Baden für Nichtschwimmer

Amsel

Wenn die Hitzewelle rollt, ist richtige Abkühlung wichtig. Auch Nichtschwimmer sollten versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Hier eine kleine Anleitung:

Immer im flachen Bereich bleiben. Das Wasser sollte einem maximal bis zum Bauchnabel gehen. Dann den Kopf eintauchen, das Wasser in einer Drehbewegung hochschleudern und warten bis die Dusche kommt.

Noch einmal von der anderen Seite mit Blick in die Kamera: Kopf hinunter, nach links und rechts hoch reißen, still stehen und duschen.

Das Internet weiß übrigens auch nicht alles, zumindest habe ich nicht herausgefunden, ob Amseln schwimmen können. Man stößt immer auf die Wasseramsel. Es gibt also Singvögel, die sehr gut schwimmen können. Man findet auch Berichte von Amseln, die in ungeeigneten Gefäßen ertrinken. Ob sie notfalls ein kurzes Stück schwimmen können, weiß ich nicht. Bei uns im Gartenteich halten sich alle Vögel sicherheitshalber immer im flachen Randbereich auf.

Erstes Luftschnappen

Grasfrosch klein

Beim Schwimmen am Morgen wurde ich vor ein paar Tagen von einem kleinen Frosch überrascht. Er saß auf einem Seerosenblatt und machte seine ersten Erfahrungen mit dem Leben über Wasser. Seit längerem hatte ich keine Kaulquappen mehr gesehen – umso erstaunter war ich, dass es offensichtlich doch noch einer geschafft hatte, seine Metamorphose abzuschließen.

Im März sieht die Sache jedes Jahr so aus, als würde die Umgebung von Amphibien überschwemmt. Allein die Zahl der Erdkröteneier habe ich dieses Jahr auf über 30.000 geschätzt. Zehn davon habe ich testweise entnommen und in einem kleinen Aquarium aufgezogen. Das Ergebnis waren zehn kleine Kröten, keine Ausfälle durch Missbildungen, Parasiten oder unbefruchtete Eier. Trotzdem überleben im Teich maximal einzelne Exemplare das Larvenstadium.

Bei den Grasfröschen ist die Zahl der Eier deutlich geringer, dafür sind sie größer und die Kaulquappen wachsen schneller. Am Ende sind sie gut vier Zentimeter lang.

Wenn die Kaulquappe dann Gliedmaßen bekommt und sich zum Amphibium umwandelt, schrumpft sie wieder. Der fertige Grasfrosch auf dem Foto war etwas mehr als einen Zentimeter groß. Neben der Seerose wirkte er winzig.

Nur am Anfang hatten wir einmal so etwas wie einen Froschregen. Beim ersten Sommergewitter im Juni machten sich hunderte kleine Erdkröten gleichzeitig auf den Weg, um die Welt zu erkunden. Das schaut dann so aus, als würden sich die Regentropfen beim Aufprall in wegspringende Amphibien verwandeln.

Seither haben die Fressfeinde den Bestand fest im Griff. Es ist wirklich erstaunlich, wie die Natur angesichts dieses Invasionspotentials ein Gleichgewicht herstellen kann. Der Teich fördert natürlich die Entwicklung der Lurche im Umkreis, aber ihre Anzahl nimmt trotzdem nur moderat zu.

Die Königin

Ringelnatter

Als ich vor über vier Jahren den Teich angelegt habe, dachte ich natürlich auch darüber nach, welche Tiere sich hier ansiedeln könnten. Ich hoffte auf Kröten, Frösche und Molche und überlegte mir, dass die Krönung wohl eine Ringelnatter wäre. Sie steht am obersten Ende der Nahrungspyramide, und mit ihr wäre die Besiedelung abgeschlossen.

Tatsächlich kamen nach dem ersten Winter bereits die Kröten, und ein Jahr darauf sah ich eine kleine Ringelnatter – deutlich erkennbar an den hellen Nackenflecken, die wie ein Krönchen aussehen. Sie war nicht viel länger als ein Bleistift. Auch im Jahr darauf besuchte uns so eine junge Schlange. Beide waren wahrscheinlich erst im Vorjahr geschlüpft.

