Amphibienbeobachtung im Winter ist nicht so wirklich der Renner. Wenn man der einschlägigen Fachliteratur glaubt, sollte man zum Beispiel nicht damit rechnen, im Jänner einem Bergmolch im Teich zu begegnen. Die Wikipedia vermerkt: „Nach dem Ende der Laichzeit ab Mai verlassen die erwachsenen Tiere das Gewässer wieder und entwickeln allmählich eine unscheinbarere Landtracht.“ In den Büchern steht es ähnlich: „Die Überwinterung findet an Land unter Rinden, Steinen und in kühlen, aber frostfreien Erdlöchern statt.“1) Ende Mai, Anfang Juni verlassen die ausgewachsenen Tiere angeblich das Laichgewässer, im Juli folgen die umgewandelten Larven.
Die Literatur ist aber nicht konsequent. Manchmal steht, „ein Teil der Tiere wandert im Herbst wieder zum Laichgewässer zurück, um hierin zu überwintern.“2) Oder: „Bergmolche überwintern oft in großer Zahl in Erdhöhlen an Land; seltener im Gewässer; Larven können manchmal im Gewässer überwintern.“3)
Bei uns im Teich nimmt das Gedränge der Bergmolche ab Ende Juli ab. Zuerst verschwinden die Männchen, dann die Weibchen. Aber ein Teil der Tiere lässt sich bis weit in den Herbst hinein im Wasser beobachten, und ich hatte immer schon den Verdacht, dass sie dort auch überwintern. Man sieht halt nur schwer, was sich unter einer dicken Eisschicht abspielt. Dementsprechend schlecht sind die Fotos in diesem Beitrag. Das folgende Bergmolch-Weibchen habe ich am 12. Jänner aufgenommen:

Es verharrte regungslos eher am Rand des Teichs, und ich ging eigentlich davon aus, dass es vollständig vom Eis umschlossen ist. Es war aber weder tot noch in in irgend einer Form von Kältestarre, sondern hatte durchaus noch Zugang zum tieferen Wasser. Kurze Zeit später war Lady MacGyver einfach verschwunden.
Deutlich lebendiger sind die Braunfrösche. Auf den folgenden Bildern kann man mit etwas Fantasie einen Grasfrosch und einen Springfrosch erkennen.
Die Tiere scheinen unter der Eisdecke die ersten Sonnenstrahlen des Jahres zu genießen. Wenn man sich nähert, schwimmen sie recht flott davon.
In der Wikipedia steht, die männlichen Springfrösche wandern bereits im Herbst ins Laichgewässer, während die Weibchen in Gewässernähe an Land überwintern. Ich würde mich da aber nicht so strikt festlegen wollen. In der Natur entscheiden das die Individuen wahrscheinlich nach Gutdünken. Die einen überwintern im Wasser, die anderen an Land. Das kann für das einzelne Tier negative Folgen haben, wenn ein Gewässer bis zum Boden durchfriert oder Faulgase auftreten und der Sauerstoffgehalt zu weit absinkt, aber die Art sichert sich so bei der Fortpflanzung die günstigste Ausgangslage. Manchmal setzen sich die Risikofreudigen durch, dann wieder die Vorsichtigen. So passen sich Frösche und Molche über die Generationen hinweg an wechselnde Umweltbedingungen an.
Ein Blick in den einen oder anderen Tümpel zahlt sich jedenfalls auch im Winter aus, vor allem wenn das Eis dunkel und klar ist. Die obigen Fotos werden der Realität nicht einmal näherungsweise gerecht. Es ist eine sehr beeindruckende und ein bisschen verstörende Wahrnehmung, wenn man die kleinen Kerle unter der dicken Eisschicht schwimmen sieht. Da kriecht einem die Kälte förmlich beim Zusehen in die Knochen, dabei haben wir wahrscheinlich gar keine Vorstellung, wie kalt so ein ganzer Winter unter Wasser wirklich sein kann.
- Silke Schweiger u.a.: Wien: Amphibien und Reptilien in der Großstadt, S. 79
- Dieter Glandt: Heimische Amphibien, S. 42
- Axel Kwet: Reptilien und Amphibien Europas, S. 60





























