Im März raschelt es relativ oft zwischen den Efeublättern. Unsere Amseln lieben Obst, und nach dem Winterfrost scheinen die bläulichen Steinfrüchte endlich weich und reif genug.
Mit jedem Bissen nimmt die Amsel mehrere Samen auf, um sie an anderer Stelle wieder anzupflanzen. Es ist das Ende einer Geschichte, die ein halbes Jahr zuvor ihren Anfang nahm. Im September waren die Blüten des Efeus bei den Bestäubern genauso beliebt, wie es jetzt im Frühling die Früchte bei den Vögeln sind. Die folgenden Fotos habe ich im Herbst an der gleichen Stelle aufgenommen.
Pflanzen mussten im Laufe ihrer Evolution in verschiedenste Symbiosen investieren, um sich erfolgreich durchzusetzen. Der Efeu hat dabei einen eigenwilligen Zeitplan gewählt, um die Mitbewerber auszustechen. Sowohl seine Blüten als auch seine Früchte scheinen unwiderstehlich. Tatsächlich sind sie aber zu ihrer Jahreszeit fast konkurrenzlos. Im Herbst blüht er als einer der letzten, und frisches Obst ist zu Frühlingsbeginn eine Seltenheit. Die Amsel weiß den seltenen Leckerbissen zu schätzen und stopft eine Frucht nach der anderen in sich hinein. Auch sie hat ihre Konkurrenten, und nur wer zur rechten Zeit am rechten Ort ist, setzt sich durch und wird satt.
Hinzu kommt, dass der Efeu erst blüht und Früchte bildet, wenn er eine gewisse Größe erreicht hat. Sobald er an einem neuen Standort angekommen ist, bildet er lieber Ausläufer. Das ist die billigere Form sich zu vermehren, denn Symbiosen sind halt auch Beziehungen und folglich anstrengend.
Der folgende Schnappschuss von einem Waldspaziergang Anfang März täuscht: Das Morgenlicht war spärlich und die Tiere mit freiem Auge kaum zu erkennen. Umgekehrt fühlten sie sich aus diesem Grund zwischen den Bäumen sicher und zeigten kein Fluchtverhalten.
Wären sie mir nicht kurz zuvor über den Weg gelaufen, hätte ich gar nicht gewusst, wo ich suchen soll. Dass es sich bei den beiden Rehen um ein Pärchen handelte, sah ich überhaupt erst zu Hause, als ich am Bildschirm die Ansätze des Geweihs entdeckte. In solchen Momenten bin ich dann sehr dankbar, dass bei mir mit zunehmendem Alter die Teleobjektive immer besser werden.
Letztes Wochenende hat sich, so wie im vergangenen Jahr, wieder einmal ein Entenpärchen in unseren Gartenteich verirrt. Die beiden schwammen synchron. Zuerst folgte sie ihm, dann er ihr, und am Ende waren sich beide einig, dass der Fotograf stört. Leise schnatternd mahnten sie zum Aufbruch und erhoben sich zeitgleich aus dem Wasser.
Nicht immer geht es bei Enten so harmonisch zu. Sie zählen zu den wenigen Vogelarten, wo die Männchen über einen Penis verfügen. Er ist spiralförmig und im Maximalzustand oft länger als das Tier. Erpel können dieses Organ auch gewaltsam einsetzen. Immer wieder beobachtet man, dass Männchen ungestüm über Weibchen herfallen und sie zur Paarung zwingen.
Normalerweise verhält sich der Erpel aber friedfertig und versucht das Weibchen mit Charme zu überzeugen. Das ließ sich aus evolutionsbiologischer Sicht lange nicht erklären, denn wenn man davon ausgeht, dass jedes Individuum bestrebt ist, sich mit möglichst wenig Aufwand zahlreich fortzupflanzen, und wenn man außerdem annimmt, dass sich Einstellungen vererben, dann müsste sich doch das aggressive Verhalten durchsetzen.
Enten haben aber nicht nur einen beeindruckenden, ungewöhnlich geformten Penis. Auch das Gegenstück ist komplex. Die Vagina der Hennen ist in entgegengesetzter Richtung spiralförmig verdreht und hat sogar Sackgassen.1 Damit können sie anscheinend beeinflussen, welcher Erpel seine Gene zur Fortpflanzung bringt, und Entenweibchen bevorzugen offensichtlich grün schillerndes Kopfgefieder und ein friedfertiges Gemüt.
Literatur:
Lucy Cooke: BITCH. Ein revolutionärer Blick auf Sex, Evolution und die Macht des Weiblichen im Tierreich. – München 2023, S. 166ff ↩︎
Der Wiener Prater ist nicht nur ein sehr großer Park mitten im Stadtgebiet, sondern auch ein naturbelassener Auwaldrest, wo Altarme der begradigten Donau noch als stehende Gewässer verblieben sind. In diesem Landschaftsschutzgebiet dürfen die Biber ungestört Bäume fällen, und das Totholz bleibt dann auch flächendeckend liegen.
