinken, die man in unseren Breiten sonst so gut wie nie sieht.

Vor allem aber plündern die Stieglitze unsere ungemähte Wiese, auf der gerade die Samenstände der Wildpflanzen reifen. Die Jungvögel werden dabei in ihren Bewegungen immer geschickter und langsam bekommen sie auch ihre gewohnte, auffällig bunte Färbung. Wenn man aufmerksam schaut, sieht man an einem Tag alle Abstufungen der ersten Mauser.

Jetzt erkennt man auch am Äußeren eindeutig, dass das einmal Stieglitze werden. Ihre rote Gesichtsfärbung hat ja sicher Signalcharakter und soll den Artgenossen zeigen, hier bin ich, ich bin einer von euch. Vielleicht beeindruckt sie auch und hilft bei der Partnerwahl.

Dem Schutz vor Fressfeinden dient es weniger, wenn man mit so einer auffälligen Gefiederzeichnung unterwegs ist. Deshalb haben die meisten Singvögel dieses unauffällige Jugendkleid. Und es ist von der Natur klug gewählt, dass sie erst gegen Herbst ihre endgültige Färbung bekommen, wenn sie im Flug bereits so geschickt sind, dass sie für Sperber und Co nur noch schwer zu kriegen sind.

Zweimal Apfelernte

Hornisse mit Apfel

Hornissen gelten zwar als räuberische Jäger, sind aber in Wirklichkeit Vegetarier. Nur die Larven füttern sie mit erbeuteten Insekten. Die erwachsenen Tiere ernähren sich hingegen bevorzugt von süßen Baum- und Pflanzensäften sowie Obst. Bei uns haben es ihnen vor allem die Äpfel angetan.

Zwischen den beiden folgenden Bildern liegt der Sommer, das erste ist von Anfang Mai, das zweite von Ende September.

Wir hatten letztes Jahr so viele Äpfel, dass ich mir einen Destillierapparat gekauft habe, um Schnaps zu brennen. Trotzdem sind noch Reste übrig geblieben, mit denen ich dann im Frühjahr die Amseln gefüttert habe. Auch eine Hornisse hat sich daran bedient.

Ein paar Tage später kam der Frost und dementsprechend mager war die diesjährige Ernte. Ich habe keinen einzigen Apfel abbekommen. Die Hornissen und die Vögel waren schneller. Wir Menschen sind quasi der Puffer: Ist der Ertrag schlecht, müssen wir als erstes verzichten, nur im Überfluss kommen wir zum Zug.

Mittlerweile sind alle Äpfel verschwunden und auch die Hornissen haben am Nistkasten den Flugbetrieb eingestellt. Ein bisschen warte ich noch, um sicher zu gehen, dass mir keine verspätete Königin entgegenkommt, dann werde ich das Nest entfernen und den Kasten säubern. Ich bin schon gespannt, was mich erwartet.

 

Wofür Pfaffenhütchen gut sind

Pfaffenhütchen Früchte

Pfaffenhütchen setzt man nicht, die hat man, und normalerweise wird man sie auch nie wieder los. Dieses Gewächs, das von der Größe her ein Strauch und vom Wuchs her ein Baum ist, heißt mit bürgerlichem Namen Gewöhnlicher Spindelstrauch und zeichnet sich durch eine gewisse Fruchtbarkeit aus. Die Blüten sind unscheinbar und von Mai bis Juni zahlreich. Aus diesen Blüten entwickeln sich im Oktober genauso zahlreiche, dunkelrosa Früchte. Sie haben die namensgebende Form eines kleinen Pfaffenhuts, und wenn sie aufplatzen, werden die orangen Samen sichtbar, die im Jahr darauf im ganzen Garten keimen. Sie sind zwar giftig, aber anscheinend nicht für Vögel, von denen sie gern im Umland verteilt werden – wegen seiner Attraktivität als Herbsfutter heißt das Pfaffenhütchen auch Rotkehlchenbrot.

Faszinierend, dass ein Strauch, der in allen Teilen giftig ist, so viele Fressfeinde anzieht wie das Pfaffenhütchen. Im Herbst sind es die Singvögel, die immer wieder vorbei schauen und sich die orangen Samen aus den aufplatzenden Früchten picken. Dabei ist ihre Körpertemperatur deutlich höher als unsere, dadurch sollten sie eigentlich anfälliger sein für die Wirkung des Giftes, aber die kürzere Verweildauer der Nahrung im Darm hilft ihnen offensichtlich.

