Vorteil der Bandenbildung

Im Moment räumen mir die Feldspatzen den Futterspender innerhalb von vier Tagen leer. Hängt man einen zweiten Spender auf, verweigern sie die Schlussrechnung. Das geht nicht nach dem Motto: Ein Maurer braucht vier Stunden, zwei Maurer acht. Es ist mehr so, als würde man einen zweiten Wasserhahn aufdrehen, um die Wanne schneller voll zu bekommen. Die Zahl der Spatzen ist bei streng winterlichen Bedingungen in unserer Gegend beliebig verdoppelbar.

Zu Beginn des Winters sind es gemischte Trupps. Da finden sich Kohl-, Blau-, Sumpf- und Tannenmeise genauso unter den Feldspatzen wie die Hausspatzenfamilie, die im Sommer unseren Nistkasten belegt hat. Je weiter die Saison fortschreitet, desto mehr wird der Futterspender aber ausschließlich von den Feldspatzen frequentiert.

Ich gehe nicht davon aus, dass diese Form der Vogelfütterung zur Artenvielfalt beiträgt, aber sie vertreibt den Winterblues. Die Dynamik dieser Vogelschar, die hoffentlich auf den Bildern halbwegs rüber kommt, lässt mich mehrmals täglich aus dem Fenster sehen und ist eine willkommene Aufmunterung, während die übrige Gartenfauna in ihrer wohlverdienten Winterruhe verharrt.

Und ein bisschen habe ich übertrieben – es sind nicht nur die Feldspatzen, die über unser Futter herfallen. Da ist auch noch dieser eine Rabauke von Rotkehlchen, der immer in der Früh kurz vor acht als erster auftaucht und sich dann von der Spatzenbande auch nicht vertreiben lässt.

Ob auf beiden Bildern das gleiche Rotkehlchen zu sehen ist, kann ich übrigens nicht mit Sicherheit sagen. Der Frühling wirft langsam seine ersten Schatten voraus, weshalb sich seit ein paar Tagen ein zweites Rotkehlchen unter die Spatzen mischt. Das Revierrotkehlchen scheint eine Partnerin von gleichem Naturell gewählt zu haben. Sie mischt sich ähnlich unerschrocken unter die Feldspatzen. Und so bewährt sich wieder einmal das seit dem 16. Jahrhundert belegte englische Sprichwort: Birds of a feather flock together.

16 Kommentare zu „Vorteil der Bandenbildung

  1. So muss man das mit der Vogelfütterung wohl sehen, selbst der NABU hat auf seiner Seite zur winterlichen Vogelzählung eingeräumt, dass sie mehr den naturpädagogischen Zwecken dient , und die Vogelfütterung weniger dem Erhalt seltener Arten, als der Motivation, die Vögel mit naturnäheren Gärten und generell der Berücksichtigung tierischer Mitbenutze dient, weil es dem Menschen eben Freude macht. Und Gründe zu schaffen, dass mensch Freude empfindet, wenigstens punktuell, ist jeden Winter wichtig und in denen von 2020 und 2021 erst recht.

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    1. Schön gesagt. Das hätte ich jetzt gern genau so selber formuliert. 😉 Ich denke auch, dass man sparsam Füttern sollte. Ich bräuchte wahrscheinlich ein kleines Feld, um mein Vogelfutter selber anzubauen, und wie viel mehr könnte ich mit so einer Fläche für die Vögel tun, wenn ich dort einen naturnahen Garten anlegen würde. Ich mache mir mit dem Füttern in erster Linie selbst eine Freude.

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  2. Hallo Richard.
    Ich finde die Rotkehlchen sind irgendwie immer etwas forscher unterwegs.
    Im Sommer beobachten sie einen manchmal ganz genau wenn man im Feld ackert. Es könnte ja etwas leckeres aus der Erde krabbeln. 😉

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    1. Hallo Nati,
      unseres ist ein typischer Wintergast. Das verzieht sich jetzt bald in die nahen Wälder, nachdem es schon zu zweit ist. Meine Nistkästen haben die noch nie angenommen. Vielleicht sollte ich es mal mit einer Schublade probieren. 😉

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    1. Danke. Ich freue mich ja auch. Der Unterhaltungswert dieser Spatzen ist gerade in der kalten Jahreszeit höchst willkommen.
      Leider ist es nicht überall so. Man hört immer wieder, dass anderswo sogar die Spatzen ausbleiben, und man kann nur hoffen, dass sich die Situation ändert. Sobald Lebensraum geschaffen wird, ziehen sie dann ja auch schnell wieder nach. Schließlich können sie fliegen.

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      1. Absolut 🙂 Ich mußte noch dran denken, daß die mir hier zur Brutsaison gerne die Haare vom Kopf fressen, also die anderen Vögel. Da lohnt sich das Füttern wirklich. Spatzen höre ich nur in irgendwelchen Hecken, aber hier in den Garten kommen sie leider nicht.

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  3. Dein Beitrag hat mir ein breites Lächeln auf das Gesicht gezaubert. Ja, die Feststellung hinsichtlich der Rechnung mit den Maurern ist auch bei mir zutreffend. 😊
    Bezüglich der Winterfütterung denke ich: Schaden tut es nicht. Füttert man, sollte man allerdings auch bedenken, dass die Vögel darauf vertrauen. Gibt es anschließend Jungvögel im Frühjahr, gehen die Altvögel bevorzugt an das Fettfutter wie Knödel und Co. Sie nutzen es als Energie für sich, um den Jungvögeln genügend Insekten zu bringen. Fehlen die dann, könnte das für die Jungen im schlimmsten Fall den Tod bedeuten.
    Gerade jetzt bemerke ich schon einen Anstieg der Besuche. Ist einfach toll zu sehen!

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    1. Danke. Freut mich, wenn ich ein bisschen von dem Spaß, den die Vögel uns bereiten, vermitteln konnte. Ich denke auch, die Winterfütterung hilft vielleicht, ist aber nicht das Entscheidende. Wenn im Frühjahr die Hausspatzen, Meisen und Amseln erfolgreich im Garten brüten, ist das wichtiger. Das Hausspatzenmännchen holt sich in der Früh immer einen Teil der frisch geschlüpften Libellen am Teich. Das ist für die Libellen zwar nicht so angenehm, aber es sind genug da, und für die Spatzenjungen ist es gutes Futter. Alles, was die Insektenzahl erhöht, führt zu mehr Vielfalt. Wer hätte vor Jahrzehnten einmal gedacht, dass wir in dieser Tiergruppe nicht in erster Linie die Schädlinge sehen.

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      1. Ja, wir bekommen es tatsächlich noch hin, dass wir Zecken und Mücken vermissen. 😉 Aber Spaß bei Seite: Artenvielfalt erhalten und Klimawandel stoppen… Das muss oberste Priorität haben. Eine schöne Woche!

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