Meinem Gefühl nach sind Rotkehlchenfotos die Katzenvideos der Wildtierbeobachtung. Man könnte glauben, auf jedem Spaziergang wartet ein neugieriges Rotkehlchen, um fotografiert zu werden. Wie das funktioniert, ist mir schleierhaft, denn in unserem Garten wohnen solche Rotkehlchen nicht. Wenn eines posiert, ist es auf der Durchreise. Ortsansässig gibt es nur zwei: Das dominante und das zur Paarung geduldete, und beide sind scheu.
Seit Winterende sehe ich jeden Morgen durchs Fenster ein Rotkehlchen bei der Ansitzjagd. Das nistet zweifellos ganz in der Nähe. Sobald ich mit der Kamera draußen bin, ist es weg. So geht das seit Wochen, aber mittlerweile sind wahrscheinlich die Jungen zu versorgen, und bei der Futtersuche wird das Elterntier unaufmerksam.
Ok, zuerst ist es noch hinter dem Zaun. Dann ist es auf der richtigen Seite vom Zaun aber hinter der Deutzie. Und zum Schluss komme ich doch noch zu meinem Foto. Auf unserer Seite schmecken die Spinnen halt doch am besten. Nach Wochen harter Arbeit ist das somit mein Beitrag zu den Rotkehlchenfotos. Aber objektiv betrachtet ist mein Exemplar natürlich das schönste von allen. Zumindest ist es sicher der Vogel, den ich immer beim Frühstück durchs Fenster sehe, denn Rotkehlchen halten sich an ihre Reviere, und das ist der Grund, warum ich dieses Exemplar immer zur gleichen Zeit an den gleichen Stellen bei der Jagd beobachten kann.

















