Die geschlossene Regentonne

Stechmücken sind nicht nur lästig, sie können auch Krankheiten wie Malaria oder das West-Nil-Fieber übertragen. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist in Mitteleuropa zwar gering, aber die Situation wird durch den Klimawandel und die Globalisierung nicht besser werden, weil eingeschleppte Arten sich durch mildere Winter auch bei uns ansiedeln können. Wenn wir die Ausbreitung von Stechmücken verhindern, schafft uns das also nicht nur die lästigen Dippel vom Hals, sondern hat auch gesundheitspolitische Relevanz.

Gelsenlarven bevorzugen Gewässer, wo noch niemand wohnt, vor allem keine ihrer zahlreichen Fressfeinde. Eine Pfütze, die im Sommer für einige Zeit Wasser enthält, reicht schon aus. Umso wärmer das Wasser, desto schneller ist die Entwicklung der Larven. Eine Gießkanne, die nicht vollständig entleer wurde, oder ein Vogelbad, wo das Wasser nicht regelmäßig getauscht wird, sind ideal. Mit Vorliebe findet man Gelsenlarven auch in Regentonnen. Es gibt genug Gartenbesitzer, die sich so ihre Quälgeister selber züchten, weil sie ihr Gießwasser in ungeeigneten, schlecht abgedeckten Behältern sammeln.

Prinzipiell braucht jede Regentonne einen Deckel. Nur so kann man verhindern, dass Gelsen weder zur Eiablage hinein, noch nach dem Schlüpfen hinaus gelangen. Meiner Erfahrung nach schließt aber kein Deckel perfekt, und die Biester sind rafiniert. Hat man nach dem Wasserschöpfen die Abdeckung nicht genau aufgelegt, kann man sicher sein, dass sich demnächst schwarze Mückenlarven in der Tonne tummeln werden. Dabei ist es ganz leicht, eine vollständig geschlossene Regentonne zu bauen, deren Deckel man weder zur Befüllung noch zur Wasserentnahme öffnen muss.

Für die Konstruktion braucht man einen handelsüblichen Regensammler, einen Schlauch, eine Regentonne mit Deckel und einen Schlauchanschluss für die Wasserentnahme.

Geschlossene Regentonne Skizze
Die Regentonne bekommt zwei Löcher, eines oben, eines unten. Um das Mikroplastik nicht im Garten zu verteilen, würde ich in einem geschlossenen Raum und auf geeigneter Unterlage bohren, damit man den Abfall leicht aufkehren kann. Die meisten Regensammler haben den oberen Anschluss für die Tonne gleich dabei. Man braucht nur einen Schlauch, der genügend steif und normalerweise 3/4 Zoll dick sein muss. Den Schlauch kann man beliebig unter der Erde verlegen. Die Tonne muss nicht neben der Regenrinne stehen. Wichtig ist nur, dass das Anschlussstück der Regentonne unter dem Auslass des Regensammlers ist. Die Oberkannte der Regentonne muss wiederum über dem Überlaufniveau des Regensammlers sein. Ist die Tonne voll, staut sich das Wasser zurück, es läuft im Regensammler über und wie gewohnt durch die Regenrinne ab.

Für die Entnahmestelle am Boden der Regentonne braucht man einen zweiten Anschluss. Die Teile findet man relativ leicht in der Garten- und Installationsabteilung eines Baumarkts. Wenn man hier einen transparenten Schlauch verwendet, kann man immer auch den Wasserstand in der Tonne ablesen. Ich habe zwei Schlauchanschlüsse montiert. Einer verläuft fix zu einem Bewässerungsschlauch ins Gemüsebeet. Die Regentonne entleert sich so innerhalb von zwei, drei Tagen selbst und gießt automatisch Kohlrabi und Co.

