Geheimnisvolle Erdlöcher

Am Freitagmorgen habe ich in der Wiese ein frisches Loch entdeckt. Zwei Meter weiter noch eines. Und knapp daneben war ein drittes.

Normalerweise ist es der Igel, der auf Futtersuche unseren Garten mit kleinen trichterförmigen Löchern überzieht. An manchen Sommermorgen sieht die Wiese aus, als wäre jemand mit dem Maschinengewehr darüber gegangen. Seit Tagen suche ich nach Anzeichen, dass der Igel den Winterschlaf überstanden hat. Sollte dem so sein, müssten über Nacht weitere Löcher hinzukommen.

Am Samstagmorgen entdeckte ich zwei weitere Löcher. Aber irgend etwas an ihrer Form stimmte nicht. Der Igel macht immer ziemlich exakte, kreisrunde Trichter. Seine empfindsame Nase zeigt ihm vorab, wo er suchen muss. Diese Löcher waren schief. Ihre Größe stimmte zwar, aber sie gingen seitlich in die Erde.

Ich steckte vorsichtig meinen Finger hinein und entdeckte einen kleinen Gang, der zur Seite führte. Diese Art von Erdbau hatte ich schon einmal gesehen, nur später, nicht Mitte April, und der Vorplatz war größer gewesen. Es schien so, als wäre das Werk noch nicht fertig, und tatsächlich zeigte sich kurz darauf der kleine Baumeister. Ein Feldgrillenmännchen schob sich mit dem Hinterleib voran aus der Öffnung und schaufelte Erde weg. Dann drehte es sich um und begann Pflanzenteile abzuknabbern, um den kahlen Bereich vor der Höhle zu vergrößern.

Später, wenn alles fertig ist, sitzen die Männchen auf diesem Vorplatz und zirpen lautstark nach einem Weibchen. Dann sind sie auch viel scheuer. Sie haben Angst, dass ihr Gesang Fressfeinde anlocken könnte, und verschwinden beim kleinsten Anzeichen von Gefahr wieder unter der Erde. Dieses Feldgrillenmännchen ließ sich jedoch bei seiner Arbeit durch mich nicht stören und vergrößerte fleißig seine Anlage.

Wasser für den Teich

teich_bewaesserung

Es heißt, dass ein Teich an einem heißen Sommertag bis zu drei Millimeter Wasserstand verlieren kann. Tatsächlich ist der Verlust durch Kapillareffekte und Pflanzen deutlich höher. Wenn wir den Pegel aus optischen Gründen halbwegs konstant halten wollen und außerdem davon ausgehen, dass es manchmal im Sommer zwei Wochen nicht regnet, müssen wir über den Daumen gerechnet eine Wassermenge von zirka zehn Zentimetern in Reserve halten. Wir benötigen also eine Zisterne, die pro zehn Quadratmeter Teichfläche einen Kubikmeter Wasser vorrätig hält.

In unserem Fall war die Teichfolie um drei Meter zu lang. Den übrig gebliebenen Streifen habe ich zu einem sechs mal sechs Meter großen Quadrat verklebt. Auch das ist ein Vorteil von Kautschukfolie: Sie lässt sich kleben wie ein Fahrradschlauch. Zusätzlich hatten wir einen geeigneten Platz für eine Zisterne, weil die Bretter einer alten Terrasse getauscht werden mussten und sich darunter leicht ein Loch von entsprechender Größe anlegen ließ. Bleibt die Frage, wie das Wasser wieder nach oben kommt. Eine entsprechende Elektropumpe hat schnell ein paar hundert Watt. Das verbraucht Strom und belastet die Umwelt. Eine klassische Schwengelpumpe ist ein guter Ersatz für kleinere Mengen. 200 Liter hat man in fünf bis zehn Minuten hochgepumpt. Aber für eine größere Menge braucht es dann doch wieder eine Elektropumpe. Diese lässt sich in Kombination mit einer Zeitschaltuhr auch für ein automatisches Bewässerungssystem einsetzen, und da liegt das nächste Problem. Wenn die Dürreperiode so weit fortgeschritten ist, dass man den Teich auffüllen sollte, haben wir mit dem gesammelten Regenwasser längst unsere Beete versorgt, denn im Zweifelsfall ist uns das Gemüse doch wichtiger als ein schön gefüllter Gartenteich.

