Groß und prächtig

Der Große Kiefernprachtkäfer, auch Marienprachtkäfer, ist groß, prächtig und selten. Normalerweise muss man lange suchen, um so einen Käfer zu finden, und dann fällt es angeblich schwer, ihn zu fotografieren, weil er scheu ist und rasch weg fliegt.

Das hier gezeigte Exemplar saß um die Mittagszeit bei uns auf der Hausmauer und ließ sich geduldig ablichten. Die Larve des Käfers ernährt sich von abgestorbenen, alten Kiefern. Wie unser Freund in dieser Gegend das Kunststück fertig gebracht hat, so groß und prächtig zu werden, bleibt fraglich. Wald ist bei uns eigentlich ein Synonym für Fichtenplantage.

Auch Mörder kuscheln

Rote Mordwanze

Wanzen ernähren sich immer flüssig. Das liegt an ihrem Fresswerkzeug, dem Rostrum. Dieser Rüssel hat zwei Kanäle: Durch den einen injizieren die Tiere Gifte und Verdauungssäfte, durch den zweiten saugen sie anschließend die Nahrung ein.

Jede Art ist auf andere Quellen spezialisiert. Die Bettwanze bevorzugt unser Blut, die Streifenwanze saugt an den Doldenpflanzen im Garten, und die hier gezeigte Rote Mordwanze ernährt sich von anderen Insekten. Man lässt die Tiere am besten nicht zu nah an sich heran, denn ihr Stich durchdringt auch menschliche Haut. Im Zweifelsfall hält man eine Kamera zwischen sich und die roten Wanzen, denn sie sind sehr schöne, fotogene Tiere.

Das Treiben der beiden Exemplare auf den Blättern unseres Haselnusstrauchs lässt vermuten, dass wir auch im nächsten Jahr wieder Rote Mordwanzen in unserem Garten haben werden. Die Art mag sonnige, warme und trockene Gegenden, bevorzugt im Süden. In Italien wäre die Mordwanzenrate sogar doppelt so hoch. Dort könnte man Rhynocoris iracundus theoretisch mit Rhynocoris rubricus verwechseln, wenn die nicht beide gleich aussehen würden.

Familiäre Arbeitsteilung

Stockenten

Wenn am Unkenteich ein Stockentenpärchen landet, geht die intelligente, zeitgenössische Unke auf Tauchstation. Das war sicher nicht immer so, denn Unken sind stammesgeschichtlich älter als Enten, aber dem Fotografen geht auf jeden Fall das Motiv flöten, und so bleibt nur, sich dem Neuzugang zu widmen.

Zwischen den Fotos oben und denen unten liegt genau eine Woche und ein entscheidender Unterschied bei der Zusammenstellung der dargestellten Exemplare. Das Männchen wurde im Familienverband durch fünf frisch geschlüpfte Junge ersetzt.

Die Stockenteneltern waren mindestens seit dem Frühjahr unzertrennlich. Vielleicht ist dieses Pärchen das gleiche, das schon unserem Teich einen Besuch abgestattet hat. Brut und Aufzucht der Jungen sind aber allein Aufgabe des Weibchens. Der Grund liegt wahrscheinlich an der Färbung des Gefieders: Das Männchen ist in seinem Prachtkleid zu auffällig, während das Weibchen und die Jungen über Tarnfärbung verfügen.

Ganz nebenbei habe ich bei dieser Beobachtung auch einen Verwendungszweck für Japanischen Staudenknöterich entdeckt: Die Pflanze ist essbar. Im Netz finden sich zahlreiche Rezepte. Man kann den Knöterich würzig zubereiten oder süß als Kompott. Er ist so vielseitig verwendbar, dass man damit sogar seine Entenküken füttern kann.

Ein früher Vierfleck

Vierfleck

Normalerweise ergreift ein Plattbauch als erste Segellibelle Besitz von unserem Teich und verteidigt dann sein Revier gegen alle Konkurrenz. Dieses Jahr war ein männlicher Vierfleck aber ein paar Tage schneller.

Das Männchen hat diesen Startvorteil genützt, um seine Gene weiterzugeben. Die geschickten Flieger vollziehen die Paarung ausschließlich in der Luft. Anschließend beginnt das Weibchen sofort mit dem Abwerfen der Eier über der Wasseroberfläche. Dabei wird es vom Männchen bewacht. Das hier gezeigte Exemplar hatte ziemlichen Stress, weil es phasenweise zwei Weibchen gleichzeitig bewachen musste. Die Paarung kann in Arbeit ausarten, wenn man das Revier für sich allein hat.

Mittlerweile ist auch ein blau gefärbtes Plattbauchmännchen aufgetaucht und hat den Vierfleck verdrängt. Für die nächste Generation hat der Vierfleck aber ein paar Tage Vorsprung herausgeholt, und wenn die Larven diesen nicht verspielen, wird eine von ihnen im nächsten Jahr wieder die erste dominante Segellibelle sein, die über dem Teich kreist.

Weibliche und männliche Feldgrille

Feldgrille Weibchen

Bei uns um die Ecke, keine zweihundert Meter die Gasse entlang, ist ein brachliegendes Grundstück, auf dem eine Feldgrille neben der anderen sitzen muss. Steht man am Spätnachmittag davor, ist der Konzertlärm ohrenbetäubend.

Auch in unserem Garten liegt dieses Jahr eine Röhre neben der anderen. Die Männchen, die am Abend davor sitzen und pausenlos mit ihren Flügeln Töne erzeugen, habe ich in diesem Blog schon mehrmals gezeigt. Dass die Weibchen bislang zu kurz gekommen sind, lag an meiner Unaufmerksamkeit. Sie lassen sich eigentlich leichter fotografieren, da sie keinen Bau besitzen, in dem sie verschwinden können. Auf den folgenden Fotos stelle ich ein Männchen und ein Weibchen gegenüber:

Das Weibchen auf dem ersten Bild zeigt deutlich die Legeröhre, mit der es später die Eier in der Erde versenken wird. Das Männchen hebt die komplexer gestalteten Flügel zur Stridulation. Wie bei allen Grillen liegt der rechte Vorderflügel immer über dem linken. Beim Männchen sind auch die verkümmerten Hinterflügel zu sehen.

Fliegen können beide Geschlechter nicht, das heißt, sie müssen auf dem Boden wandern, und so kann man auch die Weibchen relativ leicht entdecken. Wenn man sich einem Bau nähert, verschwindet das Männchen sofort im Inneren und damit ist es plötzlich still. Jetzt muss man nur noch das Gras in der Umgebung erkunden. Irgendwo zwischen den Halmen wartet ein Weibchen regungslos, bis die Musik wieder einsetzt und es seine Wanderung in der richtigen Richtung fortsetzen kann. So kommt man in der Abenddämmerung mit Lampe zu brauchbaren Fotos.

Zum Abschluss noch ein paar Aufnahmen männlicher Nymphen aus dem Herbst.

Feldgrillen häuten sich relativ oft, bis zu elf Mal. Am Anfang legen sie schnell an Größe zu, bleiben aber schwarz und walzenförmig. Die Erdröhren legen die Männchen schon im September an und überwintern dann in ihrem Bau. Flügel haben sie zu diesem Zeitpunkt noch keine, die bekommen sie erst im nächsten Jahr. Mit den Lockrufen beginnen sie, wenn sie wirklich geschlechtsreif sind und die Temperaturen zunehmen.