Plötzlich Schmetterlinge

Admiral

In der Früh hatte es deutliche Minusgrade und der Gartenteich ist immer noch zugefroren, aber am Nachmittag kletterte das Thermometer auf über 15 Grad und plötzlich war Frühling. Die Honigbienen schwirrten in den Weidekätzchen, aus dem Boden schossen die Frühlingsknotenblumen und die Krokusse, dass man ihnen beim Aufblühen zusehen konnte, und in der Hecke machten Grünfinken und Stieglitze Pause, als hätten sie mit einem Schlag alle Zeit der Welt.

Am auffälligsten waren aber die Schmetterlinge. Zuerst sah ich einen, den ich für einen Großen Fuchs [Nachsatz: oder vielleicht für ein Landkärtchen aber wahrscheinlich doch für einen C-Falter – siehe Diskussion unten] halte, aber das Bild ist aus der Ferne nicht besonders und seine Zeichnung wirkte auch irgendwie verwaschen. Falls jemand anderer Meinung ist, bitte kommentieren, ich bin wirklich nicht sicher. Dann überraschte mich ein Admiral. Dieser Wanderfalter dürfte eigentlich erst im April aus dem Mittelmeerraum einfliegen, aber wenn mich nicht alles täuscht, habe ich sogar zwei verschiedene Exemplare gesehen. Schließlich entdeckte ich noch einen männlichen Zitronenfalter mit leicht ramponiertem Flügel, wie man im Anflug auf den Winterjasmin sehen kann. Dieser hat übrigens, wie bereits beschrieben, seit Oktober durchgehend geblüht und am Ende jetzt doch noch seinen Bestäuber gefunden. Geduld macht sich halt immer bezahlt.

Die junge Frau Methusalem

Zitronenfalter

ZitronenfalterManchmal ist unter den zahlreichen Kohlweißlingen, die durch den Garten flattern, einer, der gar keiner ist – wie zum Beispiel der Zitronenfalter auf dem rechten Bild. Wenn Sie sich jetzt fragen, warum der nicht so schön eierspeisgelb ist wie gewohnt, dann liegt das an seiner Geschlechtszugehörigkeit, weil er nämlich eine sie ist, und die Weibchen bevorzugen es halt dezenter.

Die Zitronenfalter schlüpfen Ende Juni. Das Weibchen auf den Herbstastern ist also wahrscheinlich drei Monate alt. Für einen Schmetterling ist das viel, und trotzdem hat sie noch fast ihr ganzes Leben vor sich. Der Zitronenfalter hat mit Abstand die längste Lebenserwartung aller mitteleuropäischen Falter und lebt bis zu zwölf Monate.

Die Hitze des Sommers hat unsere Falterdame wahrscheinlich in Ruhestarre verbracht, deshalb sind ihre Flügel noch unversehrt. Mit dem Überwintern hat sie auch keinen Stress. Während andere Schmetterlinge in den Süden wandern oder sich in einem Schuppen einen wärmenden Unterschlupf suchen, bleibt sie einfach sitzen. Die Tiere können auch unter einer Schneedecke überleben, weil sie ihre Körperflüssigkeit im Winter zum Teil durch Alkohole und Eiweiß ersetzen. Klingt nach Frostschutzmittel und ist es auch. Das senkt den Gefrierpunkt.

Zitronenfalter und BienenNur besonders fotogen sind sie nicht. Beim Sitzen halten sie die Flügel geschlossen. Während andere Schmetterlinge immer wieder ihre Flügel ausbreiten, um sich in der Sonne zu wärmen, reguliert der Zitronenfalter seine Temperatur, indem er sich seitlich in die Sonne stellt. Er präsentiert lieber seine Unterseite mit dem grünlichen Tarnanstrich. Fürs Foto muss man auf die Honigbienen achten. Wenn sie sich der Blüte nähern, kommt der richtige Zeitpunkt, auf den Auslöser zu drücken. Sicherheitshalber wechselt der Zitronenfalter dann nämlich die Position. Methusalem lebt gern stressfrei.