Frühlingspläne

Blaumeise

In den letzten Tagen hat sich die Sonne immer wieder sehen lassen, und heute schien sie dann wirklich von früh bis spät. In den Nächten friert es fleißig, aber untertags stieg das Thermometer heute kräftig ins Plus, und als ich am Vormittag durch den Garten spazierte, lag fast schon ein Hauch von Frühling in der Luft.

BlaumeiseDas mag am ersten Jänner übertrieben anmuten, aber die Vögel sahen es irgendwie genauso, und als ich zum Nistkasten hoch sah, entdeckte ich zwei Blaumeisen, die ihn aufmerksam inspizierten. Sie setzten sich auf die Äste davor, probierten die Anflugmöglichkeiten und warfen einen Blick hinein. Ein schnelles Foto ließen sie zu, dann waren sie wieder weg.

In den nächsten Wochen werden sie öfter kommen. Selbstverständlich ist es noch zu früh für den Nestbau, die nächste Kaltfront ist bereits für diese Woche angesagt, und auch die Meisen wissen, dass der Winter noch einige Zeit hin geht. Aber sie sind sicher nicht die einzigen Interessenten für diesen Nistkasten, und man kann nie früh genug damit anfangen, sich sein Revier abzustecken.

BlaumeiseMit der Zeit werden ihre Ausflüge dann immer kürzer. Ein Blaumeisenpaar ist zu Frühlingsbeginn immer in der Nähe. Praktisch, dass der Futterplatz gleich vor dem Nistkasten liegt. Die Sonnenblumenkerne sind immer in Griffweite. Und wenn dann das eigentliche Brutgeschäft beginnt, räume ich den Futterspender auch schnell wieder weg, um die Spatzenbande los zu werden und den Blaumeisen etwas Ruhe im Revier zu gönnen.

Bis dahin sind es noch mehr als zwei Monate. Trotzdem hatte ich heute irgendwie das Gefühl, die Blaumeisen planen schon für den Frühling. Keine schlechte Idee, eigentlich. Die Obstbäume gehören geschnitten, neue Stecken für die Paradeiser sollte ich mir organisieren und ein Kübel Pferdemist wäre auch nicht schlecht. Frische Nisthilfen für die Wildbienen wollte ich basteln…

Der Winter ist wie jedes Jahr fast zu kurz, um alles vorzubereiten, was man für den Frühling braucht. Man kann nicht früh genug mit dem Planen anfangen. Mag sein, dass ich sie vermenschliche, wenn ich behaupte, die Blaumeisen denken genauso. Aber warum hätten sie sonst an einem sonnigen Wintervormittag so aufmerksam den Nistkasten beäugt? Vorausschauendes Denken ist ein Selektionskriterium, also behaupte ich mal, die Blaumeisen haben heute erste Pläne für den Frühling geschmiedet. Einen möglichen Nistplatz haben sie zumindest schon einmal ins Auge gefasst.

Blaumeise

Massenausspeisung

Feldspatzen

Was die Gartenfauna betrifft, ist der Winter nicht besonders abwechslungsreich. In letzter Zeit fotografiere ich hauptsächlich Feldspatzen. Sie scheinen uns dieses Jahr regelrecht zu überlaufen. Das war nicht immer so. Vor vier, fünf Jahren waren die Kohlmeisen in der Überzahl. Damals ging bei uns die Zahl der Feldspatzen plötzlich zurück, vielleicht durch Krankheit. Mittlerweile haben sich die Bestände wieder erholt. Mehrmals täglich fallen die Feldspatzen in Trupps von zwanzig, dreißig Exemplaren über die Futterstellen her.

