Badeschluss

Die Laichsaison der Erdkröten ist bei uns für dieses Jahr zu Ende, und sie war anders als sonst. Im Jahr 2016 haben zum ersten Mal zwei Pärchen in unserem Teich abgelaicht. Danach ging die Zahl mal rauf, mal runter, im Schnitt waren es meist um die fünf erfolgreiche Paarungen.  Dieses Jahr wurden wir völlig überlaufen. Bei zwanzig Pärchen habe ich aufgehört zu zählen. Es waren sicher deutlich mehr. Ich habe einfach den Überblick verloren.

Auf den Fotos lässt sich das Gewirr an Laichschnüren nur schwer wiedergeben. Fleißig haben die Amphibien unzählige Linien zwischen den Wasserpflanzen gespannt. Wie viele Eier es sind, kann ich kaum abschätzen, deutlich sechsstellig ist die Zahl auf jeden Fall. Eine gewaltige Kaulquappenwolke wird in den nächsten Wochen vom Teich Besitz ergreifen, aber nur ein kleiner Prozentsatz wird die Metamorphose abschließen. Libellenlaven, Molche und Ringelnatter holen sich ihren Anteil.

Mit dem milderen Winter allein lässt sich das stark erhöhte Aufkommen der Erdkröten nicht erklären. Da steckt meiner Meinung nach etwas anderes dahinter: 2016 war die erste Saison, und nach drei bis fünf Jahren werden die Tiere geschlechtsreif. Also ist es höchstwahrscheinlich die Enkelgeneration die jetzt heranreift. Denn noch etwas war dieses Jahr deutlich anders: Es waren nicht nur sehr viel mehr Erdkröten, auch der Anteil der Weibchen war deutlich höher. Es kann durchaus sein, dass die Männchen wanderfreudiger sind und zuerst neue Gewässer in Beschlag nehmen, während die Weibchen bevorzugt an das Herkunftsgewässer zurückkehren.

Da weniger überzählige Männchen im Teich herumschwammen, ging die Paarungszeit trotz Massenansturms relativ friedlich vorüber. Die Weibchen konnten in Ruhe ihre Laichschnüre absetzen, und es gab kaum Mehrfachpaarungen.

Wenn sich zu viele Männchen an ein Weibchen klammern, kann das nämlich gefährlich werden. Ich gehe dann vorsichtig mit dem Rohrstaberl dazwischen und versuche, die überzähligen Männchen so lange zu irritieren, bis sie wieder loslassen.

Das ist eine lohnende Aufgabe, in der ich nach langem Suchen endlich meine Bestimmung gefunden habe: Amphibienbademeister! Vor allem der Arbeitsaufwand kommt meiner inneren Einstellung sehr entgegen. Die Saison ist kurz, und für die Erwachsenen ist jetzt einmal Badeschluss.

16 Kommentare zu „Badeschluss

    1. Ja, manchmal plant man Fototouren, und dann kommt man nicht hin. Ich kenne das. Die Kröten werden sich über das zusätzliche Wasser gefreut haben und nächstes Jahr immer noch da sein.
      LG Richard

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  1. Dem Amphibiendademeister Anerkennung und Dank, das Leid der Krötenweibchen rührt schliesslich auch an menschenweibliche Vorstellungskraft.
    Die Beobachtung sind auf jeden Fall hinichtlich der Geschlechterverteilung bemerkenswert. Vielleicht ist die Treue der Weibchen an das Geburtsgewässer tatsächlich stärker, aber darum hat sich anscheinend noch niemand gekümmert.
    Dass es einige Jahre dauert, bis die dort herangewachsenen Generationen ein nicht mehr existierendes Gewässer vergessen, kann ich umgekehrt beisteuern. Nachdem ich den landwirtschaftlicher Meliorationen zu „danken“ trockenfallenden Teich im Garten meiner Eltern habe zuschütten lassen, kamen sie noch drei Jahre später, um ihn zu suchen und sassen sogar, weil das neue Haus nun anders stand als das Elternhaus zuvor, vor der Haustür, oder schlimmer, drinnen unter dem Bücherregal – es wäre die gerade Linie gewesen. Sie müssen einen Lageplan verfolgen, der über andere Sinne verankert scheint, als auf olfaktorische Weise.

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    1. Das ist eine sehr interessante Beobachtung. Drei Jahre wäre die Zeit, die sie mindestens brauchen, um heranzuwachsen. Das würde also darauf hindeuten, dass sie unter Umständen nur einmal vorbei gekommen sind und sich dann gemerkt haben, dass in eurem Haus kein Wasser ist.
      Ich dachte immer, die können das Wasser riechen, aber offensichtlich haben sie mehr Möglichkeiten der Orientierung und einen Lageplan im Kopf. Dass sie nicht nur ins Herkunftsgewässer zurückkehren hat mich am Anfang schon überrascht. Vom ersten Jahr an hatten wir Erdkröten. Ich vermute mal, wenn ein neues Gewässer auf ihrer Wanderrute liegt, probieren sie es aus.

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      1. Das dachte ich auch, dass jedes Gewässer für eine feine Wahrnehmung einen individuell zusammengesetzten Duft hat, mit kleinen Abweichungstoleranzen zwar, aber unverkennbar, wie beim Wein, etwa.
        Aber es muss mehr dahinter stecken.

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  2. Herrlich zu lesen, dein Krötenbericht! Wir hatten ca. 20 Jahre lang eine Kröte im Garten, von wo sie damals kam kann ich nicht sagen, und ob und wo sie laichte auch nicht. Letztes Jahr muss sie gestorben sein, da war ich echt traurig. Ich habe so schöne Fotos von ihr, als Erinnerung. Pass gut auf deine Badegäste auf! Liebe Grüße, Hania

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    1. Danke. Unterm Jahr sehe ich sie auch nur einzeln. Wo die anderen hinwandern, weiß ich nicht, aber wahrscheinlich versorgen wir einige Gärten rundum mit Kröten. Im Teich ist mittlerweile die Ruhe vor dem Sturm. Ein Nachzüglerpärchen habe ich gerade noch gesehen. Ansonsten warte ich auf die Kaulquappeninvasion.
      Liebe Grüße, Richard

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