Nebelmorgen ohne Frühstück

Spinnennetz

Ich bin sicher, Spinnen hassen Herbstnebel. Wenn am Morgen alles darauf wartet, dass die Sonne die letzten Schwaden auftrocknet und wieder ein schöner Hochdrucktag beginnt, gibt es im Garten die schönsten Fotomotive. Überall in den Sträuchern, den Bäumen, am Teich und in den Wieseninseln hängen weißleuchtende Spinnweben. Ein Horror für jeden Arachnophobiker.

Wenn man genau schaut, kann man beobachten, dass all die kunstvoll gefertigten Fangvorrichtungen in diesem Zustand wertlos sind. Sie sind jetzt nicht nur sichtbar, sondern auch kaum klebrig, denn an der klebrigen Substanz haften ja die Tautropfen, und so können sich selbst kleinste Insekten mühelos aus der Falle befreien.

Aber Spinnen sind geduldige Wesen. Auf das Frühstück können sie verzichten, und in zwei, drei Stunden, wenn die Sonne die nächtlichen Feuchtigkeitsreste verdunsten hat lassen, sind die dekorativen Kunstwerke alle wieder verschwunden. Nur wenn man sich ihre Position gemerkt hat, sieht man sie noch, denn auf der Lauer liegen ihre Schöpfer natürlich immer noch. Nur die Netze sind jetzt wieder unsichtbar und funktionstüchtig.

Nicht immer sitzt in der gewebten Falle übrigens eine Spinne. Manchmal schützt das Netz auch nur die Nachkommen, wie man am Kokon der Wespenspinne auf dem letzten Bild erkennen kann.

Ein Hüpfen wie damals

Gemeiner Grashüpfer

Eine meiner Kindheitserinnerungen ist, dass ich in der Sommerhitze einen geschotterten Feldweg entlanggehe, und bei jedem Schritt springen mehrere Grashüpfer in fächerförmigen Richtungen davon.

Dieses Jahr scheint für die Grashüpfer ein gutes gewesen zu sein. Sie begegneten mir nicht nur bei Spaziergängen, sondern auch im Garten. Manchmal ertappte ich mich dabei, dass ich bewusst durch die Wiese spazierte und mit den Füßen links und rechts die kleinen Hüpfer aufzuschrecken versuchte. Das hat sie sicher genervt, aber was tut man nicht alles für den Hauch einer Kindheitserinnerung.

Neben der günstigen Witterung im diesjährigen Sommer kommt den Grashüpfern sicher auch zugute, dass ich die Wiese – wenn überhaupt – mit einem händischen, altmodischen Spindelmäher mähe. Der schreddert die Insekten nicht, abgesehen davon dass sie es bei meinem Arbeitstempo sowieso rechtzeitig in die nächste Wieseninsel schaffen.

Auf den Fotos sieht man den Gemeinen und den Braunen Grashüpfer. Ersterer bevorzugt die kühleren, schattigen Plätze in der Wiese, während sich der Braune Grashüpfer gern auf Steinboden wärmt. Er sitzt auch im Garten mit Vorliebe am Wegesrand und erfreut mich beim Vorbeigehen mit seinem Hüpfen.

Zwei Gemüsewanzen

Schwarzrückige Gemüsewanze

Bei den Gemüsewanzen gibt es zwei Arten, die sich kaum unterscheiden: die Schwarzrückige und die Zierliche Gemüsewanze. Wahrscheinlich handelt es sich bei den hier gezeigten Tieren um die Schwarzrückige.

Auf den ersten Blick denkt man vielleicht an Feuerwanzen, die im Volksmund auch Schusterwanzen heißen. Aber die beiden tun nur so. Es gibt aus irgend einem Grund bei den Wanzen eine Vorliebe für den exakt gleichen Rotton. Nur die schwarzen Flecken sind anders angeordnet.

Gemüsewanzen sind an und für sich häufig. Dass sie diesen Sommer in unseren Garten gezogen wurden, liegt an der Pflanze, auf deren Samenständen sie herumturnten. Hier ein Foto der vorangegangenen Blüte:

Kohlrabiblüte

Gemüsewanzen bevorzugen Kreuzblütler, und wenn man genau schaut, sieht man die vier kreuzförmig angeordneten Blütenblätter. Kohlrabi blüht im zweiten Jahr ungefähr hüfthoch. Danach bilden sich schotenförmige Samen wie beim Brokkoli schon im ersten Jahr. Wenn man die Samen ausreifen lässt, zieht das die Gemüsewanzen in den Garten.