FeldspatzMit der Futtermischung gegenzusteuern, hilft relativ wenig. Die Meisen bevorzugen bei uns ungeschälte Sonnenblumenkerne, mit denen die Spatzen nichts anfangen können. Würde ich ausschließlich Sonnenblumenkerne füttern, hätte ich aber deswegen nicht mehr Meisen im Garten, sondern nur sehr schnell einen großen Haufen mit Sonnenblumenkernen auf dem Boden. Das können Feldspatzen sehr geschickt. Und schimpfen wie die Spatzen geht selbstverständlich gleichzeitig. Nomen est omen. So weit sind ihre Lautäußerungen problemlos verstehbar. Also nehme ich den Massenauflauf, wie er kommt, auch wenn Auflauf sicher das falsche Wort ist. Schließlich kommen sie ja geflogen, nicht gelaufen.

FeldspatzenSobald die Brutphase beginnt, ist alles wieder vorbei. Während sich die Feldspatzen im Winter zu geselligen Trupps zusammenfinden, sind sie in der warmen Jahreszeit monogam unterwegs. Angeblich bevorzugen sie fixe Zweierbeziehungen, und vielleicht ergeben sich deshalb manchmal solche Schnappschüsse wie das parallel ausgerichtete Paar am Meisnknödel. Ihre Nistplätze sind jedenfalls eher nicht in Gartennähe. Am Haus brüten bei uns nur die Hausspatzen – wird auch am Namen liegen.

Früher waren die Trupps gemischt. Gemeinsam mit den Feldspatzen zogen immer zwei Hausspatzen, zwei Blaumeisen, mehrere Kohlmeisen und ein Rotkehlchen. Dieses Jahr sind es so viele Feldspatzen, dass sie meist unter sich bleiben. Das Fotografieren ist dabei eine zwiespältige Sache. Zuerst denkt man sich: Noch mehr Feldspatzenfotos brauche ich jetzt wirklich nicht. Dann macht sich der Finger doch wieder krumm, und beim Durchsehen der Bilder stellt man anschließend jede Menge Details fest, die einem sonst nicht aufgefallen wären.

FeldspatzenIch mag zum Beispiel den Unfriesierten auf dem Bild rechts. Dem steht das „Giftschipperl“ nach oben, als hätte er schlecht geschlafen. Und dann der unten in der Mitte, der einen direkt anzuschauen scheint. Das ist natürlich eine Täuschung, denn die Kamera beachtet er gar nicht, die steht allein auf dem Stativ, während ich im Haus sitze und von fern den Auslöser betätige. Die Spatzen sind aber eine sehr aufmerksame Truppe. Nicht alle fressen gleichzeitig. Es sind immer welche drunter, die die Lage erkunden, und so blickt auf vielen Fotos ein Exemplar gerade direkt in die Kamera.

Feldspatzen

Specht in der Schmiede

Buntspecht

Für die einen ist es einfach nur ein Loch in einem Baum. Für die anderen ist es eine Spechtschmiede. Der Specht ist eine Art Anti-Greifvogel. Seine Krallen sind dafür gebaut, sich an einem Baumstamm festzuhalten. Er kann nicht geschickt einen Sonnenblumenkern mit den Füßen festhalten und dann mit dem Schnabel so lange auf ihn eindreschen, bis die Schale herunten ist, wie das die Meisen machen. Dafür braucht er eine geeignete Vertiefung, wo er das Futter einklemmen kann.

spechtschmiede2Seit vielen Spechtgenerationen war das bei uns ein spezielles Loch in einem Apfelbaum. Man konnte eine Walnuss darin einklemmen und anschließend den Inhalt mit dem Schnabel herauspiken. Das Loch übte eine magische Anziehungskraft auf Buntspechte aus. Zu Mittag im Winter brauchte man nur eine halbe Stunde zu warten, um mindestens einen Buntspecht bei der Mahlzeit zu beobachten.

Solche Löcher haben aber einen Nachteil. Bei jedem Regen sammelt sich Wasser. Ich habe im Sommer in einem unserer Apfelbäume schon eine kleine Pfütze mit Mückenlarven gesehen. Mit der Zeit weicht sich dann das Holz auf, das Loch wird größer, und irgendwann ist es als Spechtschmiede nicht mehr zu gebrauchen. Macht aber nichts. Erstens können sich Spechte relativ leicht eine neue Schmiede klopfen, und zweitens sind sie sehr geschickt, bestehende Vertiefungen auszunützen.

