Am Freitagmorgen habe ich in der Wiese ein frisches Loch entdeckt. Zwei Meter weiter noch eines. Und knapp daneben war ein drittes.
Normalerweise ist es der Igel, der auf Futtersuche unseren Garten mit kleinen trichterförmigen Löchern überzieht. An manchen Sommermorgen sieht die Wiese aus, als wäre jemand mit dem Maschinengewehr darüber gegangen. Seit Tagen suche ich nach Anzeichen, dass der Igel den Winterschlaf überstanden hat. Sollte dem so sein, müssten über Nacht weitere Löcher hinzukommen.
Am Samstagmorgen entdeckte ich zwei weitere Löcher. Aber irgend etwas an ihrer Form stimmte nicht. Der Igel macht immer ziemlich exakte, kreisrunde Trichter. Seine empfindsame Nase zeigt ihm vorab, wo er suchen muss. Diese Löcher waren schief. Ihre Größe stimmte zwar, aber sie gingen seitlich in die Erde.
Ich steckte vorsichtig meinen Finger hinein und entdeckte einen kleinen Gang, der zur Seite führte. Diese Art von Erdbau hatte ich schon einmal gesehen, nur später, nicht Mitte April, und der Vorplatz war größer gewesen. Es schien so, als wäre das Werk noch nicht fertig, und tatsächlich zeigte sich kurz darauf der kleine Baumeister. Ein Feldgrillenmännchen schob sich mit dem Hinterleib voran aus der Öffnung und schaufelte Erde weg. Dann drehte es sich um und begann Pflanzenteile abzuknabbern, um den kahlen Bereich vor der Höhle zu vergrößern.
Später, wenn alles fertig ist, sitzen die Männchen auf diesem Vorplatz und zirpen lautstark nach einem Weibchen. Dann sind sie auch viel scheuer. Sie haben Angst, dass ihr Gesang Fressfeinde anlocken könnte, und verschwinden beim kleinsten Anzeichen von Gefahr wieder unter der Erde. Dieses Feldgrillenmännchen ließ sich jedoch bei seiner Arbeit durch mich nicht stören und vergrößerte fleißig seine Anlage.


Manchmal ist der Winter mild, und auf den Gewässern bildet sich kaum eine Eisschicht. Ein Jahr später ist alles anders, die Temperaturen sinken tief, und der Gartenteich ist von Anfang Dezember bis Mitte März zugefroren. Der Frühling beginnt dann mehrere Wochen später, das gelbe Leuchten der Forsythien lässt auf sich warten. Nur die Erdkröten sind immer pünktlich. Wenn der März zu Ende geht, sitzen die ersten Männchen im kalten Wasser und warten.
Die meisten Männchen warten aber vergeblich im kalten Wasser. Sie sind stark in der Überzahl. Weibchen sind Mangelware. Oft kommen in unserem Teich auf ein Pärchen drei einsame Männchen. Am Ende bleibt ihnen nach wochenlangem Warten im kalten Wasser nur die Hoffnung auf mehr Glück im nächsten Jahr.