Der Gelbrandkäfer

Kaum sind die Larven des Gelbrandkäfers verschwunden, tauchen Ende Juni, Anfang Juli die umgewandelten Käfer auf. Wir tendieren dazu, aus zeitlichen Zusammenhängen kausale abzuleiten, aber das führt in diesem Fall auf eine falsche Fährte. Sobald sich die Gelbrandkäferlarven im Frühling an den Kaulquappen die richtige Größe angefressen haben, verpuppen sie sich am Teichgrund und überwintern dort. Die Käfer, die man im Sommer sieht, stammen vom letzten Jahr. Sie paaren sich wiederum im Herbst und laichen im nächsten Frühling ab. Bei uns im Teich paaren sich manche aber auch erst im April. So ein variabler, mehrjähriger Fortpflanzungszyklus hat den Vorteil, dass die Population nicht ausstirbt, wenn in einem Jahr das Nahrungsangebot fehlt.

Der fertige Käfer hat vor allem eine beeindruckende Größe von drei bis vier Zentimetern. Es gibt beide Geschlechter in allen Farbschattierungen von olivgrün bis dunkelbraun. Die Weibchen sind meist gerippt, die Männchen glatt. Früher waren sie weit verbreitet, mittlerweile sind sie eher selten, weil die gefräßigen Larven auf Kaulquappen als Nahrung angewiesen sind, und mit den Amphibien verschwindet auch der Gelbrandkäfer.

Das letzte Beinpaar bildet perfekt ans Leben im Wasser angepasste Ruder. Die Borsten stellen sich bei der Vorwärtsbewegung mit der Strömung automatisch flach, während sie sich beim Rückstoßen aufstellen und so für einen kräftigen Antrieb sorgen. Diese Mechanik funktioniert rein passiv. Der Käfer bewegt die Beine mit seiner Muskulatur nur vor und zurück.

Untertags sind die Tiere muntere Schwimmer, die sich auch einmal längere Zeit mit einem auf dem Wasser treibenden Schneckenhaus spielen. In der Nacht verlassen sie manchmal das Wasser und können weite Strecken im Flug zurücklegen. Bei Überbelag wandern so einige Exemplare im Laufe der Saison ab, während neue Gewässer zügig besiedelt werden.

Über den Gelbrandkäfer finden sich im Internet Horrorgeschichten. Er tritt manchmal in Massen auf, kann empfindlich zwicken und verleidet so die Freude an Pool und Schwimmteich. Das kann ich nicht bestätigen. Wir haben die Tiere seit Jahren und sie haben mich beim Schwimmen noch nie gestört. Dass ihre Zahl mit jeder Saison ein bisschen zunimmt, deute ich eher als Signal für einen ausreichenden Amphibienbestand, der auch diesem Fressfeind genügend Nahrung bietet.

Noch mehr Schmetterlinge

Wachtelweizen-Scheckenfalter

Die Zusammensetzung der Schmetterlinge im Garten ist jedes Jahr anders. Den Kohlweißlingen, die normalerweise immer in kleinen Gruppen herumflattern, muss man dieses Jahr für ein Foto regelrecht hinterherlaufen.

Dafür sehe ich jeden Tag mehrere Landkärtchen. Dieser Falter ist bei uns zwar jedes Jahr zu Gast, aber selten sieht man zwei auf einmal wie die folgenden Exemplare auf den Blüten des Oregano. Deutlich erkennbar sind die unterschiedlich eingerissenen Flügel, die zeigen, dass es wirklich zwei verschiedene Individuen sind.

Schmetterlinge sind selten unversehrt. Dem Wachtelweizen-Scheckenfalter auf dem nächsten Bild fehlen nicht nur Teile der Flügel sondern auch ein Fühler. Wie der übliche Gewitterschaden sieht das nicht aus. Entweder hat ihn ein Rasenmäher erwischt, oder er ist nur knapp einem Fressfeind entkommen. Auch sein Kollege hat eine kleine Macke im rechten Hinterflügel.

Der Zitronenfalter macht in heißen Sommern oft eine Ruhepause. Dann verschwindet er für einige Zeit von der Bildfläche. Dieses Jahr ist das anders, und man sieht immer wieder Exemplare durch den Garten flattern. Das Männchen auf den folgenden Fotos verköstigt sich an den Blüten des Natternkopfs.

Im Schatten der Kornelkirsche konnte ich diese Woche auch eine Schornsteinfegerpaarung beobachten. Das Wort habe ich vor dem Beitrag gegoogelt, um sicher zu gehen, dass die Suchmaschine es richtig versteht. Sonst hätte ich für diesen Falter sicherheitshalber die alternative Bezeichnung Brauner Waldvogel verwendet. Schornsteinfeger heißt er wegen der ringförmigen Flecken, die an die Knöpfe der Berufskleidung erinnern.

