Jungstieglitzsommer

Stieglitz Jungvogel

Seit Ende August tauchen in unserem Garten immer wieder kleine Gruppen von Stieglitzen auf, die man nur akustisch eindeutig als solche erkennt, weil ihnen die typische bunte Zeichnung noch fehlt. Dieses Jahr scheint in Südkärnten ein gutes Jahr für Stieglitze gewesen zu sein. Die Jungvögel sind zahlreich unterwegs. Wobei ich denke, dass der Rückgang an Insekten dem Stieglitz eher zugute kommt. Er bevorzugt pflanzliche Nahrung, auch bei der Aufzucht der Jungen, und an die Sämereien selbst stellt er nicht besonders hohe Ansprüche.

Es heißt, dass man Stieglitze in den Garten locken kann, wenn man Disteln wie die Wilde Karde anpflanzt. Sein Zweitname Distelfink deutet darauf hin, dass er die Samen von Disteln bevorzugt, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es ausreicht, einen Teil des Gartens einfach nicht zu mähen. Der Stieglitz findet sich in einer Ansammlung von wilden Stauden mit Samenständen immer genug Fressbares.

Bei uns ist es wahrscheinlich auch der Teich, der ihn anzieht, wobei diese Beziehung zum Wasser eine eher zwiespältige ist. Die Jungvögel versuchen, auf den Schwimmblättern von Seerose und Seekanne zu landen, worauf sie sehr schnell bis zu den Knien im Wasser versinken und wieder hochflattern.

In der Dämmerung ist es mir gelungen, ein Exemplar zu fotografieren, das schon etwas geschickter war. Der Jungvogel sitzt auf einem abgestorbenen Rohrkolbenhalm und beugt sich von dort ins Wasser. Später wird er lernen, dass es Plätze am Rand gibt, wo man mit festem Boden unter den Krallen trinken kann.

Vielleicht merkt er sich beim Blick aufs Wasser aber auch sein Spiegelbild und weiß, dass die schöne rote Gesichtsfärbung, die er nach der Mauser bekommt, nicht selbstverständlich ist. Ich habe nämlich noch nie einen Stieglitz baden gesehen. Sie kommen immer nur zum Trinken, und ich stelle mir deshalb vor, sie haben Angst, dass die bunte Farbe im Wasser wieder runter geht, wenn sie darin rumplantschen.