Was Froschlaich aushält

Ein guter Morgen beginnt zur Zeit mit frischen Eiern – im Gartenteich. Die ersten Amphibien sind da, und es sind die Spring- und Grasfrösche. Untertags merkt man nichts, aber sobald die Nacht einsetzt, geht es rund. Die Grasfrösche schnurren wie Katzen und die Springfrösche quaken leise murmelnd vor sich hin.

Da die meisten Männchen bei ihren Lautäußerungen zwanzig bis dreißig Zentimeter unter Wasser sitzen, vermute ich, dass die Geräusche deutlich lauter zu vernehmen wären, würde man das Ohr in den Teich halten. Angesichts der Wassertemperaturen verzichte ich aber auf eine Überprüfung dieser Theorie – man muss ja nicht alles wissen.

Mich fasziniert jedes Jahr, wie flink und lebendig sich die Kröten und Frösche durchs kalte Wasser bewegen. Von den Hummeln weiß man, dass sie sich durch vibrierende Bewegungen der Brustmuskulatur auf Betriebstemperatur bringen, bevor sie bei kaltem Wetter losfliegen. Reptilien sind meist tagaktiv und legen sich auf sonnenbeschienene Steine, um sich aufzuwärmen. Amphibien brauchen das alles nicht. Kaum sind sie aus der Winterruhe erwacht, setzen sie sich wochenlang ins kalte Wasser.

Mir ist auch nicht klar, ob ihnen der milde Winter hilft oder schadet. Der Salzburger Amphibienexperte Martin Kyek vom Haus der Natur meint in einem aktuellen Beitrag auf orf.at, dass die Tiere in warmen Wintern oft aufwachen und dadurch gefährdet sind. Am Teich beobachte ich eher das Gegenteil: Ist die Oberfläche früher im Jahr eisfrei, sind die Frösche und Kröten kräftiger und weniger gestresst. Vor allem die in Unterzahl befindlichen Weibchen profitieren davon, wenn sich die Laichsaison auf einen längeren Zeitraum verteilt.

Die Grasfrösche sind dieses Jahr jedenfalls zahlreich eingetroffen. Ihr Laich wird in eine Galertkugel gepackt, die am Teichrand treibt. Ein Teil der Eier ragt dadurch immer aus dem Wasser und nützt so die Strahlen der Frühjahrssonne für einen zusätzlichen Startvorteil. Bei der Laichentwicklung merkt man nämlich, dass auch Amphibien auf die Wärme ihrer Umgebung angewiesen sind. Mit Fortschreiten des Frühlings nimmt auch die Metamorphose Fahrt auf.

Der Trick der Grasfrösche, ihren Laich an der Wasseroberfläche anzubringen, hat aber nicht nur Vorteile und bedeutet, dass er manchmal auch leichte Minustemperaturen aushalten muss. Das erste Foto ist von Samstag Nachmittag, die beiden anderen sind von Sonntag in der Früh. Bei Morgenfrost legt sich schnell eine dünne Eisschicht über die Froscheier, wie man sehen kann. Die Springfrösche verzichten deshalb auf die zusätzlichen Sonnenstrahlen an der Wasseroberfläche und fixieren ihren Laich lieber etwas tiefer an Pflanzenstängeln, wie man auf der unteren Aufnahme aus dem Vorjahr sehen kann.

Springfrosch-Laich

13 Kommentare zu „Was Froschlaich aushält

    1. Ein bisschen Geduld mussten wir auch haben. Am Anfang gab es nur vereinzelte Erdkrötenpärchen, und erst nach vier Jahren die Braunfrösche. Aber wenn du nicht in einer komplett trockenen Gegend lebst, werden die Amphibien schon kommen. Die Molche sind sehr unauffällig, die sieht man kaum.
      Liebe Grüße, Richard

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  1. Schöner Beitrag. Von Amphibien weiß ich so gar nichts (außer den Kaulquappenfischereien meiner Kindheit). Ich kenne auch die ganzen Arten nicht, die du hier aufführst. Toll, daß du so viele Besucher an und in deinem Gartenteich hast. Wie groß ist der denn? Der Froschlaich sieht toll aus. Interessant, wie die verschiedenen Arten damit umgehen. Wird das Quaken noch lauter, wenn die alle geschlüpft sind oder herrscht dann Stille 😉

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    1. Danke. Der Teich ist acht Meter im Durchmesser. Wichtiger ist aber die Tiefe. Für Erdkröten muss es mehr als ein Meter sein. Den Molchen reicht dafür auch eine tiefe Reifenspur vom Traktor im Wald.
      Ich bin sehr froh, dass wir keine Seefrösche haben. Die quaken sehr laut und bis in den Sommer. Unsere Frösche haben keine außen liegenden Schallblasen. Die sind ganz leise. Und die Erdkröten hört man fast gar nicht.

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      1. Dann ist ja gut 😉 Es hört sich bestimmt witzig an, aber wenn die die Nächte durchquaken stelle ich es mir u.U. anstrengend vor. Das bei dir ist sicherlich ein niedliches Konzert. Das mit der Tiefe wußte ich nicht. Gut zu wissen. 8 Meter ist ganz ordentlich. Da gibt es bestimmt eine Menge (Insekten-)Leben das Jahr hindurch.

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      2. Wow, das ist ja toll! Libellen sind unter den Insekten eine Spezies, wo ich mich nur sehr rudimentär auskenne, leider. Vermutlich würde ich an deinem Gartenteich den ganzen Tag lang auf dem Bauch liegen und aufs Wasser schielen 🙂 Muß schön sein.

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    1. Ich frage mich auch, was passiert, wenn lautere Froscharten einkehren. Die Grasfrösche knurren ein bisschen, wie ein Mittelding aus einer schnurrenden Katze und einem Nilkrokodil. Aber alles nicht wirklich laut.
      Unser Schlafzimmer ist nicht so nahe beim Teich, aber die Nachbarn könnte es stören. Das wäre fast schlimmer als wenn ich selber nicht schlafen könnte.

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