Synchronschwimmen

Furchenschwimmer

Der Gemeine Furchenschwimmer heißt wahrscheinlich gemein, weil er einem die meiste Zeit den Hintern entgegenhält und sofort abtaucht, wenn man sich ihm mit der Kamera nähert.

Den Hintern aus dem Wasser strecken kann er auch paarweise, wie man sieht. Die Männchen haben dafür an den Beinen eigene Saugnäpfe, mit denen sie sich an den Weibchen festhalten. Diese Form des Synchronschwimmens scheinen sie öfter zu praktizieren, denn ihre Zahl hat in unserem Gartenteich in den letzten Jahren stetig zugenommen.

Die erwachsenen Käfer überwintern unter Wasser und sind dadurch im Frühjahr sehr schnell aktiv. Mit den borstenbesetzten Hinterbeinen können sie geschickt schwimmen und ihrer Beute nachsetzen. Auch die Larven leben im Wasser und ernähren sich fleischlich. Ein Teich ist aber auch die Brutstätte für Kleinstlebewesen schlechthin. Dementsprechend viele Prädatoren gibt es im Wasser.

Fotografieren lassen sich die Gemeinen Furchenschwimmer am leichtesten im Sommer, wenn auch die Temperaturen des Wassers über ein erträgliches Maß hinaus steigen. Dann treiben sie nur noch geschlaucht an der Oberfläche und sind zu faul, um abzutauchen. Das folgende Bild ist vom August, die anderen sind aktuell.

Furchenschwimmer

Lob der Landwirtschaft

Rehe

Heute in der Früh hatte ich das Bedürfnis nach Bewegung und frischer Luft. Knapp zwei Stunden war ich mit dem Fahrrad über den Laaer Berg zwischen dem Kurpark Oberlaa und dem Zentralverschiebebahnhof unterwegs. In den Weingärten habe ich dort schon einmal Rehe fotografiert.

Meine heutige Ausbeute an Säugetieren war: Ein Rudel mit acht Rehen, ein Eichhörnchen im Gestrüpp, ein unscharfer Feldhasenhintern (ein Jäger hätte es durch die Blume gesagt) und ein kleiner Kerl im Weingarten, der für den Moment noch anonym bleiben möchte, weil er demnächst einen eigenen Beitrag bekommt.

Das Areal besteht nur aus Feldern und kleinen Weingärten. Vereinzelt findet man Häuser oder Lagerplätze. Rundum wächst die Stadt. Gebäude werden hochgezogen. Und dazwischen bieten diese Felder mit kleinteiliger Landwirtschaft einen wunderbaren Rückzugsraum für Wildtiere.

In letzter Zeit liest man oft über die Umweltschäden, die die Landwirtschaft verursacht: Herbizide, Pestizide, Feinstaubbelastung durch die Gülle – und die Randstreifen für die Feldlerche und die Schmetterlinge werden auch immer weniger. Die moderne Agrarindustrie verursacht sicher viele Problem, aber mit dem, was ich heute gesehen habe, hat das nichts zu tun. Dieses Areal ist ein Naherholungsgebiet vom feinsten, und es besteht nur deshalb noch, weil es hier seit Generationen Bauern gibt, die lieber mühsam ihre Felder bestellen als durch Grundstücksverkäufe schnell reich zu werden.

Und die Begehrlichkeiten waren sicher da. Ich habe in den letzten Jahrzehnten viele Gärtnereien verschwinden und stattdessen Wohn- und Bürohäuser aus dem Boden wachsen sehen. Wien ist im deutschsprachigen Raum die am schnellsten wachsende Großstadt, hat in den letzten Jahren Hamburg an Einwohnerzahl überholt und liegt hinter Berlin auf Platz zwei. Und wir sprechen hier von Feldern, keiner Parkanlage, die in den Augen der Öffentlichkeit etwas zählt.

Nein, ich kann mir eigentlich nur einen Grund vorstellen, warum hier noch Grün ist statt verbauter Fläche: Da sind einige Bauern ziemliche Sturschädel, die lieber Landwirte bleiben wollen als Grundstücksspekulanten zu werden. Und sie machen einen tollen Job, auch im Sinne des Naturschutzes. Es braucht mehr Bauern wie diese, und wir sollten dazu übergehen, auch sprachlich genauer zwischen Landwirtschaft und Agrarökonomie zu differenzieren. Das haben sich die Landwirte verdient.

