Die Zusammensetzung der Schmetterlinge im Garten ist jedes Jahr anders. Den Kohlweißlingen, die normalerweise immer in kleinen Gruppen herumflattern, muss man dieses Jahr für ein Foto regelrecht hinterherlaufen.
Dafür sehe ich jeden Tag mehrere Landkärtchen. Dieser Falter ist bei uns zwar jedes Jahr zu Gast, aber selten sieht man zwei auf einmal wie die folgenden Exemplare auf den Blüten des Oregano. Deutlich erkennbar sind die unterschiedlich eingerissenen Flügel, die zeigen, dass es wirklich zwei verschiedene Individuen sind.
Schmetterlinge sind selten unversehrt. Dem Wachtelweizen-Scheckenfalter auf dem nächsten Bild fehlen nicht nur Teile der Flügel sondern auch ein Fühler. Wie der übliche Gewitterschaden sieht das nicht aus. Entweder hat ihn ein Rasenmäher erwischt, oder er ist nur knapp einem Fressfeind entkommen. Auch sein Kollege hat eine kleine Macke im rechten Hinterflügel.
Der Zitronenfalter macht in heißen Sommern oft eine Ruhepause. Dann verschwindet er für einige Zeit von der Bildfläche. Dieses Jahr ist das anders, und man sieht immer wieder Exemplare durch den Garten flattern. Das Männchen auf den folgenden Fotos verköstigt sich an den Blüten des Natternkopfs.
Im Schatten der Kornelkirsche konnte ich diese Woche auch eine Schornsteinfegerpaarung beobachten. Das Wort habe ich vor dem Beitrag gegoogelt, um sicher zu gehen, dass die Suchmaschine es richtig versteht. Sonst hätte ich für diesen Falter sicherheitshalber die alternative Bezeichnung Brauner Waldvogel verwendet. Schornsteinfeger heißt er wegen der ringförmigen Flecken, die an die Knöpfe der Berufskleidung erinnern.
Das Highlight der Woche war aber der nächste Kerl, der bei einem missglückten Landeversuch nass wurde und sich anschließend auf einem Seerosenblatt trocknete, bevor er wieder weiterflog. Das ist ein Weißer Waldportier, wenn mich nicht alles täuscht. Dieser relativ große Falter gilt in manchen Regionen als ausgestorben. Es ist immer wieder überraschend, was im Garten so alles vorbei flattert.
Über das Turmfalkennest in diesem Beitrag gibt es nicht nur eine Universum-Folge des ORF, es war – was natürlich viel wichtiger ist – auch schon einmal Thema in diesem Blog hier. Mittlerweile hat das gegenüber liegende Neue Institutsgebäude der Universität Wien keine Mensa mehr. Im obersten Geschoß befindet sich jetzt ein Aufenthaltsbereich und man kann auf die Dachterrasse, um mit dem Teleobjektiv von oben ins Nest zu schauen.
Die Turmfalken im Zentrum der Stadt brüten manchmal etwas später als im Umland, weil sie die Beute von weiter her holen müssen. Am 23. Mai saß das Muttertier noch auf dem Nest und deckte alles ab. Zwei Wochen später war ich wieder oben, da hatten die Jungen schon weißen Flaum. Anscheinend waren es drei Stück.
Noch drei Wochen später, am 24. Juni sah es so aus, als würde der Nachwuchs gleich das Nest verlassen. Ein Jungvogel ging bereits auf dem Sims spazieren, ein anderer hielt sich noch vorsichtig zurück.
Anfang Juli saß immer noch ein Jungvogel im Nest. Sein Kollege war aber längst aufs Dach übersiedelt.
Auf dem nächsten Bild habe ich die beiden Positionen mit kleinen Kreisen markiert, damit man sich das räumlich vorstellen kann. Ich widme das Foto den zahlreichen Erfindern, die in den letzten Jahrzehnten die Zoomobjektive weiterentwickelt haben. Mit freiem Auge könnte ich nicht einmal erkennen, ob im Nest ein Vogel sitzt.
Der Jungvogel auf dem Dach hielt Futter in den Krallen, das er genüsslich verspeiste. Erst am Computer entdeckte ich, dass es sich anscheinend um eine Heuschrecke handelte. Die hatte sich wohl gründlich verflogen und wurde so zum Grünfutter für den Turmfalken. In Zukunft wird er sich von Nagetieren ernähren wie seine Artgenossen, aber das erste selbst gefangene Futter schien ihm gut zu schmecken.
