Der Zwetschkenreifeindikator

Zwetschkenast
weibliches Großes Ochsenauge

Zum ersten Mal seit zwei Wochen regnet es. Im Garten verschiebt sich langsam das Besucherspektrum. Der auffälligste Schmetterling der letzten Wochen war das Große Ochsenauge. Ich erinnere mich nicht, jemals so viele Falter dieser Art in unserem Garten gesehen zu haben. Die Raupen bevorzugen Süßgräser als Futterpflanzen, und die Weibchen legen die Eier angeblich auch an vertrockneten Pflanzen ab. Vielleicht liegt es ja daran. Vertrocknete Gräser haben wir im Moment jede Menge.

Tagpfauenauge mit Bienen im Zwetschkenbaum

Dafür fehlten im Hochsommer Admiral und Tagpfauenauge. Doch kaum beginnen die Zwetschken zu reifen, sind sie wieder da. Gemeinsam mit Bienen, Wespen und Hornissen machen sie sich über die ersten Früchte her. Wir überlassen diese übrigens gern unseren Besuchern. In den ersten Zwetschken haust nämlich meist eine Obstfliegenlarve. Die befallenen Früchte werden früher weich, lassen sich von den Wespen leicht anfressen und fallen normalerweise zu Boden, bevor die anderen Früchte reif sind. Trotzdem heißt es jetzt, die Zwetschken im Auge zu behalten. Wenn die ersten Schmetterlinge in den Bäumen flattern, ist das ein untrügliches Zeichen, dass die Zeit der Ernte nicht mehr weit ist.

Das ganz normale Bienensterben

Wespenspinne

Im Sommer ist der ganze Garten voller Honigbienen. Sie sind auffälliger und vielleicht auch zahlreicher als die Wildbienen. Als Generalisten sind sie nicht anspruchsvoll und plündern, was gerade blüht – von der wilden Möhre über den Klee bis zum Buchweizen. Vor allem die Küchenkräuter haben es ihnen angetan. Deren Aroma schätzen sie genauso wie wir.

Wir haben Glück, unser Garten liegt in der Mitte des Dorfes, die nächsten Felder mit möglicher Spritzmittelbelastung sind ein paar hundert Meter entfernt, und auch unsere Nachbarn halten nicht viel von Chemie im Garten. Hinzu kommt, dass es immer noch Imker in der Gegend gibt, die sich diese Arbeit antun, und so sind die Bienen bei schönem Sommerwetter allgegenwärtig.

Die Bedeutung dieser Tiere fällt einem dann besonders auf, wenn man sieht, wie viele Fressfeinde sie haben. Zwischen den Oreganoblüten hat sich eine wohlgenährte Wespenspinne breit gemacht. Diese Art ist eigentlich auf Grashüpfer spezialisiert. Sie spannt ihr Netz dafür knapp über dem Boden. Die Exemplare in unserem Garten lassen aber keinen Zweifel daran, dass sie auch Bienen schmackhaft finden und die wehrhafte Beute geschickt in Proviantkokons packen können. Mit Vorliebe bewachen sie dazu Kräuterbeete oder Brombeerblüten. Sie wissen genau, wo die Bienen hinsteuern.

Wespenspinne

Die friedliebenden Wespen

Feldwespennest

Wespen haben zwei Probleme: Sie sehen fast alle aus wie Wespen und ihr Ruf ist schlecht. Verantwortlich sind zwei Arten, die ziemlich lästig sein können, die germanische und die gemeine Wespe. Vor ein paar Jahren hatten wir einmal hinter den Gemüsbeeten ein Wespennest im Boden. Wie Kampfgeschwader stiegen die Insekten aus der Erde, sobald man sich mit Essen oder einem Getränk in den Garten setzte. Im Volksmund nennt man diese Quälgeister „Zwetschkenkuchenwespen“. Sie sind zwar auch nützlich, weil sie unter anderem Fliegen dezimieren, aber sie bringen mit ihrer lästigen Art alle anderen Wespen in Verruf.

