Ein magischer Nussbaum

Im Wiener Prater am Ufer des Heustadlwassers gibt es ein Vögelhäuschen, in dem sitzt die meiste Zeit ein Eichhörnchen und versucht, sich figurmäßig einem Siebenschläfer im Herbst anzunähern. Glücklicherweise ist die Konstruktion groß genug, um auch molligeren Exemplaren Platz zu bieten.

Eichhörnchen

Im vorletzten Winter habe ich versucht, dem Eichhörnchen in unserem Garten in einer ähnlichen Konstruktion Walnüsse anzubieten. Die haben den Eichelhähern gut geschmeckt, aber unser Eichhörnchen weiß sich zu benehmen, das geht nicht an fremde Depots. Stattdessen legt es Wert darauf, die Nüsse in ihrer natürlichen Umgebung, also am Fuß des Baumes zu finden.

Nie würde das Eichhörnchen es wagen, von unserem Nussvorrat zu naschen. Das muss es ja auch nicht, weil es diesen Zauberbaum gefunden hat, der sogar kahl und im Frühling perfekt getrocknete Nüsse zu seinen Füßen auftauchen lässt. Als wären sie im Herbst gerade lang genug auf dem Kachelofen gelegen, so schmecken diese Walnüsse.

Es sind nicht viele, immer nur eine Handvoll alle paar Tage. Man will sein Eichhörnchen ja nicht mästen wie die städtischen Exemplare. Es reicht, wenn es unseren Garten hie und da in seine Rundgänge miteinbezieht. Man sieht es schon von weitem über Nachbars Wiese huschen, ganz schnell wegen der Katzen. Dann hinauf auf den Apfelbaum, von dort auf die Kirsche und über den Zaun in unsere Kolkwitzie. Ein zusätzlicher Sprung bringt es in unseren Apfelbaum, an dessen Stamm geht es normalerweise hinunter und die paar Meter über den Boden in die Thujenhecke. Aber nicht heute, wo Nachbars Katze auf unserem Misthaufen nach Mäusen sucht. Also schnurstracks im Galopp direkt auf den Nussbaum. Dort sitzt das Eichhörnchen dann und zuckt nervös mit dem Schwanz, bis die Katze aufgibt und der Weg zu den Nüssen frei ist. Die beiden kennen sich und wissen genau, wer schneller ist. Die Katze ist aber auch bequem und immer satt, weil sie zu Hause gefüttert wird, während ein Eichhörnchen, das auf sich hält, nie fremde Nüsse annimmt, sondern sich sein Futter immer mühsam selbst sucht.

20 Kommentare zu „Ein magischer Nussbaum

    1. ja, ich weiß, anderswo tun sie das gern, aber unseres wollte die Nüsse absolut nicht finden. Ich interpretiere wohlwollend, dass es zu fein dazu ist. Kann auch sein, dass es nicht das hellste ist. Wir haben es aber trotzdem lieb. 😉

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      1. Bei uns haben sie halt noch Manieren. 😉 Das Vogelfutter hängt bei uns so, dass das Eichhörnchen nicht ran kommt, und meine Nussspende habe ich im Winter wahrscheinlich an den falschen Ort gehängt.
        Ich habe mal gelesen, Eichhörnchen merken sich ihre Depots nicht. Die suchen an plausiblen Stellen, und mein Futterhäuschen war wahrscheinlich an einem Ort, wo ein Eichhörnchen nie suchen würde – zu nahe am Haus, damit ich gut hinsehe.

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      2. Dein Vorteil, durch den Blick, muss nicht unbedingt zum Vorteil der wilden Tiere sein. Da hat er dir etwas beigebracht. Also gute Manieren und auch noch lehrreich. 😉

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    1. Ja, die Eichhörnchen bei uns im Garten sind immer dunkel. Der rötliche Stich kommt eher mit der Sonne. In den Auwäldern und Parks rund um Wien gibt es auch viele leuchtend rote, aber hier in Kärnten sind sie alle dunkel. Aber die Farbe macht ja keinen Unterschied: wie bei den Neugeborenen ist das eigene Eichhörnchen immer gerade das schönste auf der ganzen Welt.
      Dir auch ein schönes Fest und liebe Grüße
      Richard

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