Regensammler
Der Regensammler wird auf geeigneter Höhe in die Regenrinne eingebaut.
Regentonne Anschluss oben
Der Schlauchanschluss muss unterhalb des Regensammlers liegen, die Oberkannte oberhalb.
Regentonne Anschluss unten
Zur Entnahme kann direkt ein Hahn montiert werden, oder ein Anschluss für einen Bewässerungsschlauch.
Regentonne im Flieder
Die Tonne kann auch kaum sichtbar in einem Fliederbusch stehen.

Die Wassersammler

bienen

Wenn im Sommer die Temperaturen in die Höhe klettern, steigt auch der Wasserbedarf der staatenbildenden Insekten. Bienen, Hornissen und Wespen schleppen im Akkord Flüssigkeit in ihre Stöcke. Man sollte dafür schon bei der Anlage eines Teichs einen geeigneten Platz zur Verfügung stellen. Ein flacher Bereich mit Steinen ist dabei für Bienen ideal. Jeder Stock sichert sich dort im Sommer seine eigene Wasserstelle. Wenn man sie genau beobachtet, kann man aus ihrer Abflugrichtung darauf schließen, wo der Stock steht, den sie beliefern. Und sollte es über Nacht regnen, kann man am nächsten Morgen sehen, wie sich die Bienen neu orientieren, weil ihre gewohnten Landeplätze mit dem Regen unter dem gestiegenen Wasserspiegel verschwunden sind.

Schmutzige Arbeit

Biene mit Pollen

It’s a dirty job but someones gotta do it
Faith No More

Diese Honigbiene, die sich hier auf dem Ribiselblatt ausruht, hat zuvor unsere Zucchini bestäubt und dabei etwas zu tief in die Blüte geschaut. Anschließend ist sie über den Salbei geklettert und hat versucht, ein Spinnennetz als Hängematte zu benützen. Ich habe der heraneilenden Spinne die Überdosis Vitamine erspart und ihre Beute befreit. Nach einer kurzen Pause hat die erschöpfte Biene all ihre Kräfte zusammen genommen und sich auf den Heimweg gemacht. Und wenn jetzt noch jemand sagt, Blümchensex sei nicht anstrengend, haben wir zwei was anderes zu berichten. We care a lot!

Mehr als Jauche

In den 1960er- und 70er-Jahren waren Brennnesseln noch unzweifelhaft Unkraut. Meine Großmutter hat sie in ihrem Garten ausgerissen, wo sie sie nur finden konnte. Genauso sicher sind sie wieder nachgewachsen. Die Erinnerung daran hat sich mir in die Haut eingebrannt.

In den 1980ern kam dann die Ökobewegung auf und das Wort Unkraut wurde aus dem Sprachschatz gestrichen. Spätestens seit der Globalisierung wissen wir, dass es so etwas wie Unkraut doch gibt, nur nennt man das jetzt Neophyt.

Brennnesseln einzuschleppen lohnt sich nicht. Die Gattung ist auf der ganzen Welt verbreitet. Bei uns finden sich vor allem zwei Arten, die Große und die Kleine Brennnessel. Ihr Status schwankt mittlerweile zwischen Unkraut und Gemüse, Brennnesselspinat ist bei manchen ein beliebtes Frühjahrsgericht. Ob es für alle gesund ist, weiß ich nicht. Allergiker und Menschen mit Histaminunverträglichkeit sollten vielleicht beim Verzehr großer Mengen vorsichtig sein, die Pflanze enthält Histamine.

Raupennest in BrennesselIm Naturgarten ist die Brennnessel vor allem als Raupenfutterpflanze beliebt. Admiral, Tagpfauenauge und Kleiner Fuchs sind auf sie angewiesen, aber auch viele andere Tag- und Nachtfalterraupen fressen gerne Brennnesseln. Erkennen kann man den Befall relativ leicht. Die Admiralraupe zum Beispiel rollt sich das Blatt zusammen wie auf dem Bild rechts. Auf YouTube gibt es tolle Zeitraffervideos davon. Ich öffne das Blatt jetzt nicht fürs Foto. Das Zeug brennt auch durch die dicken Handschuhe wie Feuer. Meine Zuneigung für Brennesseln ist rein platonisch, aus der Ferne. In dem Blatt ist jedenfalls eine Raupe drin, die wir nicht stören wollen, und viele Fressfeinde sind da ähnlicher Meinung.

