Der Weidenbohrer

Weidenbohrer

Wer Weiden hat, hat auch den Bohrer. Umgekehrt ist es nicht immer so. Ich kenne Gartenbesitzer, die keine Weiden mehr haben, weil sie dem Weidenbohrer (Cossus cossus) zum Opfer gefallen sind. Der große, weit verbreitete Nachtfalter ist allerdings harmlos. Er hat nur einen verkümmerten Saugrüssel und tut folglich niemandem was.

Seine Raupe ist der Schädling. Sie überwintert mehrmals und erreicht beeindruckende Maximallängen bis zu zehn Zentimeter. Unsere Salweide, die dieses Jahr zum ersten Mal geblüht hat, ist ihr allerdings zu klein. Bevorzugt frisst sie sich durch ältere, geschwächte Bäume. Was ich hier im Garten fotografiert habe, wird also wohl der Weidenbohrer der Nachbarn gewesen sein, wobei Nomen hier nicht Omen ist: Der Falter befällt auch andere Laubbäume.

Erste Ausblicke

Junge Blaumeise

Ein paar Tage noch, dann hat der kleine Nistkasten für die Blaumeisen wieder einmal seine Aufgabe erfüllt. Der eine oder andere Jungvogel wagt schon einen Blick ins Freie und wird am Einflugloch gefüttert. Sobald er satt ist, gibt er den Eingang wieder frei, und die Elternvögel können auch seine Geschwister versorgen.

Diese Übergangsphase währt nur kurz. Im Laufe der Woche wird sich der Nistkasten leeren, und die Jungvögel werden in den umliegenden Bäumen und Sträuchern weiter gefüttert. Nahrung, bevorzugt Raupen, ist genug vorhanden, und wie jedes Jahr spult das Blaumeisenpärchen routiniert sein Frühjahrsprogramm ab. Nur wenn eine Katze aufs Dach klettert, entfährt ihnen ein aufgeregtes: „Da-rt-t-t!“ Aber wirklich Sorgen brauchen sie sich nicht zu machen, dieser Nistkasten hängt sicher und hoch genug.

Der erste Faden im Spinnennetz

Streckerspinne im Netz

Freunde der Arachnophobie kann ich beruhigen: Der Wikipedia-Beitrag zur Riesenkreuzspinne vermerkt, dass diese Art nur in Süd- und Südosteuropa vorkommt. In Kärnten gibt es zwei Inselpopulationen in den Gailtaler Alpen und in den Karawanken in trockenwarmer Lage auf mittlerer Höhe.

2019 hatten wir ein Exemplar in unserem Garten. Das Tier hat vergleichsweise kurze Füße, aber der Hinterleib ist deutlich größer als bei anderen europäischen Spinnen. Wirklich beeindruckend ist aber ihr Netz.

Es ist immer schwierig, räumliche Anordnungen und Dimensionen auf Fotos korrekt wiederzugeben, aber das Netz der Riesenkreuzspinne misst ungefähr einen Meter im Durchmesser, und selbst mit einer Körpergröße von einem Meter 80 muss man den Kopf in den Nacken legen, wenn man es betrachten möchte. Der oberste Querfaden verbindet Bäume, die drei bis vier Meter auseinander stehen, und wenn es beschädigt wird, baut die Spinne über Nacht an einer anderen Stelle ein neues Rad.

Wie sie den ersten Faden über die lange Distanz gespannt hat, konnte ich leider nicht beobachten, aber aus der Sendung mit der Maus weiß man, wie die Tropische Seidenspinne das macht. Sie klettert auf der einen Seite hoch, heftet den Faden fest und schleppt ihn dann unten herum auf die andere Seite. Schwer vorstellbar, dass unsere Spinne mit dieser Methode erfolgreich war. Unter dem Netz wachsen die Himbeeren, und in denen hätte sie sich wohl hilflos verfangen.

Die Streckerspinne auf den nächsten Bildern hat ihr Netz gleich direkt über dem Wasser errichtet, fast einen Meter vom Teichufer entfernt, und sie kann nicht übers Wasser laufen wie die Dunkle Wolfsspinne.

Es muss also noch eine andere Methode geben. Im Gegensatz zur Tropischen Seidenspinne läuft hier nicht die Spinne auf die andere Seite mit dem Faden im Schlepptau, sondern der Faden wird zuerst in den Wind gesponnen, bis er sich auf der anderen Seite verfängt. Die Spinne läuft dann hinterher und verstärkt den dünnen Erstfaden mit zusätzlichen Fasern. Auf BBC Earth kann man sich ansehen, wie eine kleine Spinne in Madagaskar ihr Netz sogar über einen 25 Meter breiten Fluss spannt.