Unser Nussbaum ist alt und hat jede Menge Ritzen. Letztes Wochenende habe ich ein Buntspechtweibchen vor dem Fenster beobachtet, das voller Hingabe in einer Astgabel auf einer Nuss herumhämmerte. Gelegenheitsschmiede nennt man das, wenn der Specht sich keine eigenen Vertiefungen schafft, sondern bestehende Einkerbungen verwendet. Fotografieren hat sich das Buntspechtweibchen übrigens nicht gerne lassen. Die eine Nusshälfte hat sie mitgenommen, was darauf hindeutet, dass sie anderswo eine andere Schmiede zur Verfügung hat. Die zweite Hälfte hat sie zurück gelassen, aber nicht lange. Ein paar Stunden später war auch diese weg, was darauf hindeutet, dass sie doch noch Hunger hatte.

Buntspecht

Möwen in Wien

Möwen in der Stadt

Heute Morgen schien zum zweiten Mal hintereinander von in der Früh weg die Sonne. Für Wien ist das im November eine Seltenheit. Dementsprechend frostig war es auf dem Weg zur Arbeit.

Als ich mit dem Fahrrad am Donaukanal entlang gekommen bin, habe ich kurz die Handschuhe ausgezogen und ein paar Fotos von den Möwen geschossen, die mich dort seit einiger Zeit jeden Morgen erwarten. Das habe ich auf dem weiteren Weg bereut, weil es mir gründlich die Finger abgefroren hat, aber mit den Fotos hatte ich dann doch meine Freude. Wenn ich Möwen so eng beieinander sitzen sehe, quasi Emma neben Emma, fällt mir immer das Möwenlied von Christian Morgenstern ein:

Möwen in der StadtDie Möwen sehen alle aus,
als ob sie Emma hießen.
Sie tragen einen weißen Flaus
und sind mit Schrot zu schießen.

Ich schieße keine Möwe tot,
ich lass sie lieber leben –
und füttre sie mit Roggenbrot
und rötlichen Zibeben.

O Mensch, du wirst nie nebenbei
der Möwe Flug erreichen.
Wofern du Emma heißest, sei
zufrieden, ihr zu gleichen.

LachmöweIch hatte weder Brot noch Rosinen dabei und hätte die Möwen auch dann nicht gefüttert, wenn dem so gewesen wäre. Sie sind zahlreich genug und kommen ohne falsches Futter besser zurecht.

Möwen scheinen an karge Landschaften mit Felsen gewöhnt zu sein und alles zu akzeptieren, wo Wasser in der Nähe ist. Der Donaukanal ist jener Arm der Donau, der am Zentrum vorbei fließt, und er ist seit über hundert Jahren so gut wie naturbefreit. Das Wasser ist an beiden Seiten von einer mehrere Kilometer langen Kaimauer reguliert. Im Sommer dominiert hier die Gastronomie mit ihren Schanigärten, im Winter übernehmen die Lachmöwen. Den ganzen Winter über sitzen sie am Abgrund über dem Wasser und warten, dass es wieder wärmer wird, um in die Brutregionen zu ziehen.

Möwen vor GraffitiDass diese künstlichen Felsen großteils mit Graffitis überzogen sind, stört sie genauso wenig, wie die Tatsache, dass ständig Radfahrer vorbeiziehen. Und sie werden von Jahr zu Jahr mehr, kommt mir vor. Es gibt sogar eine kleine Population, die auch im Sommer hier bleibt. Die meisten sind aber Zugvögel, die neben den Saatkrähen in Wien zu den auffälligsten Wintergästen gehören. Und sie eignen sich gut als Fotomotiv. Ich hätte noch viele Fotos schießen können, wenn meine Finger nicht nach einiger Zeit völlig taub gewesen wären. Im Büro verging eine gute halbe Stunde, bis sich meine Hände wieder normal anfühlten. Schon komisch, dass die Natur das Wärmegefühl so unterschiedlich verteilt hat. Die Möwen landen ungerührt auf dem Wasser, und ich bin sicher, sie haben den heutigen Morgen für einen der wärmeren gehalten.

