Zweimal Apfelernte

Hornisse mit Apfel

Hornissen gelten zwar als räuberische Jäger, sind aber in Wirklichkeit Vegetarier. Nur die Larven füttern sie mit erbeuteten Insekten. Die erwachsenen Tiere ernähren sich hingegen bevorzugt von süßen Baum- und Pflanzensäften sowie Obst. Bei uns haben es ihnen vor allem die Äpfel angetan.

Zwischen den beiden folgenden Bildern liegt der Sommer, das erste ist von Anfang Mai, das zweite von Ende September.

Wir hatten letztes Jahr so viele Äpfel, dass ich mir einen Destillierapparat gekauft habe, um Schnaps zu brennen. Trotzdem sind noch Reste übrig geblieben, mit denen ich dann im Frühjahr die Amseln gefüttert habe. Auch eine Hornisse hat sich daran bedient.

Ein paar Tage später kam der Frost und dementsprechend mager war die diesjährige Ernte. Ich habe keinen einzigen Apfel abbekommen. Die Hornissen und die Vögel waren schneller. Wir Menschen sind quasi der Puffer: Ist der Ertrag schlecht, müssen wir als erstes verzichten, nur im Überfluss kommen wir zum Zug.

Mittlerweile sind alle Äpfel verschwunden und auch die Hornissen haben am Nistkasten den Flugbetrieb eingestellt. Ein bisschen warte ich noch, um sicher zu gehen, dass mir keine verspätete Königin entgegenkommt, dann werde ich das Nest entfernen und den Kasten säubern. Ich bin schon gespannt, was mich erwartet.

 

Luft- und Wasserkühlung

Hornisse

Als ich das erste Mal den Sommer in Kärnten verbracht habe, sind mir sehr bald die zahlreichen Hornissen aufgefallen. In Wien und Umgebung sind diese großen Brummer eher eine Seltenheit, hier in Südkärnten sind sie allgegenwärtig – vor allem seit wir den Gartenteich haben, wo sie im Hochsommer ihren Wasserbedarf decken.

Das Hornissenaufkommen scheint alljährlich gleich. Es gibt Bienenjahre, Hummeljahre und Wespenjahre, aber jedes Jahr ist – unabhängig von den klimatischen Verhältnissen – ein Hornissenjahr. Die Tiere können sich offensichtlich sehr gut an schwankende Temperaturen anpassen und schaffen es, auch in den zunehmend heißer werdenden Sommern ihr Nest auf einem gleichbleibenden Temperaturniveau zu halten. Dafür setzen sie – im Gegensatz zu manchen anderen staatenbildenden Insekten – sowohl auf Luft- als auch auf Wasserkühlung.

Es gibt Exemplare, die im Hochsommer so pünktlich alle paar Minuten Wasser holen, dass man nach ihnen die Uhr stellen könnte. Aus der anschließenden Startrichtung kann man auch ungefähr abschätzen, in welcher Richtung sich das Nest befindet. Demnach muss es in der Umgebung mehrere Staaten geben, die aus unserem Teich ihr Wasser beziehen. Einen von ihnen habe ich im August in einem unserer Vogelnistkästen entdeckt.

Letztes Wochenende bin ich auf die Leiter gestiegen und habe versucht, aus nächster Nähe Bilder zu machen. Selten hatte ich so viele verwackelte und unscharfe Ausschussfotos. Die großen Brummer sind überhaupt nicht aggressiv, aber ihre Erscheinung ist trotzdem respekteinflößend. Wenn man ihnen die Kamera in die Einflugschneise hält, beginnen sie mit Orientierungsflügen, um das neue Hindernis zu verorten, und wenn man mehrere Exemplare vor dem Display herumfliegen hat, macht das dann doch leicht nervös.

Immer wieder fiel mir ein plötzlich einsetzendes, deutlich lauteres Brummen auf. Es stammt von dem Exemplar am Einflugloch, das sitzenbleibt und Luft ins Innere fächelt, denn erst das Zusammenwirken von Ventilation und Wasserzufuhr schafft die idealen Bedingungen, um im Hochsommer mittels Verdunstungskälte eine Art Klimaanlage zu betreiben, die Überhitzung vorbeugt.

Im Moment reicht die Luftkühlung, Wasser ist nicht mehr nötig. In den letzten Wochen des Jahres wird es mehr darum gehen, die Heizung einzuschalten, denn die Temperaturen kippen langsam ins Herbstliche. Den Wärmebedarf decken – wenn ich richtig recherchiert habe – alle staatenbildenden Insekten ziemlich gleich: Mittels Muskelbewegung bringen sie sich und ihre Brut auf Betriebstemperatur. In unseren Breiten suchen sie sich außerdem Nistplätze, die sich in der Sonne schnell erhitzen, denn Kühlung im Sommer fällt leichter als die Heizung in der Übergangszeit. Unsere Französischen Feldwespen bevorzugen zum Beispiel seit Jahren erfolgreich die Metallabdeckung unseres Flüssiggastanks, unter der es wirklich heiß werden kann. Bei der Kühlung setzen sie dann wie die Hornissen auf eine Kombination aus Belüften und Befeuchten. Nur die isolierende Außenwand fehlt ihnen. Bei den Feldwespen sind die Brutkammern ungeschützt, während die Hornissen sie mit luftgefüllten Kammern umgeben.

Insekten, die an kühlere Habitate gewöhnt sind, beherrschen die Wasserkühlung eher nicht. Hummeln kommen zum Beispiel auch in Höhenlagen vor, und unsere Hummeln habe ich noch nie am Teich Wasser holen gesehen. Im wärmeren Mittelmeerraum wird dafür auf die Luftkühlung verzichtet. Dort stecken die Feldwespen während der Hitzephasen einfach nur die Köpfe in feuchte Waben. Das kann aber auch damit zusammen hängen, dass sie ihre Nester von vornherein schattig anlegen und die weiter weg gelegene Luft eher wärmer wäre.


Webtipp:

Helmut Kovac, Helmut Käfer, Iacopo Petrocelli, Anton Stabentheiner: Comparison of thermal traits of Polistes dominula and Polistes gallicus, two European paper wasps with strongly differing distribution ranges, in: Journal of Comparative Physiology B (2017)

https://link.springer.com/content/pdf/10.1007%2Fs00360-016-1041-x.pdf

Der Artikel vergleicht zwei Feldwespenarten miteinander. Beide stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum. Die Französische Feldwespe hat sich mittlerweile bis nach Dänemark ausgebreitet, während Polistes gallicus weiterhin nur in Südeuropa beheimatet ist. Beide haben unterschiedliche Temperaturpräferenzen und verschiedene Strategien bei der Nestkühlung. Polistes gallicus bevorzugt zum Beispiel Standorte mit Morgensonne, die ab Mittag beschattet sind. Der Wärmehaushalt am Nest allein erklärt aber nicht, warum die eine Art bei ihrer Ausbreitung nach Norden erfolgreich war, während die andere in der Mittelmeerregion verblieben ist. Die Autoren vermuten, dass es auch entscheidend ist, wie resistent die überwinternden Königinnen gegenüber starkem Frost sind.