Zwei Gemüsewanzen

Schwarzrückige Gemüsewanze

Bei den Gemüsewanzen gibt es zwei Arten, die sich kaum unterscheiden: die Schwarzrückige und die Zierliche Gemüsewanze. Wahrscheinlich handelt es sich bei den hier gezeigten Tieren um die Schwarzrückige.

Auf den ersten Blick denkt man vielleicht an Feuerwanzen, die im Volksmund auch Schusterwanzen heißen. Aber die beiden tun nur so. Es gibt aus irgend einem Grund bei den Wanzen eine Vorliebe für den exakt gleichen Rotton. Nur die schwarzen Flecken sind anders angeordnet.

Gemüsewanzen sind an und für sich häufig. Dass sie diesen Sommer in unseren Garten gezogen wurden, liegt an der Pflanze, auf deren Samenständen sie herumturnten. Hier ein Foto der vorangegangenen Blüte:

Kohlrabiblüte

Gemüsewanzen bevorzugen Kreuzblütler, und wenn man genau schaut, sieht man die vier kreuzförmig angeordneten Blütenblätter. Kohlrabi blüht im zweiten Jahr ungefähr hüfthoch. Danach bilden sich schotenförmige Samen wie beim Brokkoli schon im ersten Jahr. Wenn man die Samen ausreifen lässt, zieht das die Gemüsewanzen in den Garten.

Der glücklichere von Zweien

Alpen-Kammmolch Larve

Vereinzelt sind auch Anfang September noch ausgewachsene Molche in unserem Teich, aber hauptsächlich sieht man jetzt die Larven, die auf Beute lauern. Sie sind dieses Jahr zahlreich aber noch nicht besonders groß, und es ist schwierig, die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden. Das hier wird wahrscheinlich einmal ein Alpen-Kammmolch:

Um die Ähnlichkeit zu den ausgewachsenen Exemplaren zu erkennen, braucht es etwas Phantasie. Später sollte der Molch so aussehen wie das Weibchen, das hier gerade Luft holt, oder das am Kamm erkennbare Männchen auf dem letzten Bild:

Jeder Alpen-Kammmolch, der sich zur Larve oder gar zum fertigen Amphibium entwickelt, hatte ganz am Anfang Glück. Die Chancen, dass sich ein befruchtetes Ei entwickelt, stehen nur 50:50. Grund dafür ist eine Art Defekt im ersten Chromosomenpaar, das über zwei verschiedene Strukturtypen verfügt. Nur wenn beide Varianten zusammen kommen, ist das Individuum lebensfähig.*)

Jeder erwachsene Kammmolch hat ein Chromosom vom Typ A und eines vom Typ B, die sich bei der Produktion von Samen- und Eizellen wieder trennen. Wird nun eine Eizelle von einer Samenzelle des gleichen Typs befruchtet, stirbt die Larve in einem Frühstadium der Entwicklung ab. Von den möglichen Kombinationen AA, AB, BA und BB sind also nur die mittleren beiden und damit zirka 50 Prozent der ungefähr 400 abgelegten Eier eines Weibchens überlebensfähig.

Diese Anomalie tritt bei allen Kammmolcharten auf, also auch beim Nördlichen und beim Donau-Kammmolch. Eine zufriedenstellende Erklärung, warum die Natur hier die Hälfte aller Eier verschwendet, gibt es nicht. Dumm gelaufen halt. Allerdings leben die Kammolche mit dieser genetischen Eigenart wahrscheinlich schon länger auf dieser Welt als der Mensch. Und es gibt jedes Jahr wieder Exemplare, die sich erfolgreich weiter entwickeln und so zeigen, dass sie zu den glücklicheren 50 Prozent zählen.

Mehr zum Thema findet sich in meinem Buch Amphibienbademeister – Zweitberuf am naturnahen Gartenteich.


*) Silke Schweiger, Georg Gassner, Jürgen Rienesl, Günther Wöss: Wien: Amphibien & Reptilien in der Großstadt. Die spannende Vielfalt der urbanen Herpetologie, Wien 2021, S. 92 u. S. 102-103

Die Neugier der Mosaikjungfer

Blaugrüne Mosaikjungfer, Männchen

Wenn ich in den Gartenteich steige, um zu schwimmen, habe ich sofort eine Libelle vor der Nase. Es ist das dominante Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer, das mich neugierig begutachtet. Das Interesse gilt aber eher nicht meiner Person, sondern etwaigen Beuteinsekten, die mich begleiten.