Wenn Brennesseln so eine wichtige Raupenfutterpflanze sind, sind sie dann zu schade, um sie vergoren als Jauche zur Rosendüngung zu verwenden? – Obwohl diese Methode unfreiwillig auch der Pflanze zugute kommt. Wenn man im Sommer die großen, ausgereiften Exemplare verwendet, sind nämlich schon Samen dabei, und die verträgt man dann inklusive Düngung im ganzen Garten.

In letzter Zeit ist die Brennnessel wegen ihrer starken Verbreitung in Verruf geraten. Sie ist ein Stickstoffzeiger, der vor allem in gut gedüngten Böden gedeiht. Von diesen gibt es immer mehr, während die Magerwiesen verschwinden. Folglich nimmt der Bestand von Faltern wie dem Tagpfauenauge wieder zu, während seltenere Arten verschwinden. Wer in seinem Garten extra ein Brennnesselbeet anlegt, fördert also vor allem jene Schmetterlinge, die sowieso nicht vom Aussterben bedroht sind, geht die Argumentation.

Diese Logik hinkt: Abgesehen davon, dss wir schlicht und einfach nicht genau wissen, wie viele Individuen notwendig sind, um eine Art zu erhalten, ist meiner Meinung nach auch fraglich, ob häufige Falterarten wirklich die seltenen verdrängen. Raupen sind ein wichtiges Vogelfutter. Unseren Meisen ist es dabei reichlich egal, wie selten die Raupe ist, die sie ihren Jungen verfüttern, ganz im Gegenteil, sie bevorzugen die häufigeren Arten, weil ihnen dieses Futter vertraut ist. Gefährdete Arten bleiben so verschont.

Und dann: Stickstoffdüngung ist keine Erfindung unserer Zeit, sie ist nicht einmal eine Erfindung des Menschen. Im Boden ist Stickstoff Mangelware, aber fast vier Fünftel der Luft bestehen aus ihm, und das machen sich manche Pflanzen mit Hilfe von Knöllchenbakterien zunutze. Der Rotklee kann das zum Beispiel, und der war vor dem Silo-Mais das Haupttierfutter. Stickstoffhaltige Böden waren auch vor der Einführung von Kunstdünger keine Mangelware, und die Brennnessel war immer schon häufig, sonst hätten sich ja nicht so viele Falter auf diese Futterpflanze spezialisiert.

Brauchen wir also alle ein Brennnesselbeet in unserem Garten? Oder hatte meine Oma doch recht? Ist das Zeug unnötig und in der Natur sowieso schon im Überfluss vorhanden? Ich glaube, dass beide Varianten falsch wären, würde wir sie wirklich konsequent umsetzen. Aber solange unsere Nachbarn nicht das Gleiche machen wie wir, bleibt sowieso eine brauchbare Ausgewogenheit erhalten. Und wenn wir nicht zu unlauteren Mitteln greifen, beispielsweise mit dem Bagger anrücken, um den Boden auszutauschen, hat eh die Natur das letzte Wort. Aus einem fruchtbaren Boden macht man nämlich nicht so schnell eine Magerwiese, und ich habe noch niemanden getroffen, der es wirklich fertig gebracht hat, mit Jäten alle Brennesseln im Garten loszuwerden.

Mein Freund, der Rückenschwimmer

Rückenschwimmer

GelsenlarvenUnsere Regentonne hat einen Deckel. Der ist notwendig, um die Stechmücken abzuhalten. Aber so ein Deckel kann sich verschieben und schließt nicht immer dicht. Dann schlüpft eine Gelse durch und legt ihre Eier ab. Deshalb kontrolliere ich das Wasser in der Tonne regelmäßig, und neulich wurde ich fündig. Was aber hilft, wenn sich die schwarzen Mückenlarven einmal im Wasser tummeln?

