Die Neugier der Mosaikjungfer

Blaugrüne Mosaikjungfer, Männchen

Wenn ich in den Gartenteich steige, um zu schwimmen, habe ich sofort eine Libelle vor der Nase. Es ist das dominante Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer, das mich neugierig begutachtet. Das Interesse gilt aber eher nicht meiner Person, sondern etwaigen Beuteinsekten, die mich begleiten.

Diese Männchen haben immer Stress, sind permanent in der Luft und gönnen sich nie eine Pause. Solange das Revier ihnen gehört, konzentrieren sie sich auf drei Dinge: Futter, das man im Flug fängt und verzehrt, andere Männchen, die man vertreiben muss, und Weibchen, die sofort gestellt und recht rüde zur Paarung gezwungen werden.

Im Paarungsrad wird nur das Samenpaket übergeben. Die eigentliche Befruchtung erfolgt erst, wenn das Weibchen die Eier ablegt, und das heißt, jedes Weibchen kann neu begattet werden. Das Samenpaket des Vorgängers wird einfach entfernt. So garantiert die Natur, dass sich nur die stärksten Männchen vermehren.

Blaugrüne Mosaikjungfer, Weibchen

Die grün gefärbten Weibchen versuchen dem Stress zu entgehen, indem sie erst in den Abendstunden ablaichen. Die Eier deponieren sie knapp über der Wasseroberfläche an Steinen oder Moospolstern. Der daneben sitzende Frosch beginnt dann immer einzuspeicheln und mit den Hinterbeinen zu zucken, aber da steht mehr Wunschdenken dahinter als realistische Selbsteinschätzung. Die großen, geschickten Flieger sind für ihn außer Reichweite.

Auch eine Nisthilfe

Insektenbrut im Werkzeugset

Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte. Ich habe keine Ahnung, ob das eine erfolgreiche Brut wird, ich weiß nur, dass ich dieses Werkzeug im nächsten Jahr eher nicht benützen werde. Vielleicht finde ich bis dahin auch heraus, welches Insekt sich hier so viel Mühe gemacht hat.

Ein natürlicher Teichfilter

Süßwasserschwamm

Wenn man im Sommer über die Steinstufen in unseren Teich steigt, tritt man auf einen leicht glitschigen, schwammigen Belag, der ungefähr einen Zentimeter dick ist. Im Spätherbst und im Frühling bildet die gleiche Substanz eine raue Matte, die sich wie ein Antirutschbelag für Badewannen angreift.

Vor zwei Jahren ist mir dieses Lebewesen zum ersten Mal aufgefallen. Seit damals ist das Wasser den ganzen Sommer über glasklar und sauber, denn was sich schwammig angreift, ist auch Schwamm, und dieser filtert durch die feinen Poren unaufhörlich Trübstoffe wie Bakterien und Einzeller aus dem Wasser.

Nur am Fotografieren scheitere ich. Man kann die Hand hineindrücken, dann bleiben die Umrisse für ein paar Sekunden sichtbar, bis sich der amorphe Belag wieder aufrichtet. Ansonsten hat das keine genau definierte Struktur. Es lässt sich nicht zufriedenstellend abbilden. Fassbar werden diese Süßwasserschwämme erst im Winter, wenn sie absterben und winzige Kieselsäurenadeln zurückbleiben, die sich rau angreifen. Nur kleine Kügelchen, die sogenannten Gemmulae, überwintern, und aus diesen bildet sich im nächsten Jahr eine neue Generation, für die die Rückstände des letzten Jahres den idealen Untergrund darstellen. An den gleichen Stellen entsteht so wieder der weiche, leicht glitschige Überzug.

Süßwasserschwämme sind deutlich unauffälliger als ihre Verwandten im Meer. Es gibt mehrere Arten, die man aber nur unter dem Mikroskop unterscheiden kann. Im Grunde genommen sind diese Lebewesen nur ein loser Zusammenschluss aus Zellen mit unterschiedlichen Funktionen. In den Kanälen sitzen Geißelzellen, die das Wasser bewegen. Dazwischen nehmen frei bewegliche Fresszellen die Nahrung auf und verteilen sie an die anderen Zellen, die selbst nicht fressen können. Dieses Lebewesen ist quasi eine Zellkooperative und damit die erste Evolutionsstufe auf dem Weg zu höheren Lebensformen. In seiner Gesamtheit ist dieser Belag wahrscheinlich der mit Abstand größte Bewohner in unserem Teich, ein Lebewesen, das ich jeden Tag berühre, wenn ich ins Wasser steige, und das trotzdem nicht fassbar ist.

