In Kurt Mündls sehenswerter Dokumentation über die Schlangen Österreichs sieht man zu Beginn junge Ringelnattern auf der Jagd nach Kaulquappen, und der Sprecher erklärt dazu, die Aufnahmen würden aus dem Hochgebirge stammen, wo es im August noch Kaulquappen gibt. Bislang hätte ich auch gesagt, spätestens Mitte Juni ist in den Tallagen die Metamorphose der Erdkröten abgeschlossen, aber dieses Jahr ist alles anders, und in unserem Teich schwimmen Ende Juli noch die letzten Nachzügler.
Warum die Metamorphose heuer fast zwei Monate länger dauert als sonst, hat mehrere Gründe: Zunächst gab es deutlich mehr Laich, weshalb auch die Nachzügler eine Chance hatten durchzukommen und nicht gleich auf dem Speiseplan ihrer Fressfeinde landeten. Normalerweise gilt hier: Last come, first serve.
Der entscheidende Faktor war aber sicher die geringere Wassertemperatur: Vor allem der Juli war ungewöhnlich kühl und verregnet. Mit jedem nächtlichen Schauer kam kaltes Frischwasser in den Teich, das sich bei bedecktem Himmel kaum aufwärmte. Mittlerweile ist auch der Randbereich so weit verwachsen, dass die Sonne kaum noch durchdringt. Gerade das sonnenbeschienene Flachwasser war bislang immer ein Garant für im Frühjahr rasch steigende Wassertemperaturen.
Ich hoffe nur, dass eine Witterung wie heuer bei uns die Ausnahme bleibt. Im nächsten Sommer hätte ich gern wieder Tallagenbedingungen, aber vielleicht sind diese Gedanken auch bloß ein Merkmal des fortschreitenden Alterungsprozesses: In der Pension werde ich jeden Morgen bei der Tür raus schauen, übers Wetter jammern und mich wieder ins Zimmer setzen.