Für dieses Jahr geht die Brutsaison der Turmfalken zu Ende. Nächstes Jahr beginnt alles wieder von vorne. Wer weiß, wie viele Generationen an diesem Stammplatz schon ihre ersten Jagderfahrungen sammelten, um anschließend vom Dach aus den Luftraum der Stadt zu erobern.
Das Große Ochsenauge ist ein Schmetterling, den ich normalerweise ignoriere, wenn ich mit der Kamera durch den Garten gehe. Es hat sich in den letzten Jahren bei uns zum häufigsten Schmetterling entwickelt und diesbezüglich dem Kohlweißling längst den Rang abgelaufen. Wie so oft läuft man dem Seltenen hinterher und übersieht, was man täglich vor der Nase hat. Mittlerweile haben wir aber so viele Ochsenaugen im Garten, dass sie sich schon aufgrund ihrer Menge wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit drängen.
Früher war die Beobachtung einer Schmetterlingspaarung etwas Besonderes. Beim Großen Ochsenauge sehe ich fast jeden Tag Exemplare, die dafür sorgen, dass es nächstes Jahr wahrscheinlich noch mehr von ihnen geben wird. Die Fotos in diesem Beitrag stammen alle vom letzten Wochenende, und es war nicht immer dasselbe Paar, das ich mit der Kamera von Rastplatz zu Rastplatz gescheucht habe.
Diese Art scheint in vielen Regionen vom Klimawandel zu profitieren. Noch wichtiger sind aber die zahlreichen Wieseninseln, die ich im Garten stehen lasse. Die Raupen des Großen Ochsenauges ernähren sich von Gräsern, und sie sind dabei nicht anspruchsvoll. Wenn man gewisse Stellen nur einmal im Jahr mäht, dann reicht ihnen das schon.
Von früh bis spät flattern die Schmetterlinge knapp über dem Boden oder in den Sträuchern. Bei der Paarung sind sie fast leichter zu fotografieren, weil sie in der Bewegung gehandikapt sind. Zwischendurch müssen sie aber auch Nahrung aufnehmen, und dann gibt es die Gelegenheit für ein schönes Portrait.
Wenn Allerweltsarten zahlreicher werden, dann ist das nicht unbedingt ein beruhigendes Signal für die Artenvielfalt. Auf der einen Seite werden manche Schmetterlinge immer mehr und auf der anderen viele Arten immer weniger. Ich habe an diesem Wochenende aber auch vereinzelte Landkärtchen, Zitronenfalter und andere gesehen. Fotografieren wollte ich diesmal nur die Ochsenaugen. Sehr schön machen sie sich zum Beispiel mit Weichsel im Hintergrund.
Es heißt, dass Schmetterlinge früher in vielen Regionen massenhaft vertreten waren. Beim Ochsenauge bekomme ich einen kleinen Einblick, wie das funktioniert haben kann. Jeder Falter auf den obigen Fotos hat seine Raupenphase in einem Garten mit Nistkästen von Blaumeisen, Kohlmeisen und Hausspatzen überstanden. Von den anderen Vogelarten, die in den umliegenden Hecken nisten und meiner Aufmerksamkeit oft entgehen, ganz zu schweigen. Trotzdem haben sich diese Schmetterlinge durchgesetzt und sorgen jetzt dafür, dass es nächstes Jahr wieder zahlreiches Proteinfutter für die Jungvögel geben wird, und mir macht das eifrige, paarweise Flattern ganz nebenbei gute Laune.
Nicht immer geht die Aufzucht der Jungvögel gut aus. Letztes Jahr hatte ich den Nistkasten direkt unter dem Dachvorsprung montiert. Da scheint er in Reichweite eines hungrigen Jägers gewesen zu sein. Ob es Nachbars Katze war oder ein Marder auf seinem nächtlichen Streifzug, kann ich nicht sagen, ich fand nur die Federn am Boden.
Solche Misserfolge können dazu führen, dass sich ein Paar trennt. Außerdem habe ich dieses Jahr den Nistkasten einen Meter nach hinten versetzt, wo er eigentlich nicht zu finden war. Ich bin deshalb davon ausgegangen, dass er nicht wieder benützt wird, aber ich habe mich geirrt. Die Kohlmeisen scheinen meine Idee verstanden zu haben, sie besetzten den Nistkasten nicht nur erneut, sie waren auch noch so unauffällig, dass ich selbst erst gegen Ende der Brutsaison bemerkte, wie eifrig sie dieses Jahr am Werk waren.
