Massenausspeisung

Feldspatzen

Was die Gartenfauna betrifft, ist der Winter nicht besonders abwechslungsreich. In letzter Zeit fotografiere ich hauptsächlich Feldspatzen. Sie scheinen uns dieses Jahr regelrecht zu überlaufen. Das war nicht immer so. Vor vier, fünf Jahren waren die Kohlmeisen in der Überzahl. Damals ging bei uns die Zahl der Feldspatzen plötzlich zurück, vielleicht durch Krankheit. Mittlerweile haben sich die Bestände wieder erholt. Mehrmals täglich fallen die Feldspatzen in Trupps von zwanzig, dreißig Exemplaren über die Futterstellen her.

FeldspatzMit der Futtermischung gegenzusteuern, hilft relativ wenig. Die Meisen bevorzugen bei uns ungeschälte Sonnenblumenkerne, mit denen die Spatzen nichts anfangen können. Würde ich ausschließlich Sonnenblumenkerne füttern, hätte ich aber deswegen nicht mehr Meisen im Garten, sondern nur sehr schnell einen großen Haufen mit Sonnenblumenkernen auf dem Boden. Das können Feldspatzen sehr geschickt. Und schimpfen wie die Spatzen geht selbstverständlich gleichzeitig. Nomen est omen. So weit sind ihre Lautäußerungen problemlos verstehbar. Also nehme ich den Massenauflauf, wie er kommt, auch wenn Auflauf sicher das falsche Wort ist. Schließlich kommen sie ja geflogen, nicht gelaufen.

FeldspatzenSobald die Brutphase beginnt, ist alles wieder vorbei. Während sich die Feldspatzen im Winter zu geselligen Trupps zusammenfinden, sind sie in der warmen Jahreszeit monogam unterwegs. Angeblich bevorzugen sie fixe Zweierbeziehungen, und vielleicht ergeben sich deshalb manchmal solche Schnappschüsse wie das parallel ausgerichtete Paar am Meisnknödel. Ihre Nistplätze sind jedenfalls eher nicht in Gartennähe. Am Haus brüten bei uns nur die Hausspatzen – wird auch am Namen liegen.

Früher waren die Trupps gemischt. Gemeinsam mit den Feldspatzen zogen immer zwei Hausspatzen, zwei Blaumeisen, mehrere Kohlmeisen und ein Rotkehlchen. Dieses Jahr sind es so viele Feldspatzen, dass sie meist unter sich bleiben. Das Fotografieren ist dabei eine zwiespältige Sache. Zuerst denkt man sich: Noch mehr Feldspatzenfotos brauche ich jetzt wirklich nicht. Dann macht sich der Finger doch wieder krumm, und beim Durchsehen der Bilder stellt man anschließend jede Menge Details fest, die einem sonst nicht aufgefallen wären.

FeldspatzenIch mag zum Beispiel den Unfriesierten auf dem Bild rechts. Dem steht das „Giftschipperl“ nach oben, als hätte er schlecht geschlafen. Und dann der unten in der Mitte, der einen direkt anzuschauen scheint. Das ist natürlich eine Täuschung, denn die Kamera beachtet er gar nicht, die steht allein auf dem Stativ, während ich im Haus sitze und von fern den Auslöser betätige. Die Spatzen sind aber eine sehr aufmerksame Truppe. Nicht alle fressen gleichzeitig. Es sind immer welche drunter, die die Lage erkunden, und so blickt auf vielen Fotos ein Exemplar gerade direkt in die Kamera.

Feldspatzen

Wenn Bestäuber fehlen

Winterjasmin

Den Winterjasmin habe ich am 1. November schon einmal gezeigt. Er stammt eigentlich aus Asien und zählt zu den Frühblühern. Bei uns zeigen sich die Blüten normalerweise für zwei bis drei Wochen Anfang März. Um gegen späte Wintereinbrüche gerüstet zu sein, sind sie frostresistent.

