Bad hair day

Buchfink Jungvogel

Ohne die Elterntiere hätte ich diesen Jungvogel nur schwer bestimmen können. Er war wahrscheinlich gerade erst dem Nest entflogen und wirkte noch so durcheinander wie seine Frisur.

Der Buchfink ist bei uns im südlichen Mitteleuropa fast ausschließlich Wintergast. Sobald das Wetter im Norden umschlägt, fällt er in Gruppen ein. Aber es gibt auch eine kleine Standpopulation, die hier brütet.

Für diesen Jungvogel ging es bei einem seiner ersten Ausflüge an den Teich. Bei der Hitze ist Flüssigkeitsaufnahme das wichtigste. Dann wurde für den Fotografen posiert, und anschließend flog er zurück in die Bäume. Dazwischen wurde fleißig gefüttert, aber das ging so schnell, dass ich mit dem Abdrücken nicht nachkam. Mit so einer Sturmfrisur hat man es in allen Belangen eilig.

Warum Zootiere Namen haben sollten

Der Wiener Tiergarten in Schönbrunn wird in Zukunft die Namen seiner Tiere nicht mehr nach außen kommunizieren. Der Schwerpunkt soll auf der Art und ihrem Schutz liegen, argumentiert der Direktor.

Seit ich als Kind mit meiner Großmutter von Gehege zu Gehege gegangen bin, hat sich der Zoo in Schönbrunn stark verändert. Die historischen Gefängniskäfige sind großflächigen Freiluftanlagen gewichen, in denen die Tiere möglichst artgerecht gehalten werden. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf Aufbewahrung und Herzeigen, sondern auf Artenschutz und Nachzucht. Wurden früher Einzelexemplare gesammelt und ausgestellt, so sind die Zoos heute international vernetzt, führen Zuchtbücher und tauschen die Tiere untereinander, um für eine genetische Durchmischung zu sorgen. Scheinbar folgerichtig hat sich die Direktion in Schönbrunn nun dazu entschlossen, die Tiernamen nicht mehr mitzuteilen. Kein Eisbär Finja, keine Robbe Commandante, und nur noch die Pflegerinnen und Pfleger wissen, dass das neue Orang-Utan-Baby Nilah heißt. Für die tägliche Betreuung ist die Verbundenheit wichtig. Den Besuchern gönnt man diese emotionale Beziehung nicht mehr. Ihre Aufmerksamkeit will man auf die Bedrohung der Arten richten. Aber ist das gut durchdacht und schlüssig?

Betrachten wir ein Gegenbeispiel: Am Dienstag war ich im Reptilienzoo in Klagenfurt. Im Indoorbereich liegt ganz hinten Sabsi in ihrem Gehege. Sie ist ein Stumpfkrokodil und lebt seit über 40 Jahren hier. Davor wurde sie zu Forschungszwecken an einer deutschen Universität gehalten, bis sie den Wissenschaftlern zu groß wurde. Die Forscher dort wissen jetzt, dass diese Tiere bis zu zwei Meter lang werden.

Stumpfkrokodil

Sabsi paarte sich in Klagenfurt mit Pascha. Ihre Nachkommen leben heute in mehreren europäischen Zoos. Stumpfkrokodile werden gerne genommen, weil sie kleiner und leichter zu halten sind als andere Krokodile. Mittlerweile ist Sabsi aus dem fortpflanzungsfähigen Alter, ihr Partner ist verstorben, und sie kann wegen ihrer mürrischen Art nicht mehr vergesellschaftet werden. Sie duldet auch kaum noch Pfleger in ihrer Nähe. Wenn Helga Happ, die Leiterin des Reptilienzoos in Klagenfurt, die Scheiben putzt, lenkt ihr Dackel vor dem Gehege das Krokodil ab.

Man muss nicht lange nachdenken, um zu wissen, dass die Pflege eines altersschwachen Tieres nicht zu den finanziellen Aktivposten eines Zoos zählt. Baby-Krokodile ziehen nicht nur mehr Besucher an, man kann sie wahrscheinlich auch noch verkaufen. Wenn der Reptilienzoo Happ stattdessen Sabsi weiter pflegt und das Nachzuchtprogramm so lange aussetzt, ist das zwar nicht im Sinne das Artenschutzes, aber es sagt sehr viel darüber, wie hier mit Tieren umgegangen wird.

Das Europäische Zuchtprogramme hingegen ist keine Garantie für artgerechte, einheitliche Pflegestandards. In einem Zoo haben die Eisbären ein weitläufiges Gehege, im anderen werden nur die Mindeststandards eingehalten. Hat das Tier einen Namen, bauen die Besucherinnen und Besucher eine emotionale Beziehung zu „ihrem“ Eisbären auf und verfolgen die Biographie genau. Sie wissen, wer die Eltern sind, wo das Exemplar als Junges gespielt hat, in welchem Zoo es dann untergebracht war, und wo es jetzt wohnt. Wenn dann Videos auftauchen, in denen das Tier offensichtlich zu wenig Platz hat und nur noch monoton hin und her marschiert, geht ein Aufschrei durch die sozialen Medien. Das spart man sich, wenn man dem Publikum die Namen der Tiere verschweigt. Sie werden anonyme Zuchtmaschinen im Sinne der Arterhaltung, die man auch beliebig in unattraktive Altersquartiere verschieben kann, wenn sie ihre Fortpflanzungsaufgabe erledigt haben.