Nur ein Foto

Stieglitz

Der Stieglitz ist schon ein seltsamer Kerl. Er ist farblich einer der auffälligsten Vögel, die uns im Garten besuchen, und trotzdem fällt er kaum auf. Wenn er bei uns vorbei schaut, mischt er sich oft unter die Feldspatzen, dann nimmt man ihn im Gestrüpp trotz seiner bunten Zeichnung kaum wahr.

Puzzle hatte neulich auf ihrem Blog eine Serie mit tollen Fotos von Stieglitzen am Futterhaus. Für mich war das ein ungewohnter Anblick. Vielleicht aber auch, weil ich den Futterspender um diese Zeit meist schon wegräume. Der Stieglitz ist bei uns im Garten eher nur auf Durchzug und seine Auftritte konzentrieren sich auf die Übergangszeit vor und nach dem Winter. Dieses Jahr habe ich noch Sonnenblumenkerne übrig, und siehe da, auch an unserem Futterspender bedienen sich die Vögel.

Meistens sitzt der Stieglitz aber halb verdeckt im Gebüsch. Fotografieren lässt er sich dort nur schwer, weil das Geäst den Autofokus irritiert oder die schwarze Augenbinde im Schatten liegt und man die Augen nicht sieht. Im Blick hat er einen aber immer, der aufgeweckte kleine Kerl.

Das folgende ist einfach nur ein Foto, aber ein für die momentane Zeit charakteristisches. Nur die anderen drei, vier Stieglitze, die rundum verteilt sitzen, muss man sich dazu denken, denn allein unterwegs ist er selten.

Stieglitz

Zunehmend löchrig

Feldgrille

Unsere Feldgrillen habe ich letztes Jahr Mitte April schon einmal in einem Beitrag gezeigt. Dieses Jahr sind sie früher dran und ihre Zahl hat sich deutlich erhöht. Die Löcher sind noch dichter beisammen. Wir haben einen Abschnitt im Garten, da ist die Wiese in Meterabstand perforiert ist. Mir kommt auch vor, die nächste Generation recyclet einfach die Gänge vom letzten Jahr. Anders kann ich mir auch nicht erklären, dass hier schon so viel Betrieb ist. Vor knapp drei Wochen war der Boden noch gefroren.

FeldgrilleMittlerweile genießen die Männchen das schöne Wetter. Sie sitzen vor der Höhle und wärmen ihre schwarzen Körper in der Sonne. Dafür müssen sie eigentlich relativ weit auf den kahlgefressenen Vorplatz hinaus, denn die Öffnung ihres Verstecks richtet sich fast immer nach Norden und der Eingang selbst liegt im Schatten.

Fortpflanzungsstress haben die Tiere noch keinen. Man sieht sie nämlich, aber man hört sie nicht. Mit zunehmenden Temperaturen wird sich das umkehren. Sobald das Gras nachwächst, sind die kahlen Stellen kaum noch zu erkennen. Dafür hört man die Tiere dann umso besser, wenn sie mit ihrem Zirpen die Weibchen anlocken. Die Nächte sind dann gleichermaßen lau und laut.

Feldgrille
Diese Aufnahme vom August letzten Jahres zeigt meiner Meinung nach ein Tier, das sich noch einmal Häuten wird. Das fertige Insekt hat dann Flügelansätze am Rücken. Fliegen kann es damit aber auch nicht.

Wie Kröten sterben

Kröten im Netz

Vielleicht hat sich der eine oder andere unter den geneigten Lesern schon einmal Gedanken über den perfekten Tod gemacht. Wer dabei an einen Abgang während einer Ménage-à-trois denkt, von dem man nicht wirklich etwas mitbekommt, weil einem wegen hormonell bedingter Bewusstseinstrübung immer noch ein seliges Lächeln auf den Lippen liegt, dem empfiehlt sich eine Wiedergeburt als Erdkröte.