Es gibt hier fast ausschließlich Laubwald, was in der Winterzeit etwas kahl wirkt. Dafür sieht man ohne Blattwerk weiter und hat Chancen, einen der zahlreichen Spechte zu erblicken, die in den zerfallenden Baumresten nach Nahrung suchen.
Der Schwarzspecht ist eine beeindruckende Erscheinung. Von der Größe her hätte ich ihn fast für eine Krähe gehalten, aber die typischen Bewegungen verraten dann doch den Specht. Der Vogel werkt die meiste Zeit am Boden herum, um zwischen splitterndem Holz nach Insekten zu suchen. Nur manchmal begibt er sich in die Baumkronen, und so bin ich dann bei leichtem Regen und schlechtem Licht doch noch zu halbwegs vernünftigen Fotos gekommen.
Amphibienbeobachtung im Winter ist nicht so wirklich der Renner. Wenn man der einschlägigen Fachliteratur glaubt, sollte man zum Beispiel nicht damit rechnen, im Jänner einem Bergmolch im Teich zu begegnen. Die Wikipedia vermerkt: „Nach dem Ende der Laichzeit ab Mai verlassen die erwachsenen Tiere das Gewässer wieder und entwickeln allmählich eine unscheinbarere Landtracht.“ In den Büchern steht es ähnlich: „Die Überwinterung findet an Land unter Rinden, Steinen und in kühlen, aber frostfreien Erdlöchern statt.“1) Ende Mai, Anfang Juni verlassen die ausgewachsenen Tiere angeblich das Laichgewässer, im Juli folgen die umgewandelten Larven.
Die Literatur ist aber nicht konsequent. Manchmal steht, „ein Teil der Tiere wandert im Herbst wieder zum Laichgewässer zurück, um hierin zu überwintern.“2) Oder: „Bergmolche überwintern oft in großer Zahl in Erdhöhlen an Land; seltener im Gewässer; Larven können manchmal im Gewässer überwintern.“3)
Bei uns im Teich nimmt das Gedränge der Bergmolche ab Ende Juli ab. Zuerst verschwinden die Männchen, dann die Weibchen. Aber ein Teil der Tiere lässt sich bis weit in den Herbst hinein im Wasser beobachten, und ich hatte immer schon den Verdacht, dass sie dort auch überwintern. Man sieht halt nur schwer, was sich unter einer dicken Eisschicht abspielt. Dementsprechend schlecht sind die Fotos in diesem Beitrag. Das folgende Bergmolch-Weibchen habe ich am 12. Jänner aufgenommen:
Es verharrte regungslos eher am Rand des Teichs, und ich ging eigentlich davon aus, dass es vollständig vom Eis umschlossen ist. Es war aber weder tot noch in in irgend einer Form von Kältestarre, sondern hatte durchaus noch Zugang zum tieferen Wasser. Kurze Zeit später war Lady MacGyver einfach verschwunden.
Deutlich lebendiger sind die Braunfrösche. Auf den folgenden Bildern kann man mit etwas Fantasie einen Grasfrosch und einen Springfrosch erkennen.
Die Tiere scheinen unter der Eisdecke die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen. Wenn man sich nähert, schwimmen sie recht flott davon.
In der Wikipedia steht, die männlichen Springfrösche wandern bereits im Herbst ins Laichgewässer, während die Weibchen in Gewässernähe an Land überwintern. Ich würde mich da aber nicht so strikt festlegen wollen. In der Natur entscheiden das die Individuen wahrscheinlich nach Gutdünken. Die einen überwintern im Wasser, die anderen an Land. Das kann für das einzelne Tier negative Folgen haben, wenn ein Gewässer bis zum Boden durchfriert oder Faulgase auftreten und der Sauerstoffgehalt zu weit absinkt, aber die Art sichert sich so bei der Fortpflanzung die günstigste Ausgangslage. Manchmal setzen sich die Risikofreudigen durch, dann wieder die Vorsichtigen. So passen sich Frösche und Molche über die Generationen hinweg an wechselnde Umweltbedingungen an.
Ein Blick in den einen oder anderen Tümpel zahlt sich jedenfalls auch im Winter aus, vor allem wenn das Eis dunkel und klar ist. Die obigen Fotos werden der Realität nicht einmal näherungsweise gerecht. Es ist eine sehr beeindruckende und ein bisschen verstörende Wahrnehmung, wenn man die kleinen Kerle unter der dicken Eisschicht schwimmen sieht. Da kriecht einem die Kälte förmlich beim Zusehen in die Knochen, dabei haben wir wahrscheinlich gar keine Vorstellung, wie kalt so ein ganzer Winter unter Wasser wirklich sein kann.
Silke Schweiger u.a.: Wien: Amphibien und Reptilien in der Großstadt, S. 79