Die Botschaft bunter Eierschalen

Amselmännchen

Seit einer Woche ist das Amselpärchen schwer beschäftigt. Aufgeregt hüpfen die Vögel durch Wiese und Beete und schnappen alles, was sie vor den Schnabel bekommen. Letzten Samstag sind irgendwo in Nachbars Hecke die Jungen geschlüpft, und seither kann es einfach nicht genug Futter geben.

Die Geburtsanzeige hat mir das Weibchen quasi direkt vor die Nase getragen. Ich dachte zuerst, sie hätte irgendeinen Schaumstoff gefunden, den sie für den Nestbau verwenden wollte, aber dann ließ sie das Stück plötzlich fallen, und es entpuppte sich als Rest einer Eischale. So etwas deponiert das kluge Tier natürlich nicht in der Nähe des Nestes, sondern fliegt es aus – freundlicherweise mir direkt vor die Kamera. Jetzt müssten in der letzten Aprilwoche die Jungen nur noch diesem Beispiel folgen. Ich werde jedenfalls auf dem Posten sein.

Im Baumarkt

Amselweibchen

Bei den Amseln hat im Moment die Frühlingsstimmung das Kommando übernommen. Das Amselweibchen hat jetzt einen Lieblingsplatz am Teichrand. Dort wird nicht nur regelmäßig gebadet, sondern auch das Baumaterial geholt. Offensichtlich ist nasses Moos mit Schlamm ideal für den Nestbau.

Der Ausdruck auf den Fotos täuscht übrigens. Allzu argwöhnisch behält die Amsel mich nicht im Auge. Zwischen uns waren gut neun Meter und sehr viel kaltes Wasser. Anschließend flog der frech schimpfende Vogel ganz knapp an meinem Kopf vorbei und hinüber zu den Nachbarn. Als wollte sie mir zeigen, dass sie nicht nur das Baumaterial sondern auch den Nistplatz mit bedacht gewählt hat. In Nachbars Hecke sind ihre zukünftigen Nachkommen vor dem neugierigen Fotografen sicher, und unser Garten bleibt der Baumarkt. Eine kluge Wahl, kann ich da nur sagen.

Der weiße Irokese

Kormoran

Es gibt eine spezielle Stelle am Donaukanal, auf die ich jeden Morgen sehr aufmerksam zusteuere. Seit einiger Zeit sitzt dort immer ein ganz spezieller Kormoran. Die sehen ja bei uns normalerweise alle gleich aus, aber dieser hat weiße Kopffedern mit einem schwarzen Irokesenschippel in der Mitte. Solange ich nicht zwei gleiche Exemplare nebeneinander sehe, behaupte ich einmal, es ist der einzige Kormoran am Donaukanal mit dieser Farbvariante. Und da ich ihn deshalb von allen anderen Kormoranen dieser Stadt unterscheiden kann, adoptiere ich ihn auch gleich und sehe in ihm „meinen Kormoran“, der am Morgen nur deshalb immer an diesem Platz sitzt, damit ich beim Radfahren ein bisschen Unterhaltung habe.

Ob da auch Leuzismus, also durch genetische Mutation bedingte Weißfärbung, im Spiel ist, weiß ich nicht. Links unten stelle ich noch die in Wien normale Erscheinungsform meinem „weißen Irokesen“ gegenüber. Zu beiden Farbvariante gibt es zahlreiche Fotos im Netz, aber nähere Informationen über beispielsweise unterschiedliche Verbreitungsgebiete dieser Erscheinungsformen habe ich nicht gefunden.

Nachtrag: Dank der fachkundigen Kommentare (siehe unten), ist die Lösung für den Unterschied zwischen den beiden Vögeln ganz einfach. Der Frühling kommt, und der Irokese legt sein Prachtkleid an. Insofern ist mir mein Kormoran ähnlicher als gedacht: Ich bin auch ziemlich ungeduldig und werfe mich mit Vorliebe in Schale. Mein Lieblingsgewand hat übrigens auch ein paar weiße Flecken vom letzten Ausmalen.

Saisonvorbereitung

Graureiher

Graureiherinsel im WasserparkDie Graureiherkolonie im Floridsdorfer Wasserpark ist wahrscheinlich eine der wenigen, wo man mit der Straßenbahn hinfahren kann. Sie liegt auf einer kleinen, eingezäunten Insel direkt neben der Floridsdorfer Brücke. Das Gewässer ist eigentlich der abgetrennte Anfang der Alten Donau, der in den 1920er Jahren in eine Parkanlage integriert wurde. Noch früher, im 19. Jahrhundert, verlief hier der Hauptstrom der Donau.

Im Wasserpark haben die Graureiher ihre Ruhe. Die Gewässer rundum frieren schon seit Jahrzehnten nicht mehr vollständig zu und bieten so das ganze Jahr über reichlich Nahrung. Mitte Februar sind viele Nistplätze auf der Brutinsel bereits von Pärchen besetzt. Man wartet auf besseres Wetter und scheint sich zu fadisieren. Nur hie und da fliegt ein Männchen auf und sucht am Gewässerrand gewissenhaft nach einem möglichst schönen Zweig. Nicht dass an den wiederverwendbaren Nestern etwas fehlt, aber wenn der neue Einrichtungsgegenstand für gut befunden wird und das Männchen geduldig wartet, bis das Weibchen den Zweig im Nest verbaut hat, darf es anschließend vielleicht kurz aufsitzen. Was man halt so macht, wenn einem langweilig ist und die Brutsaison noch nicht wirklich begonnen hat.

Anderswo heißen die Graureiher noch Fischreiher und sind nicht immer gern gesehen. In Floridsdorf gehört die Kolonie einfach zum Park. Die Passanten nehmen kaum noch Notiz von ihr, und im Februar wird man beim Fotografieren nur von Wind und Kälte gestört – sonst ist man mit den Tieren eher allein.

Das ganze Treiben erinnert stark an die frühen Morgenstunden am Strand, wenn die ersten voreifrigen Touristen ihre Liegen mit dem Handtuch reservieren. Das ist wahrscheinlich auch jahrelange Erfahrung: Wer zuerst kommt, hat den besten Nistplatz und mit Fortschreiten des Frühjahrs wird es auf der kleinen Insel neben der Floridsdorfer Brücke dann ziemlich eng.

Kleiber in Kleingruppe

Kleiber

Einzelne Kleiber, die unseren Garten besuchen, fallen mir eigentlich jeden Winter auf. Sie sind auch von weiter weg und in einer größeren Vogelansammlung unverkennbar. Durch den gedrungenen Hals und den kurzen Schwanz weiß man aus dem Augenwinkel nicht gleich, wo vorne und hinten ist, und dieser Eindruck wird oft noch dadurch verstärkt, dass der Vogel kopfüber den Baumstamm hinunter läuft. Das können die anderen Singvögel nicht.

Zwischen erkennen und fotografieren ist beim flinken Kleiber aber ein Unterschied, den ich gern Klavier spielen können würde. Diesen Winter habe ich es etwas leichter, denn die Vögel kommen nicht einzeln, sondern in einer kleinen Gruppe von vier bis fünf Tieren. Vielleicht haben sie es durch den zunehmenden Borkenkäferbefall in der Gegend etwas leichter, an Futter zu kommen. Es würde mich jedenfalls nicht stören, diese Vögel mit ihrer schwarzen Augenbinde und den witzigen Bewegungen in Zukunft öfter zu sehen.