Von den Blättern ernährt sich wiederum die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte. Im Mai finden sich im Blattwerk der Pfaffenhütchen zahlreiche Spinnweben, die nur auf den ersten Blick so aussehen, aber in Wirklichkeit gar keine sind. Im Inneren dieser Gespinste fressen sich kleine gelbe Raupen mit braunen Punkten am Laub der Sträucher satt. Das spinnwebenartige Gewebe rundum soll wahrscheinlich Fressfeinde abhalten, denn die Raupen werden gern von parasitären Fliegen befallen. Sonst hilft es ihnen aber wenig.

Im Mai sind Proteine ein gefragtes Aufzuchtfutter. Im Minutentakt fliegen die Kohlmeisen zwischen Nistkasten und Pfaffenhütchen-Strauch hin und her. Die kleinen Raupen haben die ideale Größe und werden gern verfüttert. Sollten doch ein paar durchkommen, freuen sich die Fledermäuse über die geschlüpften Nachtfalter. Allerdings nicht über alle, denn im nächsten Frühjahr geht alles wieder von vorne los.

Die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte gilt als Schädling. Zur Bekämpfung werden die befallenen Äste herausgeschnitten, die restliche Pflanze mit Insektengift besprüht. Wahrscheinlich von den gleichen Leuten, die sich dann beschweren, dass die Zahl der Singvögel und Fledermäuse ständig abnimmt. Entweder verhungern die Fressfeinde der Raupen, oder sie werden ebenfalls vergiftet. In beiden Fällen braucht man ein Jahr später eine höhere Dosis Gift.

Zugegeben, so ein Nest mit kleinen gelben Raupen sieht ziemlich eklig aus. Die Gespinste können zahlreich werden. Angeblich fressen die Schädlinge sogar ganze Sträucher kahl. Bei uns war das noch nie der Fall, dafür sind die kleinen Kohlmeisen viel zu hungrig. Und selbst wenn der Befall einmal ausufert, stirbt der Strauch nie ab, denn die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte entwickelt immer nur eine Generation pro Jahr. Wahrscheinlich brauchen die jungen Raupen das zarte Grün der frischen Blätter, älteres Laub hätte eine stärkere Giftwirkung, und so ist der Spuk im Juni wieder vorbei.

Die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte ist einer der nützlichsten Schädlinge, die ich kenne. Sie liefert den Singvögeln wertvolles Proteinfutter genau dann, wenn sie es für die Aufzucht ihrer Jungen am dringendsten brauchen. Und der angerichtete Schaden ist minimal. Er besteht mehr oder weniger nur in unserer Einbildung. Wenn wir uns an den Anblick der Raupen im Mai erst einmal gewöhnt haben, lösen sie kaum noch Ekel aus, stattdessen liefert uns die Natur Vogelfutter gratis, CO2-neutral und frei Haus.

Von oben herab

Eichhörnchen

Am Sonntag war herrliches Wetter. Der Nachmittag war warm und sonnig. Die richtige Zeit, um vor dem Winter im Garten noch einmal sauber zu machen. Töpfe werden weggeräumt, Werkzeug in den Schuppen geräumt und alles winterfest gemacht. Hie und da finde ich Nüsse unter meinen Sachen, sofern sie zulange auf demselben Platz gestanden sind. Hohlräume unter leeren Pflanzgefäßen eignen sich anscheinend bestens, um Walnüsse drunter zu stopfen.

Allerdings nicht, wenn so schönes Wetter ist wie am Sonntag. Da sitzt man lieber oben im Nussbaum, genießt die Sonne und posiert neugierig für den ebenso neugierigen Fotografen. Es scheint ein gutes Jahr für Nagetiere gewesen zu sein, selbst in Wien laufen mir an ungewohnten Stellen Eichhörnchen vor die Füße, und in Kärnten nistet sich eines gerade in unserem Garten häuslich ein.

Das Schmetterlingsjahr 2019

C-Falter

Der letzte Sommer war dominiert von Kohlweißlingen. Über den Gemüsebeeten flatterte ständig ein weißes Ballett in der Sonne. Später kam das Große Ochsenauge dazu. Auch diese Art war im Hochsommer reichlich vertreten. Dieses Jahr hat es im Mai noch einmal gefroren, die Kohlrabi konnte ich erst für den Herbst setzen, und aus dem Brokkoli ist nichts geworden. Mit den fehlenden Raupenfutterpflanzen waren die Kohlweißlinge nur vereinzelt zu finden, und der feuchtere Sommer scheint dem Großen Ochsenauge weniger gut gefallen zu haben. Die beiden Arten waren zwar auch dieses Jahr vertreten, aber nicht so dominant.