Besser ist, man hat eine Randgestaltung, die auch bei geringerem Wasserstand noch optisch ansprechend ist. Hinzu kommt, dass in unseren Breiten zwei Drittel des Jahresniederschlags im Sommerhalbjahr fallen. Wenn man zusätzlich die Dachfläche nützt, füllt ein kräftiges Sommergewitter den Teich ohne Probleme wieder auf. In unserem Fall leitet die Regenrinne den Niederschlag von knapp hundert Quadratmetern Dachfläche in eine alte Badewanne, deren Abfluss den Teich über einen unterirdischen Schlauch mit Wasser versorgt. Die Badewanne hat auch noch einen funktionstüchtigen Stöpsel, so dass man eine Wannenfüllung als Reserve zurück halten kann. Meist ist sie allerdings leer, weil sich hier sehr schnell Stechmückenlarven ansiedeln.

Egal, ob man das Regenwasser in einer Zisterne speichert oder direkt in den Teich leitet, in beiden Fällen empfiehlt sich, die Dachrinne regelmäßig auf Blätter und organische Abfälle zu kontrollieren. Das ist eine zusätzliche Nährstoffquelle, die sich leicht vermeiden lässt.

Eine Woche Kaltwasserpaarung

kroetenpaarungManchmal ist der Winter mild, und auf den Gewässern bildet sich kaum eine Eisschicht. Ein Jahr später ist alles anders, die Temperaturen sinken tief, und der Gartenteich ist von Anfang Dezember bis Mitte März zugefroren. Der Frühling beginnt dann mehrere Wochen später, das gelbe Leuchten der Forsythien lässt auf sich warten. Nur die Erdkröten sind immer pünktlich. Wenn der März zu Ende geht, sitzen die ersten Männchen im kalten Wasser und warten.

Die meisten von ihnen haben einen längeren und gefährlichen Weg hinter sich. Den schaffen sie nur, wenn sie sich sofort aufmachen, sobald die Erde auftaut. Sollte unterwegs der Winter zurück kommen, graben sie sich wieder ein und warten. Auf festen Routen ziehen sie von ihren Winterquartieren zu den angestammten Laichgewässern…

Obwohl, das kann so nicht ganz stimmen. Auch natürliche Gewässer verändern sich, einige vertrocknen, andere entstehen neu. In unserem Gartenteich saßen schon im ersten Frühling vier Krötenpärchen. Hundertprozentig laichgewässertreu sind die Erdkröten also nicht. Wahrscheinlich verhält es sich so wie beim Einkaufen: Normalerweise greifen wir immer zu den gleichen Marken im gleichen Geschäft, außer es gibt bei der Konkurrenz ein günstiges Angebot und in unserem Lieblingsladen ist eine lange Schlange an der Kassa.

Die Zahl der Pärchen hat übrigens nur begrenzt Einfluss auf den Fortpflanzungserfolg. Entscheidender ist, wie hart der Winter war und ob ihn viele Fressfeinde überlebt haben, denn Erdkröten sind vor allem einmal Futter. Jedes Weibchen legt zirka 5000 schwarze Eier in zwei gallertartigen Schnüren. Trotzdem bleiben bis Anfang August nur wenige Kaulquappen übrig, die sich zu fertigen Amphibien verwandeln. Libellenlarven und junge Ringelnattern fressen sich an den langsameren Kaulquappen satt.

Die Kaulquappen selbst ernähren sich von verfaulten Pflanzenteilen. Sie putzen die Reste der Blätter weg, die im Herbst in den Teich gefallen sind. Sobald sie die Metamorphose abgeschlossen haben, ändern sie ihre Ernährungsgewohnheiten und werden selbst zu Fleischfressern. Dass sie dadurch vom Gejagten zum Jäger werden, lässt sich aber nicht behaupten. Schließlich gibt es auch große Ringelnattern.

Dementsprechend vorsichtig sind die Erdkröten. Sie lassen sich nur schwer beobachten. Auftauchen, um Luft zu holen, müssen sie sehr selten. Auch wenn die erwachsenen Tiere nur einmal im Jahr zur Fortpflanzung ins Wasser steigen, merkt man gleich, dass das ihr Element ist. Maximal die Frühlingssonne vermag sie für längere Zeit nach oben zu locken, sonst ruhen sie am Teichgrund, wo sie von alten Blättern kaum zu unterscheiden sind.

Ungefähr eine Woche klammert sich das Männchen an sein Weibchen. Dann beginnt die eigentliche Paarung. Es dauert mehr als 24 Stunden, bis der Laichvorgang abgeschlossen ist.

ErdkrötenmännchenDie meisten Männchen warten aber vergeblich im kalten Wasser. Sie sind stark in der Überzahl. Weibchen sind Mangelware. Oft kommen in unserem Teich auf ein Pärchen drei einsame Männchen. Am Ende bleibt ihnen nach wochenlangem Warten im kalten Wasser nur die Hoffnung auf mehr Glück im nächsten Jahr.