Kurz bevor die Jungen flügge wurden, konnten die Eltern den Brutbetrieb nicht mehr verheimlichen. Im Minutentakt flogen sie ein und aus, um den Nachwuchs zu versorgen. Dann kam der große Moment – und ich habe natürlich alles versäumt. Plötzlich waren die Jungen weg.
Kurz davor hatte ich sicherheitshalber einen Spender mit zerstückelten Walnüssen aufgehängt. Normalerweise füttere ich unsere Vögel im Sommer nicht. Meiner Meinung nach können die Jungen von den Eltern ruhig lernen, wie man „echtes“ Futter findet. Es gibt bei uns in Garten und Umgebung genug. Der Spender ist im Grunde genommen nur Fastfood und macht bequem. Aber so kam ich wenigstens zu meinen Belegfotos, dass die Aufzucht erfolgreich war, und auch der Umgang mit der Futtersäule kann so einen Jungvogel vor schwierige Aufgaben stellen.
„Der Sitzplatz ist zu weit weg vom Loch!“„So geht’s, aber auf dieser Seite sind nur Brösel!“
„Da sind die großen Stücke, aber die gehen nicht raus!“
„Dann halt zu Fuß!“
Diese Technik, dass sich die Meise das Futter mit den Krallen aus dem Spender holt, habe ich noch nie gesehen. Das ist wahrscheinlich die nächste Generation. In ein paar Jahren essen sie mit Messer und Gabel.
Die Eltern wollen aber nicht nur, dass der Nachwuchs brav isst und wächst, auch die Körperpflege muss gelernt sein. Das Baden kostet nicht nur eine gewisse Überwindung, das ist auch richtig gefährlich, wenn man sich eine Stelle aussucht, wo das Wasser viel zu tief ist.
„Hier soll ich angeblich baden können.“„Bin das ich?“„Geht es da noch weit hinunter?“
Dieses Junge ist wirklich kreativ. Ich habe noch keinen Singvogel im Garten gesehen, der zum Baden den Ast hinunter ins Wasser rutsch. Am Ende hüpfte die Meise auf die Wasseroberfläche und startete wild flatternd direkt von dieser, was gar nicht so einfach war.
Die Brutsaison der Kohlmeisen war jedenfalls ein voller Erfolg. Die Jungen sind schon so flink und geschickt, dass sie durchkommen werden und die meisten Jäger keine Chance mehr haben, ihrer habhaft zu werden.
Durchforstet man das Internet nach Angaben zum Tigerschnegel, könnten die Ergebnisse nicht unterschiedlicher sein. Die einen behaupten, man muss in ihrem Shop nur zehn Exemplare bestellen, und schon hat man seinen Garten nachhaltig von der Spanischen Wegschnecke befreit. Die anderen sind überzeugt, dass der Tigerschnegel in Wirklichkeit ein Vegetarier ist und sein Ruf als Schneckenjäger auf einem Irrtum beruht. Aber was davon lässt sich belegen? Ist er Nützling oder geht er an den Salat wie die anderen Schnecken auch?
Eigentlich sollte ich das wissen, denn der abendliche Streifzug mit Stirnlampe ist für mich eine regelmäßige Übung, und meine Aufmerksamkeit gilt dabei oft den Schnecken. Schließlich will ich mein Gemüse behalten. Übers Jahr verteilt ist der Tigerschnegel dabei die häufigste Schneckenart, die ich im Garten finde. Was die Körpermasse betrifft, dominiert er das Geschehen sowieso, denn die Tiere sind riesig. So um die 17 Zentimeter werden ausgewachsene Exemplare bei uns.
Den Tigerschnegel auf dem Foto kenne ich schon länger. Er ist dunkler als seine Artgenossen und wohnt unter einem bestimmten Steinhaufen. Er beginnt seinen nächtlichen Streifzug meist zielstrebig in östliche Richtung. Den Unterschlupf teilt er sich mit einem helleren Exemplar. Der Kollege hat es nicht so eilig und folgt mit ein paar Metern Abstand.
Jeder Tigerschnegel hat seinen Stammplatz. Gesellschaft mag er eher nicht, deshalb sollte man für einen größeren Bestand Steinhaufen und Totholzansammlungen möglichst so über den Garten verteilen, dass viele feuchte und kühle Verstecke entstehen. Der folgende Unterschlupf bietet mehreren Tieren ein geeignetes Tagesversteck.
