Morgengesang

Gartenrotschwanz

Den ersten Gartenrotschwanz registrierte ich im April 2019 über mir auf einer der Stromleitungen. Im Frühjahr kommen diese schönen Sänger aus Afrika zurück und teilen allen Verwandten, Bekannten und dem Rest der Welt lautstark mit, wo sie Quartier gefunden haben. 2019 war das einer unserer Nistkästen, in dem sie erfolgreich ihre Jungen aufzogen.

Das Pärchen ist nicht wiedergekommen, der Nistplatz blieb seither leer. Dieses Jahr haben sie einen anderen Platz in unserem Garten gefunden und mich ein bisschen geärgert, weil ich das Nest nicht orten konnte. Ich weiß nur, dass es ziemlich in der Nähe war, weil das vergleichsweise blass gefärbte Männchen jeden Tag seinen leicht monotonen, aber schönen Morgengesang über mir in die Gegend geschmettert hat.

Gartenrotschwanz

Die alten Stromleitungen eignen sich ja für alle Singvögel vorzüglich zum Telefonieren. Die finden es sehr praktisch, dass die Technik bei uns um Jahrzehnte hinterher hinkt.

Bei den Gartenrotschwänzen ist die Arbeitsverteilung klar: Das Männchen ist fürs Singen zuständig. Es verschwindet, sobald der Nachwuchs aus dem Nest ist, und überlässt die Erziehungsarbeit dem Weibchen. Mittlerweile können die Jungen vor der Katze warnen und sich selbständig ihr Futter suchen. Das Männchen hat seine Aufgabe erfüllt und wird erst im nächsten Jahr wieder seinen Morgengesang von der Stromleitung oder vom Dachfirst trällern.

Gartenrotschwanz

Ein Laichgewässer

Was Frosch sich als geeignetes Laichgewässer aussucht, ist nicht immer das, was Mensch sich darunter vorstellt. Das folgende Foto zeigt auf den zweiten Blick ein Gewässer, wie es dem Laubfrosch gefällt.

Biotop und Schwimmbad

Mit „auf den zweiten Blick“ meine ich, es ist nicht unser Gartenteich im Vordergrund. Der ist seit vielen Jahren besiedelt und voller Fressfeinde. Hier würde keine Kaulquappe erfolgreich das Licht der Welt erblicken, sondern maximal das finstere Innere einer Libellenlarve.

Gemeint ist das graue Schwimmbecken der Nachbarn im Hintergrund. Anfang Mai machten sich hier zwei Männchen lautstark bemerkbar. Laubfrösche bekommen schon am Ende der Metamorphose die typischen Haftscheiben und sowohl die Elterntiere als auch der zukünftige Nachwuchs können am Kunststoffrand problemlos aus- und einsteigen. Was die Frösche nicht berücksichtigten: Das naturbelassene, bodenbedeckende Wasser ist nur die Winterfüllung. Zur Laichzeit im Mai wird hier geputzt und dann gechlort. Für die verirrten Laubfrösche wäre das normalerweise das Ende ihrer diesjährigen Nachwuchsplanung.

Nicht so in dieser Geschichte. Hier wanderten die beiden Männchen kurzerhand zum Nachbarn über den Zaun, wobei der Nachbar meines Nachbarn überraschenderweise ich selber bin.

Laubfrösche

Aber was macht man als verantwortungsbewusster Amphibienbademeister, wenn man zwei Laubfrösche geschenkt bekommt? Tut man diese in das bislang verschmähte Biotop?

Nein, man lässt die beiden Kletterer am nächsten Baum wieder frei, wie in einem anderen Beitrag schon gezeigt. An der Salweide gibt es zum Beispiel immer reichlich Insektenfutter. Daneben habe ich aus alten Brettern und einem Folienrest ein improvisiertes Laichgewässer gebastelt.