Stattdessen ist mir mehr Vielfalt bei den Schmetterlingen aufgefallen. Über die ersten Sichtungen im Frühjahr habe ich berichtet. Auch Schwalbenschwanz und Schwarzer Trauerfalter haben ihren eigenen Beitrag bekommen. Dazwischen sind mir aber noch anderer Arten ins Gesichtsfeld geflattert, deren Betrachtung sich lohnt.

An den Anfang stelle ich die Allerweltsfalter Tagpfauenauge und Admiral. Mit ihnen beginnt und endet das Schmetterlingsjahr. Der Admiral gilt als Wanderfalter, aber mittlerweile ist er so zeitig im Frühjahr und so spät im Herbst zu sehen, dass einzelne Exemplare wahrscheinlich schon bei uns überwintern, so wie es auch das Tagpfauenauge tut. Wenn nicht die Raupe oder Puppe überwintern, sondern das fertige Insekt, hat die Art im Frühling einen Startvorteil. Die ersten warmen Tage des Jahres gehören deshalb Zitronenfalter, C-Falter und Co.

Im Laufe des Sommers gesellten sich dann andere weit verbreitete Arten wie der Kleine Fuchs, der Braune Waldvogel, auch Schornsteinfeger genannt, und der eine oder andere Dickkopffalter dazu. Und dann war da noch der Kaisermantel, der regelmäßig durch den Garten flatterte, sich aber nie fotografieren ließ. Ich könnte das Foto vom letzten Jahr verwenden, aber das wäre erstens unsportlich, und zweitens gab es genug andere Sichtungen.

Das Kleine Wiesenvögelchen und das Sechsfleck-Widderchen waren mir bislang zum Beispiel völlig unbekannt. Letzteres saß direkt vor meiner Nase auf dem Sonnenhut und ich hätte es trotzdem fast übersehen. Im Gegensatz zu den bislang erwähnten Arten gehört es zu den Nachtfaltern, von denen bei weitem nicht alle in der Nacht fliegen.

Und damit wären wir schon beim Hauptgrund, warum die Beschäftigung mit Schmetterlingen frustrierend sein kann. Es gibt ihrer so viele. Vor allem bei den Nachtfaltern scheint die Zahl unbegrenzt. Repräsentativ für die vielen Fotos in meinem Archiv mit dem Zusatz „unbestimmt“ stehen die folgenden beiden Bilder.

Der erste Falter sieht aus wie ein Baum-Weißling, aber es fehlen die für Tagfalter typischen Keulen am Ende der Fühler, und der zweite gehört zur großen Gruppe derer, die sich einfinden, wenn man nachts die Beleuchtung nicht ausmacht. Es ist immer wieder erstaunlich, wie detailliert und schön gezeichnet die Kreaturen der Nacht sein können.

Manchmal finde ich auch nur die Raupen, wie zum Beispiel beim Kleinen Nachtpfauenauge auf dem folgenden Bild. Dieses Exemplar war von beeindruckender Größe und offensichtlich schon kurz vor der Verpuppung.

Leichter zu bestimmen war das Männchen des Rotrandbärs. Auch er gehört zu den teils tagaktiven Nachtfaltern. Und dann war da noch das schöne Exemplar auf dem letzten Bild. Endlich einer, den man nicht verwechseln kann, dachte ich mir. So ein schönes Rot auf dem hinteren Flügelpaar hat wohl kein zweiter Falter. Stimmt aber nicht. Das Rote Ordensband, der Pappelkarmin und der Weidenkarmin sehen fast gleich aus, wobei es sich bei dem von mir entdeckten Exemplar wahrscheinlich um einen Weidenkarmin handelt. Von diesen Faltern gibt es sicher mehr, als man glaubt. Man erkennt sie nur nicht, weil sie in der Ruhestellung die Vorderflügel über die Hinterflügel klappen. Anders wären sie mit ihrer roten Signalfarbe eine viel zu leichte Beute für Vögel.

Mittlerweile geht das Schmetterlingsjahr zu Ende. Nur die Überwinterer wie Zitronenfalter, Admiral und Tagpfauenauge sind noch unterwegs. Über die Vielfalt, die dieser Sommer gebracht hat, kann ich mich aber nicht beschweren. Es waren außerdem mehr Arten als ich mit der Kamera einfangen konnte, und so bleiben noch ein paar Herausforderungen fürs nächste Jahr übrig.