Aus den Steinhaufen kriechen dann in der Dämmerung zunächst einmal die Spanischen Wegschnecken. Auch sie nützen die feuchten Stellen, um den heißen Tag zu überdauern, aber sie brauchen diese Rückzugsmöglichkeiten nicht zwingend. Ein Wurmloch im Boden, in das sie sich zwängen, reicht ihnen schon.
Hie und da finde ich einen Tigerschnegel im Hochbeet zwischen dem Lollo Rosso. Der darf dann bleiben. Der Salat ist am nächsten Morgen immer noch da, denn eine gesunde Pflanze hat vom Tigerschnegel wenig zu befürchten. Seine Nahrung muss weich und modrig sein, am besten vorverdaut wie die Hinterlassenschaften von Nachbars Katze (nicht abgebildet).
Vegetarier ist er natürlich keiner. Jede Schnecke frisst andere Schnecken, sobald sie tot sind. Schließlich sind das genau die Proteine, aus denen sie auch besteht. Der Tigerschnegel scheint aber nicht nur etwas größer, sondern auch aggressiver zu sein. Ich habe ihn schon beobachtet, wie er eine andere Nacktschnecke verfolgt und anknabbert. Das Opfer konnte aber entkommen. Ein gnadenloser Schneckenjäger ist der Tigerschnegel also nicht. Ich kenne nur einen Fressfeind, der der Spanischen Wegschnecke Herr wird, und das ist die Laufente. Die räumt den Garten aber auch gründlich leer.
Ohne die Enten – das Foto ist ein mehrere Jahre altes Archivbild – haben wir heute deutlich mehr Biodiversität im Kampf gegen die Schnecken: In unserem Garten gibt es Igel, Molche, Erdkröten, Glühwürmchen, Laufkäfer und Blindschleichen, die alle im Ruf stehen, sich von Schnecken zu ernähren. Hilft aber nichts, denn sie sind längst satt, während sich die Spanischen Wegschnecken immer noch vermehren.
Das ist auch ein Grund, warum der Tigerschnegel nicht ausreichend gegen die Schneckenplage hilft: Er hat einen viel trägeren Fortpflanzungszyklus. Die Tiere können harte Winter überdauern, werden meist drei Jahre alt und paaren sich nur einmal im Jahr. Dadurch kommen sie mit der Massenvermehrung der Spanischen Wegschnecke nicht mit. Auch die Tigerschnegel sind längst satt, bevor sie die Spanische Wegschnecke entscheidend dezimiert haben. Unsere Exemplare müssen sich am Abend recht mühsam durch die Spalten zwängen, denn sie neigen dazu, rundlich um die Mitte zu sein – wie der Freund auf dem nächsten Foto.
Nur gründliches, tägliches Abklauben und Vernichten hat einen gewissen Einfluss auf die Spanischen Wegschnecken, wobei man im Frühjahr die erste Generation erwischen muss, denn sobald die Tiere eine gewisse Größe erreicht haben, vermehren sie sich schneller als man schauen kann. Eine gewisse Hoffnung bleibt, weil der Tigerschnegel im Ruf steht, sich von den Eiern anderer Schnecken zu ernähren. Zumindest kommt er an die Gelege, während man selber kaum eine Chance hat, diese zu entdecken. Und selbst wenn: Für die ausgewachsenen Exemplare bekommt man leicht einen gewissen Blick, aber wer von uns kann Schneckenarten an ihren Eiern unterscheiden?
Kurz: Wer glaubt, dass er der Schneckenplage im Gemüsebeet Herr wird, wenn er im Internet ein paar Tigerschnegel bestellt, der ist eindeutig dem Werbeschmäh der Anbieter aufgesessen. Der Tigerschnegel ist mittlerweile weltweit verbreitet, und wer noch keine Exemplare im Garten hat, der hat auch nicht den richtigen Garten für diese Art und sollte lieber Versteckmöglichkeiten anlegen. Oder er verwendet Schneckenkorn, das natürlich auch Tigerschnegel bekämpft.
Wir haben gern binäre Lösungen: Ich habe ein Schneckenproblem – mit welchem Gegenmittel kann ich es bekämpfen? Als gäbe es nur zwei Zustände und einen Schalter, um zwischen diesen zu wechseln. Aber so funktioniert die Natur halt nicht. Der Tigerschnegel ist kein Allheilmittel, aber er unterstützt im Kampf ums eigene Gemüse und er frisst definitiv keine gesunden Salatpflanzen. Außerdem ist er nicht nur eine hübsche, stattliche Schnecke, er hat auch noch ein bizarres Paarungsverhalten, aber das ist eine andere Geschichte.