Man weiß nie

Ein Nistkasten ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt. In der Fachliteratur und im Netz gibt es zwar viele verschiedene Bauanleitungen und Tabellen, die sich vor allem an Form und Dimension des Einflugloches orientieren, aber damit lässt sich nur begrenzt steuern, wer sich einmietet.

Vor Jahren habe ich einmal einen Nistkasten für Mauersegler geschenkt bekommen. Er ist entsprechend groß – Mauersegler bevorzugen angeblich eine Art Landeplatz im Kasten neben dem eigentlichen Nest – und hat eine abnehmbare Frontplatte mit ovalem Loch.

Jetzt weiß ich zwar ziemlich genau, wie Mauersegler von unten aussehen, wenn sie in gefühlt zwei Kilometern Höhe vorüberziehen, aber auf Dachhöhe eines Einfamilienhauses habe ich noch nie einen gesehen. Ich habe folglich nicht damit gerechnet, dass sie in unseren Nistkasten einziehen werden, aber einem geschenkten Barsch schaut man bekanntlich nicht in die Kiemen.

In den ersten Jahren hat ein Kohlmeisenpärchen für uns den Mauersegler gemacht. Mit einer dicken Schicht Moos findet man sich auch in einem viel zu großen Zimmer zurecht. Letztes Jahr haben den Kasten die Spatzen übernommen. Die nisten auch bei den Nachbarn gegenüber unter dem Dach, und da die Feldspatzen sowieso überhand nehmen, habe ich die Frontplatte über den Winter getauscht. Ich dachte mir, wenn ich das ovale Loch durch ein rundes ersetze, werden sich wieder Kohlmeisen einfinden.

Das hat natürlich nicht funktioniert. Es sind wieder Spatzen eingezogen, und das ist gut so. Diesmal habe ich sie mir genauer angesehen und festgestellt, dass es Hausspatzen sind. Die sind an und für sich bei uns nicht so häufig wie die Kohlmeisen, außerdem sind sie im Rückgang begriffen, also dürfen sie bleiben. Und wenn sie es nicht dürften, wäre es ihnen wahrscheinlich auch egal. Auf mich wird bei solchen Entscheidungen relativ wenig Rücksicht genommen.

Beim zweiten Nistkasten, der auf der anderen Seite des Hauses angebracht, lief es besser. Der war für die kleineren Meisen gedacht, und hier nisten auch seit Jahren nur Blaumeisen. Es gibt wohl nicht so viele Arten, die bei diesen Dimensionen noch durchs Einflugloch passen, und in Menschennähe setzen sich die Blaumeisen gegen ihre Konkurrenten wie Sumpfmeise und Tannenmeise durch.

Die kursierenden Tabelle und Anleitungen kann man maximal als Empfehlung auffassen. Es siedelt sich an, was in der Gegend unterwegs ist und gerade keinen besseren Platz findet. Umso größer die Öffnung ist, desto mehr verschiedene Vögel kommen in Frage und desto weniger genau weiß man vorher, was man kriegt.

8 Kommentare zu „Man weiß nie

    1. Liebe Nati,
      ja, das mache ich gern. Meinen ersten Nistkasten habe ich noch naiv in den Apfelbaum gehängt und quasi mit dem Kompass ausgerichtet. Die Kohlmeisen haben ihn auch angenommen, aber er war nicht einbruchssicher. Mittlerweile positioniere ich die Nistkästen anders. Aber das wird jetzt zu lang für einen Kommentar, ich tue die Antwort in den nächsten Tagen in einen eigenen Beitrag.
      LG, Richard

      Gefällt 3 Personen

  1. Meine Eltern haben auch das zweite Jahr einen Kasten für Mauersegler am Giebel vom Nachbarhaus angebracht. Allerdings kein Schlupfloch, sonder unterm Dach kastenbreit offen, also ein rechteckiger Schlitz. Übrigens auch mit Anflugast darunter, wegen der kurzen mauerseglerbeinchen.
    Jedenfalls waren im ersten Jahr Stare drin und dieses Jahr Mauersegler! 🤩
    Einen kleinen haben sie großgezogen 🤩👍🏼

    Gefällt 2 Personen

    1. Wow, das ist ja quasi fast schon ein Treffer. Man kriegt also manchmal doch das, wofür der Kasten gedacht ist. Aber wissen tut man es vorher nie genau, und deshalb macht die Beschäftigung mit der Natur so viel Spaß: Es bleibt immer spannend.

      Gefällt 1 Person

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