Wenn Bestäuber fehlen

Den Winterjasmin habe ich am 1. November schon einmal gezeigt. Er stammt eigentlich aus Asien und zählt zu den Frühblühern. Bei uns zeigen sich die Blüten normalerweise für zwei bis drei Wochen Anfang März. Um gegen späte Wintereinbrüche gerüstet zu sein, sind sie frostresistent.

WinterjasminDieses Jahr hat der Winterjasmin in der zweiten Oktoberhälfte zu blühen begonnen und nicht mehr damit aufgehört. Das Foto links stammt von Sonntag, dem 16. Dezember. In der Früh hatte es minus zehn Grad. Im Hintergrund liegt Schnee. Nicht alle Blüten wirken noch frisch. Manche sind vom Frost gezeichnet. Aber sobald die Sonne hervorkommt, erfangen sie sich wieder. Sie leuchten in verlockendem Gelb und warten auf hungrige Bienen. Aber warum blüht der Winterjasmin unermüdlich seit fast zwei Monaten? Was mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubert, nämlich der Anblick einer blühenden Pflanze im Winter, ist für die Pflanze selbst eigentlich ein trauriger Anlass. Sie wartet nämlich vergebens auf die nächste Biene.

OrchideeAus einem ähnlichen Grund haben wir mit den Orchideen am Fensterbrett so lange Freude. Diese Orchideen leben in Symbiose mit ganz speziellen Bestäubern. Das hat den Vorteil, dass die Pollen möglichst sortenrein von Blüte zu Blüte getragen werden. Und während wir die Pflanzen im Zimmer kultivieren, haben wir auf die Haltung der Bestäuber vergessen. Der Auslöser für das Verblühen der Pflanze ist aber ihre Befruchtung. Ich vermute mal, der Winterjasmin wird dieses Jahr seinem Namen gerecht werden und in unserem Vorgarten bis in den Frühling hinein einen gelben Farbtupfer setzen.

Winterjasmin

Und somit ist auch klar, was uns blüht, wenn das Bienensterben voran schreitet: Kirschblüte bis in den Sommer. Bleibt die Frage, ob sich unsere Freude darüber in Grenzen halten wird. Obwohl: Die Blüten der Orchideen können uns auch monatelang erfreuen, dabei warten sie einfach nur umsonst.

14 Kommentare zu „Wenn Bestäuber fehlen

    1. Ja, definitiv. Ich denke mir immer: Insekten sind die Grundlage von allem. Umso mehr Pestizide wir einsetzen, desto mehr entziehen wir dem Leben die Nahrungsgrundlage. Sie sind vielleicht manchmal lästig, störend und sogar schädlich, aber ohne sie geht nichts.

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  1. Den Mangel an Insekten empfand ich dieses Jahr in meiner Umgebung ebenfalls als dramatisch, wobei ich mich dann im Blog oft habe korrigieren lassen müssen von Lesern, die vom Gegenteil berichteten, nämlich von „so vielen Faltern wie lange nicht“, von Obsternten quer durch sämtliche Baumgattungen und ähnliches, in anderen Regionen, In diesem Jahr 2018 wurde in klimatischer Hinsicht nicht alles gleich schlecht mit Wasser versorgt und anscheinend auch in Regionen mit etwas glücklicher Durchmischung der Landschaftsformen ein etwas positiverer Aufwärtstrend bei der Erholung der Insektenbestände beobachtet, was mich sehr hoffen lässt, dass von dort aus auch wieder einige Neubesiedler in die „entvölkerten“ Regionen finden, wenn nur das kommende Jahr etwas weniger krass ausfiele, wo dieses so verheerend gewirkt hat.
    Darum bin ich auch in diesem Jahr noch mehr von der Vogelfütterung überzeugt, die nicht erst auf Frost und Schnee wartet, denn die Insektenfresser unter den Vögeln brauchen Insekten zur Aufzucht von Jungen, nicht im Winter, und wenn sie dann am Häuschen bequem ihren Hunger stillen können, hat vielleicht das eine oder andere überhaupt noch in Boden, Borke oder anderen Verstecken existierende Larvenwesen oder Insekt eine Chance, bis zum Frühjahr und der Blütezeit zu überleben.

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    1. Die Niederschlagsverteilung war dieses Jahr wirklich sehr unterschiedlich. Wir hatten reichlich Schmetterlinge und Obsternte bis zum Abwinken. Die Fressfeinde der Insekten zu füttern, damit sie mehr von ihren Opfern überlassen, könnte auch dazu führen, dass am Ende mehr Singvögel raus kommen. Ich füttere auch, aber ich denke, am meisten hilft der Natur, wenn wir ihr eine Chance geben, sich zu regenerieren. Und bei den Insekten geht das glücklicherweise relativ schnell. Ich hatte diesen Sommer jedenfalls das Gefühl, dass sie deutlich mehr werden, wenn man einfach nur einen Teil des Gartens sich selbst überlässt.

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    1. Behalte die beiden im Auge. Meine Vermutung ist, die werden bis in den Februar hinein blühen. Würde mich interessieren, ob das dann bei dir auch so ist. Vor fünf, sechs Jahren bin ich in Wien jeden Morgen an einem sehr großen Winterjasmin vorbei gegangen, der war den ganzen Jänner voll Blüten, obwohl viel Schnee lag. Ich bin jeden Tag stehen geblieben und habe die Leute beobachtet. Jeder ist daran vorbei gelaufen, ohne etwas zu bemerken.

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