Vierfleck auf Tomate

Vierfleck

Gut, dass ich dieses Jahr die Tomaten schon hinaus gesetzt habe – der Vierfleck hätte sonst sicher nicht gewusst, wohin er sich für den Schlupf begeben soll. Die Tiere treffen oft eine eigenartige Wahl, wenn es um den Platz ihrer letzten Häutung geht. Sind keine geeigneten Tomatenpflanzen mehr frei, tut es auch das gusseiserne Rad unseres Jausentischchens:

Die Position ist oft exponiert und sie müssen dort für mehrere Stunden verharren, bis die frisch entfalteten Flügel ausreichend getrocknet und für den Flug gehärtet sind. Das macht sie zur leichten Beute für Singvögel. Dem könnten sie entgehen, wenn sie sich knapp über dem Boden positionieren und als Zeitpunkt für den Schlupf die Nacht wählen. Viele probieren das auch, aber die Rechnung geht nicht immer auf. Wenn dann in der Früh nur noch die Flügel herum liegen, ist der Igel wieder einmal satt geworden.

Den ersten Flugversuch kann man auch sehr schön erkennen. Er verläuft oft geradlinig und noch unbeholfen. Sobald die Libelle allerdings ihre Flügel unter Kontrolle hat, droht ihr keine Gefahr mehr. Gerade der Vierfleck ist ein sehr geschickter, wendiger Flieger, dem kaum ein Fressfeind etwas anhaben kann. Hier noch ein ausgefärbtes Männchen auf einem Foto von vor zwei Jahren:

So werden die obigen Exemplare aussehen, wenn sie in einem Monat an den Teich zurückkehren. Dass es ein Männchen ist, merkt man in erster Linie am Territorialverhalten. Einen deutlichen Geschlechtsdimorphismus gibt es nicht. Dafür kann man die Art selbst sehr leicht daran erkennen, dass sie auf jedem der vier Flügel zwei Flecken hat, während die meisten anderen Libellen nur über die äußeren vier Markierungen verfügen. Der lateinische Name bedeutet das Gleiche: Libellula quadrimaculata.

Biologen bezeichnen also konsequent und auch auf Latein eine Libelle mit acht Flecken als Vierfleck, während alle anderen Libellen vier Flecken auf ihren Flügeln haben. Das mag man verstehen oder auch nicht, aber schließlich sind sie ja auch Biologen geworden und keine Mathematiker.

Kurze Geschichte einer Luftfahrt

Große Heidelibelle beim Schlupf

Bei uns schlüpfen seit Mitte Juli die Großen Heidelibellen. Jeden Morgen, wenn man am Teich vorbei geht, erheben sich zahlreiche Exemplare in die Luft. Noch sind sie blaß und gelblich. Wenn sie rot ausgefärbt zurückkehren, wird Herbst sein.

Die Großen Heidelibellen sind nicht so groß, wie ihr Name vermuten lässt, und ihre Flügel verkleben beim Schlupf selten. Das erste Auffliegen ist vielleicht noch etwas langsam und ungelenk, aber unrund torkeln sieht man sie selten. Im vorliegenden Fall war eine Spinne im Rücken der Libelle für die Schwierigkeiten beim ersten Flug verantwortlich.

Die Libelle versuchte nach der Landung den blinden Passagier loszuwerden, aber die Spinne hatte sich festgebissen. Trotzdem war sie als Hijacker nicht wirklich erfolgreich. Wenn man seinem fliegenden Untersatz Gift injiziert, sollte man bedenken, dass eine kontrollierte Landung dadurch eher unwahrscheinlich wird.

Die Libelle torkelte in das Netz einer anderen Spinne, und die „Flugzeugentführerin“ musste die Beute nach einiger Verwirrung ihrer größeren Kollegin überlassen. Die wusste zuerst gar nicht, was sie mit so viel Nahrungsüberfluss anfangen sollte, am Ende blieben aber doch nur die Flügel übrig.

Der kurze Weg

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Der Flugweg der hier dargestellten Libelle war vom Schlupfpunkt bis zum Spinnennetz ungefähr zwei Meter. Sie bewegte sich dabei ziemlich genau auf mich zu. Die Kamera hatte ich neben mir liegen, trotzdem musste ich schnell sein. Die Spinne eilte sofort herbei, wickelte die Libelle ein und schleppte sie in ihr Versteck. Der gesamte Vorgang dauerte genau sechs Minuten, sagen mir die Aufnahmezeiten der Fotos.

Das Netz befindet sich unter dem Hebel einer Schwengelpumpe. Es wurde beim Einwickeln der Beute von der Spinne in großen Teilen zerstört. Die macht das offensichtlich für jeden Fang vollständig neu.

Die Augen von Fluginsekten nehmen Spinnweben normalerweise sehr genau war. Ich muss immer wieder bewundern, wie präzise Bienen, Wespen und Hummeln um Spinnennetze herumkurven. Auch Libellen sind hier sehr geschickt, trotzdem können sie gegen die Physik nicht an, und es ist manchmal besser, gegen das Licht zu fliegen. Was ich in der Morgensonne ohne Probleme sehen konnte und was sogar auf den Fotos deutlich erkennbar ist, war für die frisch geschlüpfte Libelle mit der Sonne im Hintergrund unsichtbar. Wirklich fette Beute macht die Spinne aber wahrscheinlich erst in der Nacht.