Mehr zum Thema findet sich in meinem Buch Amphibienbademeister – Zweitberuf am naturnahen Gartenteich.

Zwei Doppelhaushälften

Französische Feldwespe Nest

Wie bei vielen staatenbildenden Insekten überwintern auch bei den Französischen Feldwespen nur die Königinnen. Zu Beginn des Jahres tun sich mehrere zusammen und gründen ein neues Nest. Im Laufe des Frühjahrs übernimmt dann eine dieser Königinnen die Führungsrolle, die anderen schließen sich den Arbeiterinnen an und geben das Eierlegen auf.

Jahr für Jahr bildet sich so ein Nest unter dem Deckel unseres Gastanks. Das ist quasi der Stammplatz dieser Feldwespen. Von hier haben sie es nicht weit zum Gartenteich, um bei zunehmender Hitze Kühlwasser zu holen. Zur Dokumentation hebe ich den Deckel einmal im Sommer hoch und mache ein Foto. Das folgende Bild ist vom 23. Juli des letzten Jahres:

Französische Feldwespe Nest

Dieses Jahr hat sich die Taktik geändert. Bei meinem Kontrollblick fand ich zwei ziemlich gleich große Nester nebeneinander. Anfang Juli sah das so aus:

Französische Feldwespe Nest

Die Anlagen entwickelten sich parallel. Von Konkurrenz schien keine Spur. Mittlerweile neigt sich die Saison dem Ende zu. Jetzt schlüpfen keine Arbeiterinnen mehr, sondern Männchen und Weibchen für die nächste Generation, und im Laufe des August hat sich das Gleichgewicht verschoben. Das linke Nest wird vernachlässigt, der Betrieb auf der rechten Seite hat sich verdoppelt.

Französische Feldwespe Nest

Dass diese beiden Staaten nicht unabhängig voneinander agieren können, ergibt sich schon durch die räumliche Nähe. Hier herrscht kein Streit, sondern harmonisches Miteinander. Sobald in einem Bau die Bruttätigkeit nachlässt, widmen sich die Arbeiterinnen der Aufzucht bei den Nachbarn. Die doppelte Anlage sorgt jetzt dafür, dass die stärkere Königin mehr Personal zur Verfügung hat, um die nächste Generation mit Futter zu versorgen.

Da die Französischen Feldwespen ihre Nester im Frühjahr immer als Kooperation zwischen mehreren Königinnen gründen, ist diese Doppelhausvariante nur eine logische Weiterentwicklung, um bei günstigen Bedingungen mehr Nachkommen hervorzubringen.

Schiller, der Falter

Kleiner Schillerfalter

Vor ein paar Jahren setzte sich einmal ein Vogel neben mir ans Wasser, und als er den Schnabel öffnete, um zu trinken, dachte ich mir: So sieht also ein Kreuzschnabel aus. Es gibt Arten, die tragen ihren Namen so offensichtlich mit sich herum, dass man keine App braucht, um sie zu bestimmen. Ein gutes Beispiel ist da der Schillerfalter, der mir neulich auf einem Spaziergang im Prater begegnete.

Kleiner Schillerfalter

Die Farbe der Schmetterlingsflügel entsteht nicht durch Pigmente, sondern durch selektive Reflexion und Interferenz. Der Kleine Schillerfalter schickt dabei in verschiedene Richtungen unterschiedliche Farben, und so kann man sich aussuchen, wie er aussehen soll. Im richtigen Winkel leuchten all die sonst braunen Stellen blau.

Früher dachte ich viel zu kompliziert. Da nahm ich an, man hätte den Schmetterling nach Friedrich von Schiller benannt, aber das ist wahrscheinlich die Naivität des Germanisten. Dieser Falter trägt seinen Namen schlicht und einfach, weil er schillert. Ein paar Meter weiter entdeckte ich dann folgende Libelle:

Gemeine Winterlibelle

Eine Winterlibelle Mitten im August. Eigentlich schade. Ich dachte gerade, ich sei da etwas ganz Großem auf der Spur, und zwei Schritte weiter löst sich alles in Luft auf.