Das Exemplar auf den Fotos vom Pfingstmontag ist deutlich größer. Ich schätze es auf 40 Zentimeter. Sie ist eigentlich nicht scheu. Fotografieren ließ sie sich trotzdem nur schwer. Es ist nicht einfach, etwas bildlich darzustellen, was so lang und dünn ist.

Wie weit die Schlange an Menschen gewöhnt ist, weiß ich nicht. Ich bin am Nachmittag jedenfalls schwimmen gegangen, und sie hat sich von mir nicht stören lassen. Wir hatten wahrscheinlich beide eine ähnliche Motivation das Wasser aufzusuchen: Abkühlung. Die wechselwarmen Reptilien regeln durch ihre Umgebung die Körpertemperatur, und wegen mir wollte die Schlange den kühlenden Teich nicht verlassen.

Ringelnatter

Dass sie sich dauerhaft ansiedeln wird, glaube ich nicht. Dafür ist unser Teich zu klein. Aber im Moment fühlt sie sich bei uns wohl. Was mich dabei besonders überrascht: Irgendwie träge ist dieses Reptil gar nicht. Sobald die Sonne heraußen ist und die Temperaturen steigen, kann man sie im Wasser beobachten, wie sie alle Ritzen und Steine nach Fressbarem absucht.

 

Schwerlast

Zweifarbige Schneckenhausbiene

Neulich ist mir im Garten eine Biene untergekommen, die ich bislang nur in Natursendungen im Fernsehen beobachten konnte. Es scheint sich um die Zweifarbige Schneckenhausbiene oder eine Verwandte zu handeln. Ein Schneckenhaus konnte ich unten drunter allerdings nicht erblicken. Für mich lagen an der Stelle nur Steine. Die Flugzeit müsste auch früher sein. Dieses Exemplar war Anfang Juni noch unterwegs.

Die Biene flitzte extrem schnell über den Boden und griff sich Blattstiele, trockene Halme und Blütenreste. Das alles schlichtete sie zu einem Haufen von knapp fünf Zentimeter Durchmesser. Dazwischen machte sie immer wieder Pause. Die ganze Arbeit dauerte Stunden. Die Größe der verwendeten Pflanzenteile ergab sich durch probieren. War etwas zu schwer, ließ sie es nach ein paar Zentimetern wieder fallen. Fotografieren ging wirklich nur schwer, so schnell war das Tier und der Nistplatz unzugänglich unter Blättern und Zweigen.

Es heißt, dass die Biene so ihre Brut schützt. Zuerst platziert sie Eier und Pollen in ein leeres Schneckenhaus. Dann verschließt sie es mit einem Pfropfen, dreht die Öffnung nach unten und schlichtet dürre Halme oder Nadeln darüber.

Der tiefere Sinn wollte sich mir nicht erschließen. Würde ich mich von Bienenlarven ernähren, müsste ich nach komischen Häufchen am Boden suchen. Vielleicht wollte sie aber auch nur das Kinderzimmer möglichst gründlich verbarrikadieren. Man kennt ja die Zores mit dem Nachwuchs…

Sprichwörtlich genommen

Kleiner Spatz

Speziell in den Sommermonaten bin ich Frühaufsteher. Auch an Sonn- und Feiertagen wache ich spätestens um sechs auf und beginne, vertikal zu lüften: Oben öffne ich die Balkontür und unten die Eingangstür, das ergibt auf der Stiege einen schönen Luftzug, der das Haus um mehrere Grad abkühlt, während ich meinen Kaffee trinke.

Kleiner Spatz vor der TürAls ich am Pfingstmontag die Eingangstür wieder schließen wollte, saß ein kleiner Hausspatz auf der Treppe und sah irgendwie so drein, als würde er Puppi heißen.

Sinnvollerweise wäre ich einfach vorbei gegangen und hätte die Tür dabei geschlossen. Stattdessen machte ich aus der Distanz ein Foto und stieg dann mit der Kamera durchs Fester. Anschließend ging ich auf der anderen Seite ums Haus und baute mich ganz hinten im Garten mit dem Teleobjektiv auf. Man weiß ja, dass jetzt gleich die Mama kommt und füttert. Das wird ein feines Foto.

