Kurze Geschichte einer Luftfahrt

Große Heidelibelle beim Schlupf

Bei uns schlüpfen seit Mitte Juli die Großen Heidelibellen. Jeden Morgen, wenn man am Teich vorbei geht, erheben sich zahlreiche Exemplare in die Luft. Noch sind sie blaß und gelblich. Wenn sie rot ausgefärbt zurückkehren, wird Herbst sein.

Die Großen Heidelibellen sind nicht so groß, wie ihr Name vermuten lässt, und ihre Flügel verkleben beim Schlupf selten. Das erste Auffliegen ist vielleicht noch etwas langsam und ungelenk, aber unrund torkeln sieht man sie selten. Im vorliegenden Fall war eine Spinne im Rücken der Libelle für die Schwierigkeiten beim ersten Flug verantwortlich.

Die Libelle versuchte nach der Landung den blinden Passagier loszuwerden, aber die Spinne hatte sich festgebissen. Trotzdem war sie als Hijacker nicht wirklich erfolgreich. Wenn man seinem fliegenden Untersatz Gift injiziert, sollte man bedenken, dass eine kontrollierte Landung dadurch eher unwahrscheinlich wird.

Die Libelle torkelte in das Netz einer anderen Spinne, und die „Flugzeugentführerin“ musste die Beute nach einiger Verwirrung ihrer größeren Kollegin überlassen. Die wusste zuerst gar nicht, was sie mit so viel Nahrungsüberfluss anfangen sollte, am Ende blieben aber doch nur die Flügel übrig.

Der Tanz der Heidelibellen

Große Heidelibelle

Wenn die Große Heidelibelle am Teich auftaucht, neigt sich die Libellensaison dem Ende zu. Bei uns sind sie die letzten, die ihr Paarungsgeschäft absolvieren. Zahlreich habe ich sie diesen Sommer beim Schlüpfen beobachtet, aber zurückommen hatte ich bisher keine gesehen. Ich fürchtete schon, der Teich wäre mittlerweile am Rand zu verwachsen, um ihnen als Laichgewässer zu dienen, aber anscheinend braucht alles nur seine Zeit. In den ersten Wochen reifen die fertigen Insekten aus, erlangen ihre Geschlechtsreife und die endgültige Färbung. Erst zur Paarung und zur Eiablage finden sich die Libellen dann wieder am Teich ein.

Große Heidelibelle ParrungsradBei den Heidelibellen ist das ein gesellschaftliches Ereignis. Im Normalfall warten immer mehrere Männchen gleichzeitig auf die eintreffenden Weibchen. Die Paarung findet großteils im Flug statt. Die Libellen auf dem rechten Bild wurden von einem anderen Männchen gestört und setzten sich deshalb fürs Foto auf den Ast einer Wilden Möhre. Wenn man das Bild durch Klick vergrößert, kann man übrigens genau erkennen, wie so ein Paarungsrad funktioniert: Das Männchen hält das Weibchen mit den Fortsätzen des letzten Schwanzsegments im Genick, anschließend zieht sich das Weibchen mit den Beinen am Männchen wie im Klimmzug hoch.

Die Eiablage erfolgt dann im Tandem. Die Libellen stehen ungefähr zwanzig Zentimeter über dem Wasser. Das Männchen schleudert das Weibchen in rhythmischen Bewegungen gegen die Wasseroberfläche und gibt ihm so die Möglichkeit, die Eier abzuwerfen. Es ist ein punktgenau wiederholtes Auf und Ab. Von der schwebenden Position Richtung Wasseroberfläche und wieder hoch in die Schwebe. Wenn mehrere Pärchen nebeneinander ablaichen, scheinen sie den Rhythmus aneinander anzugleichen, und es ist wie ein Gesellschaftstanz zu unhörbarer Musik.

Heidelibellen beim Ablaichen