Und alle Jahre wieder kommt die Sauregurkenzeit. Die Schädlingsbekämpfer wittern ihre Chance und absolvieren reihenweise Gastauftritte im Fernsehen, wo sie den Ruf der Wespen noch schlechter machen. Und wieder ist dieses Jahr ein Wespenjahr – eh, sollen sie 2018 auslassen? Auch der ORF hatte neulich die einschlägige Branchenwerbung in einem seiner Online-Beiträge:

„Ein Wespennest sollte ausschließlich von Profis, also Schädlingsbekämpfern, entfernt werden.“ (https://noe.orf.at/news/stories/2930861/)

Im gleichen Beitrag steht, dass ein Wespennest „umgehend entfernt werden“ sollte, und das Beitragsbild zeigt dann prompt die falsche Wespenart, die französische oder gallische Feldwespe. Logisch: Wer macht sich schon die Mühe, für einen Webbeitrag die aggressiven Wespen zu fotografieren, wenn es auch friedliebende gibt.

TankdeckelMit den Feldwespen habe ich diesen Sommer sehr viel Freude. Unter dem Deckel unseres alten Flüssiggastanks haben sie ihr Nest angelegt. Der Deckel lässt sich hochklappen, und dann kann man ihre Bruttätigkeit aus nächster Nähe beobachten. Das ist besonders interessant, weil das Feldwespennest keine Außenhülle hat. Man kann den großen, schlanken Wespen direkt bei der Arbeit zusehen. Natürlich stört sie das, und wenn man mit seiner Neugier den Wespen zu lästig wird, verziehen sie sich, aber selbst dann werden sie nie aggressiv. Feldwespen bleiben immer ruhig und unauffällig.

Feldwespe auf dem WasserUnd noch etwas beherrscht die französische Feldwespe: Sie kühlt ihr Nest im Hochsommer mit Wasser. Im Gegensatz zu Honigbienen und Hornissen braucht sie dafür keinen geeigneten Landeplatz. Sie hat lange Beine und fliegt nicht so schwerfällig, deshalb kann sie elegant auf der Wasseroberfläche landen. Wie ein Wasserläufer macht sie sich dabei die Oberflächenspannung zu Nutze. Und während sie geruhsam Wasser aufnimmt, lässt sie sich auch ganz leicht bestimmen: Ihre Taille läuft spitz zusammen, während sie beispielsweise bei Hornissen gerade abgeschnitten ist, und am zweiten Hinterleibssegment befinden sich zwei charakteristische gelbe Flecken.

Als Allergiker will ich die Gefahr, die von einem Wespenstich ausgeht, nicht klein reden. Ich weiß aus der Verwandschaft, wie ein allergischer Schock abläuft und wie wichtig ein EpiPen in so einer Situation ist. Aber gerade deshalb sollte man die friedliebenden Wespen in Ruhe lassen. Sie besetzen die gleiche ökologische Niesche und stehen damit in Konkurrenz zu den lästigen Wespen. Hornissen und mittlere Wespen halten die Zwetschkenkuchenwespen sogar aktiv fern, weil sie größer sind als diese und ihnen gefährlich werden.

Allgemein gilt: Wenn man ein Nest leicht entfernen kann, ist es das falsche. Sowohl die germanische als auch die gemeine Wespe bauen ihre Nester in alten Mauslöchern und anderen schwer zugänglichen Hohlräumen, während die Nester der friedliebenden Wespenarten oft leicht erreichbar sind. Nur weil in den Medien alljährlich etwas anderes steht, ist es deshalb noch lange nicht richtig.

 

Das Paarungsrad

Manche Libellen realistisch zu fotografieren, ist relativ schwierig. Vor allem die großen Arten sitzen kaum und schwirren fast ständig hin und her. Sie jagen im Flug und die Männchen verteidigen ihr Revier. Eine Königslibelle oder eine Mosaikjungfer im Flug zu fotografieren, ist aber etwas, was meine Fähigkeiten überschreitet. Neulich bin ich daran wieder gescheitert. Erfolglos habe ich versucht, der weiblichen Königslibelle mit dem Objektiv zu folgen, und habe dabei nicht einmal erkannt, dass es sich in Wirklichkeit um ein Männchen der blaugrünen Mosaikjungfer handelt.