Erdkröten zu drittDie Umklammerung auf dem Bild links mag irrtümlich an ein zärtliches Gruppenkuscheln erinnern, hat damit aber gar nichts zu tun. Es ist ein beinharter Kampf um Leben und Tod. Was ich hier aus dem Teich gefischt habe, war ein Knäuel von mindestens vier Erdkröten. Ein Männchen hat gleich zu Beginn wieder losgelassen und ist weggeschwommen, aber die beiden anderen hielten sich noch ungefähr eine Viertelstunde regungslos an ihrer Angebeteten fest.

Das vordere Männchen hob kurz nach der Bergung ganz langsam den Brustkorb, anscheinend um tief Luft zu holen. Es war das schwächste Tier von den dreien und kaum noch bei Bewusstsein. Das zweite Männchen schien stärker und auch etwas größer, trotzdem ließ es nach einiger Zeit los und sprang wieder ins Wasser.

KrötenpärchenKurze Zeit später hüpfte auch das Weibchen wieder in den Teich und schwamm mit ihrem ursprünglichen Partner davon. Diesmal ist noch alles gut gegangen, aber die Zukunftsaussichten sind schlecht. Nach der Paarungszeit durchsuche ich den Teich jedes Jahr gründlich und entferne die verendeten Kröten.

Es kommt nicht nur darauf an, dass das Weibchen gesund und kräftig ist, auch das Männchen muss über ausreichende Kondition verfügen. Seine Aufgabe besteht nicht nur darin, am Ende den Laich zu befruchten, es muss auch aufdringliche Rivalen mit den Hinterbeinen in Schach halten. Sobald ein zweites Männchen die Möglichkeit hat, sich festzuklammern, folgt bald ein drittes, und dann ist das Weibchen sehr schnell bewegungsunfähig und dem Untergang geweiht.

In den ersten Jahren, wenn die Zahl der eintreffenden Kröten gering ist, besteht diese Gefahr nicht. Im Moment warten in unserem Teich aber mehr als zehn Männchen auf das nächste Weibchen. Dann kommt es darauf an, dass sie eines der kräftigeren Männchen erwischt, denn die gesamte Prozedur dauert eine Woche, und eine Unachtsamkeit kann gefährlich werden.

Erdkröten zu drittManchmal liest man, ein gut untergliederter Uferbereich würde helfen, damit nicht alle Männchen gleichzeitig beim Weibchen einlangen. Die eigentliche Gefahr droht meiner Meinung nach aber erst später. Das Foto links stammt vom Vortag. Das Krötenpärchen wird von einem unruhigen Männchen bedrängt, das sich Chancen ausrechnet, seinen schwächelnden Konkurrenten zu beerben. Um das zu verhindern, könnte ich maximal überzählige Männchen abfischen und in einem Aquarium verwahren, bis ein Platz frei wird oder die Paarungszeit vorbei ist.

Im Grunde genommen hieße das aber, in die natürliche Selektion einzugreifen. Das System der Erdkröten garantiert nämlich, dass sich nur kräftige Weibchen und ebensolche Männchen vermehren. Im Gegensatz zu den meisten heimischen Fröschen, die mit maximal 500 Eiern pro Gelege das Auslangen finden, laicht ein Erdkrötenweibchen in zwei Doppelschnüren bis zu zehnmal so viele Eier ab. Da braucht es nicht so viele erfolgreiche Pärchen, um den Erhalt der Art zu sichern, und der Teich könnte eine so große Menge an Kaulquappen wahrscheinlich auch gar nicht ernähren.

Im Sinne der Natur hat also alles seine Richtigkeit. Es ist auch beeindruckend zu sehen, wie das Weibchen, das vor kurzem noch um sein Leben gerungen hat, todesmutig wieder in die Fluten springt, um das riskante Fortpflanzungswerk vielleicht doch noch zu einem guten Ende zu bringen. Eine andere Chance hat sie auch nicht. Fünftausend Eier kann sie nicht einfach den Rest des Jahres mit sich herumschleppen. Da würde sie schnell an Laichverhärtung sterben. Sie muss ihr Geschäft zu Ende bringen, koste es, was es wolle, notfalls auch das Leben.