WinterjasminDieses Jahr hat der Winterjasmin in der zweiten Oktoberhälfte zu blühen begonnen und nicht mehr damit aufgehört. Das Foto links stammt von Sonntag, dem 16. Dezember. In der Früh hatte es minus zehn Grad. Im Hintergrund liegt Schnee. Nicht alle Blüten wirken noch frisch. Manche sind vom Frost gezeichnet. Aber sobald die Sonne hervorkommt, erfangen sie sich wieder. Sie leuchten in verlockendem Gelb und warten auf hungrige Bienen. Aber warum blüht der Winterjasmin unermüdlich seit fast zwei Monaten? Was mir jeden Tag ein Lächeln ins Gesicht zaubert, nämlich der Anblick einer blühenden Pflanze im Winter, ist für die Pflanze selbst eigentlich ein trauriger Anlass. Sie wartet nämlich vergebens auf die nächste Biene.

OrchideeAus einem ähnlichen Grund haben wir mit den Orchideen am Fensterbrett so lange Freude. Diese Orchideen leben in Symbiose mit ganz speziellen Bestäubern. Das hat den Vorteil, dass die Pollen möglichst sortenrein von Blüte zu Blüte getragen werden. Und während wir die Pflanzen im Zimmer kultivieren, haben wir auf die Haltung der Bestäuber vergessen. Der Auslöser für das Verblühen der Pflanze ist aber ihre Befruchtung. Ich vermute mal, der Winterjasmin wird dieses Jahr seinem Namen gerecht werden und in unserem Vorgarten bis in den Frühling hinein einen gelben Farbtupfer setzen.

Winterjasmin

Und somit ist auch klar, was uns blüht, wenn das Bienensterben voran schreitet: Kirschblüte bis in den Sommer. Bleibt die Frage, ob sich unsere Freude darüber in Grenzen halten wird. Obwohl: Die Blüten der Orchideen können uns auch monatelang erfreuen, dabei warten sie einfach nur umsonst.

Specht in der Schmiede

Buntspecht

Für die einen ist es einfach nur ein Loch in einem Baum. Für die anderen ist es eine Spechtschmiede. Der Specht ist eine Art Anti-Greifvogel. Seine Krallen sind dafür gebaut, sich an einem Baumstamm festzuhalten. Er kann nicht geschickt einen Sonnenblumenkern mit den Füßen festhalten und dann mit dem Schnabel so lange auf ihn eindreschen, bis die Schale herunten ist, wie das die Meisen machen. Dafür braucht er eine geeignete Vertiefung, wo er das Futter einklemmen kann.

spechtschmiede2Seit vielen Spechtgenerationen war das bei uns ein spezielles Loch in einem Apfelbaum. Man konnte eine Walnuss darin einklemmen und anschließend den Inhalt mit dem Schnabel herauspiken. Das Loch übte eine magische Anziehungskraft auf Buntspechte aus. Zu Mittag im Winter brauchte man nur eine halbe Stunde zu warten, um mindestens einen Buntspecht bei der Mahlzeit zu beobachten.

Solche Löcher haben aber einen Nachteil. Bei jedem Regen sammelt sich Wasser. Ich habe im Sommer in einem unserer Apfelbäume schon eine kleine Pfütze mit Mückenlarven gesehen. Mit der Zeit weicht sich dann das Holz auf, das Loch wird größer, und irgendwann ist es als Spechtschmiede nicht mehr zu gebrauchen. Macht aber nichts. Erstens können sich Spechte relativ leicht eine neue Schmiede klopfen, und zweitens sind sie sehr geschickt, bestehende Vertiefungen auszunützen.

Unser Nussbaum ist alt und hat jede Menge Ritzen. Letztes Wochenende habe ich ein Buntspechtweibchen vor dem Fenster beobachtet, das voller Hingabe in einer Astgabel auf einer Nuss herumhämmerte. Gelegenheitsschmiede nennt man das, wenn der Specht sich keine eigenen Vertiefungen schafft, sondern bestehende Einkerbungen verwendet. Fotografieren hat sich das Buntspechtweibchen übrigens nicht gerne lassen. Die eine Nusshälfte hat sie mitgenommen, was darauf hindeutet, dass sie anderswo eine andere Schmiede zur Verfügung hat. Die zweite Hälfte hat sie zurück gelassen, aber nicht lange. Ein paar Stunden später war auch diese weg, was darauf hindeutet, dass sie doch noch Hunger hatte.

Buntspecht