Was sie uns ließen

Brokkoli

Ich bin ein großer Fan von Brokkoli. Letztes Jahr haben wir zum ersten Mal welchen angebaut. Er war so bonsai-artig, mehr für die Puppenküche geeignet, aber der Geschmack war überzeugend und vor allem: Beim Kochen fehlte dieser penetrante Kohlgeruch. Frischer Brokkoli aus dem eigenen Garten, der unmittelbar nach der Ernte in den Topf wandert, ist mit der gekauften Form nicht zu vergleichen.

Dieses Jahr haben wir dem Brokkoli den sonnigsten Platz in unseren Gemüsebeeten reserviert. Kein Halbschatten, keine Morgen- oder Abendschattenstelle, sondern die volle Dröhnung den ganzen Tag. Ich habe die Pflanzen vorgezogen und sehnsüchtig darauf gewartet, dass der Frost nachlässt und ich meine Schätze ins Freie bringen kann.

WeinbergschneckeGenauso sehnsüchtig haben die Schnecken darauf gewartet. Teilweise sind sie zu zweit auf einer Pflanze gesessen. Und ich spreche nicht von diesen angeblich aus Spanien zugewanderten Wegschnecken, die wahrscheinlich aus Portugal stammen. Die meisten von denen hatten ein Alibi, die sind im Winter erfroren. Umso häufiger waren die heimischen Weinbergschnecken, die in ihrem bequemen Haus Trockenheit und Kälte bequem überdauern, und es waren definitiv diese, die unserem Brokkoli den Garaus („gar aus“, das vollständige Ende!) gemacht haben.

Drei armselige Pflänzchen haben die Attacke überstanden. Irgendwann waren sie den Schnecken zu groß, oder es gab einfach Besseres im Nachbarbeet. Ich habe diese Brokkolidreifaltigkeit von Schneckens Gnaden trotzig ignoriert und nicht weiter beachtet. Irgendwie verloren standen die Pflanzen die letzten Monate zwischen Kohlrabi und Kürbis, wuchsen stetig vor sich hin, machten aber keine Anstalten zu blühen.

Umso erstaunter war ich heute, als ich in der Früh einen Blick auf den kleinste der drei Brokkoli warf. Mittendrin thronte eine Blüte von fast schon handelstauglicher Größe! Wir müssen uns zwar am Ende der Nahrungskette anstellen, ganz hinten, hinter den Schnecken, aber umso glücklicher sind wir, wenn auch für uns etwas übrig bleibt. Die Suppe ist gerettet!

Das Leuchten zu Johannis

Die Dämmerung ist rund um die Sommersonnenwende eine ereignisreiche Zeit. Mit Einbrechen der Nacht beginnt am Teich ein beeindruckendes Leuchten. Unzählige grünliche Punkte flammen auf und senden ihre Singale. Wenn man genau hinsieht, kann man zwei Gruppen von Leuchtpunkten erkennen: Die einen gleiten langsam durch die Luft, die anderen verharren regungslos in Sträuchern und am Boden.

Bei den Gühwürmchen sind die Weibchen flugunfähig. Sie behalten auch als adulte Tiere ihre Larvenform und locken mit ihren Leuchtorganen die Männchen herbei. Dass auch die Männchen Leuchtsignale aussenden, ist eigentlich eine Verschwendung der Natur. Um die Geschlechterpaare zusammen zu bringen, würde es auch reichen, wenn nur die Weibchen leuchten, wie das bei anderen Leuchtkäfern der Fall ist. Dass wir im Frühsommer die bekannten Leuchtpunkte durch die Abendluft schwirren sehen, ist ein Zeichen dafür, dass die Kommunikation mittels Lichtsignalen komplizierter abläuft, bevor Männchen und Weibchen zusammen finden.

Wir nennen diese wunderlichen Tiere Glühwürmchen. Ein anderer, älterer Begriff ist Johanniskäfer, weil ihr Leuchten rund um den Johannistag am 24. Juni gehäuft auftritt. Tatsächlich sind es auch Käfer und keine Würmer, obwohl die larvenförmigen Weibchen kaum wie Käfer aussehen. Die erwachsenen Tiere nehmen keine Nahrung zu sich. Sie werden auch nicht besonders alt und sterben wenige Tage nach der Paarung.

Für den Gärtner ist der Anblick dieser Tiere trotzdem ein Grund zur Freude, denn ihre Larven leben bis zu drei Jahre lang und ernähren sich hauptsächlich von Schnecken. Der kleine Leuchtkäfer bevorzugt feuchte Lebenräume, ein Teich mit dichten Sträuchern in der Nähe ist daher ideal.

24 Köpfe in einer Wanne

Die lästigen Wegschnecken nehmen in unseren Gärten unter anderem auch deshalb überhand, weil wir ihnen ideale Bedingungen liefern: Wir lockern ihnen die Erde auf, damit sie leichter ablaichen können, und wir füttern sie, wo wir nur können.

24_koepfeDen Zugang zu schmackhafter Nahrung kann man ihnen erschweren, indem man Salat und andere empfindliche Pflanzen in geschützten Hochbeeten anbaut. Der Kauf eines handelsüblichen Hochbeets amortisiert sich meist erst in einer der übernächsten Generationen, deshalb empfiehlt sich, dafür einen alten Bottich oder ein großes Gefäß zu verwenden, das sonst im Sperrmüll landen würde.

Unsere alte Standbadewanne war in mehrerlei Hinsicht praktisch. Der überstehende Rand ist für die Schnecken eine zusätzliche Kletterbarriere, und ein geeigneter Abfluss zur Vermeidung von Staunässe ist auch vorhanden. Diesen schützt man gegen Wühlmäuse mit einem Gitterrest. Anschließend schlichtet man ein paar große Steine hinein, um eine kleine Drainage zu schaffen. Auf diese kommen klein geschnittene Äste und eine Schicht Laub oder Rasenmulch. Diese Unterlage deckt man mit einer Mischung aus Erde und Kompost ab.

Im Laufe des Jahres sinkt die Füllung etwas ein. Die Differenz füllt man vor der nächsten Saison wieder mit Komposterde auf. Hochbeete stehen meist etwas exponiert, das heißt, sie sind im Winter verstärkt dem Frost ausgesetzt. Für Wintersalate eignen sie sich also weniger. Diese kann man beruhigt in normalen Beeten ziehen, weil die Schnecken im Winter keine Gefahr darstellen.

Das Foto ist übrigens vom letzten Jahr. So schön in Reih und Glied steht der Salat heute nicht mehr. Die setze ich mittlerweile gestaffelt. Wer will schon haben, dass 24 Salatköpfe gleichzeitig reifen.

Schneckenfrost

Wir schreiben den 24. März, über Nacht hat es wieder gefroren, auf dem Teich liegt eine dicke Eisschicht und der Boden ist immer noch pickelhart. Das geht jetzt seit Ende Oktober so. Dieser Winter war ungewöhnlich lang, schneereiche und vergleichsweise kalt.

Im Frühjahr zählt diese Witterung nicht zu den großen Freuden des Gärtners. Dabei nimmt sie uns eines der lästigsten Probleme ab. Speziell für die gefräßigen Wegschnecken sind Winter, in denen der Boden tief und lang gefroren ist, oft tödlich. Und der Effekt hält meist ein Jahr.

Wir können das Wetter nicht beeinflussen, aber wir können uns darauf einstellen. In einem Frühling wie diesem muss man nicht jede empfindliche Pflanze im Topf vorziehen, und man kann wagen, die eine oder andere Reihe Salat am Boden und nicht im Hochbeet anzusetzen.