Möwen in der Stadt

Die Rotkehlchen kommen

Rotkehlchen

Seit der Herbst da ist, sind die Rotkehlchen die häufigsten Vögel in unserem Garten. Den ganzen Sommer über habe ich kein einziges gesehen. Rotkehlchen bevorzugen halboffene Höhlen als Nistplätze, und natürlich habe ich einen geeigneten Nistkasten im Garten montiert, aber bislang blieb er unbenützt.

RotkehlchenIm Winter sehe ich fast jeden Tag ein einzelnes Rotkehlchen. Es ist schätzungsweise immer dasselbe. Nicht dass ich ein Rotkehlchen vom anderen unterscheiden könnte, aber es zieht mehrmals am Tag mit einer Bande von, sagen wir, zehn Feldspatzen, zwei Hausspatzen, zwei Blaumeisen und fünf Kohlmeisen vorbei. Während die anderen Vögel die Futtersäule ansteuern, interessiert sich das Rotkehlchen für den Komposthaufen. Es ist ein geschickter Jäger und findet dort auch im Winter verschiedene Krabbeltiere. Das Körnerfutter wird meist verschmäht.

Rotkehlchen gelten als Einzelgänger, die ihr Revier oft aggressiv verteidigen. Wenn der Frühling kommt, sieht man allerdings hie und da einen zweiten Vogel. Welcher von beiden das Männchen und welcher das Weibchen ist, lässt sich leider nicht unterscheiden. Das könnte man maximal am Verhalten erkennen. Im Normalfall kommt das Weibchen ins Revier des Männchens und nähert sich ihm unterwürfig. Irgendwann haben sich dann die Pärchen gefunden, und anschließend sind sie, wie gesagt, den ganzen Sommer über verschwunden.

RotkehlchenMan könnte fast meinen, die Rotkehlchen wären Zugvögel, und zum Teil sind sie das ja auch. Die Populationen aus Nord- und Osteuropa überwintern im Mittelmeerraum. Bei uns in Mitteleuropa sind sie jedoch sesshaft und ziehen maximal über kurze Strecken.  Am wahrscheinlichsten ist, dass die umliegenden Wälder im Sommer ein besseres Nahrungsangebot für die Aufzucht der Jungen bieten. Im Herbst dann, wenn der Speiseplan mit Beeren und anderen Früchten ergänzt wird, zieht es die Familien in die Gärten. Bei uns werden mit Vorliebe der Wilde Wein und die Pfaffenhütchen abgeerntet.

Von Einzelgängern kann im Moment übrigens nicht die Rede sein. Es sind immer mehrere Vögel gleichzeitig unterwegs. Sie sind genauso gesellig und kommunikativ wie die anderen Singvögel, melden sich gegenseitig ihre Position und meiden geschickt jeden Kontakt mit Katzen und anderen Gefahren. Es heißt, Rotkehlchen hätten eine kurze Fluchtdistanz. Von weniger als einem Meter liest man. Ich kann das nicht bestätigen. Unsere Rotkehlchen sind scheu und sie verstecken sich geschickt. Nur manchmal verrät sie ihr orangeroter Latz.

Rotkehlchen

Und sie sind neugierig. Sie beobachten uns genau so aufmerksam wie wir sie. Menschen neigen nämlich im Herbst dazu, ihre Beete umzugraben oder neue Pflanzen einzusetzen. Bei uns kann man im Moment fast sicher sein, dass dann ein Rotkehlchen irgendwo im Gebüsch sitzt und darauf wartet, dass ein Leckerbissen aus der Erde auftaucht.