Die Absichten der Tiergartendirektion in Schönbrunn waren wahrscheinlich gut gemeint, aber die Optik ist verheerend. Es ist auch kein Wunder, dass andere Zoos hier nicht mitziehen, so hat sich der Salzburger Zoo in Hellbrunn bereits dafür ausgesprochen, die bestehende Praxis beizubehalten und weiterhin individuelle Namen zu vergeben und zu kommunizieren. Damit hängt die Wiener Entscheidung endgültig in der Luft und ist maximal geschäftsschädigend. Der Eisbär hat dann im Herkunftszoo ein Namensschild, ist in Schönbrunn anonym untergebracht und wird am nächsten Gehege wieder persönlich bezeichnet. Dem Wiener Tiergarten entgehen maximal die Einnahmen aus den Patenschaften, die man jetzt nur noch für einzelne Arten und nicht mehr für bestimmte Exemplare abschließen kann.

Ein Fixpunkt bei den jährlichen Zoobesuchen mit meiner Großmutter waren die Galapagos-Riesenschildkröten. Ein Exemplar hatte eine beschädigte Panzerplatte, und es dauerte Jahrzehnte, bis sich das Loch endgültig schloss. In der Zwischenzeit bin ich nicht nur erwachsen geworden, ich habe bei der Beobachtung dieses Heilungsprozesses auch sehr viel über unterschiedliche Lebenserwartungen und den Verlauf der Zeit gelernt. Möglich ist das nur, wenn man ein Exemplar über die Jahre hinweg identifizieren kann. Dazu gehört auch ein eindeutiger Name. Das ist unsere Methode zu zeigen, dass das Zootier nicht nur ein Bestandteil des Genpools ist, den man für die Arterhaltung weiterzüchtet, sondern auch ein Individuum mit einer eigenen Biographie, die im Idealfall am Ende auch eine angemessene Betreuung im Alter einschließt.

Nachtrag:
Kaum hatte ich meinen Beitrag fertig, hat der Zoo mit einer schwammigen Erklärung zurückgerudert:
https://wien.orf.at/stories/3215736/
Die Namen bleiben, man will sie nur nicht mehr als Marketinginstrument in den Vordergrund stellen. Das ändert nichts an meiner Argumentation, dass man damit vom individuellen Schicksal der Zootiere ablenkt.


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Damenbesuch

Erdkröte

Seit über zwei Monaten sitzt der Kleine Wasserfrosch jetzt in unserem Teich und trainiert seine Stimme. Anfangs stieß er nur verhalten mehrere gleichklingende Töne aus. Mittlerweile beherrscht er unterschiedliche Tonhöhen und Lautstärken. Es klingt fast schon wie Gesang, nur schaurig halt.

Vergangene Woche hat er an einem sonnigen Nachmittag noch einen Gang zugelegt. Plötzlich wurde es laut, der Wasserfrosch spielte sein ganzes Repertoire aus und versuchte, mit seiner Sangeskunst zu verführen. Ein Erdkrötenweibchen schwamm durch den Teich, und er bemühte sich, ihre Aufmerksamkeit zu erregen.

Dabei zeigte sich sein vornehmer Charakter. Ein Erdkrötenmännchen wäre sofort auf das Weibchen zugeschwommen und hätte versucht, sie zu packen. Nicht so der künstlerisch veranlagte Wasserfrosch. Er blieb zunächst auf Distanz und setzte auf die unwiderstehliche Wirkung seines Gesangs. Erst, als sie nicht reagierte, schwamm er zögerlich näher. Vermutlich hielt er die Dame für schwerhörig und wollte ihr aus nächster Nähe ins Ohr singen.

Erdkröte und Wasserfrosch

Man muss aber nicht nur taub, sondern auch rot-grün-blind sein, um den Artunterschied nicht zu bemerken. Das Erdkrötenweibchen war nur an einer kurzen Abkühlung interessiert. Sie stieß den balzenden Frosch brüsk weg und tauchte ab.

Biene auf Salbei

Holzbiene

Die Vielfalt der Fauna im Garten verdankt sich auch der Flora. Die Auswahl der Pflanzen besorgt dabei Mrs. Colombo gewissenhaft selbst. Sie liest sich aufmerksam durch alle Beschreibungen, orientiert sich an den Abbildungen – und ignoriert alle Zahlen, besonders die zur Wuchshöhe. Dass Muskatellersalbei auf Fotos eher zierlich aussieht, ist eine Täuschung. Die Blätter sind Handteller groß, und die Pflanze ist über einen Meter hoch. Da passt jetzt vielleicht die Kombination im Beet nicht mehr so, wie gedacht, aber die Fauna bereichert es trotzdem, denn manche Bienen sind ja auch größer als andere.

Seit Wochen blüht der Muskatellersalbei, und die Holzbienen haben ihre Freude daran. Bis zu drei Exemplare habe ich schon gleichzeitig beobachtet. Dem intensiven Duft, der der Pflanze auch ihren Namen gibt, können sie anscheinend nicht widerstehen. Der Fotograf wird da völlig ignoriert.

Beim Zusehen hat man irgendwie das Gefühl, dass sich hier zwei gefunden haben, und tatsächlich passt die Symbiose. Es gibt nicht viele Insekten, die den Muskatellersalbei bestäuben können, aber die Holzbiene ist durch ihre Größe dafür bestens geeignet.

Bis zur Unkenntlichkeit

Distelfalter

Manchmal sieht man einen Schmetterling im Garten, der so zerrupft und ausgebleicht ist, dass man die Art kaum noch erkennen kann. Bei diesem Distelfalter fehlt die Zeichnung fast gänzlich.

Welches Ereignis dieses Exemplar so gezeichnet hat, kann man nur raten. Als Wanderfalter hat er viele Möglichkeiten. Vielleicht ist er in ein Gewitter geraten. Hier zum Vergleich noch ein Distelfalter vom letzten Jahr mit vollständiger Zeichnung von der Unter- und Oberseite. Das letzte Bild zeigt einen leicht ramponierten Distelfalter aus dem Jahr 2018, gleichsam eine Zwischenstufe der beiden anderen.