Das Highlight der Woche war aber der nächste Kerl, der bei einem missglückten Landeversuch nass wurde und sich anschließend auf einem Seerosenblatt trocknete, bevor er wieder weiterflog. Das ist ein Weißer Waldportier, wenn mich nicht alles täuscht. Dieser relativ große Falter gilt in manchen Regionen als ausgestorben. Es ist immer wieder überraschend, was im Garten so alles vorbei flattert.

Über den Dächern von Wien

Turmfalke

Über das Turmfalkennest in diesem Beitrag gibt es nicht nur eine Universum-Folge des ORF, es war – was natürlich viel wichtiger ist – auch schon einmal Thema in diesem Blog hier. Mittlerweile hat das gegenüber liegende Neue Institutsgebäude der Universität Wien keine Mensa mehr. Im obersten Geschoß befindet sich jetzt ein Aufenthaltsbereich und man kann auf die Dachterrasse, um mit dem Teleobjektiv von oben ins Nest zu schauen.

Die Turmfalken im Zentrum der Stadt brüten manchmal etwas später als im Umland, weil sie die Beute von weiter her holen müssen. Am 23. Mai saß das Muttertier noch auf dem Nest und deckte alles ab. Zwei Wochen später war ich wieder oben, da hatten die Jungen schon weißen Flaum. Anscheinend waren es drei Stück.

Noch drei Wochen später, am 24. Juni sah es so aus, als würde der Nachwuchs gleich das Nest verlassen. Ein Jungvogel ging bereits auf dem Sims spazieren, ein anderer hielt sich noch vorsichtig zurück.

Anfang Juli saß immer noch ein Jungvogel im Nest. Sein Kollege war aber längst aufs Dach übersiedelt.

Auf dem nächsten Bild habe ich die beiden Positionen mit kleinen Kreisen markiert, damit man sich das räumlich vorstellen kann. Ich widme das Foto den zahlreichen Erfindern, die in den letzten Jahrzehnten die Zoomobjektive weiterentwickelt haben. Mit freiem Auge könnte ich nicht einmal erkennen, ob im Nest ein Vogel sitzt.

Der Jungvogel auf dem Dach hielt Futter in den Krallen, das er genüsslich verspeiste. Erst am Computer entdeckte ich, dass es sich anscheinend um eine Heuschrecke handelte. Die hatte sich wohl gründlich verflogen und wurde so zum Grünfutter für den Turmfalken. In Zukunft wird er sich von Nagetieren ernähren wie seine Artgenossen, aber das erste selbst gefangene Futter schien ihm gut zu schmecken.

Für dieses Jahr geht die Brutsaison der Turmfalken zu Ende. Nächstes Jahr beginnt alles wieder von vorne. Wer weiß, wie viele Generationen an diesem Stammplatz schon ihre ersten Jagderfahrungen sammelten, um anschließend vom Dach aus den Luftraum der Stadt zu erobern.

Noch mehr Ochsenaugen

Großes Ochsenauge

Das Große Ochsenauge ist ein Schmetterling, den ich normalerweise ignoriere, wenn ich mit der Kamera durch den Garten gehe. Es hat sich in den letzten Jahren bei uns zum häufigsten Schmetterling entwickelt und diesbezüglich dem Kohlweißling längst den Rang abgelaufen. Wie so oft läuft man dem Seltenen hinterher und übersieht, was man täglich vor der Nase hat. Mittlerweile haben wir aber so viele Ochsenaugen im Garten, dass sie sich schon aufgrund ihrer Menge wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit drängen.

Früher war die Beobachtung einer Schmetterlingspaarung etwas Besonderes. Beim Großen Ochsenauge sehe ich fast jeden Tag Exemplare, die dafür sorgen, dass es nächstes Jahr wahrscheinlich noch mehr von ihnen geben wird. Die Fotos in diesem Beitrag stammen alle vom letzten Wochenende, und es war nicht immer dasselbe Paar, das ich mit der Kamera von Rastplatz zu Rastplatz gescheucht habe.

Diese Art scheint in vielen Regionen vom Klimawandel zu profitieren. Noch wichtiger sind aber die zahlreichen Wieseninseln, die ich im Garten stehen lasse. Die Raupen des Großen Ochsenauges ernähren sich von Gräsern, und sie sind dabei nicht anspruchsvoll. Wenn man gewisse Stellen nur einmal im Jahr mäht, dann reicht ihnen das schon.

Von früh bis spät flattern die Schmetterlinge knapp über dem Boden oder in den Sträuchern. Bei der Paarung sind sie fast leichter zu fotografieren, weil sie in der Bewegung gehandikapt sind. Zwischendurch müssen sie aber auch Nahrung aufnehmen, und dann gibt es die Gelegenheit für ein schönes Portrait.