Improvisiertes Laichgewässer

Schön ist anders, und dass man mich wegen solcher Aktionen rundum und familienintern für leicht verrückt hält, verschweigen wir hier einfach, denn Genie und Wahnsinn liegen ja bekanntlich nahe beisammen. Nur der Erfolg macht den Unterschied, und der sieht so aus:

Laubfroschlaich

Der linke Laubfroschlaich ist zwei Tage alt, der rechte drei. Noch einen Tag später kann man bereits die Larvenform erkennen:

Laubfroschlaich

Im Gegensatz zu anderen Froschlurchen sind die Eier sehr klein. Die Länge der Larven beträgt am Anfang kaum drei Millimeter. Auffällig ist auch die helle Farbe. Die Kaulquappen dunkeln später nach, während sie bei anderen Froschlurchen meist von Anfang an schwarz sind. Auf der Aufnahme gut zu erkennen ist der Dottersack, von dem sich die frisch Geschlüpften in den ersten Tagen ernähren, bevor sie anfangen herumzuschwimmen.

In dem kleinen, improvisierten Laichgewässer reifen in den nächsten Wochen zirka 300 junge Laubfrösche heran, wenn ich mich nicht verschätzt habe und sie durchkommen. Alles, was es dafür braucht, ist mehr oder weniger nur ein altes Planschbecken. Dann müsste der Laubfrosch überall dort, wo naturbelassene Gärten und Grünraum mit Laubbäumen und Insekten als Nahrungsangebot vorhanden sind, nicht auf der Roten Liste stehen. Die Tiere sind jedenfalls anpassungsfähiger, als man glaubt.

Wolliges Schweben

Wollschweber Bombylius posticus

In einer früheren Fassung dieses Beitrags habe ich die Fotos irrtümlich dem Großen Wollschweber Bombylius major zugeordnet. Es handelt sich aber um den deutlich selteneren Bombylius posticus. Dank an Mike Jessat für den Hinweis.

Warum die Wollschweber jedes Jahr um dieselbe Zeit an derselben Stelle im Garten schweben, kann ich nur vermuten. Vielleicht signalisieren sie ihren Artgenossen, dass hier ein günstiger Platz wäre, sich zu vermehren. Warum ich jedes Jahr versuche, sie dabei zu fotografieren, kann ich nicht einmal vermuten, weil es die meiste Zeit sinnlos ist und nur Ausschuss und Frust vermehrt.

Die folgende Aufnahme ist eine Ausschnittvergrößerung, aber sonst bin ich zum ersten Mal halbwegs zufrieden:

Großer Wollschweber

Das rechte Bein hätte er nach hinten strecken können, wie er das normalerweise tut. So sieht es aus, als würde es fehlen, aber der bewegt sich halt manchmal ruckartig, und dann schleudert es ihm die Gliedmaßen zur Seite. Gegen das Wechselwirkungsgesetz kann er nichts.

Auf jede brauchbare Aufnahme kommt eine Vielzahl an Bildern, die Ausschuss sind. Besser ist es, man wartet eine Weile, denn auch der fleißigste Wollschweber hat irgendwann vom Schweben genug und muss sich stärken.

Wenn er mit seinem langen Rüssel Nektar schlürft, stützt sich der Wollschweber mit den Beinen ab. Die Flügel bleiben meist in Bewegung, um schnell wieder durchstarten zu können. Die ausgewachsenen Insekten sind Vegetarier, ihre Larven parasitieren aber Solitärbienen. Vor allem die bodenbrütenden Arten sind betroffen.

Man kann es auch so sehen: Wenn dieses schöne Insekt mich jedes Jahr mit seinem Schwebflug zum Fotografieren provoziert, dann ist das ein Hinweis, dass genug Wildbienen in der Umgebung vorhanden sind. Sonst würde der Wollschweber woanders schweben.

