Die Rückkehr der Fischer

Kormorane sind in Wien immer noch selten. Man sieht sie einzeln oder paarweise an der Donau oder am Donaukanal. Kaum zu glauben, dass es laut Wikipedia vor 100 Jahren in der Lobau noch eine stattliche Kolonie mit 300 Brutpaaren gab. Die Vögel genießen einen schlechten Ruf als Fischereischädlinge und wurden in ganz Europa zuerst bis zur Ausrottung bejagt und dann, bei der Rückkehr in ihre angestammten Siedlungsgebiete, als invasive Art verleumdet. Tatsächlich ist der Kormoran ein Kosmopolit und in verschiedenen Unterarten überall dort anzutreffen, wo es fischreiche Gewässer gibt.

In Wien ist die Kormoranjagd mittlerweile verboten, im umliegenden Niederösterreich ist sie nur in ausgewählten Gebieten als letzte Maßnahme erlaubt, um die Fischerei zu schützen. Dabei zeigen die meisten Untersuchungen, dass die Fischbestände in erster Linie von der Wasserqualität abhängen und nicht von der Zahl der jagenden Kormorane, aber da kann man forschen so viel man will – der Kormoran wird seinen schlechten Ruf nicht los.

Die Vögel scheinen das zu wissen. Sie bleiben scheu. Mehrfach habe ich auf der Donauinsel beobachtet, dass sich Kormorane verziehen, wenn sie merken, dass sie beobachtet werden – und die Tiere haben ein sehr scharfes Auge, sie bemerken einen sofort.

Die besseren Fotos macht man wie so oft in der Innenstadt. Es gibt nicht viele Kormorane, die sich bis in den ersten Bezirk vorwagen, um im Donaukanal zu fischen, aber diese Exemplare haben dann deutlich weniger Scheu und sind an Fußgänger und Radfahrer gewöhnt.

Das Gefieder des Kormorans hat eine Eigenheit, es wird nass. Ist der Vogel gerade erst ins Wasser gegangen, schwimmt er noch obenauf wie eine Ente, aber sobald er Flüssigkeit im Gefieder eingelagert hat, liegt er deutlich tiefer. Nur so kann er effizient tauchen und erfolgreich nach Fischen jagen.

An Land sieht man dann oft Kormorane mit ausgebreiteten Flügeln. Das ist kein Imponiergehabe, sondern hilft, das Gefieder schneller trocken zu bekommen. Hat man so ein Foto im Kasten, sollte man die Kamera übrigens nicht gleich wieder im Rucksack verstauen. Der Vogel hat ja die Absicht, abzuheben, und mit etwas Glück fliegt er anschließend in die Richtung des Betrachters. Da ärgert man sich nur, wenn die Kamera schon weggepackt ist und einem die Chance auf ein gutes Foto entgeht. Das entsprechende Bild denken wir uns mit etwas Fantasie an dieser Stelle einfach dazu.

Die meiste Zeit fotografiert man aber sowieso nur leere Wasseroberflächen, wenn man Kormorane abbilden möchte. Typischerweise sieht der Vogel nämlich so aus wie auf dem nächsten Bild. Und was sich dann unter Wasser abspielt, entzieht sich endgültig unserer Beobachtung. Zirka eine Minute dauert so ein – oft erfolgloser – Tauchgang. Kaum zu glauben, dass man im trüben Donaukanal überhaupt erfolgreich fischen kann, aber das wird wohl irgendwie mit diesen türkisgrünen Radaraugen und dem nach unten gebogenen Hakenschnabel zusammenhängen.

21 Kommentare zu „Die Rückkehr der Fischer

  1. Hier gibt es sie in eher geringen Zahlen. Je weiter man nach Nordosten kommt, desto mehr der Vögel kann man beobachten. Ansonsten sehe ich es genauso wie in Deinem Beitrag geschrieben und genaue Untersuchungen bestätigen auch, dass durchaus Fischer und Kormorane nebeneinander leben können.
    LG Jürgen

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    1. Witzigerweise gibt es auch „echte“ Fischer, die täglich am Donaukanal ihre Angeln ins trübe Wasser hängen. Die existieren also wirklich nebeneinander. Ich habe mich aber nicht getraut zu fragen, ob sie auch so viel Freude mit den Kormoranen haben wie ich.
      Liebe Grüße, Richard

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      1. Ich glaube, das „Matschkern“ gehört bei Landwirten und Fischern irgendwie zur Berufsausbildung. Das wird aber auch wieder, und Menschen, die in der Natur unterwegs sind, sehen ja als erstes, was sich tut und dass die Fische mit dem Kormoran nicht verschwinden. Was sich mit dem Kormoran natürlich ändern muss, ist die Teichzucht. Einen ungeschützten Fischteich räumt der sicher schnell leer. Das wird schon stimmen.
        LG Richard

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  2. Spannende Vögel. Bei uns sind sie in den 90er Jahren entlang der Elbe wieder aufgetaucht, nachdem die Wasserqualität des Flusses sich ziemlich rasch verbessert hatte. Mag sein, dass die eine oder andere EU-Auflage auch die Zuflüsse und die Donau direkt für sie wieder lebenswerter gemacht haben.

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      1. Wenn die Gewässer nicht oder nur kurz zufrieren: ja, sicherlich ist das für sie ein Glücksfall. Das Gejammer der Gewässernutzer über ihre Anwesenheit mischt sich aber genau so auch hier in die Freude der Naturschützer, wie die über die Rückkehr der Biber.

