Zeit der Hamsterer

Eichelhäher

Neulich wollte ich am Nachmittag in den Garten, um die Sonne zu genießen, da sitzt vor mir ein Eichelhäher auf dem Boden. Ich also zurück ins Haus, mit den Schuhen  unauffällig durchs Wohnzimmer – aus China habe ich gehört, dass sich Frauen nach zwei Monaten Quarantäne gern scheiden lassen, das will Mann nicht riskieren – ich greife mir die Kamera vom Schreibtisch, zurück durchs Wohnzimmer – hier gehört wieder einmal aufgewaschen – durch die Tür ins Freie, und da sitzt überraschenderweise noch immer der Eichelhäher und wartet.

Der Vogel bearbeitet eifrig eine Walnuss und lässt sich dabei nicht stören. Laut hörbar hämmert er mit dem Schnabel auf die Schale ein. Die Nuss muss aus einem seiner Depots stammen, denn ich füttere schon seit einiger Zeit nicht mehr. Was da vor mir abläuft, ist gleichsam das Ergebnis jahrtausendelanger Evolution: Der Baum hat seine Samen mit immer härterer Schale haltbar gemacht. Das macht sie für den Eichelhäher als Vorräte attraktiv. Und weil er nicht alles verbraucht, was er im Herbst versteckt hat, wachsen rundum zahlreiche Nussbäume weit weg von ihren Vorfahren. Symbiose pur.

Zum Hamstern muss man aber auch geboren sein. Bei mir funktioniert das gar nicht. Wenn mein Kühlschrank doppelt so voll ist, heißt das nicht, dass die Vorräte doppelt so lange halten – ich fresse einfach nur mehr. Das kann dem Eichelhäher auch passieren, im Gegensatz zu mir nimmt er aber nicht zu. Sein Organismus arbeitet auf einem Temperaturniveau, mit dem unsereiner zur Zeit besser nicht aus dem Haus gehen sollte, und sein Körper verbrennt die fette Kost sofort wieder. Für Vögel wäre Übergewicht aber auch eine wirklich schlechte Idee.

Madame Voldemort und der Springfrosch

Ringelnatter fängt Springfrosch

Im Frühjahr frage ich mich immer, ob die Freunde vom letzten Jahr den Winter gut überstanden haben. Gespannt sucht man nach dem ersten Igelkot, späht am Abend nach den Fledermäusen und stöbert in der warmen Nachmittagssonne nach den Blindschleichen und der Ringelnatter.

Und dann ist sie tatsächlich da, die heimliche Königin des Gartenteichs. Zuerst ist es nur ein Rascheln im Efeu. Aber kaum ist sie richtig aufgewärmt, wagt sie auch schon den ersten Ausflug ins kühle Nass.

Nicht alle haben sich über dieses Wiedersehen so gefreut wie ich, denn es hat keine Viertelstunde gedauert, da war plötzlich Bewegung vor der Kamera. Ein kurzer Ruck und die Ringelnatter hat zugeschlagen. So eine Winterpause macht halt hungrig.

Der Springfrosch hätte auf diese Begegnung gern verzichten können. Er hatte aber Glück im Unglück und kam mit dem Schrecken davon. Nach längerem Ringen erwies sich diese Beute nämlich als zu groß für unsere Freundin, sie musste ihn wieder loslassen, und der Frosch schwamm unversehrt zurück in die Tiefe. Würde mich nicht wundern, wenn dieses Abenteuer eine blitzförmige Narbe auf seiner Stirn zurück gelassen hat.

Die Botschaft bunter Eierschalen

Amselmännchen

Seit einer Woche ist das Amselpärchen schwer beschäftigt. Aufgeregt hüpfen die Vögel durch Wiese und Beete und schnappen alles, was sie vor den Schnabel bekommen. Letzten Samstag sind irgendwo in Nachbars Hecke die Jungen geschlüpft, und seither kann es einfach nicht genug Futter geben.