Großes Ochsenauge

Wenn Allerweltsarten zahlreicher werden, dann ist das nicht unbedingt ein beruhigendes Signal für die Artenvielfalt. Auf der einen Seite werden manche Schmetterlinge immer mehr und auf der anderen viele Arten immer weniger. Ich habe an diesem Wochenende aber auch vereinzelte Landkärtchen, Zitronenfalter und andere gesehen. Fotografieren wollte ich diesmal nur die Ochsenaugen. Sehr schön machen sie sich zum Beispiel mit Weichsel im Hintergrund.

Großes Ochsenauge Paarung

Es heißt, dass Schmetterlinge früher in vielen Regionen massenhaft vertreten waren. Beim Ochsenauge bekomme ich einen kleinen Einblick, wie das funktioniert haben kann. Jeder Falter auf den obigen Fotos hat seine Raupenphase in einem Garten mit Nistkästen von Blaumeisen, Kohlmeisen und Hausspatzen überstanden. Von den anderen Vogelarten, die in den umliegenden Hecken nisten und meiner Aufmerksamkeit oft entgehen, ganz zu schweigen. Trotzdem haben sich diese Schmetterlinge durchgesetzt und sorgen jetzt dafür, dass es nächstes Jahr wieder zahlreiches Proteinfutter für die Jungvögel geben wird, und mir macht das eifrige, paarweise Flattern ganz nebenbei gute Laune.

Beim zweiten Anlauf

Junge Kohlmeise

Nicht immer geht die Aufzucht der Jungvögel gut aus. Letztes Jahr hatte ich den Nistkasten direkt unter dem Dachvorsprung montiert. Da scheint er in Reichweite eines hungrigen Jägers gewesen zu sein. Ob es Nachbars Katze war oder ein Marder auf seinem nächtlichen Streifzug, kann ich nicht sagen, ich fand nur die Federn am Boden.

Solche Misserfolge können dazu führen, dass sich ein Paar trennt. Außerdem habe ich dieses Jahr den Nistkasten einen Meter nach hinten versetzt, wo er eigentlich nicht zu finden war. Ich bin deshalb davon ausgegangen, dass er nicht wieder benützt wird, aber ich habe mich geirrt. Die Kohlmeisen scheinen meine Idee verstanden zu haben, sie besetzten den Nistkasten nicht nur erneut, sie waren auch noch so unauffällig, dass ich selbst erst gegen Ende der Brutsaison bemerkte, wie eifrig sie dieses Jahr am Werk waren.

Kurz bevor die Jungen flügge wurden, konnten die Eltern den Brutbetrieb nicht mehr verheimlichen. Im Minutentakt flogen sie ein und aus, um den Nachwuchs zu versorgen. Dann kam der große Moment – und ich habe natürlich alles versäumt. Plötzlich waren die Jungen weg.

Kurz davor hatte ich sicherheitshalber einen Spender mit zerstückelten Walnüssen aufgehängt. Normalerweise füttere ich unsere Vögel im Sommer nicht. Meiner Meinung nach können die Jungen von den Eltern ruhig lernen, wie man „echtes“ Futter findet. Es gibt bei uns in Garten und Umgebung genug. Der Spender ist im Grunde genommen nur Fastfood und macht bequem. Aber so kam ich wenigstens zu meinen Belegfotos, dass die Aufzucht erfolgreich war, und auch der Umgang mit der Futtersäule kann so einen Jungvogel vor schwierige Aufgaben stellen.

Junge Kohlmeise
„Der Sitzplatz ist zu weit weg vom Loch!“
Junge Kohlmeise
„So geht’s, aber auf dieser Seite sind nur Brösel!“
Junge Kohlmeise
„Da sind die großen Stücke, aber die gehen nicht raus!“
Junge Kohlmeise
„Dann halt zu Fuß!“

Diese Technik, dass sich die Meise das Futter mit den Krallen aus dem Spender holt, habe ich noch nie gesehen. Das ist wahrscheinlich die nächste Generation. In ein paar Jahren essen sie mit Messer und Gabel.

Die Eltern wollen aber nicht nur, dass der Nachwuchs brav isst und wächst, auch die Körperpflege muss gelernt sein. Das Baden kostet nicht nur eine gewisse Überwindung, das ist auch richtig gefährlich, wenn man sich eine Stelle aussucht, wo das Wasser viel zu tief ist.

Junge Kohlmeise
„Hier soll ich angeblich baden können.“
Junge Kohlmeise beim Baden
„Bin das ich?“
Junge Kohlmeise beim Baden
„Geht es da noch weit hinunter?“

Dieses Junge ist wirklich kreativ. Ich habe noch keinen Singvogel im Garten gesehen, der zum Baden den Ast hinunter ins Wasser rutsch. Am Ende hüpfte die Meise auf die Wasseroberfläche und startete wild flatternd direkt von dieser, was gar nicht so einfach war.

Die Brutsaison der Kohlmeisen war jedenfalls ein voller Erfolg. Die Jungen sind schon so flink und geschickt, dass sie durchkommen werden und die meisten Jäger keine Chance mehr haben, ihrer habhaft zu werden.