Schlimmer trifft es nur jene, die beim Überqueren der Straße unter ein Auto kommen. Vor allem im ersten Frühlingregen muss man aufpassen. Was auf den ersten Blick wie verstreutes Laub aussieht, hat oft vier Füße und ist auf dem Weg zum jährlichen Stelldichein im nächsten Teich.

Die Sache mit den Gelsen

Wenn ich von unserem Gartenteich erzähle, werde ich immer wieder gefragt, ob ich denn keine Bedenken hätte wegen der Gelsen. Es ist ein hartnäckiges Gerücht, dass ein Gartenteich in erster Linie eine Brutstätte für Gelsen ist. Genauso oft findet man in Büchern zum Thema die unrichtige Behauptung, dass in einem Teich keine Gelsen heranwachsen. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Selbstverständlich setzen im Laufe des Sommers zahlreiche Stechmücken in unserem Teich ihre Eier ab, und man findet auch immer wieder schwarze Mückenlarven. Diese stehen aber am unteren Ende der Nahrungskette, und in einem gut eingespielten Teich haben sie so gut wie nie eine Chance, sich zum fertigen Insekt zu verpuppen und so ans obere Ende der Nahrungskette zu gelangen. Insofern funktioniert der fertige Teich wie eine Gelsenfalle und trägt eher zu ihrer Minimierung bei.

Gelsen sind darauf spezialisiert, sich dort auszubreiten, wo ein Gebiet nicht ständig unter Wasser steht. Dann kann sich keine dauerhafte Population von Libellenlarven und ähnlichen Räubern bilden, die Mückenlarven sind unter sich und vermehren sich beängstigend rasch. Mit Vorliebe gedeihen sie zum Beispiel in Regentonnen. Diese gehören unbedingt gründlich abgedeckt oder alle drei bis vier Wochen komplett entleert.

Ein ähnlich günstiges Habitat ist leider ein frisch eingelassener Teich. Wenn man sich nicht bei seinen Nachbarn unbeliebt machen möchte, sollte man hier unbedingt Vorkehrungen treffen. Ein Präparat auf BTI-Basis (Bacillus thuringiensis israelensis) könnte hilfreich sein. Meiner Erfahrung nach schädigt dieses Bakterium wirklich nur die Mückenlarven, und man benötigt bloß eine kleine Menge in der Einlaufphase.

Das Problem mit den Streunerkatzen

Als der Garten noch von unserer Elterngeneration betreut wurde, gab es immer wieder  Streunerkatzen, die am Dachboden des Schuppens ihre Jungen großgezogen haben. Der Grund für die Anziehungskraft dieses Verstecks war ein zweiter Eingang durch eine Lücke im Dach. Ich habe den gebrochenen Dachziegel repariert, und seither ist der Platz für Katzenmütter nicht mehr interessant.

Trotzdem streunen immer wieder wilde Katzen durch unseren Garten. Die meisten sind so scheu, dass man sich ihnen kaum auf weniger als zehn Metern nähern kann. Sie sind kleinwüchsiger als zahme Katzen und werden in der Regel auch nicht sehr alt.

Ich vermute, dass Streunerkatzen die Zahl der anderen Wildtiere in unserem Garten dezimieren. Tatsächlich habe ich aber noch nie gesehen, dass ihnen einer unserer Singvögel zum Opfer gefallen wäre. Dafür sind eher die gutgenährten Hauskatzen mit festen Plätzen verantwortlich. Streunerkatzen sind meiner Meinung nach Aasfresser, die mit Vorliebe Komposthaufen plündern. Wer vermeiden will, dass sie überhand nehmen, sollte keine Fleischreste wegwerfen, und selbstverständlich sollte man sie auch nicht anfüttern, es sei denn, man ist bereit, sie einzufangen und sterlisieren zu lassen.

Die Zahl der Streunerkatzen in unseren Gärten regelt sich – wie bei allen Raubtieren und Fleischfressern – nach dem Nahrungangebot. Nur dort, wo sie gefüttert werden, besteht die Gefahr, dass sie sich unkontrolliert vermehren.

Was übrigens nichts hilft, sind gesetzliche Regelungen. Seit genau zwei Jahren ist in Österreich die Sterilisationspflicht gesetzlich vorgeschrieben. Ich glaube nicht, dass dadurch auch nur eine Katze weniger durch unseren Garten streift. Solange die Kommune kein Geld in die Hand nimmt, wird sich an der Zahl der Katzen nichts ändern.