Die Mama hatte aber mehrere Küken zu versorgen und einige waren noch oben auf dem Balkon im Nistkasten. Ich übersetze mal kurz den Dialog.

Mama: Wo seid ihr den alle?
Puppi: Hier bin ich, Mama, ich komm schon!

Wir erinnern uns: Vertikal lüften, Balkontür oben offen, Eingangstür offen. Puppi folgte dem Ruf seiner Mama schnurstracks ins Haus, weil von dort kam ja ihre Stimme. Wir erinnern uns weiter: Ich war ganz hinten im Garten. Bis ich im Vorraum stand, war von Puppi nichts mehr zu sehen. Ich ging vor dem Kasten zu Boden: Puppi, bist du da?

Kleiner Spatz neben KachelofenAber Puppi war nicht da. Ich ging den Gang entlang Richtung Küche. Puppi, bist du in der Küche? Aber Puppi war auch nicht in der Küche. Er wusste nicht einmal, was eine Küche ist, hatte auch keine Ahnung, dass er mit Puppi gemeint war, und saß außerdem im Wohnzimmer neben dem Kachelofen.

Aufmerksam sah er mich an, aber sobald ich mich ihm näherte, schloss er die Augen: Ich weiß, wer du bist. Du bist die Katze. Meine Mama hat mir alles von dir erzählt. Aber wenn ich die Augen schließe, kannst du mich nicht sehen.

Das war natürlich Blödsinn. Ich konnte ihn immer noch sehen, und ich war nicht die Katze. Ich war der Typ mit dem Vogel im Wohnzimmer. Wer in so einer Situation übrigens eine Plastikmistschaufel auf den Boden legt, mit dem Finger drauf klopft und sagt: Komm, Puppi, steig da drauf, hat irgendwie wirklich einen Vogel. Das hilft nämlich nichts, ich weiß, wovon ich spreche.

Kleiner Spatz auf der SchaufelStattdessen hilft ein gutes Langzeitgedächtnis. In Kindertagen gab es mal einen Wellensittich und da war dieser Trick mit der Decke. Ich ging in die Küche, holte ein Geschirrtuch und warf es schön mittig über Puppi. Mit sanftem Druck trippelte er auf die Schaufel. Puppi war überhaupt sehr cool. Im Garten blieb er brav sitzen und wartete artig, bis ich mein Foto gemacht hatte.

Anschließend hoppelte er ins Gras und keine fünf Minuten später kam seine Mama, um ihn zu füttern. Fotos sind mir davon keine gelungen. Wir haben es nicht so mit dem Rasenmähen, und Puppi war in der hohen Wiese gut getarnt, aber den Dialog konnte man wieder ganz deutlich verstehen.

Puppi: Mama, ich war in dem großen Haus. Dort ich habe dem Tod ins Auge geblickt, aber dann bin ich ihm noch einmal von der Schaufel gesprungen.
Mama: Du hast Hunger und fantasierst. Nimm noch Frühstück!

Kleiner Spatz im GrasIch habe dann noch das Stativ genommen und die Kamera mitlaufen lassen, aber die Erkenntnisse waren gering. Puppi hat die ganze Zeit den Schnabel offen. Wenn er nicht kommuniziert, frisst er alles, was ihm vor den Schnabel läuft. Einmal ist eine Ameise über ihn hinweg. Das hat sie nicht überlebt. Irgendwann ist er dann weggehüpft und hat sich ein besseres Versteck gesucht.

Wenn man bedenkt, dass Vogeleltern mehrere Junge versorgen müssen, kann man sich ungefähr den Stress vorstellen, den sie dabei haben. Bleibt nur zu hoffen, dass die Mühe nicht für die Katz‘ ist. Ein paar Sprichwörter haben für mich an diesem Morgen jedenfalls eine sehr konkrete bildliche Umsetzung bekommen, und ich weiß jetzt auch, warum der Hausspatz Hausspatz heißt: Der marschiert einfach ins Haus rein, wenn die Tür offen ist.