Die Geburtsanzeige hat mir das Weibchen quasi direkt vor die Nase getragen. Ich dachte zuerst, sie hätte irgendeinen Schaumstoff gefunden, den sie für den Nestbau verwenden wollte, aber dann ließ sie das Stück plötzlich fallen, und es entpuppte sich als Rest einer Eischale. So etwas deponiert das kluge Tier natürlich nicht in der Nähe des Nestes, sondern fliegt es aus – freundlicherweise mir direkt vor die Kamera. Jetzt müssten in der letzten Aprilwoche die Jungen nur noch diesem Beispiel folgen. Ich werde jedenfalls auf dem Posten sein.

Badeschluss

Krötenpaarung

Die Laichsaison der Erdkröten ist bei uns für dieses Jahr zu Ende, und sie war anders als sonst. Im Jahr 2016 haben zum ersten Mal zwei Pärchen in unserem Teich abgelaicht. Danach ging die Zahl mal rauf, mal runter, im Schnitt waren es meist um die fünf erfolgreiche Paarungen.  Dieses Jahr wurden wir völlig überlaufen. Bei zwanzig Pärchen habe ich aufgehört zu zählen. Es waren sicher deutlich mehr. Ich habe einfach den Überblick verloren.

Auf den Fotos lässt sich das Gewirr an Laichschnüren nur schwer wiedergeben. Fleißig haben die Amphibien unzählige Linien zwischen den Wasserpflanzen gespannt. Wie viele Eier es sind, kann ich kaum abschätzen, deutlich sechsstellig ist die Zahl auf jeden Fall. Eine gewaltige Kaulquappenwolke wird in den nächsten Wochen vom Teich Besitz ergreifen, aber nur ein kleiner Prozentsatz wird die Metamorphose abschließen. Libellenlaven, Molche und Ringelnatter holen sich ihren Anteil.

Mit dem milderen Winter allein lässt sich das stark erhöhte Aufkommen der Erdkröten nicht erklären. Da steckt meiner Meinung nach etwas anderes dahinter: 2016 war die erste Saison, und nach drei bis fünf Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Also ist es höchstwahrscheinlich die Enkelgeneration die jetzt heranreift. Denn noch etwas war dieses Jahr deutlich anders: Es waren nicht nur sehr viel mehr Erdkröten, auch der Anteil der Weibchen war deutlich höher. Es kann durchaus sein, dass die Männchen wanderfreudiger sind und zuerst neue Gewässer in Beschlag nehmen, während die Weibchen bevorzugt an das Herkunftsgewässer zurückkehren.

Da weniger überzählige Männchen im Teich herumschwammen, ging die Paarungszeit trotz Massenansturms relativ friedlich vorüber. Die Weibchen konnten in Ruhe ihre Laichschnüre absetzen, und es gab kaum Mehrfachpaarungen.

Wenn sich zu viele Männchen an ein Weibchen klammern, kann das nämlich gefährlich werden. Ich gehe dann vorsichtig mit dem Rohrstaberl dazwischen und versuche, die überzähligen Männchen so lange zu irritieren, bis sie wieder loslassen.

Das ist eine lohnende Aufgabe, in der ich nach langem Suchen endlich meine Bestimmung gefunden habe: Amphibienbademeister! Vor allem der Arbeitsaufwand kommt meiner inneren Einstellung sehr entgegen. Die Saison ist kurz, und für die Erwachsenen ist jetzt einmal Badeschluss.

Im Baumarkt

Amselweibchen

Bei den Amseln hat im Moment die Frühlingsstimmung das Kommando übernommen. Das Amselweibchen hat jetzt einen Lieblingsplatz am Teichrand. Dort wird nicht nur regelmäßig gebadet, sondern auch das Baumaterial geholt. Offensichtlich ist nasses Moos mit Schlamm ideal für den Nestbau.

Der Ausdruck auf den Fotos täuscht übrigens. Allzu argwöhnisch behält die Amsel mich nicht im Auge. Zwischen uns waren gut neun Meter und sehr viel kaltes Wasser. Anschließend flog der frech schimpfende Vogel ganz knapp an meinem Kopf vorbei und hinüber zu den Nachbarn. Als wollte sie mir zeigen, dass sie nicht nur das Baumaterial sondern auch den Nistplatz mit bedacht gewählt hat. In Nachbars Hecke sind ihre zukünftigen Nachkommen vor dem neugierigen Fotografen sicher, und unser Garten bleibt der Baumarkt. Eine kluge Wahl, kann ich da nur sagen.