PlötBlaugrüne Mosaikjungfer Paarungsradzlich war das charakteristische „Zing“ zu hören, wenn Libellenflügel gegeneinander schlagen, das Männchen hatte ein vorbeihuschendes Weibchen eingefangen und beide glitten im Paarungsrad durch die Luft. Keine Ahnung, warum das „Paarungsrad“ heißt, mit einem Rad hat die Form wenig zu tun, es ist mehr ein Dreieck. Das Männchen fliegt oben, das Weibchen abgeknickt darunter.

Gesehen habe ich das bei den Plattbäuchen schon oft, genau beobachten konnte ich es nie. Die Plattbauchpaarung dauert nur zwei, drei Minuten und spielt sich ausschließlich in der Luft ab. Die Mosaikjungfern haben mir hingegen eine Freude gemacht und sich im Zwetschkenbaum niedergelassen. Wenn man zu nahe ran geht, fliegen sie im Paarungsrad davon. In der Kolkwitzie konnte ich sie dann besser fotografieren.

Blaugrüne Mosaikjungfer Paarungsrad

Blaugrüne Mosaikjungfer AblaichenDas Ablaichen selbst erledig das Weibchen allein. Hier stimmt also die Bezeichnung „Jungfer“. Wer nur den Ablaichvorgang beobachtet, sieht ein einzelnes Weibchen, das die Eier sorgfältig mit dem Hinterleib in Moospolstern verteilt. Der Vorgang dauert bis in die Abendstunden, die Eier werden gründlich verteilt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Libellenarten laicht die blaugrüne Mosaikjungfer nicht direkt ins Wasser, die geschlüpften Larven müssen sich erst selbst den Weg dorthin suchen.

Die blaue Invasion

Hufeisen-Azurjungfer Paarung

Die schlanken, blauen Libellen gehören im Sommer zu jedem Gewässer. Manchmal fliegen sie einzeln übers Wasser, manchmal im Tandem, die leuchtend blaue Libelle vorne, eine dezentere, grünliche hinten. Jeder glaubt, diese Allerweltslibellen zu kennen, aber wenn man versucht, sie zu bestimmen, stellt man bald fest, dass das ein Irrtum ist. Die Kombination Buberl blau, Mäderl grün ist bei den Libellen eine der häufigsten Farbvarianten. Es gibt gut zehn verschiedene Arten, die hier in Frage kommen und die sich manchmal nur durch kleine Merkmale in der Zeichnung unterscheiden.

Meist sind die Männchen zahlreicher. Sie tragen die blaue Signalfarbe und warten auf die Weibchen. Diese sind mit ihrer Tarnfarbe besser gegen Fressfeinde geschützt. An unserem Teich sind die zierlichen Libellen im blau-grünen Tandem fast ausschließlich Hufeisen-Azurjungfern. Warum sie Jungfern heißen, weiß ich nicht. Das Ablaichen erfolgt im Tandem. Das Weibchen taucht den Hinterleib ins Wasser, während das Männchen leicht aufgerichtet und startklar wartet, um bei Gefahr die Flucht einzuleiten. Schließlich gibt es größere Libellen, die sich im Sommer am Wasser umtreiben.

Die einzeln wartenden Männchen haben eine Vorliebe für Blüten. Sie sind Ansitzjäger und lauern dort, wo sich Insekten einfinden. Ihr Jagdrevier beschränkt sich nicht auf den Teich. Man findet sie bei der Gartenarbeit überall, in der Hecke und beim Gemüse. Den ganzen Sommer über schwirren die leuchtend blauen Nadeln durch die Luft, solange nur ein Gewässer in der Nähe ist. Anfangs traten sie nur vereinzelt auf, aber seit wir den Teich haben, werden sie von Jahr zu Jahr mehr.