Sympathische Mücken

Kammschnake

Ich lese gerade das empfehlenswerte Buch „Vom Leben im Totholz“. Der durch die Krefeld Studie bekannt gewordene Entomologe Thomas Hörren widmet sich darin den Xylobionten, also jenen Arten, die in und von Holz leben. Dazu gehören auch die Kammschnaken – große und oft auffällig gemusterte Mücken, deren Larven sich in verrottendem Holz entwickeln. Ihr Auftreten gilt als Hinweis für strukturreiche Wälder, in denen nicht jeder abgestorbene Baum sofort entfernt wird.1

Anscheinend gefallen diesen Kammschnaken auch naturbelassene Gärten, denn während ich das Buch zur Seite lege und eine kleine Runde ums Haus mache, begegnet mir folgendes Prachtexemplar:

Das ist wahrscheinlich eine weibliche Ctenophora pectinicornis. Die Art ist so selten, dass sie nicht einmal einen deutschen Wikipedia-Eintrag hat, aber dafür einen bei Pflanzwas im Blog „Natur auf dem Balkon“. So klein ist die digitale Welt.

Die Imagos ernähren sich von Nektar und Honigtau, die Larven, wie gesagt, von Holzabfällen. Man kann also auch ganz ohne Blut eine stattliche, schöne Schnake werden. Sehr sympathisch.


  1. Thomas Hörren: Vom Leben im Totholz. Die verborgene Welt von Insekten und anderen Lebewesen. – Residenz Verlag 2025, S. 27f ↩︎

Laubfrosch im Garten

Laubfrosch

Ich könnte nicht sagen, welcher Froschlurch den schönsten Lockruf hat. Da ringen in mir die Unken und die Wechselkröte um die Wette, aber der letzte Platz geht – zumindest was die heimischen Arten betrifft – für mich eindeutig an den Laubfrosch. Der Lautstärkeregler dieser Art geht mindestens bis elf, und diese kleinen, grünen Männchen schreien nicht nur um eine Stufe lauter,1 sie tun dies auch kompromisslos ohne Charme. Da wird nichts behübscht, da wird nicht variiert, das ist ein monoton anschwellendes Gackern und man kann sich leicht vorstellen, was der Frosch damit sagen möchte: „Komm sofort her! Ich bin schon da! Wo bleibst du denn! Wie laut muss ich denn noch schreien!“

Jetzt gibt es zwei Kilometer von unserem Garten entfernt einen Tümpel, der nicht nur Unken, sondern auch Laubfrösche beherbergt, und ich hatte immer ein bisschen Angst, sie könnten sich bei uns am Teich ansiedeln. Dabei haben sie diesen längst entdeckt und anscheinend für ungeeignet befunden. Unser Teich ist ein seit vielen Jahren besiedeltes Gewässer voller Fressfeinde, wo man als verantwortungsvoller Laubfrosch seine Kaulquappen nicht aufwachsen sehen möchte. Besser sind da schon Gewässer wie der erwähnte Tümpel, die hie und da austrocknen und wo der Nachwuchs in Ruhe seine Metamorphose abschließen kann.

Manchmal höre ich im Spätsommer am Nachmittag einzelne Rufe aus den umliegenden Bäumen. Warum die Tiere diese Laute ausstoßen, ist nicht genau geklärt. Sie können einen damit jedenfalls ziemlich ärgern, weil man sie immer nur hört, nie sieht. In der ersten Maiwoche konnte ich aber endlich optisch belegen, was ich akustisch bereits vermutet habe. Hier sind meine ersten Laubfroschfotos:

An der dunklen Kehle erkennt man das Männchen. Flink kletterte der kleine Freund den Stamm der Salweide hoch und sprang dann in der Krone von Ast zu Ast wie ein Eichhörnchen. Ich dachte, ich hätte noch Zeit für ein paar Fotos, wurde dann aber völlig überrascht, wie behände, flink und furchtlos sich so ein Laubfrosch in den höheren Lagen bewegt. Wie Spiderman, nur halt klein und grün.


  1. „It’s one louder!“ – This is Spinal Tap ↩︎