Eine vollständige Reinigung der Tonne wäre eine Möglichkeit. BTI habe ich in einem früheren Beitrag schon erwähnt. Das ist ein Bakterium, das gezielt Stechmückenlarven angreift und zuverlässig vernichtet. Ich kann bestätigen, dass es funktioniert, würde es aber nur im Notfall verwenden, weil mir diese Form der biologischen Kriegsführung eher suspekt ist. Eine weitere Möglichkeit wäre ein Löffel Spülmittel. Gelsenlarven hängen sich zum Atmen von unten an die Wässeroberfläche. Fehlt die Öberflächenspannung, funktioniert das nicht mehr und die Larve erstickt. Das habe ich noch nie probiert, klingt aber plausibel und etwas gemein. Es geht aber noch besser.

In jedem Gartenteich findet sich eine Kolonie Rückenschwimmer. Die Tiere gehören zur Gruppe der Wasserwanzen und sind relativ hässlich. Ihr Rückenpanzer ist glatt und glänzt silbrig, ein Tarnanstrich, damit man ihn von unten nicht sieht. Die Tiere hängen nämlich am liebsten mit der Bauchseite nach oben von der Wasseroberfläche. Man sieht schon, das ist der gleiche Lebensraum, den auch Gelsenlarven bevorzugen, nur sind Rückenschwimmer deutlich größer und recht gefräßige Räuber.

Ähnlich wie Wasserläufer über dem Wasser benützen Rückenschwimmer nur zwei Beinpaare zur Fortbewegung. Mit dem dritten Beinpaar halten sie die Beute fest und saugen sie aus. Von den Gelsenlarven bleibt nur die unverdauliche Chitinhülle übrig. Und das geht schnell. Setzt man ein paar Rückenschwimmer in die Regentonne, ist diese sehr schnell mückenlarvenfrei. Die Rückenschwimmer tauchen nicht besonders tief. Sie warten an der Oberfläche. Irgendwann müssen die Gelsenlarven ja auftauchen, um Luft zu holen. Diese Wasserwanzen sind sehr effiziente und unauffällige Jäger. Man sieht vor allem das Ergebnis, lauter ausgesaugte Mückenlarven. Also die ideale Lösung, um eine Regentonne gelsenfrei zu halten? Nicht wirklich.

Der Rückenschwimmer hilft nur in Notfällen. Eine Regentonne ist nicht das natürliche Habitat dieser Tiere, und man sperrt gute Freunde nicht ein. Nach ihrem Einsatz kommen sie zurück in den Teich. Rückenschwimmer können nämlich fliegen, um von einem Gewässer ins nächste zu gelangen. Dafür müssen sie aber an Land klettern und ihre Flügel trocknen. Den Start habe ich noch nie gesehen, aber die Landung ist witzig. Das Tier lässt sich einfach ins Wasser fallen. Es macht kurz Plopp, und dann steigt der Rückenschwimmer an die Oberfläche. Für den Auftrieb ist die Atemluftreserve verantwortlich.

Nicht immer hat man außerdem ausgewachsene Rückenschwimmer zur Verfügung. Die Tiere überwintern im Wasser und sterben im Laufe des Sommers. Die nächste Generation sieht von Anfang an den erwachsenen Exemplaren ähnlich, ist aber zunächst nicht viel größer als ein Wasserfloh. Die Jungen erreichen erst nach mehrfacher Häutung ihre endgültige Große.

Ich würde übrigens nicht empfehlen, einen Rückenschwimmer mit der Hand zu fangen, denn sie heißen auch Wasserbienen und können empfindlich stechen. Das ist mir allerdings noch nie passiert, denn die Tiere haben einen ausgeprägten Fluchtreflex und machen Platz, wenn ein Schwimmer vorbei kommt. Wie gesagt, ich finde sie hässlich, aber abgesehen davon haben sie alles, was gute Freunde ausmacht.