Meisenspeise

Tannenmeise

Vogelfutter war bei uns dieses Jahr eher ein Ladenhüter. Der Winter zeigte sich bislang von der milden Seite, und die Singvögel haben sich lieber rundum in den Sträuchern und an den Staudenresten bedient.

Seit dem Wochenende ist das anders. Am Freitag Nachmittag legte sich eine fünfzehn Zentimeter dicke Schneedecke über den Boden, und jetzt ist an den Futterstellen Hochbetrieb.

Eine Schüssel mit aufgeknackten Walnüssen war innerhalb von ein paar Stunden leer geräumt. Zuerst kamen die dieses Jahr besonders zahlreichen Kohlmeisen, dann gesellten sich die Blaumeisen dazu.

Besonders frech waren die Tannenmeisen. So viele von denen habe ich überhaupt noch nie im Garten gesehen. Und alle haben sie sich kurz Zeit genommen, um freundlich in die Kamera zu linsen, bevor sie sich eine Walnuss schnappten.

Wobei die Nuss wohl gewählt sein will. Gründlich wird alles umgedreht, bis man endlich das richtige Stück im Schnabel hat. Man will sich ja nicht lächerlich machen und am Ende mit einer Walnuss dazustehen, bei der man sich vielleicht etwas übernommen hat.

Es soll nämlich Nüsse geben, die so groß sind, dass selbst die kräftigste Kohlmeise damit nicht abheben kann, und zur Hoffnung gesellt sich dann schnell die Enttäuschung. Es sei denn, man wechselt kurzerhand auf ein kleineres Exemplar. Als Meise muss man halt nehmen, was man kriegen kann. Das geht uns Menschen ja ähnlich: Wir würden uns auch gern weiße Weihnachten wünschen, aber das wird sich durch den angekündigten Föhn wahrscheinlich wieder nicht ausgehen. Man kann halt nicht alles haben.

Und eines noch, bevor jetzt alle schreiben: Jö, Schnee, ich will auch! Das Zeug schaut nur auf Fotos gut aus. In Wirklichkeit muss man vor allem einmal kräftig schaufeln, und wenn er schwer ist, reißt es einem dabei fast das Kreuz ab.

Frisches Grün

Pfaffenhütchen Knospe

Das Pfaffenhütchen ist, wie man in der Wikipedia nachlesen kann, in allen Teilen giftig. Die Pflanze hat sich so durch den Selektionsdruck an ihre Fressfeinde angepasst und kann es sich deshalb leisten, schon sehr früh im Jahr grüne Knospen zu bilden, wenn frische Vitamine nach der eintönigen Winterkost eine begehrte Abwechslung darstellen. Diese Strategie wird spätestens dann von durchschlagendem Erfolg gekrönt sein, wenn die Blaumeise ihrerseits auf ihrem Entwicklungsweg so weit fortgeschritten ist, das sie Wikipedia-Einträge lesen kann. Bis dahin kann man nur sagen: Die Evolution ist auch nicht mehr das, was sie einmal war.

Frühlingspläne

Blaumeise

In den letzten Tagen hat sich die Sonne immer wieder sehen lassen, und heute schien sie dann wirklich von früh bis spät. In den Nächten friert es fleißig, aber untertags stieg das Thermometer heute kräftig ins Plus, und als ich am Vormittag durch den Garten spazierte, lag fast schon ein Hauch von Frühling in der Luft.

BlaumeiseDas mag am ersten Jänner übertrieben anmuten, aber die Vögel sahen es irgendwie genauso, und als ich zum Nistkasten hoch sah, entdeckte ich zwei Blaumeisen, die ihn aufmerksam inspizierten. Sie setzten sich auf die Äste davor, probierten die Anflugmöglichkeiten und warfen einen Blick hinein. Ein schnelles Foto ließen sie zu, dann waren sie wieder weg.

In den nächsten Wochen werden sie öfter kommen. Selbstverständlich ist es noch zu früh für den Nestbau, die nächste Kaltfront ist bereits für diese Woche angesagt, und auch die Meisen wissen, dass der Winter noch einige Zeit hin geht. Aber sie sind sicher nicht die einzigen Interessenten für diesen Nistkasten, und man kann nie früh genug damit anfangen, sich sein Revier abzustecken.

BlaumeiseMit der Zeit werden ihre Ausflüge dann immer kürzer. Ein Blaumeisenpaar ist zu Frühlingsbeginn immer in der Nähe. Praktisch, dass der Futterplatz gleich vor dem Nistkasten liegt. Die Sonnenblumenkerne sind immer in Griffweite. Und wenn dann das eigentliche Brutgeschäft beginnt, räume ich den Futterspender auch schnell wieder weg, um die Spatzenbande los zu werden und den Blaumeisen etwas Ruhe im Revier zu gönnen.

Bis dahin sind es noch mehr als zwei Monate. Trotzdem hatte ich heute irgendwie das Gefühl, die Blaumeisen planen schon für den Frühling. Keine schlechte Idee, eigentlich. Die Obstbäume gehören geschnitten, neue Stecken für die Paradeiser sollte ich mir organisieren und ein Kübel Pferdemist wäre auch nicht schlecht. Frische Nisthilfen für die Wildbienen wollte ich basteln…

Der Winter ist wie jedes Jahr fast zu kurz, um alles vorzubereiten, was man für den Frühling braucht. Man kann nicht früh genug mit dem Planen anfangen. Mag sein, dass ich sie vermenschliche, wenn ich behaupte, die Blaumeisen denken genauso. Aber warum hätten sie sonst an einem sonnigen Wintervormittag so aufmerksam den Nistkasten beäugt? Vorausschauendes Denken ist ein Selektionskriterium, also behaupte ich mal, die Blaumeisen haben heute erste Pläne für den Frühling geschmiedet. Einen möglichen Nistplatz haben sie zumindest schon einmal ins Auge gefasst.

Blaumeise