Variabler Frühlingsanfang

Der Frühlingsanfang ist ja bekanntlich Auslegungssache: Meteorologisch beginnt er am 1. März, astronomisch war die Tagnachtgleiche dieses Jahr am 20., phänologisch setzt der Vorfrühling mit den Schneeglöckchen ein, und persönlich ist mir sowieso bis weit in den Mai hinein noch kalt. Für mich hat das Jahr aber auch nur zwei Jahreszeiten: In der einen warte ich, dass es wärmer wird, und die zweite Hälfte des Jahres warte ich dann darauf, dass es wieder kälter wird.

Am Samstag fielen in Südkärnten gut fünf Zentimeter Neuschnee, der Sonntag begann mit knackigen minus sieben Grad unter Null, und so kämpften sich in der Früh die Krokusblüten nicht aus der Erde, sondern aus dem Schnee empor.

Krokus im Schnee

Nicht nur mir war das zu viel. Auch die Amsel, die letzte Woche noch voller Tatendrang im Schlamm nach Nistmaterial wühlte, fror sich stattdessen im Nussbaum einen Ast ab und stritt anscheinend mit ihrem Partner. Dabei war der diese Woche beim Frieren wenigstens mit von der Partie, während er sich beim Nestbau auch dieses Jahr wieder nicht beteiligte und stattdessen die letzten matschigen Äpfel vernichtete. Weil es ordentlich werden soll, baut Frau Amsel das Nest halt lieber allein.

Die echten Helden sind aber im Gartenteich zugange und es sind die Spring- und Grasfrösche. Während die Erdkröten letztes Jahr am 15. März bereits mit der Paarung beschäftigt waren, habe ich dieses Jahr noch keine einzige gesehen. Das ist nicht verwunderlich, denn die Wasseroberfläche ist nur am Tag eisfrei, während sie in der Nacht regelmäßig zufriert. Schwimmen ist da für nachtaktive Tiere nicht so leicht.

Die Grasfrösche haben vor mittlerweile mehr als zwei Wochen trotzdem das Kunststück fertig gebracht, den ersten Laichballen im Wasser zu platzieren, der dann am Morgen von einer zentimeterdicken Eisschicht bedeckt war. Nur die Harten kommen in den Gartenteich.

Die Paarung der Froschlurche ist übrigens Präzisionsarbeit und erfordert genaues Timing. Die auf dem letzten Foto sichtbare Gallerthülle dient nämlich nicht der Ernährung, sondern dem Schutz der Eier. Sie bildet sich im Laufe des ersten Tages durch Aufquellen. Unmittelbar nach der Eiablage ist diese Hülle noch durchlässig, und da muss die Befruchtung erfolgen, weil auch die Samenzellen einige Momente später nicht mehr durch die Gallerte dringen könnten. Umso erstaunlicher ist es, dass fast immer alle Froscheier zu Kaulquappen heranreifen. Selbst kurzzeitiges Einfrieren kann sie nicht stoppen.

7 Kommentare zu „Variabler Frühlingsanfang

  1. Die Extreme deiner Bilder faszinieren, und bei den Krokussen sieht es auch noch besonders fotogen aus, wie sie aus dem Schnee spitzen.
    Das Froschlurchlaichgeschehen bei dir ist auch ganz erstaunlich, ich kann mich nicht erinnern, bei uns in früheren Zeiten Laich von so tapferen „Trotzdemtätern“ gesehen zu haben.
    Das ging mir aber mit Frühjahrsblühern nicht anders, über die ich im Oberallgäu immer gestaunt habe, dass sie neben dem Schnee schon zugange waren, während in meiner 800km weiter nordöstlichen Heimat noch alles geschlafen hat. Irgendeinen Unterschied muss es geben, vielleicht die Licht- oder Sonnenwärme-Intensität?

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    1. Danke. Bei den Fotos hatte ich einfach Glück, dass in der Früh Sonne war.
      Die Blümchen sind eigenwillig, die haben mehrere Sensoren, nach denen sie vorgehen. Ich habe nur immer das Gefühl, dass Kärnten drei Wochen hinter Wien liegt. Die Forsythien sind immer hinterher. Die richten sich anscheinend eher nach der Tiefsttemperatur. Und die Nächte in der Stadt sind deutlich milder.
      Wir hatten schon letztes Jahr einen Laichballen, der zwei Wochen vor allen anderen war. Die Kaulquappen haben dann auch eindeutig einen Entwicklungsvorspung. Ich habe ja die Vorstellung, dass das immer das gleiche Grasfrosch-Pärchen ist. Die sind eingespielt und machen sich gleich das Date fürs nächste Jahr aus. 😉

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  2. Danke für Bilder und Text. Die Krokusses lugten auch durch den Schnee hier, aber das war vor drei Wochen. Hier am Meer mit dem Einfluss des Golfstroms ist es sehr mild. Bei uns blühen gerade überall die Narzissen wie Unkraut und die Tulpen in unseren Gärten.
    Herzliche Frühlingsgrüße vom kleinen Dorf am großen Meer
    The Fab Four of Cley
    🙂 🙂 🙂 🙂

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    1. Der Neid könnte mich fressen. Die kleinen Narzissensorten haben maximal erste Ansätze von Blüten und von den Tulpen sieht man vielleicht fünf bis zehn Zentimeter. Aber der Vorteil mit dem Golfstrom hört sich in ein paar hundert Jahren eh auf, heißt es. 😉
      Liebe Grüße, Richard

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      1. Hi, Richard,
        so alt werden wir wohl nicht werden, dass wir das Abreißen des Golfstroms noch erleben werden – aber wer weiß?
        Liebe Grüße, mach’s gut
        The Fab Four of Cley
        🙂 🙂 🙂 🙂

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