Von der Gartenkreuzspinne gibt es Berichte, dass sie sich ebenfalls auf den Wind verlässt, um ihren Faden auf die andere Seite zu bekommen, und so wird es wohl auch unsere Riesenkreuzspinne gemacht haben. Viel Wind braucht sie dafür gar nicht. Es reicht, wenn sie zunächst einen höheren Punkt wählt, den Faden schräg nach unten über den Zwischenraum gleiten lässt und dann auf die selbe Ebene hinunter klettert, bevor sie auf ihrer Seite die Verankerung vornimmt. In jedem Fall ist dafür ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen notwendig, um den vorprogrammierten Bauplan an die jeweiligen Gegebenheiten anzupassen.

Einer für alle

Bei Schwärmen denkt man zunächst an Fische oder Stare, aber die Kaulquappen der Erdkröten können das genauso beeindruckend und bilden im Teich dichte Knäuel, um sich dadurch vor Fressfeinden zu schützen. Bei den Erdkröten hat sich die Evolution aber noch einen zweiten Trick einfallen lassen: Sie haben in der oberen Hautschicht einen eingelagerten Botenstoff, der bei Verletzung frei gesetzt wird und bei den Artgenossen eine Fluchtreaktion auslöst. Wird also eine Kaulquappe zum Beispiel von einer Libellenlarve erbeutet und gefressen, warnt sie als letzte Aktion noch einmal ihre Kollegen.*)

Hilft aber nichts. Von über 100.000 Kaulquappen schließen maximal ein paar hundert die Metamorphose ab. Auf schwache Jahre folgen meist stärkere. Letztes Jahr waren Mitte Mai alle Kaulquappen schon weg, und die Libellenlarven blieben hungrig zurück. Deshalb stehen dieses Jahr die Chancen etwas besser, dass es doch ein paar an Land schaffen.

Mehr zum Thema findet sich in meinem Buch Amphibienbademeister – Zweitberuf am naturnahen Gartenteich.


*) Silke Schweiger, Georg Gassner, Jürgen Rienesl, Günther Wöss: Wien: Amphibien & Reptilien in der Großstadt. Die spannende Vielfalt der urbanen Herpetologie, Wien 2021, S. 146

Mit einem Monat erwachsen

Amseljunges

Die folgenden Fotos stammen vom 13. Mai. Kaum zu glauben, dass diese Amsel einen Monat zuvor, am 13. April, erst geschlüpft ist. Nach zwei Wochen musste sie das Nest verlassen, und mittlerweile weigern sich die Eltern sogar, sie zu füttern.

Dabei hat der kleine Vogel überhaupt kein Sättigungsgefühl. Der ist ständig hungrig. Kein Wunder, dass er immer so unzufrieden drein sieht, egal ob frisch gebadet oder trocken.

Da trifft es sich gut, dass Mrs. Colombo ein großer Fan des Unkrautjätens ist. Stundenlang legt sie ihre letztes Jahr erworbenen Pflanzen frei und setzt Neuerwerbungen dazwischen. Die Amsel wiederum ist deshalb ein großer Fan von Mrs. Colombo und folgt ihr auf Schritt und Tritt, um in der frisch umgewühlten Erde nach Fressbarem zu suchen.

Wir kümmern uns aber nur um das leibliche Wohl, sprechen lernt die Jungamsel schon noch von den eigenen Eltern: „Siehst du die Katze?“ – „Ja, ich sehe die Katze. Siehst du sie auch?“ – „Ja, ich sehe sie auch noch, und du?“ In der Amselsprache ist das so ein eintöniges „Tut-tut-tut“ im Sekundentakt. Und immer mit Blick Richtung Katze. Man muss nur in die gleiche Richtung schauen, dann sieht man sie auch. Vor der Katze warnt der Jungvogel jedenfalls schon so gut wie die Alten.

Wenn der Sperber hinter dem Amselmännchen her ist, hört man einen ganz anderen Warnruf – viel hektischer, aufgeregter. Der Sperber ist definitiv gefährlicher als die Katze. Und was mich betrifft, bin ich sehr stolz, dass ich schon zwei Wörter Amseldeutsch kann. Passiv zumindest. Wenn ich versuche, das nachzumachen, fallen die Amseln vor Lachen vom Baum. An meinem Akzent muss ich noch arbeiten.

Und zum Schluss noch ein Bild aus besseren Tagen. Am 3. Mai war die Welt noch in Ordnung. Da war man noch souverän flauschig und gut gesättigt. Man beachte den zufriedenen Gesichtsausdruck: Gleich kommt der Papa und bringt mir einen frischen Wurm. Da kannte der Jungvogel noch keine Existenzängste. Aber das Leben schreitet unnachgiebig voran, und diese Zeit kommt nicht wieder. Those were the days, my friend…