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  3. Die größten Ansiedlungen des Kormoran, findet man an Seen mit ausreichenden Baum und Fischbeständen . Hier haben Sie ihre bevorzugten Jagd und Brutgebiete , sie brüten dort in riesigen Brutgemeinschaften . Die größten Anspielungen dieser Art, konnte ich im Geltinger Birk, Anklamer Stadtbruch , Müritz und auch am Zwillbrocker Venn beobachten . Hier finden sie genau die Bedingungen die sie für ihren Lebensraum brauchen . Dort sind sie dann auch in riesigen Gemeinschaften zu beobachten . Von hier starten sie ihre Beutezüge und sind im Umland dann in kleineren Gruppen zu beobachten . Abends kommen sie dann wieder zu Hunderten zu ihren Schlafplätzen zurück. Ihre Ansiedlugen sind schnell an den Bäumen zu erkennen ,die durch die Verkotung kein Blattwerk mehr tragen.

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    1. Danke für die Info. Das ist in Österreich noch Zukunftsmusik, aber schön zu hören, dass es auch noch solche Kolonien gibt. Ich habe gelesen, in ganz Österreich gibt es nur 200, 300 Brutpaare. Nur Bodensee und Neusiedler See haben angeblich kleine Kolonien. Rund um Wien sind jedenfalls nur einzelne Paare unterwegs. Im Moment sind das Wintergäste. Ich sehe am Donaukanal aber auch das ganze Jahr über mindestens ein Paar.

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  4. Seitdem man die Wander- und Verbreitungswege der Kormorane untersucht, kann man eigentlich wissen (Hinweis Richtung NÖ), dass das Bejagen nichts bringt. Die Bestandslücken durch das Bejagen werden schnell von anderen Tieren wieder gefüllt. Wenn plötzlich sardische Tiere, die beringt würden, im Alpenvorland auftauchen, kann man sich schnell ausmalen, das punktuelle Bejagung weder nachhaltig noch zielführend und damit nicht sinnvoll ist.

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    1. Die Tiere sind ja anscheinend auch wirklich Kosmopoliten. Sie waren in Europa fast verschwunden und sind jetzt, zwar nicht in der Zahl aber flächendeckend, wieder vorhanden. Ein Teil davon muss zugewandert sein, Nachkommen allein können so einen starken Zuwachs nicht erklären. Anscheinend können sich manche Leute nicht vorstellen, was es bedeutet, dass Vögel fliegen können – und das über große Strecken hinweg. 😉

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  5. Moin Richard.
    Wir haben in Bremen große Kolonien. Sie fischen hauptsächlich an der Weser und sitzen über Nacht in den Bäumen des nahegelegenen NSG.
    Wir Menschen müssten mal Teilen lernen.
    Mit Menschen und Tieren gleichermaßen.
    Je mehr Menschen wir werden, desto wichtiger wird das.
    Freu mich über deine Sichtungen und Gedanken.
    Liebe Grüße Brigitte

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    1. Liebe Brigitte,
      danke für dein Feedback. Ich freue mich sehr, dass es bei euch wieder große Kolonien gibt. Irgendwo, denke ich, wird sich auch bei uns noch das eine oder andere Pärchen ansiedeln.
      Und was das Teilen betrifft, hast du völlig recht. Es wird Zeit, dass wir uns mehr zurück nehmen.
      Liebe Grüße, Richard

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    1. Und bei uns regen sie sich auf wegen ein paar weggefangten Fischen. Dabei bringt es gar nichts, die einzelnen Vögel abzuschießen. Dann kommen nur ein paar von euren nach, denke ich. 😉
      Liebe Grüße, Richard

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      1. Da magst du recht haben.

        Hier ist die fast die gesamte schleswig-holsteinische Jägerschaft auf der Suche nach einem „Problem“-Wolf, der abgeschossen werden soll. Aber das schlaue Tier führt sie wohl alle an der Nase herum.

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      2. Die Geschichte zwischen Tier und Jägerschaft hat anscheinend viele Fortsetzungen – immer mit unterschiedlich verteilten Rollen.
        Die Wiederansiedelung des Wolfes in Deutschland ist aber eine deutlich erfolgreichere Geschichte als bei uns in Österreich. Wir haben nur zwei, drei Rudel in der Umgebung eines sehr großen Truppenübungsplatzes und selbst da regen sich die Leute auf. Man hat bei uns das Gefühl, wir haben nur Problem-Wölfe, und wenn die Jäger könnten, wie sie wollten, würden sie gern öfter schießen. Tatsächlich musste aber noch nie einer zum Abschuss freigegeben werden. Das passiert immer nur illegal.

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  6. Einen einzigen Kormoran habe ich in diesem Frühling mal mitten in Berlin im Tiergarten gesehen – „meinen“ ersten in natura – und nachdem ich mich ein bisschen zu ihm belesen hatte, dachte ich, der Vogel sei so etwas wie der „Wolf des Wassers“ – ebenso schlecht beleumundet wie der Wolf und ebenso zu unrecht. Ebenso fast verdrängt und dann doch in Wiederkehr.
    Oben schrieb eine Kommentatorin, dass wir Menschen lernen müssten zu teilen. Ja, ganz recht!

    Toll übrigens dieses grüne Auge, das Du eingefangen hast!

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    1. Danke für dein Feedback. Ich sehe immer die Kormorane am Donaukanal. Das sind auch „meine“. Nur mit den Fotos wollte es nicht gelingen. An der Donau mit dem Tele ging es besser, aber diese Augen kriegt man aus der Ferne nie scharf. Und dann hatte ich am Montag Glück und „mein“ Kormoran saß neben dem Weg zur Arbeit und hatte auch nichts gegen das Fotografiertwerden.
      Und die irrationalen Ängste machen diese Vögel zusätzlich interessant. Wir brauchen anscheinend immer eine Projektionsfläche dafür.

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