Diese Männchen haben immer Stress, sind permanent in der Luft und gönnen sich nie eine Pause. Solange das Revier ihnen gehört, konzentrieren sie sich auf drei Dinge: Futter, das man im Flug fängt und verzehrt, andere Männchen, die man vertreiben muss, und Weibchen, die sofort gestellt und recht rüde zur Paarung gezwungen werden.

Im Paarungsrad wird nur das Samenpaket übergeben. Die eigentliche Befruchtung erfolgt erst, wenn das Weibchen die Eier ablegt, und das heißt, jedes Weibchen kann neu begattet werden. Das Samenpaket des Vorgängers wird einfach entfernt. So garantiert die Natur, dass sich nur die stärksten Männchen vermehren.

Blaugrüne Mosaikjungfer, Weibchen

Die grün gefärbten Weibchen versuchen dem Stress zu entgehen, indem sie erst in den Abendstunden ablaichen. Die Eier deponieren sie knapp über der Wasseroberfläche an Steinen oder Moospolstern. Der daneben sitzende Frosch beginnt dann immer einzuspeicheln und mit den Hinterbeinen zu zucken, aber da steht mehr Wunschdenken dahinter als realistische Selbsteinschätzung. Die großen, geschickten Flieger sind für ihn außer Reichweite.

Auch eine Nisthilfe

Insektenbrut im Werkzeugset

Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte. Ich habe keine Ahnung, ob das eine erfolgreiche Brut wird, ich weiß nur, dass ich dieses Werkzeug im nächsten Jahr eher nicht benützen werde. Vielleicht finde ich bis dahin auch heraus, welches Insekt sich hier so viel Mühe gemacht hat.

Ein natürlicher Teichfilter

Süßwasserschwamm

Wenn man im Sommer über die Steinstufen in unseren Teich steigt, tritt man auf einen leicht glitschigen, schwammigen Belag, der ungefähr einen Zentimeter dick ist. Im Spätherbst und im Frühling bildet die gleiche Substanz eine raue Matte, die sich wie ein Antirutschbelag für Badewannen angreift.

Vor zwei Jahren ist mir dieses Lebewesen zum ersten Mal aufgefallen. Seit damals ist das Wasser den ganzen Sommer über glasklar und sauber, denn was sich schwammig angreift, ist auch Schwamm, und dieser filtert durch die feinen Poren unaufhörlich Trübstoffe wie Bakterien und Einzeller aus dem Wasser.

Nur am Fotografieren scheitere ich. Man kann die Hand hineindrücken, dann bleiben die Umrisse für ein paar Sekunden sichtbar, bis sich der amorphe Belag wieder aufrichtet. Ansonsten hat das keine genau definierte Struktur. Es lässt sich nicht zufriedenstellend abbilden. Fassbar werden diese Süßwasserschwämme erst im Winter, wenn sie absterben und winzige Kieselsäurenadeln zurückbleiben, die sich rau angreifen. Nur kleine Kügelchen, die sogenannten Gemmulae, überwintern, und aus diesen bildet sich im nächsten Jahr eine neue Generation, für die die Rückstände des letzten Jahres den idealen Untergrund darstellen. An den gleichen Stellen entsteht so wieder der weiche, leicht glitschige Überzug.

Süßwasserschwämme sind deutlich unauffälliger als ihre Verwandten im Meer. Es gibt mehrere Arten, die man aber nur unter dem Mikroskop unterscheiden kann. Im Grunde genommen sind diese Lebewesen nur ein loser Zusammenschluss aus Zellen mit unterschiedlichen Funktionen. In den Kanälen sitzen Geißelzellen, die das Wasser bewegen. Dazwischen nehmen frei bewegliche Fresszellen die Nahrung auf und verteilen sie an die anderen Zellen, die selbst nicht fressen können. Dieses Lebewesen ist quasi eine Zellkooperative und damit die erste Evolutionsstufe auf dem Weg zu höheren Lebensformen. In seiner Gesamtheit ist dieser Belag wahrscheinlich der mit Abstand größte Bewohner in unserem Teich, ein Lebewesen, das ich jeden Tag berühre, wenn ich ins Wasser steige, und das trotzdem nicht fassbar ist.

Mehr zum Thema findet sich in meinem Buch Amphibienbademeister – Zweitberuf am naturnahen Gartenteich.