Der glücklichere von Zweien

Alpen-Kammmolch Larve

Vereinzelt sind auch Anfang September noch ausgewachsene Molche in unserem Teich, aber hauptsächlich sieht man jetzt die Larven, die auf Beute lauern. Sie sind dieses Jahr zahlreich aber noch nicht besonders groß, und es ist schwierig, die einzelnen Arten voneinander zu unterscheiden. Das hier wird wahrscheinlich einmal ein Alpen-Kammmolch:

Um die Ähnlichkeit zu den ausgewachsenen Exemplaren zu erkennen, braucht es etwas Phantasie. Später sollte der Molch so aussehen wie das Weibchen, das hier gerade Luft holt, oder das am Kamm erkennbare Männchen auf dem letzten Bild:

Jeder Alpen-Kammmolch, der sich zur Larve oder gar zum fertigen Amphibium entwickelt, hatte ganz am Anfang Glück. Die Chancen, dass sich ein befruchtetes Ei entwickelt, stehen nur 50:50. Grund dafür ist eine Art Defekt im ersten Chromosomenpaar, das über zwei verschiedene Strukturtypen verfügt. Nur wenn beide Varianten zusammen kommen, ist das Individuum lebensfähig.*)

Jeder erwachsene Kammmolch hat ein Chromosom vom Typ A und eines vom Typ B, die sich bei der Produktion von Samen- und Eizellen wieder trennen. Wird nun eine Eizelle von einer Samenzelle des gleichen Typs befruchtet, stirbt die Larve in einem Frühstadium der Entwicklung ab. Von den möglichen Kombinationen AA, AB, BA und BB sind also nur die mittleren beiden und damit zirka 50 Prozent der ungefähr 400 abgelegten Eier eines Weibchens überlebensfähig.

Diese Anomalie tritt bei allen Kammmolcharten auf, also auch beim Nördlichen und beim Donau-Kammmolch. Eine zufriedenstellende Erklärung, warum die Natur hier die Hälfte aller Eier verschwendet, gibt es nicht. Dumm gelaufen halt. Allerdings leben die Kammolche mit dieser genetischen Eigenart wahrscheinlich schon länger auf dieser Welt als der Mensch. Und es gibt jedes Jahr wieder Exemplare, die sich erfolgreich weiter entwickeln und so zeigen, dass sie zu den glücklicheren 50 Prozent zählen.

Mehr zum Thema findet sich in meinem Buch Amphibienbademeister – Zweitberuf am naturnahen Gartenteich.


*) Silke Schweiger, Georg Gassner, Jürgen Rienesl, Günther Wöss: Wien: Amphibien & Reptilien in der Großstadt. Die spannende Vielfalt der urbanen Herpetologie, Wien 2021, S. 92 u. S. 102-103

Die Neugier der Mosaikjungfer

Blaugrüne Mosaikjungfer, Männchen

Wenn ich in den Gartenteich steige, um zu schwimmen, habe ich sofort eine Libelle vor der Nase. Es ist das dominante Männchen der Blaugrünen Mosaikjungfer, das mich neugierig begutachtet. Das Interesse gilt aber eher nicht meiner Person, sondern etwaigen Beuteinsekten, die mich begleiten.

Diese Männchen haben immer Stress, sind permanent in der Luft und gönnen sich nie eine Pause. Solange das Revier ihnen gehört, konzentrieren sie sich auf drei Dinge: Futter, das man im Flug fängt und verzehrt, andere Männchen, die man vertreiben muss, und Weibchen, die sofort gestellt und recht rüde zur Paarung gezwungen werden.

Im Paarungsrad wird nur das Samenpaket übergeben. Die eigentliche Befruchtung erfolgt erst, wenn das Weibchen die Eier ablegt, und das heißt, jedes Weibchen kann neu begattet werden. Das Samenpaket des Vorgängers wird einfach entfernt. So garantiert die Natur, dass sich nur die stärksten Männchen vermehren.

Blaugrüne Mosaikjungfer, Weibchen

Die grün gefärbten Weibchen versuchen dem Stress zu entgehen, indem sie erst in den Abendstunden ablaichen. Die Eier deponieren sie knapp über der Wasseroberfläche an Steinen oder Moospolstern. Der daneben sitzende Frosch beginnt dann immer einzuspeicheln und mit den Hinterbeinen zu zucken, aber da steht mehr Wunschdenken dahinter als realistische Selbsteinschätzung. Die großen, geschickten Flieger sind für ihn außer Reichweite.